Ausgabe 
29.4.1911
 
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Wutz dabei sein, düs ist nun einmal Mode. Der wahre Musik­freund ärgert sich aber, oder verläßt die Stätte, wo solche After« kunst getrieben wird. ,, m

Man sage nicht, daß das Publikum solche Musik und nur solche haben wolle: das ist nicht wahr; es nimmt nur gedauken-, los entgegen, was ihm geboten wird und hat keine Empfindung dafür, datz hier eine schlimme Profanierung der Kunst getrieben wird; würde ihm nur Gutes geboten, dann würde Geschmack und Verständnis mit der Zeit gebessert. In Miinchen finden imKöniglichen Hofgarten" einigemale in der Woche Freikonzerte statt, durchschnittlich mit einem guten, künstlerischen Programm und da ist es eine wahre Freude, zu sehen, mjit welcher Airdacht auch Frauen und Kinder der arbeitenden Klassen der guten Musik lauschen. Das ist die richtige Bolkserzichung. Was dort möglich ist, würde auch anderswo gehen.

Man wende auch nicht ein, datz die Konzerte, welche der! wirklich guten Musik gewidmet sind, meistens gut besucht werden. Ja, es gibt eine musikalische Gemeinde, welche die wahre Kunst würdigt, aber für die große Menge sind diese Genüsse zu teuer und für ihre Erziehung zu einem besseren Geschmack urtb besserem Berständnis geschieht nichts.

In den vorstehenden Darlegungen sind bereits Mittel für eine Besserung angedeutet, es sollte aber.doch von wahren Kunst- und Volksfreunden ernstlich erwogen werden, was hier zu tun wäre. Die Militärverwaltung kann durch geeignete Anweisungen dahin wirken, daß, wo die Kapellen öffentlich spielen, bessere Musik geboten wird; wo es möglich ist, müßten nach dem Mün­chener Beispiele gute Freikonzerte veranstaltet werden und Ver­eine mußten sich bilden, um eine Verbreitung guter Musik in allen Schichten der Bevölkerung zu bewirken.

Eine Popularisierung der wahren Kunst Mintz erstrebt werden, Hamit der jetzige traurige Zustand beseitigt werde.

Die beste Kunst ist für das Volk gerade gut genug.

Das Wohngebiet der Vögel.

Wer eine Schwalbe blitzschnellen Fluges über Feld und Wiese dabinschießen sieht, der denkt gewiß, daß dieser hervorragende Flieger ungeheure Entfernungen täglich durcheilt, um sich seine aus Fliegen unv Mücken bestehende Nahrung im Fluge zu holen. Ge­wiß, die Kilometerzahl, die eine Schwalbe täglich durchfliegt, wird eine sehr beträchtliche sein und viele Hunderte von Kilometern be­tragen, aber trotzdem ist der durchflogene Raum nur ein sehr be­grenzter, er geht wohl kaum über die Flur des heimatlichen Dorfes hinaus. Ihr Wohngebiet verläßt die fluchtige Schwalbe nur sehr selten, und viel mehr noch sind die weniger fluggewandten Vögel an die Scholle gebunden. In der Tat ist das Wohngebiet der meisten Vögel, also das Gebiet, aus dem sie sich täglich zum Nahrungserwerb umhertreiben, außerordentlich klein. Raben und Elstern, Häher und Spechte, Kuckuck und Pirol kommen während des ganzen Sommers kaum über den Waldbezirk hinaus, den sie als ihre Heimat erkoren haben, die im Parke nistende Drossel verläßt ihn nicht, und die Nachtigall, die in einem Gebüsch des Gartens ihre Wohnung aukgeschlagen hat, sucht während des ganzen Sommers ihre Nahrung in uninittelbarer Nähe ihres Nestes, sie besucht höchstens hier und da mal ein Gebüsch des Nachbargartens, weiter kommt sie aber sicher nicht. Ebenso seßhaft sind die Meisen, Buchfinken^ Rotschwänzchen und auch der HanS in allen Gassen, der Sperling, der wohl nie weiter fliegt, als einige hundert Schritt von seinem Wohnhaus entfernt. Höchstens reizt den Spatz im Sommer ein reifes Korn­feld zu einem weiteren Fluge, sonst bleibt er stets in unmittelbarer Nähe des heimatlichen Daches. Wenn eS auch aus dem Hofe eines alleinliegenden Bauernhauses von Spatzen wimmelt, an dem nur einen halben Kilometer entfernten Waldsaume findet man nur höchst selten einen an. Und ebenso ist es in der Stadt, wo der Spatz nie über seine Wohnstraße und die nächsten umliegenden hinauskommt, was man schon öfter an besonders gefärbten Sper­lingen festgestellt hat. Wie jeder erfahrene Jäger weiß, leben auch die Rebhühner nur in einem kleinen, abgegrenzten Bezirk, und wenn sie auf der Jagd einmal daraus verjagt werden, dann fühlen sie sich fremd und unsicher, wie man deutlich an ihrem ganz ver­änderten Benehmen merkt. Das allerkleinste Wohngebiet haben aber einige Wasservögel. Das Wasserhuhn verläßt niemals den Teich oder Tümpel, in dem sein Nest steht, selbst wenn dieser nur die Größe eines Zimmers hat; es bleibt immer auf dieser kleinen Wasserfläche, auch wenn es gestört und gejagt wird. S u m p s h ä h n ch e n und Rohrsänger machen es ebenso, unb selbst die so arißerordentlich flliggewandte Bekassine verläßt nur gezwungen die grüne Deckung ihrer heintatlichen Wiese.

Die einzige Ausnahiite von diesem Leben im engen Wohnbezirk machen die Raubvögel, aber auch nicht in dem Maße, wie man annehmen sollte. Gewiß, die ewig hungrigen Habichte und Falken durchfliege» täglich, nach Beute suchend, beträcht­liche Strecken, aber schon bei den Bussarden, den Korn- und Wiesenreihern ist das Wohngebiet schon sehr beschränkt, es geht selten über die Landschast hinaus, die man ungefähr vom Horstbaum Überblicken kann. Adler und Geier haben große Fluggebiete, sie müssen oft viele Meilen zurücklegen, ehe sie ein

ihren Hunger stillendes Beutetier finden und ihr Wohngebiet ist daher nicht klein zu nennen. Den größten Wohnbezirk haben aber einige Seevögel, Möwen, Sturmfalken und vor allem der schivingengewaltige Albatros, der ost tagelang in fortwährendem Fluge den ©duffen folgt, und dessen Gebiet daher als ein un­ermeßlich großes angesehen iverden muß.

Vermischtss.

* DerTrick" einer Fürstin. Durch einen nicht wöhnlichen Streich hat, wie uns aus Paris geschrieben wird, die Fürstin Marguerite Chabotte von sich reden gemacht. Sie fühlte sich von ihrem Galten vernachlässigt und hatte bald ausgekund? schäftet, daß er allabendlich in einem kleinen Variete der Boule« vards zu finden sei, wo es ihin die Soubrette angetan hatte. In­folgedessen begab sie sich zum Direktor des Variete und wünschw ihn unter vier Augen zu sprechen. Ihre Unterredung hatte Er­folg, und schon am Nachmittag begab sie sich zu der Soubrette und blieb bei ihr drei Stunden. Das wiederholte sich mehrere Tage, dann kam der große Abend heran. Auf der Bühne erschien die Soubrette und trug dieselben Lieder vor, wie immer. Der Fürst, der sich in seiner Loge befand, war; auch heute entzückt und klatschte begeistert Beisall. Kaum hatte die Soubrette dann ihre Vorstel­lung beendet und sich in ihr Ankleidezimmer begeben, als er hereintrat. Das Ankleidezimmer war recht dunkel und die Maske sehr täuschend. Die Fürstin, die ihm ihre Hand überlafsen hatte, sprach anfangs kein Wort, endlich aber nahm sie die Perücke ab und zeigte ihrem Gatten zu dessen Erstaunen ein ihm sehr bekanntes Gesicht. Die Unterhaltung, die sich nun zwischen den beiden Ehegatten entspann, entzieht sich der öffentlichen Kenntnis. Sicher ist aber, daß der Fürst erkannt haben muß, wie das Bühnen­licht eine ganz besondere Wirkung ausübt, und daß er nicht in die Ferne zu schweifen brauche. Das junge Paar trat wenige Tage später eine größere Reise nach Indien an. In der Pariser Gesell« schäft aber wird diese Geschichte noch immer viel belacht..

* Unverfroren. Gläubiger:Zehnmal war ich schon bei Ahnen, und noch immer habe ich kein Geld!" . Schuldner:Ja, ja, Meister, Sie sind ein rechter Pechvogel!"

* Einfaches Verfahren.Hier schickt der Herr Rat das Bier zurück, weil eine Fliege d'rin schwimmt!"Na, na, der hätte sich ooch nich die Finger erkältet, wenn er sie selbst 'rausgezogen hätte!"

* Ein Seelenkenner.Moaster KnierieiN, wann wer'n die Schweinderl g'schlachtet?"Du leid'st an Größenwahn, dal du moanst, die Lehrbuab'n kriag'n bei mir frische Würstelnl"

vüchertisch.

Willst du dein Herz mir schenken, ein Strauß vvn Liebesliedern aus acht Jahrhunderten deutscher Dichtung. Herausgegeben von F. Gurtis. Holbein-Verlag, Stuttgart« Eannstadt. Johann Sebastian Bach hat diesem schönen Buch Gevatter gestanden. Seine herzige Weise, die den Band ein« leitet, hat ihm auch den Namen gegeben, einen Namen, der guten Klang haben wird und dem Herausgeber sowohl als auch denk tätigen Verlag zur Anerkennung und Ehre gereicht. Mit feinem! Verständnis und erlesenem Geschmack sind die schönsten deutschen Liebeslieder aus acht Jahrhunderten zu einem geschmackvollen, künstlerisch angelegten Werk vereinigt worden, das sich scharf von den bekannten Dutzend-Antologien unterscheidet, die früher auf dem Tische der guten Stube lagen. Gewiß, es konnte nicht alles ausgenommen werden, was der Aufnahme wert gewesen wäre< Hlllzamer, der feine hessische Poet z. B. fehlt aber es ist auch und das rst schließlich bedeutungsvoller kein Gedicht abgedruckt worden, das man missen möchte. Die Ausstattung ist einfach, aber gediegen und die teilweise getönten Zeichnungen sind mit sicherem Geschmack ausgewählt und gefällig angeordnet. Das Wich« lein ist dazu bestimmt, bei feinfühligen Menschen; sein« Freund«! zu finden, und es, wird sie finden. N.

palindrom.

Mancher der Schiffer sand plötzlich durch mich sein Grab in den Wogen

Rückwärts gelesen jedoch rourb ich ihm einstens geschenkt, Auflösung in nächster Nummer» ----rj I

Auslösung des Gittervätsels in voriger Nummert CSE

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ledaktionr K. Neurath. Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steinbruderet, R. Lange, Gieße»