Ausgabe 
29.4.1911
 
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Mann, der neben meinem Qu-arlier seine Wohnung nnd Werkstätte hatte. Em vierter Mann kam ntti einigen kleineren Verwundungen! davon. Glücklicherweise war pon unseren in dem Gehöft ein- auartrerten Soldaten keiner in der Nähe gewesen und somit auch keiner verletzt worden.

Keiner von uns aber wird, wie so manches Furchtbare, das uils m diesem Kriege vorgckommen ist, dieses Unglück so leicht wieder vergessen haben, '

Vie musikalische Erziehung -es Volkes.

Ein alter Freund derDeutsch. Tagesztg." schreibt in dem genannten Blatte: -

, Fähigkeit, musikalische Töne zu hören und genau zu unterscheiden, auch Melodien genau. usto rein nachzusingen oder zu hfeifen, ist angeboren; man nennt dasmusikalisches Gehör". Nicht ieder aber, welcher diese Naturbegabung hat, vermag in den Geist und Inhalt eines musikalischen Kunstwerks einzudringen, es als solches zu würdigen und zu beurteilen. Dazu gehört Uebung und Erziehung. Wenn ein an und für sich musikalisch begabter Mensch wahrend seines Lebens Nur schlechte, seichte, triviale Musik hort, dann wird sein Verständnis Ar die wahre Kunst nicht ausgebildetund er vermag, wenn er einmal wirklich gute Musik Hort, diese weder zu schätzen, noch zu beurteilen vtur wenige hochbegabte und hochbegnadete Menschen werden sich ohne weiteres m die wahre Kunst hineinleben können; nur sie werden aus eigener Kraft zum Verständnis wahrer Kunstwerks sich durchruigen können. Als Regel gilt, daß. nur der die wahre gute Musik schätzen und kennen lernt, der solche oft hört und vielleicht selbst ausübt. Erziehung ist alles.

Wie steht es nun mit dieser musikalischen Erziehung? .LeidÄ sehr traurig.

Kn der Schule wird ja einigermaßen ein guter Kern gelegt durch diePslege des schönen Volksliedes intir mancher musikalisch

Mensch wird durch guten Unterricht zu einem besseren! mu,italischen Verständnis gebracht. Wie steht es aber mit der großen Menge, die nach der Schulzeit selbst nichts mehr mit Musik zu tun hat? Ihr Geschmack wird gebildet durch das, was sie an Musik zu hören bekommt. Wir wollen absehen von ^m schrecklichen Leierkasten und der gleichwertigen Jahrmarkts- Blechmusik, wir wollen nur prüfen, wo die große Menge Musik hort und was sw hört. Da ist zunächst das Theater, die Oper., Es soll gegen d.re Bühnenwerke Wagners gewiß nichts gesagt werden, auch mag zugestanden werden, daß Noch einzelne andere neuere, gute musikalische Bühnendichtungen vorhanden sind, aber vieles ist doch recht seicht und trivial, wie die Werke mancher neuer. Italiener und Franzosen. Zu bedauern ist aber doch, daß du Werke unserer großen Klassiker Mozart, Beethoven u. a. selten noch m der Oeffentlichkeit erscheinen. Von beit Romantikern haben sich Weber und Lortzing ja auf der Bühne einigermaßen wegen ihres unverwüstlichen, in rechtem Sinne populären Geistes gehalten, aber seltener erscheinen sie doch, und wer spricht noch von iMarschm-r und Spohr? Das schlimmste ist aber, daß di« wirklich gute und vornehme Opernmusik zurückgedrängt löiib durch die erbärmlich seichte Operette, die nach dichterischem und musika- lischem Inhalt kaum den Anspruch erheben kann, ein Kunstwerk zu, feilt. Die Operette beherrscht das Feld, sie bringt volle Hauser, sie bringt den Theatcrunternehinern hohe Einnahmen, den Komponisten hohe Anteile, ja selbst die Hoftheater können sich ihrer nicht ganz erwehren; sie wollen auch einmal voll« Häuser sehen.

Wo hört di« große Menge nun noch weiter Musik? Ist den Garten-Konzerten im Sommer, ist den Kaffees und Bier- lokalen ustm Wird da der Sinn Ar die wahre, echte Kunst gepflegt? Ist das eine richtige musikalische Erziehung? Dort tft es noch schlimmer. In Berlin im Ausstellnngspark am Lehrter Bahnhof wird dem Publikum, nachdeni es die Gemälde besichtigt, rm Sommer ein Doppelkonzert geboten, dessen Programm auI fadester Operettenmnsik, Tanzmelodien und geradezu ausgesucht seichten Nichtigkeiten zusammengesetzt ist. Selten nur hört man ein bessers SAck. Die Veranstalter der Kunstausstellung, denen doch künstlerisches Interesse zugemutet werden darf, sollten doch dafür sorgen, daß Wer eine Besserung eintritt. Jnr Zoologischem Garten ist es im ganzen um ein weniges besser, aber die Regel ist die erbärmlichste triviale Flachheit. Und erst in den Kassick und Bierlokalen! Kreischendes ViolingewimMer, welche die freche Art der Ungarn (die immerhin noch einigermaßen originell sind) nachzuahmen bestrebt ist,, und das Programm! In einem der­artigen Lokal liegt ein solches auf mit 568 Nummern, die ist stetem Wechsel vorgesührt werden, uiid es verlohnt sich, dasselbe einmal anznsehen. Zweimal Beethoven, einmal Lachner, sechsmal Mendelssohn, dreimal Mozart, einmal Ander, zweimal Boieldieu, dreimal Lortzing, dreimal Schubert (Lieder), zweimal Schuman», ferner Wagner, Grieg und Brahms mit wenigen Nummern ulw nicht gerade mit ihren besten Sachen Und endlich der deutsche^! aller Musiker Weber mit einer Phantasie nach einem Motiv! von ihm, keine einzige Komposition von ihm selbst. Alles andere Tanz- und Operetten-Wnsik der flachsten, seichtesten Art. Da fitzen dann die Damen, wippest mit den Füßen zu den TanL-. Melodien, unterhalten sich laut und amüsierest sich. Musik

Line Erinnerung an Ostern 187t vor Paris.

... . ^^mA^Evend des Einzuges der deutschem Truppen in Paris der damaligen vorläufigen Regierung in die FrrÄensverhandlungen mit Stimmenmehrheit gut- gehetßen waren und infolgedessen auch die vorgesehenen Einmärsche Ü?1 Paris steheichen deutschen Truppen unterbleib«!!!

K 1D^T Ultfer damaliger Aufenthalt in Versailles nur noch von kurzer Dauer; wir rückten bereits am 12. März dort ab, 'ft "U) gleichen Tage marschierten französische! Truppen S Marsch von Versailles führte uns scher St. Cloud nd'g .iU Trümmer lag) an der sog. Gürtelbahn und JxfJSr 611 r'at0 ^wu.rbevoie, wo wir in einer Kasern« Alarm- Mtartier bezogen. Am folgenden Tag« marschierten wir über Jtiffterten bie Schlachtfelder und Orte, wo das Garde-Korp» und die Lachsen m den blutigen Gefechten bei Le Bourge usw Ende des Jahres 1870 gekämpft hattÄi.

~ , MA 'uichstes Quartier war der vollständig zerstörte kleiner« Ort Cl«hi, dem wir Gott Lob sehr bald wieder den Rücken kehren des Lebms"im^s^mm^ allem, was zur. Erhaltung

des gebens mr feindlichen Land« nötig war!

wie Neullft? in verschiedenen Orten um Paris,

Jccuiit)). Aycfttne, ^BifleTiiüinbfe itiftv. Q.-uctTtie.TC bewnen hatten

toltn&e ich am 1. April in die 2. Kompagnie versetzt, di« im Dorfe Rosuv am. Fuße des Forts gleichen Namens lag f

btefer Ort durch unser Belagernngsgeschütz viel ge- Inches Haus sehr stark verwüstet aussah, wurden Quartierverhältnisse und Verpflegung in verhältnis- ^bsser uiA später befriedigend, namentlich war durch Wiedereröfstiung einiger Wirtschaften den SpArgänE vA gegend Itegenben Kameraden ein Ziel gegeben. Da

das Osterfest heranruckte, so wollten wir uns auch eine Festesfreude gestatten und verstiegen uns so weit, uns ein Fäßckstn eck^ bayerisches Bier aus der Niedmlage in LagVmi zu KcbaftA Ar uns alle ein lang entbehrter Genuß verscyaffen,

l» sw,ft u0111 <1 Sstertag unser Festgeschenk seht. Es wär (uns in Rosny nicht verborgen .geblieben, daß di« französischen Bauern eine Beschäftigung und einen Gewinn dariil erblickten

s -«*>

gefährliche Arbeit mochte den Bauern wohl länger« Zeit geglückt, und dafür manches 5-Frank-Stiick in ihre Tasche aeflosfen ein Archtbares Unglück diesem Treiben Einhalt gebot

J von einer Sonntagsruhe in Frankreich ftde war, mau merkt« weder int Haus noch bei den Arbeckm im Felde etwas davon, so auch am 1. Ostertag 1871.

.Hutten morgens Feldgottesdienst gehabt und saßen nach- a.ft eitben Frühlingssonne vor unserem Gast- haus im Kreise von mehreren zu Besuch eingetroffenen Kameraden ziftlafseu^Eft bmtftsschft" uns unseren Gerstensaft gutschmccken bei 'un§ darob bald eure gemütliche Stimmung

vek un^> entwickelt da auf einmal erfolgte ein gewaltiger Knall V Eer etwas entfernten Straße, als ob es von einem der schweren Proieltile der zufammengeschleppten Granaten herrührte. Wir liefen nach lenem Gehöft hin, wo die Explosion geschehen war Und wo auch deutsche Mannschaften im Quartier- lagen' Als Unglück 'geschehen wau"' 9Ut tibger* und kein

srauzösftcher Bauer hatte eilte aufgefundene Granate ent- obne ftftn KM ua5ct lvnr .^rse losgegangen, met-fwürdig erweis« kommen Schaden anzurtchten, aber es sollte bald schlimmep . .,^.^Zch dieser ersten Explosion würde auf militärischen Befehl .^urch die Bürgermeisterei sofort bekannt gemacht, daß es den Einwohnern bei hoher Strafe verboten wäre, weiter Graiiaten zu fanUneln, oder zil entladen. Um sich, der angedrohten Strafe zu entziehen, aber doch keinen Nutzen zu verlieren lmtten ftLft y*-1!1 (diesmal nicht sehr weit von unseren/Wirts­haus) emtge Bmiern daran gemacht, in Eile noch einige Geschosst M. entladen. Wir hatten kaum wieder eine Stunde vor Unserem Bim gesessen und unterhielten uns über die Gefahr der kaum geschehenen Exploswn, als Plötzlich ein noch viel stärkerer Knall n ^nd rms feilten gelinden Schrecken verursachte!

t ftft ftft'fe*Lg wieder Granaten int Spiele waren,

S geringsten, welch entsetzliches Unglück sich

bp- f ftr.iftftft.- hatten sich bei der Entladung

bE, in der Befürchtung, daß demnächst Mne genaue Nachforschung erfvlgeit würde, und so kam es, daß explodierte und eine daneben liegende gleichfalls zück Explosion brachte.

"" die UnfallsMkle kamen, bot sich unseren Augen mn furchtbarer Anblick! Ein Mann war bereits tot; die ganze ürrust war ihm aus- oder vielmehr weggerissen. Der zweite war von drei Sprengstücken getroffen worden, eins war ihm in den Lew gegangen, eins hatte den linken Arm zerschmettert und das Mitte hatte ihm. Augen Und Nase weggerissen; trotzdem lebte er Ungefahr noch eine halbe Stunde. Der dritte hatte eine schwere WuUde am Oberarm nahe der Schulter erhalten, an der er einige Ange nachher starb; es war eist Schmied, «in noch junger kräftiger