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herzrlmde.
Roman von Georg Freiherrn von OmptedL, (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Es war auch schön auf meiner einsamen Bank. Ein Traum für die Nordländer, diese tiefblaue Flut, dieser stahlblaue Himmel, diese Oelbaumwälder, diese starren Zypressen, der seltsame Schattenriß der Pinien drüben am Nachbarkap, die ihre windgebeugten Kronen gleich breiten Flammen aus schmalem Rohre in die Luft sandten. Und dazu dieses Gemisch von kräftigem Seegeruch und dem Duste der Blumen, die von den nähen Beeten hinter uns die Luft schwängerten.
Und merkwürdig! Wir redeten miteinander, wir vier hier auf der Bank, als hätten wir uns immer gekannt! Don einem sprangen die Gedanken über zum anderen, dies ward berührt, dann jenes. Einmal begann Frau von Fry- burg, einmal der Geheimrat — einmal ging es von Maria aus. Wer aber auch anfing, wohin sich das Gespräch wendete, immer teilte ich die Ansichten, und sie teilten meine. Es war beinahe, als hätten wir zusammen gelebt. Zuerst waren sie wohl zweifelhaft und klopften an — mit einem Wort hatten wir uns verständigt. Schließlich nahmen wir es als selbstverständlich an, daß wir der gleichen Meinung wären. Der Geheimrat fragte:
।— Kennen Sie Bernreuths?
!— Die mit den zwei Söhnen und der Tochter, die . . .
Ich lächelte. Ich wollte nichts Böses sagen. Uber sofort antwortete Maria:
i— . . . so albern eingebildet isst
i— Und die Söhne, so . . .
।— ... dumm! — brummte der Geheimrat, der immer das Kittd beim rechten Namen nannte. Nun wußten wir Bescheid — und so ging es fort bet allem und jedem.
Kennen wir nicht alle jenes Verhältnis zwischen lang^ jährigen Freunden, die gewisse Gedanken nur noch andeuten, sie gar nicht mehr auszusprechen brauchen, um sich zu ver- stehen? Jene Erscheinung in langjährigen, glücklichen Ehen, wo Gatten so ineinander aufgehen, ,daß sie förmlich die Sprechweise einer vom anderen angenommen haben?
So ging es uns. Ich saß ha am Meer mit Leutenj, die ich erst vor einer oder zwei Stunden kennen gelernt, die ich vorher nie gesehen, ja, deren Namen ich noch nie gehört hatte, und es war mir plötzlich rätselhaft, wie ich hatte ohne fte auch nur leben können.
Da kam es denn ganz von selbst, daß ich aufgefordert ward, meinen einsamen Tisch zu verlassen und zum Abend mich zu meinen neuen Bekannten zu setzen. Längst waren die anderen Gäste schon gegangen, und wir blieben noch Sammen. Der Geheimrat hatte sich Flaschenbier bringen sen; nun, wo wir uns Mein befanden, konnte er sich
eine Zigarre anstecken, und da die Kellner in der Office verschwunden waren, schwatzten wir so gemütlich, als säßen wir daheim in Berlin.
Es wurde spät, sehr spät an diesem Abend, ehe wir daran dachten, zu Bett zu gehen. Ab und zu kam mein Freund, her Leipziger Kellner, mit verschlafenem Gesicht, lief um den Tisch herum, wischte die Brotkrumen ab, nahm den Teller fort, auf dem der Geheimrat die Asche abgeladenschob einen anderen hin und machte jedesmal ein Gesichts als wollte er sagen: „Nanu, noch immer hier?"'
Wir bemerkten diese heimlichen, später immer deut- lichteren Versuche, uns zum Aufbruch zu bewegen. Maria, die mir gegenüber saß, lächelte und gab mir ein Zeichen. Ich antwortete mit einem Blick, der heißen sollte: ich habe verstanden. Und sie freute sich tote ein Kind. Ihre schwarzen Augen ruhten dann auf mir — ich fühlte es, ohne sie anzusehen. Ich fühlte es mit innerer Bewegung. Ick war glücklich, ich empfand etwas wie Heimat, wie: „zu diesen Menschen paßt du und gehörst du." Ich ließ meine Bllcke über die Gestalt des Mädchens gleiten, an der mir alles gefiel, zu der es mich zog wie in einem Bewußtsein: „in ihr fändest du die Ergänzung deines Wesens!"
Als wir endlich aufbrachen, trennten wir uns gleich vier guten Freunden. Am Treppenabsatz standen wir. Die erleuchteten Gänge des Hotels zogen sich rechts und links. Auf den langen, roten Läufern spiegelten die elektrischen Flammen in den Kassetten bei" Decke. Ich sah es, während wir zögernd stehen blieben, als könnten wir uns noch nicht trennen. Der Geheimrat fragte, während seine Hand in der meinen ruhte:
i— Und wann stehen Sie auf?
i— Ich bin da, wann Sie wollen.
Maria bat eifrig, als wollte sie einen persönlichen Gefallen von mir:
— Nicht zu früh! Bitte! Bitte!
Dabei legte sie die Hände zusammen wie ein Kind und lächelte mich an. Ich fragte, zu ihr gewendet:
!— Stehen Sie gern spät auf?
' Ich muß mich schämen — nicht vor neun!
— Gott sei Dank! — platzte ich heraus, denn ich, hall« es geradezu für meinen Ehrgeiz gehalten, hier, wo mich der Dienst nicht hinausrief, tüchtig auszuschlafen. Nun vertraute mir auch der Geheimrat an, er tote feine Frau wären Langschläfer, und nachdem wir auch darin bewiesen hatten, wie wir in allem übereinstimmten, wünschten wir einander Gute-Nacht. Einen Augenblick blieb ich noch stehen, bllckte ihnen nach! und stieg dann langsam die Stufen hinauf.
Oben eilte ich ans Fenster, nachdem ich das elektrische Licht angedreht, um im Dunkel und in meiner Hast nicht den Tisch umzurennen. Ich beugte mich hinaus. Sie erschien vielleicht am Fenster, und ich wollte ihren Kops sehen, tote gestern von oben herab — oder doch wenigstens ihren Schotten auf dem hellen Kies des Platzes vor dem Hotel.


