vonnerrtag den 28. Dezemdek
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Nicht weit von dort, wo heute Worpswede liegt, hatte Menschenfleiß eilte tüchtige Straße durch die Wiesen gebahnt für ! all' die schwarzen Boote mit schwarzen Segeln, die der Arbeit Frucht schweigend aus dem stillen Land zn den lauten Stadien tragen. Aergerlich war's, wie Tag für Tag und Nacht für Nacht das Meer mit seiner Flut den Kanal hinaufrollte und immer wieder vielversprechendes Land benetzte und überspülte. Kluge Köpfe bauten darum dort, wo jetzt Jan Ttetleus Hütte steht, aus schwerem Gebälk ein kunstvolles Bauwerk, kunstvoll für jene Zeit; wenn die Wasser stiegen, so hoben sie selbst ein Plankengefüge, und sinnreich erdacht und verbunden, schlossen sich zwei starke Tore, die den Wassern ihren Lauf verwehrten, lieber ihnen lag ein festes Dach als Brücke. Wenn nun die Flut drängte und die Tore sich zugetan hatten, so stand zwischen Kanal und freiem Fluß ein schwerer Kasten, fest geschlossen, den das Wasser, durch die Fugen sickernd, langsam steigend füllte. Und ehe auch das zweite Tor genug hindurchgelassen Hatte, 'um den Spiegel des Kanals nur ein wenig zu heben, da kam die Ebbe und zog das Naß zurück. Dann preßte dre Wassermenge in dem schwarzen Kasten das Gebälk auseinander, daß die Tore sich selbsttätig öffneten und die wartenden Schiffer unter der Brücke hindurch freie Fahrt hatten. ,
Damals stand aber Tietjens Hütte noch Nicht an der Schleuse, denn das Land war weich und feucht, nicht fest wie heute. Und es war rings einsam und still, und auch die Manner, die ihre Boote hindurchtrieben, sprachen wenig mehr als eenen Fluch, wenn das niedergelegte Segel die Brück« streifte ober etn Tor nicht recht aufgegangen war und einen Splitter vom Borbraitd xrw
Nicht sehr weit jedoch davon, drin int Land, wo s nach Osterholz geht und Scharmbech lag auf einer kleinen Erhebung in dicken, alten Weiden Jan Schröders Katen. Aus -der oberen Torhälfte drang der Ranch und schwelte am alten ©troN'«'* hinauf, wo das Moos üppig wucherte. Drinnen aus der ----- war's fast still. Nnr das Wiederkäuen der beiden Kühe nn Verschlag klang aus der Ecke, und ab und zu grunzte etn Schwein. Gegenüber" wo der Torf und das Holz geschichtet lagen, hing!
Die Schleuse.
Novelle Von Hans Schmidt-Kestner,, Wiesbaden.
(Nachdruck verboten.)
Wenn vor nun wohl hundert Jahren die Nordsee in Flut Hnd Ebbe sich hob und senkte wie ein träumender Busen in schwerem Atem, dann spülten ihre aufflutenden Wasser weit di« Flüsse hinauf und erzählten pom großen Meer und seinen großen Geheimnissen. Ungehemmt durch künstliche Mauern undSchleusen, wanderte die Welle in das fruchtbare Geest- und Marschland hinein, teilte sich noch in die Flüßchen und Kanäle, spreltq leicht, aber wohl merklich bis in die Bäche zu den Dörfern und Flecken hinein, wo die Jugend mit nackten Beinchen im Graben stand und selig schrie: „Die Flut kommt!" wenn sich die alten Steine am Rand frisch netzten und wohl manchmal das Naß, gar übertrat und an eine niedrigere Schwelle spülte. Und nach Stunden, wenn die Wasser versiegten ititb verrannen, dann liefen sie wieder träg und schlammig in schwarzen Etnschnttten durch die Wiesen, und inanche Stelle, wo eben noch etn Wasserspiegel glänzte, zeigte verräterisch ihre schwarze, schwankende Fläche. Und alles wußte von seiner Verwandtschaft mit der großen See da draußen, wo die Tiefen unergründlich sind und die Wellen Tag
Heu aus einem Loch an der Decks, und von da klang da- Schnarchen eines Mannes. < .
Hinten im Dunkeln, am steinern Herd, über dem der Kessel am zackigen Eisenhaken hing, saß etn runges Weib, dm Kopf in d^ Hände gestützt, und starrte nach dem Tor. Ausder Ferne draußen brüllte eine Kuh. Eine andere antwortete Schwebend kam her Ton heran. Von Osterholz her lautete hell das Kirchenglocklnm Es war Abend, und die Sonne stand rot hinter den Weiden mn Nraschelte es im Heu über der Luke, und ein« Männern stimme rief:
„Metta, kumm tau tnt!" ,
Tas Weib riß die Hände vom Gesicht und stand seufzend auf. Einen Schritt trat sie vorwärts, dann, "/lcheu bkibend machte sie sich hastig am Herd zu schaffen, legte frisches Feuer an und füllte Wasser in den Kessel.
„Tu schallst tau nü kamen!" rief es wieder leise
Tas Mädchen antwortete nicht. Sie ging mit zögernden Schritten imch der anderen Ecke der Diele, öffnete eine kleine Tür und trat in das Wahnzimmercheu des Hauses etn. Vor den kleinen Fenstern Blumen. Am Boden ein Teppich aus bunten Flicken. An den Wänden ein Tisch und zwei Betten mit rotem, schwerem Zeug. Aus einem Schränkchen zwei weiße Huude- figneen aus Porzellan mit Goldltnien und abgebroch-nen Naien. Dempfe Lust war in dem kleinen Raum nach Esten und Menichm und Krankheit. In dem einen Bett regte stchs. Hinter der hoben Decke lag in den Kissen ein bleiches Gesicht. Die wei^ । blonden Haare strähnig und ungepflegt, aus ^n forschenden ! Backenknochen Fieberröte, .und in den wasserblauen Augen stumpf i t)Cit ,Metting?'bkst du bot?" kam es heiser von den schmalen
LiPpeM'is Vesper!"
"Tu schallst"man wat eten, Lowies, bat ward di gaud sin." I „Ick kann nich."
„Tat de Dokter int ok mch kamen is! „ „Hei Helpt mi doch nix. Ick mot all starwen.
„Red' nich so, Lowies. Lowies, red Nich !o. Ick kannt
„Jo,"du bist gaud. Aber Jan! Wo is Jan?"
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Diele ! " Mackerschein des Hert.
feuer^an^ihrem Rock spielt«, Mlt« sie des Mannes Men Ar« sich um ihre Taille legen-


