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f=H Wie lautet Serttt seine eigene Aussage über bdS. Papier, welches das Mädchen dem Stallknecht geben sollte?"
„Er sagt, es sei eine Zehnpfundnote gewesen. Eine solche fand sich auch in seinem Geldbeutel. Uebrigens lassen sich Ihre pudern Einwürfe samt und sonders entkräften. Die Umgegend ist ihm bekannt, da er im Sommer zweimal in Tavistock übernachtete. Tas Opium kann er von London mitgebracht haben. Den Nachschlüssel hat er natürlich weggeworfen, sobald er ihn Nicht mehr brauchte. Das Pferd liegt vielleicht irgendwo im Moor auf dem Grunde eines alten Schachts."
„Was sagt er über die Krawatte?"
„Er gibt zu, daß sie ihm gehört und behauptet, er habe sie verloren. Inzwischen ist ein neuer Verdacht aufgetaucht, der Uns vielleicht eine Aufklärung bringt, weshalb Simpson das Pferd aus dem Stall geführt hat,"
Kolmes horchte hoch auf. 1 '
„Wir haben Spuren gefunden, welche beweisen, daß eine Zigeunerbande am Montag abend eine Meile von dem Schauplatz des Mordes entfernt ihr Lager hatte. Am Dienstag früh war sie verschwunden. Kann nicht Simpson im Einvernehmen Mit diesen Leuten gestanden haben, und im Begriff gewesen sein, ihnen das Pferd zuzuführen, als er sich verfolgt sah? Vielleicht ist es noch in ihrem Besitz."
„Unmöglich wäre das nicht."
„Man durchstreift das Moor nach den Zigeunern. Auch habe ich jeden Stall und jedes Hintergebäude in Tavistock ünd zehn Meilen in der Runde untersuchen lassen."
„Ich höre, .daß noch ein Besitzer von Rennpferden seine Stallungen hier ganz-in der Nähe hat."
„Jawohl, und diesen Umstand dürfen ivir nicht aus den Augen lassen. Da der Renner Desborough das zweite Pferd war, auf das gewettet wurde, hatten die Leute dort ein großes! Interesse an dem Verschwinden des Favoriten. Silas Brown, der Stallmeister, soll hohe Wetten eingegangen sein, und er war denr armen Straker nicht tvohlgesinnt. Uebrigens haben wir die Ställe durchsucht und nichts gefunden, was mit der Angelegenheit zusammenhängt."
„Anch kein Anzeichen, daß Simpson mit dem Stallmeister Von Capleton in irgendwelcher Verbindung steht?"
-„Nicht das geringste."
Holmes lehnte sich in den Wagen zurück und die Unterhaltung stockte. Wenige Minuten später hielt der Kutscher vor 'einem! hübschen kleinen Landhaus aus roten Ziegelsteinen mit vorspringendem Giebel, das dicht am Wege stand. In einiger Ent» fernnng davon, jenseits einer Umfriedigung, lag ein langes, mit grauem Schiefer gedecktes Gebäude. Nach allen anderen Richtungen dehnte sich, soweit das Auge reichte, der wellenförmige Boden des Moors aus, dem das welke Farnkraut eine Bronzefärbung verlieh. Nur die Kirchtürme von Tavistock und nach Westen zu eine? Anzahl Häuser, die um die Stallungen von Capleton herlagen, unter- brachen den einförmigen Horizont. Wir sprangen alle aus dem Wagen, Holmes allein lehnte noch in seiner Ecke,' er starrte unverwandt ins Weite und schien ganz in Gedanken versunken. Als ich seinen Arm berührte, fuhr er heftig zusammen, raffte sich Krrpor und stieg gleichfalls ans.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
* Der Boxer-Fürst in Paris. (Der Neger Johnson Und sein Hofstaat.) Eine Pariser illustrierte Zeitung bringt zur Eröffnung der Rennen in Longchamps eine Illustration, die die Unterschrift trägt: „Eine wichtige Ecke auf dem Startplatz". Die Momentaufnahme zeigt den berühmten Karikaturenzeichner >,Sem" im gemütlichen Gespräch mit Jack Johnsoir, dem schwarzen Weltmeister der Boxkunst und seiner Frau. Johnson ist nach der modernsten Londoner Mode gekleidet, seine Frau in elegantester Pariser Toilette. Johnson, der bekanntlich augenblicklich für den Kampf mit dem bekannten englische:: Boxer Wells trainiert, ist noch nicht ganz Pariser geworden — er kann nur ein paar Brocken französisch — aber er ist bereits eine bekannte Figur in der französischen Hauptstadt, und darauf ist er sehr stolz. Er kam nach Paris, um seinen Engagementsverpflichtungen nachzukommen und boxte anfänglich jeden Abend im Vergnügungspark „Magie City", dann brach er plötzlich seinen Vertrag mit' der Begründung, daß ihm die Sache zu langweilig werde und begann ein ernstliches Training für den Match gegen Wells. Der schwarze Boxerkönig ist mit einem ganzen Stab von schwarzen und tveißen Trainern nach Paris gekommen, ohne die zahlreiche Dienerschaft seiner Frau und seine Chauffeure zu zählen. Er hat nämlich nur zwei Wito mobile — eine Linumsine und einen großen Tourenwagen — nach Paris Mitgebracht, die übrigen drei ließ er als Reserve in London zurück, UM bei seiner Rückkehr dorthin den gewohnten Luxus 'nicht zu vermissen. Herr Und Frau Johnson haben eine reizende Villa — man möchte fast sagen em kleines Schloß 1—am Ende des prächtigen Boulevard! Viktor Hugo in Nenilly bezogen. Das Haus ist von einem! parkartigen Garten umgeben, und' eine Allee alter Bäum« führt zum
Eingängsportal. Jack ist ein' großer Musikfreund Ünd liebt titgfi lische Lieder. In einem der drei mit Protziger Eleganz möblierten Salons steht ein sehr teures Grammophon. Hier lebt seine Majestät der Boxerkönig Johnson und seine ebenbürtige Gemahlin Umgeben von Freunden, Bekannten, einer großen Dienerschaft,- die alle seiner Hofhaltung als Staffage dienen müssen. Jeden' Morgen warten die Diener auf den Augenblick, wo der Herr puf- zustehen geruht. Nach dem Frühstück, das er in dem Garten mrt seiner Frau einnimmt und an dem nur bevorzugte Personen seiner Umgebung teilnehmen dürfen, spielt er etwas Tennis oder geht spazieren. Sein Boxtraining nimmt er niemals in seiner Villa vor, zu diesem Zwecke begibt er sich in den vornehmsten Boxklub von Paris, den Pelicau-Boxing-Club. Tie Szene, die sich abspielt, wenn Johnson seine „Cour" dort hält, ist sehr komisch und interessant. Einige Zeit bevor der Weltmeister erscheint, wird der Ring von seinem Gefolge und einer Anzahl von Sports* teilten, die das Privileg und die Ehre haben, dem Training beiwohnen zu dürfen, umgeben. Johnson läßt, wie alle großen Männer, ziemlich lange auf sich warten. Endlich erscheint er, begleitet von seinem schwarzen Üeibkammerdiener, mit einem! huldvollen Lächeln jn seinem breiten Gorilla-Gesicht. Mit dem leutseligen Rufe: „Hallo Boys" begrüßt er seine Getreuen uiid schüttelt ihnen gnädigst die Hände. Dann wird er in ein kleines Ankleidezimmer geleitet, wo er inmitten seines Hofstaats wie weiland Louis XIV. Toilette macht. Ter Held hat es nicht nötig, irgend etwas von seinen Kleidungsstücken anzurühreu. Nur aus der Tasche nimmt er persönlich eine Hand voll Gold- Und Silbermünzeir und legt sie auf den Tisch, während seine Lakaien ihm bereits die Stiesel ausziehen. Ein bevorzugter Freund nimmt indessen die sehr wertvolle Kravattennadel, die goldenen Brillantringe und das Gld in Verwahrung. Johnson, der stark parfümiert ist, sieht in feinen seidenen Unterkleidern für einen Neger „sehr distinguiert" aus, aber er vertauscht diese mit einen: schwarzen Trikot, das sich seiner Hautfarbe besser anp'aßt. Nach einigen kräftigen Scherzworten, die von seinem Gefolge mit frenetischem Jubel aufgeiwmmen werben, schreitet er gravitätisch in den Ring ünd boxt sechs Runden mit zwei Franzosen. Mit wegwerfender Miene erllärt er täglich vor Beginn: „I am lagy to-day" (Ich bin heute nicht recht disponiert.) Slber bald ivirb er bei seiner Arbeit „warn:" und zeigt den beiden Weißen sein königliches Uebergewicht. Der schwarze Boxerfürst dürfte jedenfalls eine dankbare Figur für die Pariser Schwankdichter abgeben, die bereits alle satirischen Möglichkeiten anderer exotischen Fürstlichkeiten in ihren Schwänken erschöpft haben . ä
* Verblümt. Meister (zum neiitingetretenei: Gesellen): „Ihnen ist wohl mal was passiert beim Arbeiten?" — Geselle : „Nein! Aber, Meister, wie kommen Sie zu dieser Frage?" —; Meister: „Weil Sie so 'ne Angst vor dem Arbeiten haben!"
* Beim Heiratsvermittler. „Bevor ich Ihnen die Dame vorstelle, muß ich Sie um 20 Mark Vorschuß bitten!" — „Wenn ich noch 20 Mark hätte, dächte ich überhaupt nicht an's Heiraten!"
* Auf Umwegen. „Hören Sie, warum schimpfen Sie denn das Stichenmädchen so aus, sie scheint doch ein recht nettes Ding zü sein?" „Ist sie auch, aber wenn ich nicht schimpfe, entläßt sie meine Frau an: nächsten Tag!"
* Fürchterliche Drohung. Wirt (zu einem Studenten, durch den ein großer Streit entstanden ist): „Mein Herr, wenn Sie sich nicht augenblicklich entfernen, rufe ich Ihren Schneider!"
*■ Neue Anwendung. Junge: „Wie, fünfzig Pfennig kriege ich mir für das Ihnen wiedergebrachte verlorene Zehnmarkstück; ich denke, zehn Prozent hat man zu beanspruchen,?"' Herr; „Ja, Erwachsene, Kinder die Hülste!"
Magisches Dreieck.
I Jn die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a aaaei iillnnoss derart einzutragen, daß die einander ent» — —J sprechenden wagerechten und senkrechten
Reihen gleichlautend folgendes bedeuten: “■J 1. Propheten des Alten Testanrents.
2. Weiblichen Vornamen.
3. Mythologischen Namen.
4. Teil von Savoyen.
5. Einen Buchstaben.
(Auslösung in der nächsten Nummer,)
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer r
Vieles kaufen, was entbehrlich, Ist bedenklich, ja gefährlich.
Früher schrankenlos im Kaufen
Wirst du, wenn die Fonds verlausen, Unentbehrliches vermissen, Und wohl gar verkaufen müssen.
RedÄtion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lang», Gießen.


