Ausgabe 
26.4.1911
 
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Roman von Georg Freiherrn von Ompted'kk^ (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ich dachte an die wilden Mtte auf, halbrohem Gaul, die Jagdritte meiner ersten Leutnantszeit. Ich dachte an manche Liebe und Huld, die ich erfahren. Dachte an Freund­schaft mit all den jungen Kerls, die gleich mir so kurz, ach so kurz, erst die Achselstücke trugen und noch ein ganzes, langes Leben der Freude, des Genusses, der Liebe vor sich hatten.

Und mein Herz, mein armes schwaches Herz, das tote verdorrt gewesen, erwachte mit einem Mal. Ich spürte es förmlich in der Brust. Es hämmerte, es schlug. Eine un­begreifliche Stimmung überkam mich. Die, die wir emp­finden, wenn uns etwas Seltenes und Großes zuteil wird, ein Glück, das wir nicht mehr erwarten in der Spanne Leben, die wohl noch vor uns liegt, ein Glück, das uns zittern macht, unsere Augen mit Tränen füllt.

Es wehte mich ein Hauch wieder an aus jener jungen Zeit, da ich bereit war, die Blonde für die Braune zu lassen, wenn ich sie nur erblickt, da jeder rote Mund mich lächeln gemacht, und ich vor jedem Mädchen, das ich nur gesehen, und dessen Augen leuchteten, und dessen Lippen lachten, mich verneigen hätte gekonnt:Du schönes Dmg, siehe, ich habe dich lieb!"

Und wie diese Erregung mick' überschlich, dieses süße, träumende Sinnen, daß ich die Arme hätte breiten mögen und schluchzen und weinen, ich wußte nicht warum, nur weil der Mond schien, und die Düfte wehten, und Werl tch noch nicht ganz alt und vertrocknet war, und Werl mir das Blut noch durch die Adern lief und das Herz noch pochte, da trafen plötzlich Stimmen, leise, weiche Weibeslaute mern Ohr.

Ich horchte erstaunt. Es klang unter mir. Weit beugte ich mich vor: das Fenster unter denr meinet: war erleuchtet, und ich konnte zwei Köpfe sehen, einen schwarzen und ernen grauer:, so ähnlich geformt, daß ich sofort wußte: Mutter und Tochter. Bon hinten fiel das Licht aus dem Zunmer über sie, so scharf, daß ich genau erkannte, wie durch das Haar der älteren sich nur ganz leise bleiche Fäden zogen, und wie auf dem feinen, zarten Nacken des jungen Mäd­chens sich dunkler Flaum in kleinen Löckchen abhob.

Unwillkürlich lauschte ich dem, was sie sprachen. Nur Stimmen hörte ich, denn da beide sich aus dem Fenster legten, ging der Schall nach unten. Aber diese Stimmen klangen so,' daß sie in meinen Mondscheinabendtraum zu passet: schienen, als gehörten sie dazu, daß Auge und Ge­ruchssinn nicht nur, fondern auch das Ohr mittäte. Das Sprechen klang wie erne leise, liebliche Musik.

Ich horchte da oben, weit vorgebeugt, und lauschte

' und wir" fühlen uns plötzlich gepackt^ :me Mann, der dieses Buch geschrieben, der

träum en w^ ^utter verschwunden. Ich sah nur noch

den kleinen, dunklen Kopf des Mädchens,, denn em lunges Mädchen mußte es sein. Wie fein und zterltch war dteser Hals, dünn, fast gebrechlich, als könnte er die .^ast des schweren Haares nicht tragen. Und bann erMitt te tch rechts und links lange, schlanke Finger, und durch das Aufstutzen herausgedrückt ein paar volle, runde Schultern.

Ich neigte mich weit vor, so wert rch konnte, utt» ich meinte eine zierliche Gestalt zu erblicken, tote ste dem fernen Schnitt des Kopses, dem zarten Bau des Nackens entsprach. Vielleicht malte mir die Phantasie mehr aus, denn war, wohl sprach der süße Duft der Blumen nnt, mir die Seele zu umdämmern, und der Mondschein mochte um meine Blicke weiche, zärtliche Schleier weben, aber die er­hobene Feierstimmung, in die mich das unvermutete Nacht­bild gebracht, hielt an, klang in mir fast gle:ch em er be­strickenden, sehnenden Melodie, die war m emp angüchev Stunde gehört, und die nun in Ohr und Gedächtnis sort- klingt, auch wenn die wirklichen Töne schweigen.

Längst war drunten Gestalt und Kopf verschwunden, längst hatte eine unsichtbare Hand die Laden geschlossen, und unter mir war es dunkel geworden. Dunkel aber nicht in meinem Herzen. Ich legte mich zum schlaf, tch löschte das Licht, aber mit offenen Augen blteb tch liegen. Mir war so feierlich, so erhoben, so fret, so frochtch, so glücklich zu Sinn. Ich fühlte, daß der. Bann von mtr ge­fallen war, in den die letzten Jahre mtch mahltch versteckt hatten. Ich empfand etwas wie eine Wiedergeburt, em Er­wachen, als wäre ich in einen Jungbrunnen getaucht.

Und ivarum? Was war geschehen? Hatte sich in meinem Dasein etwas verändert? Nein, tch lag, em e:n- samer Mann, im Zimmer hier allein, in einem Hotelzimmer. Und keine Zukunft tat sich mir auf. Aber erne Ahnung, erne eigene Bewegung war in mir, ein Lustgefühl, tote es nur tn seltenen Stunden über uns Menschen kommt, uns htnauv- hebend über uns selbst, daß wir die Erdenfchwere vergessen uttb uns mehr fühlen, freier und leichter als unser stoatgcs Blut, unser schwerer Sinn uns erlaubt.

Was geschah mir an diesem Abend? frage,tch toteber. Ich weiß keine Antwort. Ich kann bte Rätsel unserer Seelen nicht deuten. Nie werden w:r bis ttt bte ttcchen Tiefen schürfen. An die Oberfläche bletben wtr gebannt. Nur au. ahnen vermögen wir, zu ahnen, daß trgettd etwas unserem Sinn Flügel lieh, unser Bütt beschleunigte, unser Herz schneller klopfen machte als sonst. Wtr haben nut jemand gesprochen, der zufällig ein Wort fand, da- uns berührte und wir gehen lächelnd noch eine Weile unsere Straße Wir lasen eine Zetle tn entern Buche, das uns sonst kalt ließ - ' ' '

als hätte der arme M

nur immer dem Klang, ohne erraten zu wollen, was die beiden flüsterten. Vielleicht hätte mtch das Verstehen bec Worte gestört, ich wollte nicht denken, nur empfinden und