Ausgabe 
26.1.1911
 
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Creutzschuch ufto. 180 Crentzruthen nsto.

der Dippelngassen (der jetzigen Bergshohl?) bis an den untersten Geißengrunb.

Samstag den 6. Oktober den Mittelberg bis an den Stoppettsgrund, die Weingarten beim Saintor und den Eichelberg.,

Montag den 8. Oktober der Dohlberg und der Stoppettsgrund gelesen werden. Dies ist also schriftlich dem Herrn Rentmeister übergeben worden, welcher es dem Wohl- geborenen unserm gnädigen Herrn den 3. Oktober usf Birstein geschickt,

Andreas Bindhammer, Henrich Gebhardt, Sanruel Reif­schneider und Henrich Spielmann.

Nota: Hans Roppenleber ist nit mit draußen gewesen, dero- wegen bestraft worden.

Wir haben damit die 5 Bergmänner von 1604 kennen ge­lernt. Ich möchte Sie nunmehr noch kurz bekannt machen mit der Tätigkeit dieser Leute, die ihr Schriftführer Samuel Reif­schneider in unserenr Meßbuch sorgfältig ausgezeichnet hat. Es ist eine in Pergament geheftete Papierhandschrift von 62 Doppel­seiten. Auf Seite 1 lesen wir:

Dies Buch stehet den vier Felttgeschworn der Statt Bü­dingen zu, darin alle ihre Verrichtung und Handelung gefundenq würt, angefangen den 20 ten Augusti anno 1600.

Gehaltten unnd beschrieben worden durch Samuel Reif- schnehder, dertzeit geschworener.

Ich hoff auf glück württ Uns als dick, dick Unfall württ auch glücke

Auf Seite 2 anno 1600 steht: ,

Den 2 ten Augusti. Haben Bürgermeister undt ein, Erbat! Rath der Stadt Büdingen, Weill kein Feldtgeschworn alhier ge­wesen, uns vier zu Endt bemeldt, uff dem Rathauß zu Feldt­geschworn angenommen und bestädiget. Als; haben wir handgeluch an Eidts Statt gethan, aller Dings der beigefügten Ordnung- nach zu setzen und das Ampt ehrlich zu verrichten.

Andreas Bindthammer, des Raths^ Samuel Reisfschueyder, Burger, Henrich Gebhartt, Gemeiner, Kans Roppenleber, Burger^ anno 1603.

Henrich Spilmann Burger zu uns kommen.

Urfach dieses württ volgeist

Seite 3 ist unbeschrieben. ,

Seite 4. Zu wissen, daß vier Bcrckmänner in der Statt, welche die Gebrechen in Weinbergen zu richten, auch den Hecker­brief unter Händen gehabt, gewest sind, alß nemblich

Peter Krautt des Raths.

Hans Kist des Raths.

Henrich Gebhartt Gemeiner.

Henrich Spilmann Burger.

Anno 1602. Im November ist Kist Hans christlich von dieses welkt abgescheitten, dessen fehl und aller Christglaubigen ein sröliche uferstehung verleihen wolle, und ist hernaher den 28 DezembriS Samuel Reisschneyderu Feldtgeschworn solch ampt ufgetragen worden.

Anno 1603 den 19 ten Octobris ist Peter Krautt auch christlich von dieser wellt abgescheitten desen fehl und allen Christglau­bigen ein fröliche ufferstehung verleihen wolle.

Unnd dieweill nunmehr, nit mehr, alß Henrich Spilmann, so nit geschworn gewest, noch allein Kergkman, und die ander drei Bergkmenner auch geschworn, alß ist ehr auch zum geschworn ampt gezogen worden, daß also nunmehr geschworn und Bergk­menner ampt Eins ist.

Gott wolle unß alle glück und heill bescheren.

Uuf Seite 5 schließt der einleitende Teil mit: Ein Brüderliche Kermanung, O ihr Liebe Brüder habt wohl acht toaß euch Samuel Keifschneyder sagt. Daß ihr nit solt sein vergessen In Euern Handlungen und messen. Dardurch .betrogen werden die leut. Und ihr bekompt darüber böse beut. Auch nit vorsetzlich jemants thut betrigen- Damit der Fluch darauf kom geschlichen, Der int 5 Buch Mosi ist offenbahr, Im 27 Kapitel geschriben steht zwcchr. Daß Gott mit ernst verflucht auf Erbt, denen so seiner Nechsten Grentze Engert. Diesem Fluch wohl zuverkommen ist weit, wahn ihr nit unrecht thutt, und fleißig seit, Hieraus last uns auch nun ohne alle schm Ein ander beweisen Lib ehr und Trew, und alle fach hiermit bevelhen Gott, Der württ unß helffen auß aller Not,

Non deren Verwaltstngsgabe wir nachher ein sehr heiteres Vor­kommnis hören werden.

Doch ich habe aus der Feldgemarkung mit wenigen Worten noch einiges nachzuholen, da ich über Obst- und Weinbau noch nichts mitgeteilt habe. Die drei Felder, auf denen Ackerbau be­trieben wurde, haben wir kennen gelernt. Es gab aber auch noch! Flächen, auf denen der Pflug nicht gehen konnte: die Gärten, die Obstbaumstücke, die Weinberge und die Wiesen. Die Haus­gärten gehörten schon in der ältesten Zeit zu den Hofreiten. An sie schloß sich Gelände an, das der Anzucht von Obst, Ge­müsen, Handelsgewächsen, aber auch von Gras diente und althoch­deutsch! biunda (piunte), mittelhochdeutsch biund hieß und in uriserer engeren Heimat heute Beunde oder Benne genannt wird. Es war das dem Vieheintrieb verschlossene und deshalb zumeist durch eine dauernde Einfriedigung (lebende Hecken) gesicherte und dadurch gebundene Land im Gegensatz zu den drei Feldern, vorab zu dem der allgemeinen Viehweide geöffneten dritten Feld, dem Weidebezirk der Dreifelderwirtschaft. Wo das freie Feld gegen Weidevieh oder Wild geschützt werden mußte, geschah es durch tote Zäune, die in der Regel aus Reisholz in einfachster Weise geflochten waren. Wurden solche Zäune von Wegen durchschnitten, so waren. Türen notwendig (Falltore). Daher bei uns die Gewannbezeichnung beim Grünenwald am Tor". Heute haben wir nur noch eine Beunde, die sich in die unterste, mittelste und oberste gliedert. Vor 300 Jahren hatte auch das Großendorf seineBenne" und außerdem gab es bei der Luxweide stoch eineHerrn- beune". Wo sich in Oberhessen heute im freien Feld die Be­zeichnung Benne ober Beunde findet, wird man in der Regel auf einen früher dort belegenen, jetzt verschwundenen Ort oder eine ausgegangene kleine Niederlassung schließen dürfen. Ich kann hierauf jetzt nicht näher eingehen. Von den Wiesen möchte ich nur erwähnen, daß sie sich in Weidewiesen schieden und in solche, die regelmäßig gemäht wurden. Daher unser Gewamt- itantedie Schnitterwiesen". In dem Wiesennamendie Geibels- gräben" lebt die Erinnerung fort an das Burgmannengeschlecht der Geipel von Schöllkrippen, die dort Lehensbesitz hatten. Dre Obstbaumzucht wurde i. A. in denselben Teilen der Gemarkung betrieben, wie heute. Alle Dämme der Stadt waren schon damals dem Obstban eingeräumt. Genannt werden: Aepselbäume, Nuß- und Kirschbäume. Von Birnbäumen habe ich bis jetzt nichts ge­funden, obwohl sie sicher ebensogut vorhanden waren, wie manche andere Obstsorten, die nicht genannt werden. Ein besonders guter Birnbaum war vielleichtder Krailbaum", der als Gewann- bezeichmmg vorkommt. Ich nehme an, daß er dem Hosbäcker Kaspar Krail gehörte, dessen Name uns aus damaliger Zeit überliefert ist. Daß der Obstbau recht beträchtlich war, be­weisen uns die zahlreichen Baumgärten, die genannt werden, aber auch ein Verzeichnis über die Räume des Schlosses, in dem es heißt:Ein rund Conthürgen, darinnen hie bevor Hotzel und Schnitzel verwahrt worden." Hotzel ober Hutzel finb ganze, mit der Schale getrocknete Früchte, vorzugsweise Birnen, Schnitzel die geteilten und meist geschälten Früchte. Ferner lesen wir: Ein ehrn (Hausgang), darinnen ein Backofen; darb ei die Schnitzel- dürr" sodannnoch ein Hotzel- und Schnitzelboden" und schließlich ein groß lang Aepfelgewölb um das innerft Schloß gehend".

Weit größeren Umfang, wie heute, hatte der Weinbau. Im Eichelberg waren ausgedehnte Weinberge; die Herrschaft allein herbstete dort auf 17 Morgen. Auch int Dohlberg wurde viel Wein gebaut. Die Terrassen sind zum großen Teil noch heute erhalten. Die Beunde und der ganze Pfaffenwaldhang waren zumeist mit Weinbergen bedeckt; doch kamen in den unteren Lagen und nach dem Grünewald hin auch Gärten und Obst- baumstücke vor. Unser Grünewald, um das hier zu erwähnen, hat seinen Namen nicht etwa daher, daß er etwa besonders früh grün wird, sondern er heißt so nach einem Garten, den der Schreiner I. Grünwald dort besaß. Bei einer Ackerteilung heißt es: ein Teil nach Grünwalds Garten, der ander nach dem Fritzborn zu. Dieser aber liegt im heutigen Grünewald. Die Weinbergspolizei war in den Händen geschworener Bergmänner, die auf den Heckerbrief verpflichtet waren. Unter Hecker ober Häcker versteht man in Franken noch heute ben Weinbauer, ber mit der Hacke arbeitet, im Gegensatz zu bent grabenden Gärtner. Der Hecker-Brief war die Weinbergs-Ordnung. Nach ihr verfuhren die Bergmänner am 2. Oktober 1604, unter welchem Datum sich im Meßbuch folgender Eintrag findet:Atif Befehl des Herrn Rentmeisters und der Herren Bürgermeister haben wir Berg- feut zu End bemeldt, die Trauben an allen Weinbergen be- ichtiget, ob dieselbige abzulefen die Notdurft erfordert. Alst haben wir nach eingenommenem Augenschein befunden, daß der Trauben Zeitigung und Faulheit halber abzulefen von Nöten und darauf wie die Lesung vor die Hand genommen werden soll, Erkenntnis getan, tote folgen tut. Donnerstag den 4. Oktober solle unsrer gnädigen Herrschaft Weingarten am Eichelberg und die 8 Benne bis an die Höhe bei Velten Ruffings Weingatten ge­lesen werden (im Jahr vorher war als Endpunkt für den 1. Tag der Keller von Hans Kißt, vermutlich der heutige Waltzsche Keller steben dem Peblerschen Hanse angegeben).

Freitag den 5. Oktober den Herrnberg von Velten RuMngs Weingarten an hinauf hinterm Heilgen Haus hin bis gn Njckols Kellermanns Weingarten im obersten Geißengru.nd famt

Es folgt bann:

Bericht über unser Ruten und Morgen Zahl. Item unser Mehruten ist langt 121/2 werckschuch Item ein Creutzruten hatt 156V4 werkschuch. Item ein Morgen wissen, acker, garten, mein« garten unb lenber in unferm Bezirk des Äurgksridens lyellt in sich 160 Creutzruthen oder 25 000 Creutzfchuch ufto.

Item ein waltt Morgen soll hallten 122