Ausgabe 
25.11.1911
 
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ein

Vermischtes.

* Schönheitsbäder. In Boston ist vor kurzem ein luxuriöses Institut eröffnet worden, das der Wiederherttellung weiblicher Schönheit geweiht ist. Zn Preisen, die nach eurapat- schon Begriffen erschreckend wären, können hier die Bostoner Millionärinnen Verji'mgungsversuche u« ter nehmen mit Hilke von Oel-, Aülch-, Erddeer- und Hiinbeerbädern. Eine ganz besondere Straft aber Soll den Badern innewohnen, die aus dem Absud von Kalbsgekröse hergestellt sind. Ein solches Bad solldie Schön­heit auf lange Zeit konservieren und die Frische der Haut wieder Herstellen." Das gleiche hofften schon vor einigen tausend Jahren die Patrizierinnen der römischen Kaiserzeit Es war bei ihnen Sitte, täglich zwei Bäder zu nehmen, die aus der Milch von 300

Arithmogrlph.

4 6 0 1 2 1 7 ein männlicher Vorname,

7 18 0 eine beliebte Blume,

3 12 ein Medikament.

b 0 4 0 7 8 3 9 3 0 ein Gartengewächs,

1 6 3 1 ein Fluh in Amerika,

9 14 4 1 ein Spiel.

3 10 9 ein Prophet im alten Testanrent.

8 4 1 0 7 ein Fisch.

Die Anfangsbuchstaben der gesundenen Wörter ergeben Land in Afrika.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummerr Sanfter könnte wohl das Schicksal sein, Aber Dank auch seinen rauhen Griffen!

Hell und herrlich glänzt der Edelstein Erst, wenn ihn des Meisters Hand geschliffen.

Same, wenn sie nicht an der Brust ihrer Mutter uM rn ernem riesigen Sack, dem Amtaut, und wenn sw diese merkwürdige Wiege verläßt, wird sie sogleich in die Natioimltra cht, angdleibet. Bald entwickelt sie ein äußerst lebendiges und bewegltchev Wesen, mit Staunen sieht man, wie solche winzigen Puppen blitzschnell Hügel aus und herab über Geröll und Stein dahineilen. All die Fünfjährige tritt der Ernst des Lebens in Gestalt der Schule heran, aber dieser Ernst läßt sich ertragen, denn wenn sie. das Institut der Bildung verläßt, dann kann sre kaum ihre eigene Sprache lesen und schreibeit und ent wenig rechnen: nur im Katechismus und in biblischer Geschichte ist sie stark. Alle häus­lichen und Handarbeiten lernt fte bet ihrer Mutter. Früh schon muß sie das kleinere Schwesterchen im Amaut tragen, muß sich ihre Kleidung selber nähen und lernt jene prächtigen Stickereien ausführen, die den höchsten Schmuck in der Toilette der Grön­länderin ausmachen. Tie Konfirmation mit lo oder 14 Zähren ändert nicht viel in ihrem Leben, nur tragt sie letzt bereits eine gewisse Verantwortlichkeit in der Häuslichkeit, smelt meht mehr am Tage herum, sondern vergnügt sich in der Abend­dämmerung durch Spazierengehen oder Rudern, in welcher Tätig­keit sie zumeist eine hohe Vollendung erreicht. Mit 18, oder 20 Jahren, häufig schon früher, selten später, wird sie verheiratet. Eine romantische Liebesgeschichte geht ihrem Ehebund Nicht voraus, sondern sie fügt sich dein Wunsche der Eltern, die mit denen des Bräutigams alles abmachen. ,

Tas aus Stein und Rasen erbaute Haus des Eskimos;, dessen Fenster der Sonne zugekehrt sind und dessen einziger Eingang an der dem Wind am wenigsten ausgesetzten stelle liegt, hat viele Wohnungen. Jede Faniilie haust in einem großen Raum, und zwar gilt als der beste Raum der tnt, Innern des Hauses gelegene. Ihn hat der älteste und würdigste Bewohner tmre, während das dunkle, kalte und unbequeme.Zimmer nabe beim Eingang dem jüngsten Insassen zufällt. Ein großes gemeinsames Bett, das nur aus einer Lage von Heu oder Stroh und einer Decke von Seehunds- oder Renntierfell besteht, nimmt die ganze Familie auf. Die Eltern liegen in der Mitte, zu desVaterS Seite die Jungens, auf der Seite der Mutter, die Madchcm, die jüngsten den Eltern am nächsten, und alle mit dem Kopf nach der Tür. Möbel. sind so ziemlich unbekannt in der Eskmo- wohnung. Jedes Mitglied der Familie hat eine kleine Kiste, in der es seine Sachen'verwahrt; im übrigen ist der eine Raum zugleich Schlafzimmer, Eßsalon, Vorratskammer und alles andere, Tas Aufräumen erfordert daher keine große. Muhe, und aiich mit dem Kochen haben die Eskimodamen wenig zu tun. Alles was man nicht roh verzehrt, wird gekocht; rouipliziertere Gerichte sind unbekannt. Das Aufwaschen macht ebenfalls kerne Arbeit, denn ein Reinigen der Teller und Schüsseln findet weder vor noch nach der Mahlzeit statt Trotzdem haben die Frauen recht viel zu tun, denn da in der Gemeinschaft der Eskimos Arbe.ks- teilung noch nicht eingeführt ist, so muß sich leder alles allein besorgen. Die Eskimofrau kennt nicht die Freuden des »Shop­ping"; der dänische Laden, der sich etwa ineiner Ansiedlung befindet, enthält nur .Ttinge, die ;*>er Grönländer nicht selbst produzieren kann, und die er sehr selten braucht, so Kaffee, Zucker, Tee, Wollstoffe usw. Ter richtige Eskimo begnügt sich aber mit den Dingen, die er in harter Arbeit sich selbst herstellt. Die- Seehundsjagd, die eine so wichtige Rolle im Eskimoleben spielt, bringt auch der Fran harte Arbeit Ter Mann kommt mit der Beute nur bis an die Küste; ine He>.einschaffung der Tiere und ihre Verwertung, besonders das Verarbeiten des Fells, ist die Aufgabe der Frau. Außerdem muß sie rm Sommer das Haus Wieder Herrichten Helsen, das die Stürme des Winters beschachgt haben; sie hilft beim Fischen, beim Rasenschneiden und der der Lieblingsbeschäftigung der Eskimos, der Renntierragd. Die Es­kimofrauen sind von der Natur mit angenehmen Gesichtern und vor allem mit den schönsten Füßen ausgestattet. Freilich, der Liebreiz, der sie als Mädchen umgibt, verschwindet bei Frauen rasch, und wenn sie alt werden, sind sie von einer ganz außer-, ordentlichen Häßlichkeit. Ihrem Charakter nach sind ste rulng und friedlich, gutmütig, oberflächlich und sehr kokett. Ihre bunt­bemalten Hosen aus Seehundsfell, ihre schongearberteten Stiefel, vor allem aber ihr mit bunten Bändern umschlungener Haar­schopf, die Natioualsrisur, sind ihr größter Stolz.

Eselinnen hergestellt waren; die Kaiserin Popoaea selbst soll jene- überaus kostspielige Bad steh ausgedacht haben. Später setzte man tnebv Vertrauen auf den Ädfud von Erdbeerdtättern, auf gefocl)tett Wein aus Südgallien und auf das noch dampfende Blut ge- schtachteier Kälber. Uebrigens sind ebensowenig wie die ver­schiedenen Schönheitsbäder die Gesichtsmasken eine Ersindung der Neuzeit. In Rom waren sie bei den Damen durchaus ge- bräuchlich : sie wurden von den Hausskaven jeden Abend aus einem mit Del getränkten Teig bereitet und die Nacht über von alten und jungenSchönen" der römischen Lebewelt auf dem Gesicht getragen. . . Ä

Ick. Eine Künstlerin, die sich mit eigener Hand ihr Haus baut. Eine junge dänische Künstlerin, ^räulem Nelly Nilsson, hat sich, wie ans Kopenhagen berichtet wird, un Verlaufe des vorigen Sommers ohne irgend eine Hilfe von anderer Seite ganz und gar mit eigener Hand eine stattliche hübsche Villa in'Sjaelsö erbaut. Fräulein Nilsson hat felblt bte Steine gifammengetragen, die sie zu den Fundamentierungsarbeiten gebrauchte, sie hat selbst die Bretter und Balken gejagt, gehobelt und zusammengezimmert, die sie zu dem Hanse, einem Holzbau, verwandte; sie hat selbst die Türen, Möbel usw, verfertigt, ja jo* gar bte Glasmosaik des großen Fensters zusammengestellt, die fünf Wikinger im Kampfe darstellt. Das Hans enthält einen grauen Hauptraum, der als Atelier mit Oberlicht hergerickstet ist, eine Vorstube, Küche und Badezimmer. Im Oberstock liegen die Schlaf­zimmer. Tie Rohstoffe haben der Erbauerin im ganzen 700 Kronen gekostet, dazu treten noch 300 Kronen für einen Brunnen uub eine Pumpe, so daß die gesamten Baukosten des Hauses Fräulein Nilsson auf etwa 1100 Mark unseres Geldes zu stehen kommen.

* Voreilig. Vater der Braut:Ich habe mich Über Sie erkundigt. . . Bewerber (unterbrechend):Na, so ein­

fältig werden Sie doch nicht sein, daß Sie darauf was geben f l

Manchmal im Dunkel...

Manchmal im Dunkel, wenn die Nacht anbricht, scheint dir das Leben nut wie ferner Traum, und alle Tinge werden weich im Raum und lächeln gütig wie ein Angesicht.

Dann pacht vielleicht ein Bäte an das Tor mit einem Brief .und sieht dich seltsam an. Du starrst ihm nach, bis sich in Nacht verlor sein Weg, und öffnest leise dann den Brief, und glaubst im Dämmerlicht wohl eine alte Handschrift zu erkennen, dir wohl vertraut, die Züge steil und dicht, und starrst darauf, bis dir die Augen brennen. Doch jäh entzündest du ein Licht und deine Worte tönen hohl durchs Hans, du lieft . . . und löschst die Flamme wieder au», du fühlst das rasche Blut in deinem Schritte Und faltest stumm die Blätter wieder ein denn was du alt vertraut dir glaubtest, blieb im Schein der Kerze fremd und eines Bettlers Bitte.

Und vor dir, wie aus einem fernen Reich, das einmal dein war und es nicht mehr ist, taucht dann ein Mensch auf, still und bleich, und deine Lippe, die ihn oft geküßt, zuckt schmerzhaft, und in deiner Hand wird ein Gefühl wach wie von weichen Haaren, und deiner Seele febeint er tief bekannt, wie einer, den du einst vor Jahren einmal sehr heb gehabt ...

und der nun kalt und fremd durch deiner Tage Reigen geht, den anbertt gleich, in diesem großen Wald der Menschen, der an deiner Straße steht.

Armin T, Wegner

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdruckerei, R. Lang«, Gießen-