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Vororte sich aus bem' engen Straßengewirr der .inneren Stabt tote zwer riesige Fühlhörner heransstreckenb, den See gleichsam fest umklammern, bis sie sich in all den fietnen Ortschaften ver- l«ren, die die lang sich hinstrebcnbe, smaragdgrün schimmernde -Wasserfläche umsäumen; bis hin nach dem uralten Rapperswil Mit seinem, gleich einem Wahrzeichen aus alten, längst verflossenen Zelten weit in die Lande hinausweisenden Schloß, das dem Züricher See hier an seinem anderen Ende dann einen so pittoresken, wirklich großartig schönen Abschluß gibt.
Und weiter sieht man von dort oben, in der Ferne hoch sich auftnrmend, die inimer und ewig schneebedeckten Riesen des Schweizer Hochlandes, ihnen vorgelagert die breiten Felsmassen der Santiskette und des Glärnisch. Inmitten all dieses Gewirres vber von Fels, Schnee und Eis zeigt sich einladend herüberlugend die Königin der Berge, die Rigi, und deshalb hat man in neuerer Zeit diesem herrlichen Platz dort droben bei dem deutschen Dichtergrabe auch den Namen „Rigiblick" gegeben.
Germaniahügel hatte man den Bergvorsprung früher genannt zil der Zeit, als man die sterbliche Hülle des toten Dichters dort oben zur letzten Ruhe niederlegte; nachdem er schon jahrelang drunten int Tal, auf einem kleinen Friedhof, inmitten der Stadt, still und zufrieden, des Lebens Plage und Mühe ledig, geschlafen hatte.
Wie aus den Jahreszahlen auf dem Grabstein zu ersehen ist, erreichte Georg Büchner, dessen Werke übrigens gerade jetzt in einer neuen Ausgabe, herausgegcben von Dr. Paul Landau, erschienen sind, nur ein Alter von noch nicht einmal 24 Jahren.
Am 17. November 1813 in Goddelau bei Darmstadt geboren, mußte der junge Stürnier, nachdem er sich im Jahre 1834 an dem hessischen Aufstande stark beteiligt hatte, nach Straßburg flüchten und kam von dort im Fahre 1836 nach sZürich, wo es dem lebenslustigen, frohmütig in die Welt hinausschauenden Jüngling bald gelang, festen Fuß zu fassen.
Dort am schönen Züricher See schrieb Georg Büchner auch sein Hauptwerk, das, allerdings durch die soeben- durchgemachte Sturm- und Drangperiode stark beeinflußte Drama „Dantons Tod", dem aber schon eine ganze Reihe kleinerer Dichtungen, die ebenfalls von der ganz ungewöhnlichen dichterischen Begabung Büchners ein geradezu glänzendes Zeugnis ablegten, vorausgegangen waren. Mitten im vollen Schaffen, mitten in einer emsigen, schriftstellerischen, in einer fruchtbaren geistigen Tätigkeit, die zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigten, toitrbe der Dichter von „Dantons Tod" durch ein Nervenfieber plötzlich am 19. Februar 1837 dahingerafft.
Die Freundschaft aber, die man dort drüben im fremden Lande dem deutschen Dichter in so reichem Maße entgegengebracht hatte, sie hielt auch über das Grab hinaus stand. Man vergaß seine Ruhestätte nicht; mau pflegte sie sorgsam, und wenn deutsche Brüder und Schwestern nach Zürich kamen, so führte man sie hier nach dem Keinen Friedhof an der Promenade und zeigte ihnen den blumengeschmückten Grabhügel, der die Gebeine Georg Büchners barg.
Und so kam es denn auch, daß, als nach beinahe 12 Jahren, nach den schlimmen Tagen des Jahres 1848, Zürich von deutschen Flüchtlingen überschwemmt wurde, sich in einem Kreise jugendlicher Heißsporne der Wunsch rege machte, die sterblichen lieber» reste des so jung Verstorbenen seinem engene<3ra6e zu entnehmen Und ihnen droben am stillen Waldesrande ches Zürichberges in lichter Höhe eine neue Ruhestätte zu geben — für ewige Zeiten!
An einem schönen, wonnigen Sommerabend trug man das, was von Georg Büchners sterblicher Hülle noch übrig war, den steilen Abhang hinauf nach dem herrlichen Platz. — Deutsche Lieder ertönten an der offenen Gruft und die Glocken des Groß- münster und des St. Peter, drunten in der Stadt, begleiteten mit ehernen Klängen die liebevollen, von Begeisterung getragenen; Worte, die dem so lange nun schon von der Erde Geschiedenen! hier oben an seiner aller — allerletzten Ruhestätte nachgerufen; wurden.
Noch vor wenigen Jahren lebten in Zürich alte, in Ehren! grau gewordene deutsche Männer, die mit Tränen in den Augen dieser für sie unvergeßlichen Stunde gedachten.
Die Stadt Zürich aber sorgte in pietätvollster Weise für eine wüMge Umgebung der Grabstätte Und übernahm auch ihre Pflege stlr immer.
Seitdem aber hat sich dort oben gar manches geändert! Damals mag es still und traurig auf dem so einsam daliegendeir Bergesvorsprung gewesen fein und nur selten mag sich der Fuß eines! Wanderers, eines Bergsteigers nach dem Dichtergrab verirrt haben. Die kleinen gefiederten Sänger in den Kronen der Lindenbäume konnten damals. ungestört ihrem schlafenden Genossen, drunten in stiller Gruft ihre Lieder singen! Es störte sie niemand!
Heute ist es anders geworden!
Nur wenige hundert Schritte unterhalb der Grabstätte zeigt sich ein kleines Gebäude, die Endstation der Drahtseilbahn, die jetzt tagtäglich Hunderte und aber Hunderte, ja zur Sommerszeit wohl Tausende von fröhlichen, lebenslustigen Menschenkindern hinauf zur luftigen Höhe bringt. Uird kein Steinwurf weit oberhalb der das Grab beschattenden, groß und stark gewordenen Lindenbäume breitet sich ein großes, weitverzweigtes Gasthaus aus, das den Frenlden, der wundervollen Aussicht hier oben wegen, als
Wo*®01* fÜr5er£ ob'er lE für längere Zeit gern emp-
So haben es die Zeiten mit sich gebracht, daß das Dichtergrab lemer Einsamkeit und Ruhe so bald wieder entrissen worden ist _ ., "Per .den alten Linden jubelt und tanzt die kleine Welt ote, die Grabstätte letzt umgebenden Ruhebänke werden von geschwätzige Wärterinnen, von Fremden aus aller Herren Länder dre, dem T-ichtergrab selbst vielleicht kaum einen flüchtigen von Neugierde getriebenen Blick schenkend, der schönen Aussicht wegen turze Rast hier oben machen, in Beschlag genommen. — Nur wenige von tonen allem wissen, wer der stille Schläfer dort unten,. Unter der grünen Efeudecke war, was er in so jungen Jahren schon der deutschen Dichtkunst gewesen, welch große Hoffnungen man in; tfreunbeStetfen einst auf ihn und sein so mächtig sich kund- gebendes Talent gesetzt hatte.
Wenn aber dann Frau Sonne langsam hinter dem altehv- Alltberg zur Rüste geht, wenn drunten in dem geschäftigen Zurich der weißblinkende Schein des elektrischeii Lichts siegreich die dunkle Nacht durchbricht, wenn die lieblichen „See- tochter , so nennt der Züricher sinnig die kleinen Ortschaften! am See, Licht um Acht aufflammen lassen und zu all diesen; Beleuchtungseffekten drunten im Tal, sich am weiten, dunklen! Himmelszelt droben Sterne an Sterne in all ihrer helleuchtenden! Pracht reihen--dann wird es auch hier oben am Waldes-
rand des Zürichberges ruhig und still,--so ruhig und still,
tote eä oamals war, als man den stillen Schläfer mit jngendft kräftigen Armen hier hinauftrug zur steilen Bergeshöhe!
Biel zu früh ist Georg Büchner dahingeschieden — für sein/ von thm so heiß geliebtes deutsches Vaterland, für die hehre, deutsche Dichtkunst, der er wohl, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, seinen Lebensfaden noch weiter zu spinnen, ein berufenen Führer geworden wäre und nicht zuletzt feinem großen Freundes^ kters, der ihm mit Recht die Worte auf seinem Grabstein >widmetej „Ein früh verwelktes Blatt sank er ins Grab, Der Lieder schönste nahm er mit hinab!"
Heimat-, Wohlfahrt- und ttunftpflege auf dem Lande.
Im November vorigen Jahres hielt der Kreisverein für ländliche Wohlfahrt-, Heimat- und Knnstpflege unter dem Vorsitz von Dr. Merck im Cafe Ebel in Gießen eine öffentliche Versammlung ab, in deren Mittelpunkt ein Vortrag stand über: „Die Bedeutung der Spiele für die körperliche und geistige Entwicklung der Jugend in Stadt und Land". Es war damals 1. Bereicherung des Turnunterrichtes in Schule und Verein durch Bewegungsspiele gefordert worden, dann 2. Anschluß der schulentlassenen Jugend an Turnvereine, 3. Beschaffung von Spielplätzen, Turnplätzen und Eisbahnen, 4. Einrichtung von Spielnachmittagen, 5. tätige Mithilfe der Lehrer und Pfarrer. <
Wie weit diese Anregungen nun schon in die Tat umgesetzt sind, entzieht sich meiner Beobachtung. Ich hoffe, daß manches getan worden ist, aber soweit geht mein Optimismus nun doch nicht, zu glauben, daß diese Anregung allenthalben Früchte getragen hat. Wer auf dem Lande wohnt und unter seinen Bewohnern wirkt, der weiß, mit welchen Schwierigkeiten und Gegensätzen man zu kämpfen hat, wenn es gilt, neue Ideen heremzntragen und etwa eine dieser obengenannten Forderungen in die Tat umsetzen zu wollen. (Der Landbewohner ist nun einmal konservativ, — er ist stolz auf diese Eigenschaft — er hängt mit Leih und Seele am Althergebrachten, er ist mißtrauisch gegen alles Neue und gar oft besonders dann, wenn es vom Lehrer oder Pfarrer herkommt. Er läßt sich nur'schwer überzeugen und will oft nicht glauben, daß beide feine treuesten Freunde find und stets nur fein Bestes int Auge haben.) Will man aber trotzdem mit Erfolg arbeiten, foi darf einen dieser Widerstand nicht entmutigen; ein treues und jahrelanges Ausharren und Festhalten an der guten Idee wird fast immer mit einem Erfolg gekrönt.
Einen klassischen Beleg für diese Behauptung bietet uns eine kleine Gemeinde mit kaum 600 Einwohnern im Kreise Gießen. Es ist Langd bei Hungen. Eine Stunde von der Bahn, abseits der Durchgangsstraße nach Nidda, liegt es malerisch schön in einem von Wald umkränzten Talkessel. Hier sind schon seit Jahren alle die Einrichtungen, die der Verein für ländliche Heimat-, Wohlfahrt- und Kunstpflege in feinem Programm fordert. Die Bereicherung des Turnunterrichts durch Bewegungsspiele ist in der dortigen Volksschule bereits vor zehn Jahren geschehen. Fast an jedem! Sonntag und an allen schulfreien Nachmittagen vereinigt sich die Schuljugend auf dem Schulhofe mit dem Lehrer zu den verschiedensten Spielen. Die Anschaffung der Spielgeräte wurde durch eine Sammlung unter den Ortseinwohnern ermöglicht. Dem vor einigen Fahren vom Pfarrer und Lehrer gegründeten Turnverein hat die Gemeinde-


