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Nun kannte sie den Weg, den sie gehen mußte, Htm frei zu werden von den Unwürdigen Banden. Tims Opfertod, als. W ihr das Kind brachte, hatte auch sie frei gemacht.
Tims Andenken und ihrem Kinde wollte sie leben.
Ms das Frührot im Osten aufstieg, da brachen dre Burgmauern des Möwennestes zusammen. Die Flut rtß unbarmherzig an der Feste, und die Fahne mit der Aufschrift „Mowen- nest", die führte sie weit mit sich hinweg über die grünen Wogen.
Die Fahne zog Tim Thimmsen nach und die weißen Möwen gaben ihr das Geleit, weithin über die schimmernde Bahn,
VeemischLss.
"Elektrisch gepökelte Schinken. Im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, ivo die Elektrizität eine weit ausgedehntere und vielseitigere Anwendung findet als bei uns in Europa, bedient inan sich des elektrischen Stromes nicht nur, um junge knli!ornische Weine auf dem kürzesten Wege künstlich alt zu machen, um Mastochsen gefahrlos und schmerzlos 51t töten und ihre Häute zu gerben. Mair benutzt ihn auch, wie Mr. I, C. Lincoln aus Cleveland (Ohioi, der Direktor der Eleetrical Meat-Corning Company, in einein in der Versaminlung des amerikanischen Fleisch- packervereins in Chicago gehaltenen mtb im „Engineering" abgedruckten Vortrag berichtet, um die Keulen und andere große Fleischstücke von Rindern unb Schweinen einzupökeln. Die Nachricht gemahnt zwar etwas an phantasievolle Zukimstsenten, hat aber ihre volle Richtigkeit. In 14 Fuß langen unb 4 Fuß hohen und breiten, kastenartigen Fässern ivirb das Fleisch mit der üblichen Pökelbrühe übergossen, wobei die verschiedenen Schichten, um eine gleichmäßige Einwirkung der Pökellake zu erzielen, durch schmale Holzbretter von einander getrennt sind. An beiden Enden der Fässer aber sind durchlochte becherartige Gefäße in die Brühe gesenkt, in die Stäbe aus Graphitkohle einlaufen, die mit einem Wechselstromdynamo verbunden sind. Trotz der Versicherungen, daß auf diesem Wege ein besonders delikat schmeckendes Pökelfleisch erzielt wird, handelt es sich selbstverständlich nur um eine neue Art von iveit getriebener Sparmeisterei. Der eigentliche Zweck der Methode ist nämlich nur, dieselbe Pökelbrühe, die andernfalls verdorben und erneuert werden müßte, fast unbeschränkt lange benutzen zu können, weil der durchpassierende elektrische Strom alle bakteriellen Keime vernichtet und die Fäulnis hintan hält und außerdem den Prozeß der Durchsalzung sehr beschleunigt. Der Liebhaber von Pökelfleisch dagegen hat hiervon keinerlei Vorteile.
— Der Kompaß, bei d en Arabern. Schon zu Anfang des 13. Jahrhunderts war den Arabern die Magnetisierung von hartem Eisen durch Streichen mit dem natürlichen Magneteisenstein bekannt. Das geht deutlich aus einer Schrift des persischen Awsi hervor; hier findet sich folgende in der Wiener Zeitschrift „Urania" abgedruckte Stelle, die von einem Ereignis um das Jahr 1232 handelt. „Einstmals," heißt es da, „fuhr ich auf dem Meere, als plötzlich ein ungestümer Wind aus bcnt Hinterhalt des Verborgenen sich erhob, schwarze Wolken das Antlitz des Hinimels umflorten, der Schwall der Wogen sich türmte und brandete und so das Meer in Wallung geriet, so daß die Passagiere zu jammern begannen. Der Meister, welcher Kapitän war, lvurde im Weg irre. Sofort brachte er ein hohles Eisen in Gestalt eines Fisches heraus und warf es in einen Teller mit Wasser. Es wendete sich und gelangte in der Oibla-Richtung Has heißt nach Süden, auch die Richtung nach Mekka) zur Ruhe. Der Kapitän nahm auf Grund jener Richtung diesen Kurs. Danach zog ich über jenen Zustand Erkundigungen ein, und sie sagten, daß es die Eigentümlichkeit jenes Magnetsteines ist, daß, wenn man ihn kräftig am Eisen reibt, so daß er am Eisen eine Spur hinterläßt, jenes Eisen nur in der Oibla- Richtung zur Ruhe gelangt. Ms ich diesen Sachverhalt probierte. Verhielt es sich so. Wie das kommt, weiß Gott, und kein Kluger kommt hinter das Geheimnis davon." In einen! um 1400 n. Ehr. verfaßten Werke des Aegypters Al Zarchuri wird ferner ein kleiner hölzerner Fisch mit einer Magnetisierten Stahlnadel in seinem Innern beschrieben, der von dem einen Ende eines magnetisierten Eisenstabes angezogen, von dem anderen wieder iabgestoßen wird. Die Stahlnadeln sind durch Streichen magnetisiert. Auch die Verwendung des Fisches zUm Anzeigen der Richtung nach Süden und die Herstellung eines Kompasses mit einer Art Windrose wird' hier besprochen. Die Benutzung des Kompasses ist dabei als etwas ganz Gewöhnliches geschildert.
* Seltsame Urteile. Von seltsamen Entscheidungen, die der Gerichtshof in Naivobi, Britisch-Ostafrika, getroffen hat, berichtet die „African World". In beiden vorliegenden Fällen war Anklage wegen Mordes erhoben worden. In dem ersten hatte ein Eingeborener fahrlässig den Tod seiner Stiefmutter verursacht. Er wurde verurteilt, „seinem Vater eine neue Frau zu kaufen". Und in einem anderen Fall, wo ein trunkener Eingeborener in einem Streit durch einen Schlag einen Menschen tötete, wurde er verurteilt, abgesehen von siebenjähriger schwerer Kerkerhaft „den Angehörigen des Verstorbenen 50 Ziegen zu bezahlen nach der Sitt- des Landes". So findet Sitte und Gewohnheit hier ost die Billi
gung des Gesetzes, oft freilich auch müssen sie wegen ihrer Graue famkeit bekämpft werden.
* Wann alles teilet wird! Jüngst stand ein W te> Uer „Strizzi" vor dem Bezirksrichter, Um sich wegen der Verabreichung einer „Watschen" zu rechtfertigen. Da das nicht möglich war, verurteilte ihn der Richter zum grenzenlosen Erstaunen des Angeklagten, der sich auf die ortsübliche Strafe von fünf Gulden (zehn Kronen) gefaßt gemacht hatte, zu dem doppelten Betrage. „Wieso denn so tiüU ?" fragte er wie geistesabwesend. „I hab' immer 'glaubt, a Watschen kost't an' Finfer." DN ertönt eine Stimme aus dem Zuhörerraum: „Js halt a teirer 'worden! Wenn oalles teirer wird!"
* Auch ein Beweis. Richter: „Können Sie bestimmt behaupten, daß der Angeklagte mit mehr als dreißig Kilometer Geschwindigkeit durch den Ort gefahren ist?" — Zeuge (Polizist) :■ „Selbstverständlich, Herr Richter, sonst hätte er sich doch nicht; strafbar gemacht!"
* Gl ei ch e So r g en. Städterin: „Sie haben keine Kinder? Da wissen Sie freilich nicht, was es heißt, fünf Kinder auf- zuziehen." — Bäuerin: „Glauben Sie denn, daß mir meine acht! Ferkel keine Sorgen machen?"
Ein Brautkranzgedicht.
Hermann Sudermann übersendet der ^Voss. Ztg.", aitgeregt durch den Abdruck eines Jugeudgedichtes (eines Brautkranzgedichtes ans dem Winter 1877/1878), die folgenden Verse:
Die Post kam an . . . „Geehrter Herr! Es lief Die Nachricht neulich, daß in Vorbereitung Ein Stück von Ihnen---" Also reiht sich Bries
An Brief. Mein Mädel aber liest die Zeitung.
„Die Blumen sind der Jungfrau--rate, was
Das ist, Papa!" — Sie lacht. — Mir kommt's bekannt vor. Ich will das Blatt. — Sie wehrt sich. „Bitte, laß I" Und blinzt mich kichernd an und hält die Hand vor.
Die Tante Voß schielt grämlich drunter her, Als fände sie das Spiel nicht ganz geheuer; Ich sinne nach und taste kreuz und quer Und hab's I „Ein Scherzreim aus Johannisfeuer, Mein Kind. Das Stück ist alt. Als ich es schrieb, Da war Tein Traum ein Prinz auf weißem Zelter." Sie liest und lacht unb lacht. „Papa, vergib! Du mußt noch mehr zurück. Dies Stück ist älter." Da wird's mir klar: Ein Unglück ist gescheh'n! Als ob Gespenster jählings auferstünden, So hör' ich einen Ruf bie Welt durchweh'», Von meinen sieben mal siebzig Jugendsünden.
Ter Werdezeit vergrabnes Inventar, Die Reimereien, dick voll Staub und Schimmel, Das Alles, Alles wird nun offenbar;
Und ivas der dichtbemähnte, lange Lümmel, Der stets mit Wasserstiefeln um sich stieß, Nachtschwarz wie nur ein Perser oder Kurde, — Weil er den Bart sich eben wachsen ließ, Der später so mit Recht berüchtigt wurde — Was der in dumpfem Stolze sich gelmcht, Die Pfesferkuch- und kosmischen Gedichte, Das ivird aus seiner Gruft hervorgesucht, Das schleppt man nun mit mir zum Hochgerichte.
Doch gerne wich' ich grausamer Gewalt Und gab' den Henkern meine letzten Haare, Wär' ich noch einmal zwanzig Jahre alt! Hätt' ich noch einmal meine zwanzig Jahre. Blankensee (Mark), den 16. September 1911.
Hermann Sndermann.
Buchstabenrätsel.
a, bei, e, ge, ft, li, l, lo, ol, ma, tue, lin, po, tu, ter, ver, wil, z.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen fünf Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, den Namen eines Operetten-Komponisten ergeben. Es bezeichnen aber die einzelnen Wörter der Reihe nach folgendes:
1. Ein Längenmaß.
2. Weiblichen Vornamen.
3. Fremdländische Münze.
4. Englische Stadt.
5. Sternbild.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer r Der Schlaf.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck unb Verlag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


