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Wesen sein Tonnfe, die man dann spater an den Lohsteg' verlegt habe. Dafür, ob den Lohsteg hinunter auf seiner westlichen Seite Nochmals ein Damm mit vorliegendem Graben zog, habe im reine Beweise. Möglich wäre es. Nur unsere „Dammländer" kann Man allenfalls als Hinweis darauf ansehen. 1631 wohnte, tote wir oben gehört haben, in der früheren Mühle am Lohsteg der Seegräber, deren es nach unserenr Meßbuch zu Anfang des 17. Jahrhunderts mehrere gab. Einer hieß Georg Eulner, der andere Kaspar Mohr, er war der Seegräbermeister. Ihr Amt war die Unterhaltung der zahlreichen herrschaftlichen Teich-Anlagen und die Ausräumung und Unterhaltung der Wasserlaufe. Das Meßbuch berichtet uns davon wiederholt. Oberhalb des damaligen Salzborns, der späteren Saline und des heutigen Salinenhofs lagen vor 300 Jahren 4 Weiher. Der unterste und kleinste Mar der Schafweihcr, dann folgten 3 größere, der untere, mittlere Und obere Weiher, deren Dämme und Durchlässe noch heute erhalten, oder wenigstens sichtbar sind. 1604 werden beim Neuschesweiher, der unweit der Rinderbüger Gemarkung linksseitig des Seemenbachs und viel höher als derselbe liegt und noch heute der Fischzucht dient, Waldwiesen genannt. Im Jahre 1534 heißt er der Reussenweiher am Ochsen-Gemeul.
Nach dieser kleinen Wschweifung müssen >vir Wiede« am Seenienbach hinab, zurück zum Schloß. Auf dem Wege dahin kommen tote vorüber an der Schleifmühlc von Alexander Gebhart Und dein Anwesen des Walkmüllers Johann Geyer. Wir passieren die untere Schmitte, (den heutigen Hammer'?), wo die Klingen Mühle genannt wird, und außerdenr noch mindestens 7 kleine Häuser und Triebwerke, die zumeist von Nagel- und Pfannenschmieden bewohnt und betrieben wurden. In ihrer Gesamtheit hießen sie „die Schmitten". Das Büdinger Wald-Weistum von 1380 nennt ihre Insassen „die alten Delre", d. h. Talbewohner. Bis ins späte Mittelalter hinein saßen hier, ebenso wie in der Hinterburg, mir Leibeigene, zweifellos sämtlich auf herrschaftlichem Grund und! Boden. Auch hier haben uns die Gewannnamen
Aufstellung nahmen, sobald von der Brüstung des ^.ores heran der Stadttrompeter Jörg Ott Hempel aus der AlAadt, oder einer seiner Vorgänger mit schmetternder Fanfare das Nahen der Herrschaften und ihres Gefolges verkündete und wenn diese dann! der Stadt- und Gerichtsschultheiß an der Spitze ferner Ratsherren und Gemeinen empfing und hinauf geleitete zu dem erhöhten Ehrensitze. An solchen Tagen herrschte ftohliches Sebert innerhalb der Mauern Büdingens und außerhalb und die Wirt« und Gasthalter der Herbergen zum Schwan und zur Krone« denen das alleinige Recht des Weinausschanks gegen einträgliche Abgaben von der Herrschaft verliehen war, hatten guten; Zuspruch. Manches Fuder echten Büdingers „nicht vom besten! und nicht voni schlechtsten" wurde ba, an- und aus gestochen Jeder fand dabei seine Rechnung. Die Festteilnehmer „kamen in die gewünschte Stimrming, die Wirte erzielten volle Geld rasten und der Verwalter des herrschaftlichen Weinkellers leere Fässer«
die geschichtliche Ueberlieferung erhalten. Wir sind wieder bei der Webismühle angelangt und überschreiten auf flach gelegten Steinen den Wasserlauf beim Pulverturm, der, wie wir gehört haben, damals auch zum Lagern von Obst benutzt wurde, also überdacht war. Der 30jährige Krieg, der bereits 12 Jahre das deutsche Vaterland verwüstete, hatte demnach damals anscheinend Noch keine ernsteren Gefahren für unsere Vaterstadt gebracht, sonst hätte man den Turm am Mehltor nicht zur Lagerung von Getreide benutzt und im Pulverturm kein Obst aufgeschüttet. Und doch werden wir später sehen, daß die tiefen, nach hundert Jahren Noch nicht verwundenen Schäden, die dieser unheilvolle Krieg über Deutschlands Gauen brachte, schon damals in Büdingen sehr fühlbar geworden waren. Das kleine Büdinger Gericht allein hatte schon eine Kriegskontribution von über 6000 fl. aufbringen müssen. Daß der Pulverturm im Hain früher nicht so unbetvehrt dastand, wie heute, zeigt ein noch vorhandener, nach Norden weisende« Maueransatz. Man wird annehmen dürfen, daß Wassergraben! Und Wall, die das ganze Schloß umgaben, verstärkt waren durch eilte vorliegende Mauer, die den Pulverturm etwa mit dem Waisentor verband und die nach dem Seementor zu sicherte. Denn zwischen Waisentor und Obertor zeigt die Abschlußmauer des Lustgartens noch heute deutlich früher vorhandene Zinnen! und Schießscharten. Dazu stimmt auch anscheinend eine Angabe von 1630, nach der im Schloßbereich ein Berg, die „Schanz" genannt, von über zwei Morgen Größe lag, und ein Morgen! dabei gelegen, eine Wüstung, so ausgegraben ist.
Das würde auf die Terrasse passen, auf der das Gewächshaus steht. Da jedoch gleichzeitig der Lustgarten mit seiner jetzigere Flächengröße als damals vorhanden angegeben wird, so stimmt meine Folgerung zunächst nicht ganz und diese Sache bedarf Noch toeiterer Forschung.
Alle Gräben und Dämme' um die Stadt waren herrschaftlich.! Der hohe Tamm vom dicken Turm bis zur Oberpforte wav 1631 den Gräflichen Fräuleins zur Obstnutzung überlassen; ebenso der Damm und das Wäschhaus zwischen den beiden Unterpforten, wo vordem ein Hnndszwinger war. Es ist der heutige Albertsche Garten. Das Westernachsche Anwesen hieß der Doppeldanttn, weil sowohl vor der älteren inneren, wie innerhalb der jüngeren! äußeren Stadtmauer am Lohsteg je ein Damm war, die ein tiefer Graben trennte. Der heutige Hirschgraben wird 1631 der Graben vom Obertor bis an das Untertor bei der Linden genannt. Damals hatte ihn her Gräfliche Rat Tr. Brand in Benutzung. Die mächtige alte Stadtlinde blühte und duftete da, wo heute der Stern liegt. Sie stand noch bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts. Nahe dabei, etwas höher gelegen, zeigt Uns das bekannte Meriansche Bild von Büdingen 3 Kreuze.^ Vielleicht war es eine Kreuzigungsgruppe. Daß die Kreuze dort standen, betoeift die 1529 urkundlich vorkommende Benennung eines Gartens „hinter den Kreuzen vor dem Tore" und der 1552 genannte „Kreuzgarten am Kreuzthor". Wie ich vorhin erwähnte, wird 1533 der Weihergarten bei der Herrgottskirche genannt. Da dieser Garten und der Weiher, wie wir gesehen haben, durch die Mühle am Lohsteg festgelegt sind, bestimmt sich damit die Lage dieser kleinen Kirche, die auch unsers Herrn Leichnams Kapelle heißt. So erklärt sich auf natürlichste Weise die Be- zeichnung des äußeren Untertores als des Jerusalemer- tzder des Kreuz-Tores, Welch' schönes stimmungsvolles Bild
Ich darf mich, so verführerisch es für mich ist, nicht langer innerhalb der Stadt unb bei ihr aufhalten. Wir gehen vvch Untertov die Fahrbach hinunter — eine Bor st ad t gab es damals noch nicht — nach dem Großendorf, von dem toir wissen, daß es viel älter ist, wie Büdingen selbst. Nachdem wir die Kalberbach überschritten haben, sehen wir, ehe wir halbrechts ui Den Pfarrerweg einbiegen, linker Hand einen stattlichen Bau „das Herrnhaus". Wie es ausgesehen haben mag und wozu es gedient hat, weiß ich bis jetzt noch nicht; aber dort lag es: in deM Winkel, den die Kälberbach mit dem Seemenbach bildet Test Pfarrerweg bestand noch bis zur Erbauung der Pfarrer Clemm- und Dachdecker Henneyschen Häuser im Jahre 1892 , Er tourt damals unregelmäßig mit Platten belegt und von Hainouchet^ hecken begleitet. Ein Stück davon ist beim Junker nhof noch zn sehen. Er führte, toie uns 1519 gemeldet wird, „am Reiprecht- schcii Weiher" und „am Amtshause", dem heutigen Junkernhos, vorüber nach der Pfarr, die bei der Remigiuskirche am Berghang« lag Denn 1545 wird ein Acker von ein Morgen univendig, d. h. unterhalb des Pfarrhofs genannt. In der Gewannbezeich^ nnng „hinter der Pfarr" ist uns der Psarrhos und seine Lagck nochmals überliefert. Hier hatte der Pfarrer von Büdingen bis zum Jahre 1490 seinen Wohnsitz. In biet em Jahre kaufte das Kloster Marienborn als Pastorin, d. h. Patronatsherrin zu Bui- dingen, dem „Pfarrhern Tilman Beldersheim" von Friedrich von Breideiibach ein Haus mit Ställen, Scheuern und Garten „irt unser lieben Frau bei der Kirche gelegen". , Es war dies dis Liebfrauen- oder Marienkirche, die jetzige Stadtkirche. Das damals gekaufte Haus ist das jetzige im Jahre 1562 umgebaute unÄ demnach schon über 400 Jahre alte erste Pfarrhaus. Zu der! Pfarrstelle im Großendorf gehörte auch die Pachtung euteS tobet! 100 Morgen großen herrschaftlichen Gittes, das dem leroeihgenl Pfarrer gegen 10/8 Korn und % Hafer in Landsiedelpacht vev- liehen war. Im Großendorf war ein großer gräflicher Aichhof und die städtische Ziegelhütte; die herrschastliche lag hinter den Webismühle bei der Hinterburg. Die städtische Ziegelei ging erst im vorigen Jahrhundert durch Kauf an den Vater des irrt Vorjahre verstorbenen Zieglers Anton Wittekind über. Weitet! lag im Großendorf das Siechenhaus. Daher der Siech- mit „ch" und nicht, toie er heute heißt, der Sieggarten mit „g" gescUiebenx denn zu dem iiahe gelegenen Kriegerdenknial steht er in keine« Beziehung. Es ist der Garten von dem die 1. KnabenschulstellÄ die Hälfte als Besoldungsgrundstück besitzt, zwischen der Büchese« Straße und dem Friedhof, auf der linken Seite des Ausgangs« Im Garten ist noch ein alter Ziehbrunnen. Das Siechhaus lag Bei dem gemeinen Fahrweg auf dem Niederwörth. Unter „Wörth" ist ein von Wasser bespültes, tief gelegenes.Grundstück zn verstehen. Deik Seemenbach und die Kücheiibach sind diese Wasserläufe. Sunt Großendorf gehörte ursprünglich das ganze Gebiet des Eichelbergs« der Winterhall und das der Kälberbach. Das heute Forstmeister) Spenglersche Besitztum hieß der Schlvanfeldersche Garten auf dem! Niederwörth, der 1628 den Gräflichen Fräulein als Saum garten! zur Nutzung überlassen war. Vielleicht ist er identisch mit dem „Seemengarten", der oft urkundlich genannt wird, in dem das „Seemenhaus" stand. _ . _ .
Wo lag nun das Wingendorf, d. h. das kleine Dorf« das, als Gegensatz zum großen Dorf, bestanden haben muß und in dem schon 1376 ein Ziehbrunnen erwähnt Wird, Als die Bahnhofstraße gebaut wurde, entfernte WW den
von tiefernster Bedeutung fit« den Christen! vor dem Jerusalemer! Tor die 3 Kreuze Golgathas zur Rechteii, die Grabeskirche zur Linken. Welch dankbarer lebensfreudiger Vorwurf aber auch! für eine Schilderung von Land und Leuten! Wenn zwei Tage! vor und zwei Tage nach dem 1. Oktober, dem St. Remigiustage, auf dem großen freien Platze vor dem Jerusalemer, Tor beti viertägige Jahrmarkt stattfand, den Kaiser Ludwig im ;A6gte 1330 dem edlen Manne Luther von Menburg für feine Stadt Büdingen verliehen hatte. Wenn im Schutze der wehrhaften) Türme und Mauern im Bereich her Weithin schattenden Stadt- linde die Scharen der herbefgreilten Landbevölkerung in ihrer I malerischen Tracht sich unter die modisch gekleideten Städten I mischten. Wenn, hie Schützengilde aufzog, der die ©tabt_ la94j I für zwei Taler jährlich „den Stadtgraben hinter der Neustadt > I c.-fo den Hirschgraben zu Schießübungen gemietet und dort Ziel- i stand und Schießhütte errichtet hatte. Wenn die Zünfte mit I wehenden Bannern daher kamen und den Schützen gegenüber)


