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hinausgeht, wird als Ueberstunde gerechnet und bezahlt. Backstuben und Läden müssen gekalkt und gestrichen sem. Backereien dürsen keine Schlasräume enthalten, und das Gesetz dehnt den Begriff Bäckerei auch auf »irgend einen Raum, in dem das Rohmaterial lagert", aus. In Südaustralien sind m Bezug auf Schlafgelegenheit in Bäckereien ähnliche Bestimmungen getroffen, sowie weitere sanitäre Maßregeln angeordnet. Arbeitszeit 54 Stunden inkl. 6 Stunden für Mablzeiten und Ruhepausen; in Westaustralien 52 Stunden für Brotbäcker, 48 für Kuchen-und Biskuitbäcker; in Victoria 48 Wochenstunden, Ueberstunden sind pro rata temporis plus ein Drittel zu bezahle», doch sind von diese» nur 3 Stunden an einem Tag und 40 Stunden im Jahr als Höchstmaß erlaubt. Jeder dritte Dienstag int Januar ieden Jahres ist ein ganzer Feiertag, an dem weder Brot gebacken, noch geknetet werden darf. Aehnliche Bestimntunge» gelten für Q u eens» land und Neu-Seeland. Auch in Kanada sind die Gesetzgeber dem Mutterlande vorangegangen unb JEjaben in Ontario g. B. sogar den Verkauf von Backwaren am Sonntag verboten, sowie strenge sanitäre Maßregeln angeordnet und die Arbeitsstunden beschränkt, ebenso Manitoba und British Kolumbien, wo Ueberstunden von einer schriftlichen Erlaubnis des Poltzei- inspektors abhängig sind und Personen unter 14 Jahren überhaupt nicht in diesem Gewerbe, solche unter 18 Jahren nicht zwischen 9 Uhr abends und 5 Uhr morgens beschäftigt werden dürfen. „
Diese Nachtarbeit, die aus unserem täglichen Brot ein nächtliches macht, ist von jeher der dunkle Punkt des Bäckereigewerbes geivesen, und hier haben die Gesetze zuerst eingegriffen. So ist in Deutschland durch den Bundesrat am 4. März 1896 bestimmt, daß in den Bäckereien, in denen nachts gearbeitet wird, das Tagewerk 121/» Stunden für den Erwachsene» unb 10% bis 11% Stunden für den Lehrling nicht übersteigen darf. Die sanitären Bestimmungen sind nach preußischem Muster in fast allen Bundesstaate» eingeführt. An erster Stelle in der Fürsorge für feine Bäcker steht Finland, wo seit 1906 die Arbeitszeit 48 Stunden in der Woche ober 10 Stunben am Tag ohne Rücksicht auf Alter unb Geschlecht nicht übersteigen darf. Nur 100 Ueberstunden im Jahre sind erlaubt, und alle Nachtarbeit (von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens) ist verboten. Die sanitären Bestimmungen verlangen u. a. für jeden Arbeiter ein Minimum an Luftraum von 10 Kubikmetern. Nächst Finland hat Italien seit dem März 1908 alle Nachtarbeit von 9 Uhr abends (Samstags von 11 Uhr abends) bis 4 Uhr morgens verboten, spezielle hygienische Bestimmungen aber leider nicht getroffen. In dieser Beziehung gehe» die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit gutem Beispiel voran, wo die Arbeitszeit, außer in Pennsylvanien und New-Jersey, zwar nicht festgelegt ist, aber die strengsten sanitären Maßregeln vorgeschrieben sind unb scharf kontrolliert werben.
Vermischtes.
kf. Wie das italienische Königspaar durchs Fen st erineine Kirche stieg, darüber geht gegenwärtig eine hübsche Anekdote in der römischen Gesellschaft unt. In der letzten Zeit Hatten trotz der drückenden Hitze, die auch auf Rom lastet, der König und die Königin Von Italien im Quirinal Aufenthalt genommen. Eines Morgens beschloß das Paar, die alte kleine Kirche Von Palombara-Sabina zu besuchen und sie Verließen Rom im Automobil, nur Von dem Chauffeur und einem Adiutanten in Zivil begleitet. Vor der Kirche angekommen, stieg man aus, Und der König fragte einen auf dem Platze vor dem Gebäude herumstehenden Bauern, wo man den Schlüssel zur Kirche bekomme. „Dort beim Küster, Herr," sagte der Mann, „in dem Häuschen der Kirche gegenüber." Unglücklicherweise aber hatte der Küster den Schlüssel verlegt. Er suchte ihn überall Unb fand ihn nicht. Aergerlich über das Mißgeschick, wollte das Königspaar schon wieder in den Wagen steigen, als der Küster vertraulich sagte: „Hören Sie, wenn Sie unbedingt in die Kirche hineinwollen, so gibt es ein Mittel." — „Welches?" fragte sofort lebhaft die Königin. „Es ist da ein Fenster, das immer offen steht. Ich will eine Leiter holen, dann können Sie in die Kirche hineinfpringen." Der König begann zu lächeln. Dies Verfahren erschien ihm aber entschieden ein wenig zu gefährlich, zumal für die Königin, die doch an solche Kunststücke nicht gewöhnt ist. Diese aber griff den Vorschlag des Küsters auf und war bereit, jenen ungewöhnlichen Weg in die Kirche zu benutzen. Kurz, die Leiter wurde geholt, die Königin kletterte gewandt die Sprossen hinauf und sprang durch das Fenster in die Kirche hinab. Desgleichen tat bann der König und so konnte das Königspaar in der Kirche seine Gebete verrichten.
K.--K. Die neue Pelzmode hat die Aufmerksamkeit der Jäger Und Kürschner, aber auch der Damenwelt auf die zahlreichen Pelz träger des deutschen Waldes gelenkt; vvn einem seltsamen Vertreter dieser Pelzträger berichtete das neueste Heft des „Kosmos", Handweiser für Naturfreunde (Stuttgart), Im Flußgebiet der Aller, Leine und Oker gabi es früher ein Jagdtier eigener) Art, den Nörz, auch Krebsotter, Steinhund, Wasserwiesel oder Wasiermenk genannt, in den alten Jahrbüchern dagegen zum Unterschied vom größeren Fisch- oder Flußotter als Sumpfotter bezeichnet. Der Nörz erfreut sich heute eines besondeven Interesses!
der JaMoologÄr unb' Jäger, Keil es Sie Entscheidung der WAgR gilt, ob er, wie vielfach behauptet wird, in der allerjüngsten Zeit in Deutschlantz ausgestorben ist, vder, wenn auch unerkannt, noch weiter existiert. In den alten Jagdregistern der Grafen Schulen- burg-Wolksburg findet er sich regelmäßig mit auf geführt; er wurde hier in den Sumpfniederimgen der Aller gefangen nndi geschossen. Besonders zahlreich wird er niemals und nirgends aufgetreten fein, während fein größerer Vetter, der Fischotter (schlechtweg Otter; der Laie beneimt ihn fälschlich als eine Schob wo hl diese Auszeichnung nur dem Otterngezücht, Kreuzotter usw.- zukommt), bevor die jetzige, durch die bedeutende Hebung Setz Zucht und Haltung wertvoller Edelfische bedingte scharfe Verfolgung einfefete, sich oft an fischreichen Wildbächen in recht fataler Weise konzentrierte. Jedenfalls rechnet das Jagdgesetz! noch mit ihm, denn es führt Unter den jagdbaren Tieren „Ottern an: es muß also der zoologisch zwischen dem Fischotter und dem Iltis (mit dem er häufig verwechselt wird) stehende Nörz als Otte« angesehen sein. Der amerikanische Nerz oder richtiger ebenfalls Nörz ist ja durch sein kostbares Pelzwerk den meisten wenigstens vom Ansehen bekannt, während unser deutscher Nörz vielen Jägernj auch dem Namen nach fremd ist. Die Lebensweise und die häufig Unzugänglichen Aufenthaltsorte des Nörzes in Deutschland, wo ex überhaupt «noch vorkommt, bringen es mit sich, daß er sich der Beobachtung fast ganz entzieht. Der Nörz liebt die brüchigen unb schilfreichen Umgebungen von Seen und Flüssen, wo er, tote der Iltis, seine Wohnung auf einer Kaupe (Bülte) oder Erhöhung im Gewürze! von Erlenbäumen, doch immer in möglichster Nahe des Wassers, anlegt, und mit wenigen Ausgängen, die nach der Wasserseite münden- versieht. Während der Iltis, aus dem Bau oder sonstwie gestört, sich durchaus nicht zu Wasser lagen läßt- sondern stets seist Heil in der Flucht auf dem Lande sucht- wo er Schlupfwinkel in hinreichender Menge kennt, plumpst ber Nörz unter solchen Umständen sofort senkrecht , ins Wasser *unä taucht fort. Eine Verwechslung ist also gar nicht Möglich. Es gelingt selten, den Nörz int Wasser zu schießen, da er lange unter der Oberfläche bleibt und stets an einer entfernten Stelle wieder zum Vorschein kommt. Die Spur ist der des Iltis so ähnltch- daß selbst der geübte Jäger leicht getäuscht wird, da sich bet tu big er Gangart die charakteristische kurze Schwimmhaut auch int weichen Boden nicht abdrückt. „ ~ ™
* Im Löweukäfig. In der französischen Stadt Beaucaite Bot vor wenigen Tagen ein Löwenbändiger 100 000 Franks dem, der den MUt habe, feinen Löwenkäfig zu betreten. Betretenes Schweigen ringsum, bis schließlich mit raschen Schritten ein Mann vortrat, der erklärte, er nehme das Anerbieten an. Nunmehr gewaltige Aufregung bei allen Anwesenden. Im Augenblicke batte sich das Riesenzelt, in dem der Tierbändiger „arbeitete", vollständig Mit Menschen gefüllt. Der Tierbändiger, der dachte- er habe einen verkleideten Konkurrenten vor sich, bemühte sich, rnhig zu bleiben. Auch der Fremde zeigte eine ruhige Miene. Man nähert sich dem Käfig. Der Löwe knurrt leise . . . „Wollen Sie wirklich immer noch hier eintreten?" — „Aber natürlich, Freund!" Der Löwe zeigte seine Zähne unter fürchterlichem Brüllen. „Nicht hineingehen! Nicht hineingehen!" schreit die Menge. „Ich gehe hinein," erwidert, voll Mut sich umschauend, der kühne Fremde; „wo ist die Tür zuM Käfig?" — „Kommen Sie!" — „Eine Minute!" sagte in diesem Augenblicke schnell der Fremde, „Sie müssen nur eine einzige Vorsichtsmaßregel treffen. „Ja? Welche?" — „Lassen Sie doch zunächst Ihr Tier hinaus." — „Wie?" — „Ja, mein Bester, glaubten Sie Senn, ich werde in Ihren Löwenkäfig hineingehen, solange der Löwe drinnen ist?
* Heümkehr.t Sie: „Warum hebst du denn den KM nicht. Der ist dir wohl zst schwer?" — Er: -,Ne, ne — ich hab' bloß so Angst, ich seh' dich doppelt."
* In der Schule. Lehrer: „Nur einer hat auf Erden gelebt- der ohne jeden Fehler, der stets ein Muster war, wer wat das?" ” Der kleine Karl: -Mutters erster Mann-"
Ratsei.
Ich treibe Maschine», ich spende dir Licht,
Bin nützlich, ja fast entbehrlich, Laß aber die Vorsicht nie außer Acht Bei mir, sonst werd ich gefährlich.
Ein Zeichen nur setz meinem Namen hinzu: Du heißt mich nun herzlich willkommen.
Ich weile nicht lange, sogleich geh' ich fort, Nachdem kurze Rast ich genommen.
Auflösung in nächster Nummert
Auflösung des magischen Zahlenguadrats in voriger Nummert
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Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dietzen.


