Donnerstag den 24. August
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Das nette Mädel.
Noman von Fedor von ZobelttK
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Trautes Kopf zuckte höher: „Bon Dewa — mir? Was ist nett. Warum ist er so plötzlich auf und davon?" „Weil er Sie heiraten wollte. Und da hat ihn fein Vater auf ein Probejahr nach Neuyork geschickt. Er soll sich besinnen. Wenn er zurückkommt und seine Neigung geblieben ist, darf er um Sie anhalten."
Traute schwieg eine geraume Zeit. Sie bildete sich ein, sich verhört zu haben. Das war ja ganz verrückt!
„Erlauben Sie, lieber Herr Eggenolph," begann sie endlich von neuem, „habe ich Sie richtig verstanden: Fred wollte mich heiraten — mich, Traute Köhler?"
„So ist es. Außer meinem Vater bin ich der einzige, der e,s weiß. Mir hat er sich anvertraut. Ich soll Ihnen auch sagen, daß er fest bleiben wird."
„Das freut mich. Aber mich dünkt, es wäre besser gewesen, er hätte es mir selbst gesagt."
„Das wollte er nicht. Er ist abhängig von seinem Vater."
„Herr Eggenolph, Sie werden mir doch zugeben, daß das eine sehr närrische Geschichte ist."
„Das kann ich nicht finden, gnädiges Fräulein. Dewa hat ehrlich and vornehm gehandelt. Er liebte Sie, konnte aber nicht ;unt Sie werben, ohne die Einwilligung seines Vaters. Die steht ihm in Jahresfrist bevor. Nun wartet er."
,,Fd'hne zu wissen, ob er auch meiner Neigung sicher ist." „Er fürchtet nur einen Nebenbuhler."
>,Und der wäre?"
Eberstedt."
Traute verschränkte die Hände im Schoß und schaute in die tosenden Wasser zu ihren Mßen. Bor Everstedt hatte auch der kleine Dewa sie gewarnt. „Er ist falsch wie Galgenholz," hatte er ihr in der berühmten Sonntagsversammlung zugeflüstert. Und damals schon hatte sie sich gefragt: was will der Dewa? Seine Augen hatten so lebhaft gesprochen und seine Stimme einen so zärtlichen Klang gehabt. Wer an den Ernst seines Werbens hatte sie nicht geglaubt. Nun war es doch so gewesen — und sein Vater hatte ihm eine Wartezeit auferlegt. Das war ähnlich wie mit der Probe Max Roeßlers. Die hatte sie nicht bestanden; würde der hübsche kleine Fred wohl fester bleiben?
Um ihren Mund lag ein sinnender Ausdruck. Nun aber rankte die Oberlippe sich ein wenig nach der rechten Seite auf: wie höhnisch.
„Also Herrn Everstedt fürchtet er?" fragte sie.
„So sagte er mir. Wer das sind drei Wochen her. Inzwischen würde sich seine Meinung vermutlich geänder t haben. Es heißt allgemein, daß die Verlobung Eberstedts
mit der Komtesse Andrea Liebenau nahe bevorstehe. Bei dem Gesandten selbst solle davon gesprochen worden sein."
Die Augen Trautes schauten starrer in das Wasser hinein. Sie nickte wie zustimmend.
„Das hörte auch ich," entgegnete sie. „Aber selbst, wäre das nicht der Fall: Dewa irrt sich. Er hätte Ever- 'tedt nie zu fürchten brauchen. Es gibt kaum einen Menschen, der mir so gleichgültig ist wie er."
„Dars ich das Dewa schreiben? Und dars ich hmzu- sügen —" ,
Er brach ab. Er fühlte, wie die Hand Trautes plötzlich fest seinen Unterarm umspannte.
„Noch nicht," sagte sie. „Ich will ein kurzes Bedenken. Wer ich verspreche Ihnen, bis zu Ihrem Sommerfest sollen Sie wissen, ob ich mich mit Fred Dewa verlobt fühle."
Eggenolph neigte verbindlich den Kopf. „Ich danke Ihnen. Und ich hoffe auch für meinen Freund Fred. Also bis zu unferm Sommerfest. Schade, daß Sie abgesagt haben."
Traute zog ihre Handschuh straffer. „Ich habe es mir überlegt. Was mich anfänglich abstieß ■—" ,
„Ahne ick beinahe. Wer ich gebe Ihnen mein Wort: es steckt keine Frivolität hinter der Idee. Beweis: auch Moebius ist bei der Sache. Nur die Häupter unserer guten Stadt fehlen. Im Senat schäumt man, nachdem man aus dem Ehrenkomitee ersehen hat, daß unser lustiges Fest seriösen Zwecken dienen soll. Aber man schäumt umsonst. Da Prinz August an der Spitze steht und em Trw von Ministersgattinnen, so müssen auch die Mütter sich fügen."
Auf dem Klivpenvorsprung an der Tür des Leucht- turms wurden in diesem Augenblick die drei übrigen Herren sichtbar. c,
„Hallo!" rief Eggenolph ihnen zu. Eine freudige Botschaft, Gentlemen: Fräulein Köhler hat sich eines Besseren besonnen und wird doch unsere Märchenkönigin!"
Ein dreifaches Hurra scholl zurück. Traute war auf den Stein geklettert, stand hier im Winde und schwenkte grüßend ihr Taschentuch.
Die Stellung erschien Eggenolph ängstlich.
„Um Gottes willen Vorsicht, gnädiges Fraulem," bat er. „Der Stein ist glatt. Geben Sie mir Ihre Hand."
Sie tat es. Wer sie verweilte noch einen Augenblick in ihrer Stellung. Ihre Augen blitzten. Sie neigte den Kopf vornüber und lachte auf.
„Ein Sprung," sagte sie, „und feiner braucht mehr zu warten. Ich nicht und Dewa nicht, und —"
„Kommen Sie!" rief Eggenolph. Seme Hand preßte die ihre. „Setzen Sie den Fuß hierher — auf diese Stelle . . nun hierher — und hierher. . . Gott sei Dank! Wahr- hastig, einen Augenblick hatte ich Angst/'
Sie sprang hurtig über die letzten Klippen. „Warum?
ries sie. „Ist denn das Leben so kostbar?"
Immerhin des Lebens wert," entgegnete Mursmna,


