Ausgabe 
24.6.1911
 
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sals ihren Einfluß haben,ober selbst, wenn man die-> aozieht, bleibt noch ein bedentscuncr Teil, ein Etwas, das man lein tut» bestreitbaren Willen einer unbekannten Macht zuschreiben muß, oo man sie nun Zufall, Schicksal, Vorsehung,^ gttter oder boser Stern, weißer oder schwarzer Engel nennen will. Mit Sorten <umt bet bekannte Prosessor von der Madenne surMedtzm Egatlc. Rtchet die Frage 51t beantworten. Nach ihm sind ^ntelltgenz, l.etsttlng und Glück die drei Elemente, ans denen der Erfolg erwachst, unb er versucht es, das Verhältnis dieser dret mathematisch zu er­gründen/ Meint Schachspiel bedeutet das Talent 100 »?£>. unb bet äuiafi 0, an der Roulette der Zufall 100 und das Talent 0. Zwischen diesen beiden Extremen liegen alleMoglichkeckeu.Wenn tch Wahlen geben wollte, wurde ich etwa sagen: sur dte Erreichung des Erfolges bedeutet die Intelligenz 60 v. H-, bte Arbeit 10 und der Bufad 80, 9!ber diese Zahleii ergeben feine Summe, sondern nur Produkte. Wenn die Arbeit z.B. gleich 0 ist, so wird auch die Endsumme 0 sein. Fehlt eine dieser drei Eigenschaften oder Machte, so ist nichts zu erreichen. Aber letzten Eudes ist schon die Frage, ob wir klug zur Welt kommen, vom Zufall abhängig. Es Qibt'fein größeres Pech, als dumm geboren zu werden. In diesem Sinne sind wir vom Glück und vom Zufall abhängig, die uns das werde!, lassen, was wir sind".

Ver.'M??LhLss»

* Der Selbstmord mit der Zigarre. Auch die Geschichte des Tabaks und des Rauchens weist ihre Helden auf, Sonderlinge, die es sich zum Ehrgeiz gemacht haben, auf diesem Gebiete Massenrekords aufzustellen. Aber diese wunderlichen Heroen der Pfeife und der Zigarre werden doch in den Schatten gestellt von den Selbstmördern, die die Zigarre oder die Zigarette mit Geduld und Eifer 51t einer Todeswasfe erhoben haben. Die Stampa erzählt von einem seltsamen Kauz, einem Dänen, der seinem inhaltslosen Leben durch Rauchen ein Ende machen ivollte. Er schmauchte fort­an täglich 300 Zigaretten, hatte nach 27 Monaten nicht weniger als 125 000 in Dampf verwandelt, wurde dann Paralytiker und starb wenige Wochen später. Aehnlich voll­brachte ein Mitglied der Budapester Aristokrati Selbstmord. Er war überschuldet, dabei Oberhaupt einer zahlreichen Familie, kaufte sich in eine Lebensversicherung ein und begann nun wie ein Schlot zu rauchen. Es gelang ihm Tag für Tag 56 Zigarren in Asche zu ver,vandeln. Rach zehn Monaten erreichte er auch fein Ziel: der Tod erlöste ihn von seiner Pflicht. Er hatte in den zehn letzten Monaten seines Lebens nicht weniger als 17 000 Zigarren geraucht.

* Moderne Folter in Amerik a. Im Hauptquartier der Neivyorker Polizei herrscht eitel Empörung und Aufregung: das Parlament des Staates Newyork hat soeben einen Gesetz­entwurf angenommen, der die Anwendung der bisher von der Newyorker Polizei gebrauchten Zwangsmittel gegen Polizeigefaitgene und Angeklagte verbietet. Wer in dem freiesten Lande der^Welt mit den Polizeigewaltigen oder dem Untersuchungsrichter in streit geriet, sah sich in der Regel wehrlos einem Verfahren ausgeliefert, das wenig mit den modernen Anschauungen über das Recht eines Angeklagten in Einklang stand und an die mittelalterliche Folter­kammer gemahnte. Freilich bediente man sich nicht unmittelbarer körperlicher Martern; an bereit Stelle hatten bie amerikanischen Behörden ein neues, nicht weniger grausames Folterverfahren ent­deckt, bas als der sogenanntedritte Grad" berüchtigt geworden ist. Um von den Angeklagten ein Geständnis zu erpressen, ließ man die Unglücklichen fasten und ohne Unterbrechung durch Tag und Nacht von Beamten verhören, die natürlich einander ablösten. Ter Angeklagte, dem fein Augenblick Ruhe oder Schlaf gegönnt wurde, litt bei diesem endlosen scharfen Kreuzverhör natür­lich die furchtbarsten seelischen Qualen, bis er endlich förperlich und moralisch zusammenbrach, und nur um der Fortsetzung des Verhörs zu entgehen,Geständnisse" ablegte, die sich sehr oft später als falsch erwiesen. Ebenso Halle die Polizei es eingestihrt, alle Angeklagten und alle wegen geringfügiger Vergehen von Schutz- leisten arretierten Leute sofort zu photographieren und diese Auf­nahmen einer Art Verbrecheralbum einzuverleiben, in dem so die Bilder aller Bürger vereinigt wurden, die irgendwie das Mißfallen der Polizei erregten. Nun hat die Volksvertretung diesen viel an­gefochtenen Methoden der amerikanischen Polizei ein Ende bereitet, zur größten Entrüstung der Schutzleute und Beamten, die erklären, das Ueberhandnehmen der Verbrechen künftig nicht mehr verhindern zu können.

* Blütensarben. Bei sonnnerlichen Wanderungen über bunte, lachende, blumengeschmückte Wiesen, auf denen bald weiße, bald gelbe, bald rötliche, bald bläuliche Blütentöne vor- herrschen, liegt es nahe, sich zu fragen, in welche Farbe sich die Müder Floras wohl am häufigsten kleiden. Bei bet Untersuchung von 4200 verschiedenen Pflanzenatten stellte man fest, daß 28,4 Prozent

von ihnen weiß, 22,6 Prozent gelb, 22 Prozent rot und 14,1 Pro­zent blau blühten. Violette Blütenfarbe wiesen nut 7,3 Prozent auf; grüne Blüten trugen 3,6 Prozent, orangefarbene 1,2 Prozent. Braun blühten unter 1000 Arten je 4 und schwarz nur je 2, Bei Untersuchungen von ausschließlich deutschen Pflanzen erhielt man Zahlen, die etwas von den obigen, allgemeineren abwichen. Von deutschen Pflanzen hatten weiße Blüten 34,4 Prozent, gelbe 29,9 Prozent, rote 17,7 Prozent, blaue 9 Prozent, violette 5,9 Prozent. Grüne Blüten fand man dagegen unter 1000 Arten mir bet 16, orangefarbene bei 5, braune bei 4,3, schwarze bet 1,4 und graue bei 1,3. Es herrscht demnach bet rms ein hoher Reichtum an weißen Blüten bie besonders dein Frühling angehoren und an gelben. Die letzteren treten namentlich im Herbst stark hervor. In sehr auffalleitder Weise soll das herbstliche Blutengelb sich übrigens in Nordamerika bemerkbar machen. Noch wett mehr weißblühende Pflanzen als bei uns gibt es verhältnismäßig m den nordischen Ländern, z. B. in Lappland. Aber auch auf den Alpen herrscht die weiße Farbe vor. Man sucht diese Erschemtmg dadurch zu erklären, daß hier wie dort infolge des kurzen som­mers die Blüten recht hell,' strahlend und weithin leuchtend sein müffeit, damit sie leicht und schnell von beit Insekten entdeckt werden.

* (Seift egge gen iv tt r k.Mein Lieber" sägte FE Zone? zu ihrer bedeutend geringeren Hälfte,ich möchte dich bitten, mir heute nachmittag einige Einkäufe zu besorgen. Herr Jones schaute enttäuscht darein. Er hatte für den Nachmittag eine Verabredung zu einem Fußball-Wettkampf getroffen, -

ich hatte gedacht, ich ivollte heute nachmittag zum Spvrkpld gehen, mein Täubchen," begann er schüchtern. ,Ho, wirklich c bemerkte seine Frau mit eiliger Kälte.Nun, ich habe etwas Besseres für dich zu tun. Du kannst mal zu Masons gehen und nach diesem Muster"In der Abteilung, wo bie n eine Blondine bedient,?" unterbrach Herr Jones sie eifrig., Das hübsche kleine Ding, weißt du, mit den Locken und den leuchtenden Augen und dem schelmischen Lächeln miv?- Vielleicht," entgegnete Frau Jones mit starrem Blick,be­sorge ich den Einkauf doch besser selbst." (Answers.)

* Kleines Mißverständnis.. Der Ordinarius ddr Sekunda eines Gymnasiums stellt an die Schuler seiner Klasse die Frage, was sie denn einmal werden ivollen. Eme» seuiech Schmerzenskinder ist der Sohn eines reichen Fabrikbesitzers, der Ordinarius weiß schon, daß der junge Mann Schauspieler werden will, und teilnahmsvoll hebt er an:Allo Sie wollen Schau­svieler werden? Ist denn Ihre Familie damit einWrftancim? Darauf der hoffnungsvolle Sekundaner:Ich habe noch keine!

* In der Sprechstunde.Warum sind Sie denn gär so fassungslos, Frau KraU.se?"Ach, Herr Doktor, wenn St,e eine Ahnung hätten, was mir alles fehlt!"

*Bor Gericht. Richter:Sie sind beschuldigt, vor Zeugen gesagt zu haben, Ihr Nachbar Kientopp habe so viel Schulden, wiü Ziegel aus dem Dache!" - Angeklagter:BegMf"chmch daß sich der Kientopp dadurch beleidigt fühlt, sein Haus is ja mit Schiefer gedeckt!"

* Ein ganz Schlauer. -Wenn ich 'mal was biimnteS sage, so pflege ich stets mich selbst zuerst auszulachen!'Da müssen Sie ja aus deni Lachen gar nicht Mehtz herauskommen!

Büchertisch.

Ludwig Uhland ist nun autf) unter bie bichterischen Persönlichkeiten ausgenommen, benen her Tempel - Verlag seine künstlerifchen Klassiker-Ausgaben luibmet. Der Tempel erweitert bamit sein Programm abermals. Die poetischen Schriften Uhlands setzen bie mit bem Nibelungenlied begonnenen sogenannten kleinen Klassiker, die nur wenige Bände umfassen, fort. Auch bie Uhlcmd- Ausgabe ist eine vollständige bichterifche Ausgabe. Ter erste Band enthält auch bie sämtlichen Gebichte unb Ballaben des Nachlasses, der zweite Band außer den größeren Dramen,Konrad von Schwaben" unbLubwig bet Bayer", bie sämtlichen sehr wert­vollen bramatischen Fragmente. Ten Schluß bilben bie biographischen Erläuterungen samt einer Auslese bichterifcher Briefe.

Neueste Pariser Mode u" Nr. 3 bietet seinen Leserinnen eine angeneljme Ueberraschimg. Das neue Heft bringt als willkommene Bereicherung einen Riesenschnittbogen für eine Anzahl eleganter Modelle, darunter ein reizendes Kimonokleid, ein elegantes Badekostüm und ein hübsches Kinderkleidchen. Sehr willkommen «erben jedenfalls auch die schönen Handarbeitspore! lagen sein, dieNeueste Pariser Moden" Nr. 3 bringt.

Gleichklang-NStsel.

Ein lockrer Vogel ist es, fein Ruf als schlecht betannt, Doch gibt e8 noch zwei Flüsse, die ebenso werben benannt.

Auslösung in nächster Nummer;

Auslösung des Erganzungsrütfels in voriger Nummert Mit einem Herren stehl es gut, Der, was er befohlen, selber tut. Goethe.

NedakUotiU. Neurath, Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei"' R "Lange, GießM