Ausgabe 
24.6.1911
 
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Die rätselvolle Macht dcZ Zufalls, die nach dein Glauben Viele« die Welt regiert und nach der Meinung' anderer nur ein Schreck­gespenst bliiiden Aberglaubens, ist,, ist der Gegenstand einer uitcr- essailten Umfrage, die die ZeitschriftJe_sais tout" bei einer Reihe

von Schwabs vaterländischen Gesängen möchte ich doch die Deutsche Wehr" bezeichnen, durch die es ehern klingt. Gibt M in der neuereil Literatur eine gleich hinreißende, stolz-ein- sachere Apostrophe mt das nationale Selbstgefühl?-

schicksal, ivelche Rolle spielt das Glück bei dem Erfolg? Die Ant­worten lauten sehr verschieden, aber im allgemeinen scheint von denen, die ihre Erfolge bereits errungen,, haben, dem Zufall und dem Glück geringere Bedeutung zugeniessen zu iverden, als der Arbeit, der Leistung imb der Willenskraft.

Die Vorstellung des Zufalls ist ohne Begründung", äußert sich Jules Lema! tre,man glaubt daran aus Instinkt, aus beut Gefühl für bie Notwendigkeit einer ausgleichenbeit Macht imb zugleich aus jenem Gerechtigkeitssinn heraus, der tut Wesen bes Menschen liegt". Jules Elaretie bagegen, der langiahnge Direktor der Eomsbie srait?aise, räuntt, wie alle Theaterleute, dein Zufall eine oeivichtige Rolle ein, bie utmt aber doch nicht über- treibe» dürfe.Jener Offizier ist im Kriege zum Helden geworben, weil vielleicht seine Batterie oder feine Kompagnie eine gute Stel­lung bekonunen hat. Jener Schriftsteller hat seine Arbeite» mt- genommen gesehen, weil er atü seiner Bahn eine gattz »»erwartete Sympathie fand aber der beste Zufall auf dem Wege zum Er­folg ist doch bie ütrbeit". Paul Döroulsde unterscheidet zwei Arte» desErfolges": entiveber man verivirklicht Gebanken auf Sofie» bes persönlichen Vorteils, ober man erreicht feinen persoit- lichen Vorteil cutt Kosten ber Jbee:2lber wie hart sich auch diese beibeit Wege zum Erfolge scheiben, die 511111 Ziele kommen wollen, bebürfen einer Kraft, bie sich zufammenfeist aus eilt Viertel Gluck imb bi-ei Viertel Willenskraft". Maurice D 0 n n a y, der be. mm e Dramatiker, räumt beut Zufall nur eine fehr nntergeorbnete Stellung ein. Ter Wille des Mensche» hat bie Kraft, bie Macht

- - -Alles kommt daraus an,

Daß Preisen wir den.Herrn her Welt, Daß er uns Wibersager Wohlweislich ringsherumgestellt Um: unser Land und Lager, (fr hat es wohlgemeint, ich dächte, Daß wir nach links, daß wir nach rechts Uns weiblich müssen wehren Um Hab und Gut und .Ehren,.

Kauft fein erhebendesNicht zagen":

Was fragt ein deutsches Herze viel,

-Ob Wind und Wellen trügen? Des deutschen Reiches Eichenkiel Muß Meereswogen pflügen!

Und wie auch droht des Sturmes Hauch, Wie hoch des Unheils Wollen auch Am Himmel droben ragen

Nicht zagen.

Der ganze Gottfried Schwab ferne Dichtungen sind unter dem TitelWolkenschatten und Höhenglanz" ver­einigt r aber tritt in dem Gedicht hervor, das er in schwerer Zeit an den von ihm begeistert geliebten Wilhelm Rabe richtete:

Steigen nicht giftige Blasen empor Aus blähendem Sumpf, Und der Versuchung List Und züngelnd drohend

Nach unseres Volles Gemüt,

Nach der Kunst schnell kränkelnder Blüte?

Erhalte dich-, deutscher Genius, Dich, in ihm!

Flute siegreich empor Heiliger Born, Daß deutsches Wesen gesunde Und bestehe in Ewigkeit.

Karl Hepp, der demokratische Dichter und Philosoph, hat Gottfried Schwab erschütternd gezeichnet: ,,Äks er die Bergfahrten" herausgegeben, pflanzte er, froher Hoffnung voll, eilte Birke in seinen Garten; sie ist zu einem statt­lichen, -vollsaftigem Baume herangewachsen, und freut sich' des Lichts, ihn selbst umfängt Grabesuachl, und das Schick­sal hat ihm nicht vergönnt, das alles zum Blühen zu bringen!, was in seinem Geiste keimte. Wenige seiner Hoffnungen haben sich erfüllt, und da sich ein neuer Ausblick aufzutun schien, schloß ihm eine höhere Gewalt die treuen, guten Augeit sür immer."

Gottfried Schwab lvird im Gedächtnis der Deutschen weiter leben. Hans M Fischer.

Die Macht des ZufaAs.

<- Jetzt blühte ihm das Leben, 1887 erschien der Gedicht­bandAllerlei Bergfahrten" und das Jahr daraus der neuerdings wieder vielbeachtete historische RomanW- phone". 1890 trat Schwab mit einem DramaUnaufhalt­sam" in die Oeffentlichkeit, dem er die in die Hochgebirgswelt Wende ungemein packende' allegorische DichtungDer . und Gelehrte»

Führer folgen ließ. . . . Doch früh zo^n dte schatt n | t)Qt Welchen Einfluß hat bei- Zufall auf das Emzel-

des Todes herauf; jahrelang verstummte Schwab, den Kranr- 1 ------ - --- - > ' «--*

Beit immer wieder uiederlvarf. Aber der Lebeusgefährttu uneudliche Liebe erfüllte ihn doch stets aufs ueue mit Mut. Sie sagte ihm, -daß sein Tag noch kommen werde. Und dieser Tag kam: durch ganz Deutschland hallte sein Name. war tut Jahre 1900, als die Firma Breitkopf und Härtel in Leipzig für das beste Flottenlied eine Konkurrenz aus­schrieb, an der sich auch Gottfried Schwab beteiligte. Er war der Hauptsieger: seiuMichel, horch, der Seelvind pfeift" erhielt Leu ersten Preis. Konkurrenzen glucken selten, diesmal aber hatte man den rechten Mann gesunden.

In Nord und Süd, in West und Ost klailgs: Und wie alter Hel de» Ruf Tönis aus ferne» Tagen: .

-Was die Kraft der. Ahnen schuf. Du auch sollst es wagen! Michel, eh' die Zeit ueniwtt, Schlag an dein Gewissen

Michel, horch, es pfeift der Wind, Kegel gilt's. zu hifsen. ____

/ Ein Süddeutscher, eilt Hesse war es, der den Deutschen das anfcuerudc Flottenlied schenkte. Der Widerhall dtcsev volkstümlichen Poems war so stark, daß er den laugsam

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ertmiiit, muß man es zäh verfolgen imb viel arbeiten . Mehnlich denkt auch ber Pariser Arzt Dr. Coyeu:ftiir be» Soibate» mag ein glücklich überlebter Kugelregen genügen: der Mau» ber Wissenschaft erringt Erfolg mir burch bte Arbeit, bie Methode unb die Zähigkeit". Lakonisch klingt bieAntwort Ma 1 i euct 5:ier Zcftakl? Ich glaube an ihn, vor allem bet be» anberen'. <ie Musiker scheine» überhaupt bei» Gluck größere Bebeuiung zuz»- mefsen. Xavier L e r 0 u p äußert sich:Die Rolle bes Ziftalls r Außervrbeittlichll Ich will lieber keine Beispiele geben: 33».©. . Maeterlinck gibt zu, baß bie Persönlichkeit, ber Wille, die Bor- zuge ober Mängel eines Eharakters auf bie Gestaltung bes S,yin-

Mchel, horch, der Seewind pfeift...

D n in G e d ä ch t n i s G 0 t t f r i e d Schwabs.

Tausende von Fremden schon haben auf der Mathilden- höhe in Darmstadt tief ergriffen das edle Denkmal von eines Meisters Hand betrachtet, das dem Andenken von Gottfried Schwab gewidmet ist. . . . Der Name ist, obwohl sein Träger längst in der hessischen Heimatserde schlummert, der große» Mässe »och nicht völlig vertraut, aber er wird es werden: iveim dereinst seine feine Lyrik, seine groß­artigen Natilrschilderungen und seine Prosa vergessen sc-in sollte, werden seine vaterländischen Poesien ein ganzes Volk mit fortreißen.

In Zeiten der Not.

Sechzig Jahre würde Gottfried Schwab am 26 Juni fe. I. werden, der ein Sohn Darmstadts ist, wo ihn am 2. März 1903 nach jahrelangen schmerzlichen Leiden auch der Tod ereilt hat. Er war dabei, die Höhe zu gewinne» »ttd zu siege», als ihm stille, schleichende Krankheit vorzeitig die Feder eiitgleiten ließ. Tragischer ist, obwohl Schwab tu gute» materielle» Verhältnisse» lebte, selten eines Dichters Schicksal gewesen. Der zartempfindende, für alles schone i» Poesie unb Kunst erglühende Jüngling muß, da der ihn er­nennende und fördernde Vater vorzeitig stirbt, Kaufmann werden, muß sich mit Dingen abgeben, die ihm g-ar nicht liegen. Und als er endlich frei ist und seinen Neigungen leben -kann, vermag er, der Zaghafte und Träumerische, den es so sehnsüchtig nach Licht und Wärme verlangte, doch nicht emporznkommen, bis er, der 35jährige, in einer jungen Aristokratin, Emma von Hörmann, die ihn ausrich- lende und anregende Gattin findet.Am Ziel" jubelt Schwab:_.

Du bist für mich der lichte Vag 1 Nach langen nächtigen Stunden, Der ftühlingb er kündende Le-rcheuschlag, Das erste Grüil am sprossenden Hag, Nach langem Harre» gefimben.