824
Glocken und Elockemnschristen.
Wenn der Gebrauch von Klingeln oder Schellen äuch. schon im heidnischen Altertum bekannt war, so steht doch fest, daß. dre eigentliche Glocke ein Erzeugnis der christlichen Aera rst. Ihr Erfmder soll der Sage nach Bischof Paulinus von Nola um das Jahr 400 gewesen sein. Das älteste bekannte Zeugnis für eine am Serl gezogene Glocke stammt nach Pater Emil Michael S. I., der m der >,Zeitschrift für katholische Theologie" über die Glocken des Mittelalters referiert, aus der .Feder Gregors von Tours (t 594). Der Umstand, daß die Glockengießer den heiligen Forker- nus, den Sohn eines irischen Fürsten, als Schutzpatron verehren, scheint darauf hinzuweisen, daß, die ersten Glocken Ms Irland stammen; jedenfalls wird berichtet, daß schon während des 5. Jahrhunderts in iroschottischen Klöstern das Zeichen zum Beginn des Gottesdienstes mit Glöckchen oder Schellen gegeben wurde. Im 9. Jahrhundert soll es schon eiserne, also geschmiedete, und bronzene, d. h. gegossene Glocken gegeben haben; von den ersteren haben sich nur sehr wenige erhalten. Die Herstellung der Glocken war anfangs Sache der Mönche, aber schon im 8. und 9. Jahrhundert finden sich umherziehende Glockengießer aus dem Laienstande. Die älteste bekannte Glocke mit Datum soll die zu Drohndors ßm Herzogtum Anhalt sein, doch ist die Lesung 1098 oder 1099 Nicht sicher.
Pom 13. Jahrhundert an sind inschriftliche Zeitbestininmngen schon sehr häufig. In diesem Jahrhundert wurden aber auch schon schwerere und größere Glocken hergestellt; ihr Gewicht erreichte 100, ja sogar 200 bis 300 Zentner. Ungefähr gleichzeitig mit der Vergrößerung erscheinen bei vielen Glocken Inschriften und ornamentaler Schmuck, und zwar zuerst vertieft, dann als Relief. Später kämen die Glockengießer darauf, für die Inschriften und Ornamente geschnittene Formen herzustellen, die in den weichen Lehm gepreßt wurden und somit den gleichen Dienst versahen wie die späteren Buchdruckertypen. Bald kam man auch darauf, die Buchstaben nicht mehr verkehrt auf der Jnnenseitej des Mantels anzubringen, sondern in normaler Gestalt auf der Außenseite des Hemdes, wobei man die einzelnen Zeichen und Schnörkel aus Wachsfäden bildete. Wurde nun der Mantel dem Hemde aufgestülpt, so entstand in ihm ein Negativ der Wachs- sormen und beim Guß ein Positivs das dem vorgebildeten Schema genau entsprach. Auf diese Weise kam nicht selten eine überaus kunstvolle Arbeit zustande. — Sehr mannigfaltig ist der Inhalt der Glockeninschriften. Oft wird die tönende Glocke als lebendes Wesen eingeführt, das ein Gebet spricht; so fleht zum Beispiel eine Glocke des Domes zu Minden: „Gütige Jungfrau, bete für das Volk, so oft ich klinge." Zuweilen ist zwischen zwei Glocken eines Turmes eine Beziehung hergestellt, indem die Inschriften eine Art Zwiegespräch bedeuten. Mm häufigsten aber findet sich auf den Glocken das Gebet um Frieden. Auf der Glocke „Hosanna" im Münster zu Freiburg i. Br. steht zu lesen: „Im Jahr« des Herrn 1258 am 18. Juli ist die Glocke gegossen worden. Ö, König der Herrlichkeit, komm mit dem Frieden! Schallt mein frommes Geläut, so hilf deinem Volke, Maria!" Diese Glocke gilt allgemein ials die älteste datierte mit den: Friedensgebet, eine weit ältere Mit Datumsangabe besitzt jedoch St. Martin am Mbs- felde ju der Diözese St. Pölten: die mit einer dicken Patina- Mlle überzogene Glocke trägt die Jahreszahl 1200. Eine andere Glock« der St. Pöltener Diözese, in der Kirche zu Mtpölla, zeigt außer der Bitte an Maria die Worte: AGLA f TETRA- GRAMMATON f MESSIAS, — kurze Anrufungen Gottes, wie sie sich mich sonst noch auf mittelalterlichen Glocken finden. — Neben den Inschriften erscheint auf den Glocken auch schon im* 13. Jahrhundert figürlicher Schmuck, der sich allmählich zu ganzen Bilder- jreihen erweitert. Mit der Herstellung dieses Schmuckes verhält es sich ähnlich wie mit den Buchstaben: es wurden dem Glockenmantel oder dem Hemde fertige Schablonen eingedrückt. Diese Schablonen erbten sich in den Familien der Glockengießer fort, daraus erklärt es sich, daß zum Beispiel im 14. Jahrhundert der Bild schmuck der Glocken einen Stil zeigt, der auf eine viel frühere Zeit zurückweist. — Bis ins 18. Jahrhundert hinein liebte Man es, auf den Glocken Abdrücke von Münzen und Siegeln hanzu- bringen, wodurch oft bei fehlender Datierung die chronologisch« Bestimmung ermöglicht wird.
Die Sitte der Glockenweihe scheint durch Papst Johann XTlI. !eingesührt zu sein: 968 weihte er die große Glocke der Lateran- kirche im Beisein mehrerer Kardinale und gab ihr den Namen ^Johannes". — Zum Schluß kommt P. Michael auf die Rolle zu sprechen, die die Mocken in Sage und Poesie spielen. Häufig hvird !er zählt, Glocken seien verschwunden und von Tieren — besonders oft von Schweinen —• wieder aufgefunden worden. Andere Sagen verherrlichen die „Heimatliebe" der Glocken, die sich angeblich durch keine Gewalt der Menschen aus dem Ort, für den sie bestimmt sind, fortschaffen ließen. Manche Glocken sollen bei der Und rener Gelegenheit keinen Klang gegeben, wieder ander« auf geheimnisvolle Weise zu läuten begonnen haben. Kurz, man schrieb den Glocken Mitempfinden mit den Schicksalen der Menschen Ustd M prophetisches Ahnen kommender Ereignisse zu.
Die LMrung.
(Nachdruck verboten,)! He hatts grihste Maul, ean he ließ sich naut saa(n), Doas weaßte fei Noochbern, ean doas weaßt die ganz Gemaa(n), 's könnt eit eam Docwf nach kaa(n) Mensch neat leite Ean wer'sch iweS könnt, der dearen') meire.
Doch sei Sach woar eam Staand, he scheut aach kaa(n) Moih, He halt die deckste Kattofstl, ean die fettste Sau.
Sei(n) Noochber halt schu(n) jahrelang en wachsame Hond. Nu traff sichs emoal, groad so im die Meaitoagsstond, Daß d' Hond ean die San eam Hob woarn eüaa(n)8),- Ean off eemoal beaß d'r Hond d'r eene Sau eans Äaa(n), Do driwwer woar d'r Bauer barwoarisch allderieri: „Woas eaß nur met meier Sau bassiert?!" Doch d'r Noochber woar friedlich, m'r kann sich denke, Der wollt sich doch neat oh den Growian henke. „Aich machs wirrer gant", so redd er em3) zou.
Doch der deat nur kreische: „Loaß m'r mei(n) Rouh l „Do soll doch e Kreuzdonnerwetter enean schnieiße l „Aich loaß m'r doch vu(n) beim Hond mei(n) Sau neat beiße, „Aich loaß es neat bebet, doas will aich d'r nur saa(n), „Moann 4) gih(n) aich ean die Stoadt, ean daun dich verklaa(n)l* Die ganz Noacht beare5) kaa(n) Aag neat zou. De Aerjer ean bte Uhbill läißem °) kaa(n) Rouh.
Ean be annern Moarjenb ean aller Froih Spannb he bann oh(n) sei zwaa schinste Koih. Dann bei so woas do doar he goar sche gern protze: Wannm'r ') ohstännig fährt, doas kann ahm3) viel uotze. So doocht he, ean koom dann goar baal ean die Stoadt, Ean sicht3) sich be ersetzte best' Avvegoab.
Wäi be saa(n) wollt, doas harre10) schu(n) ean d'r Noacht Sich Wort vor Wort serächt gelangtn).
Doch eam Woarteraum verging em alle Mout, Dann zwaa Stoun se woarte, dozau Hirt'3) rouhig Blout. Ean wäi he dann endlich vor woard geloasse, Do woar he verärjert ean verdroasse, Ean weaßt aach neat rnih, wäi he wollt saa(n), Ean warf dorchenauuer Hond, Sau ean Äaaln), Vu(n) seitn Noachber, vorn Doars ean vu(n) seirn Hob, Beas endlich der Avvegoab woarb grob: „Ich bin nicht hier, um mit Ihnen zu spassen, Ich muß Sie bitten, sich kurz zu iassen." Joa, joa, aich saan's Ihne ganz genau : _
„Ohgenomme, Herr Avvegoab, Säi warn bie Sau Ean aich wär be Honb, ean aich beaß Ihne eans Baa(n), Herr Avvegoab, s o woarsch, wann aich's Ihne saaln)." Emilie Strack,
*) tat ihn, 3) allein, °) redet er ihm, 4) morgen, 6) tat er, 6) ließen ihm, 7) wenn man, 3) einem, 9) sucht, 10) hatte er, *’) zurecht gelegt, 12) gehört.
humoristisches.
* Unverfroren. „Na, wissen Sie, Meister Zwirn, dies« Rechnung könnten Sie auch mal neu schreiben, die ist ja im Laust der Zeit ganz unansehnlich geworden." ,
*Selb st gesprächeinesLebe mannes. „Meine Vcr-i lobung in Familie meiner Braut kolossalen Effekt gemacht« Tochter strahlt, Mutter prahlt, Vater zahlt!"
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer i
---
Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummert Abkürzungen: tr — Treff, p — Pique, c — Coeur, car — Garreau trB — Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame u. |. u
Vorhand; hat av, aö, bZ, b9, b8, b7, cD, c9, c8, c7, im Skat liegen a8 und a7; Mittelhand erhielt den Rest.
Der Spieler hatte Grand-Schneider angesagt, wobei aber di« Gegner folgende Stiche machen:
1. V. av M. dU H. aK ---- — 9.
2. M.äA H. äv V. bZ = - 24.
SaT= — 33 AugStt.
Das Spiel ist somit verloren.
Redaktion : I. V.: E. He ß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießest-


