Ausgabe 
24.5.1911
 
Einzelbild herunterladen

JgWTTO

SSM

E8E ^MUU' tz

herzrloidr.

Noman von Georg Freiherrn von Ompfebtfe (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der Frühling zog mm ein ins Burggrafen amt, nicht Nur in die Natur, sondern auch in die Herzen der Menschen. Alles schien fröhlich zu sein, die Gesichter strahlten, die Anzüge wurden heller, die Kleider weiß. Verschwunden die dunkeln Kopfbedeckungen, die Strohhüten Platz gemacht mit bunten Bändern, mit Blumen und Farben. Sonnen-» schirme, licht, freudig, wanderten die Wege hin in den Anlagen auf den Serpentinen des Dappeinerweges am Wchelberg, in der Gilf. Und immer mehr Menschen kamen an. Die Hotels, die Pensionen, die Billen füllten sich. Bei der Kurmusi? drängten sich die Leute. Die Bolksschau- spiele waren überfüllt. Beim Rennen wogte es auf der Tribüne. Jeden Nachmittag zogen die Menschlein hinaus nach allen Setten, auf allen Wegen, zu Aussichtspunkten und zu Schlössern, zum Besuch, zum Tee, zum Tennis. Auf allen Wegen traf man Wagen, die Ausflügler fort- führten in die Seitentäleh, nach Tirol, nach Lana, ins Passeier.

Der Frühling zog ein ins Bürggrafenamt, zog ein tnit noch linderen Lüften als bisher, mit glühenderer Sonne, mit Düften und Wohlgerüchen von alledem, was da blühte und zum Lichte rang, zu dem Lichte, in das alles getaucht war wie in eine Flut, das alles umspielte, bis in die hintersten Winkel dringend. Das Licht, von dem der Arzt gesagt:Wo Sonne, da Licht; und wo Licht, da Gesund-, heit."

Ja, man mußte gesund werden in diesem Ansturm des Lenzes, des Sommers fast. Es war ein Wetter, eine Stim­mung, ein Leuchten und Strahlen, ein Jubilieren der aus dem Winterschlaf erwachenden Erde, ein Geborenwerden, eine Feier des Lebens und des Lebensdranges, daß der Mensch, der darin stand, wenn er gesund schon war, über­mäßige Kräfte in sich fühlen mußte und, wenn ihn Leid und Krankheit niederdruckte, ftd) erheben konnte und sprechen:Siehe, heute bin ich wieder zum Leben er-

Und in all der Lenzespracht und Herrlichkeit, in der W einherging mit einem seltsam feierlichen gehobenen Ge­fühl, hatte ich nur einen Gedanken, während mich die Sonne beschien und das Licht umstrahlte, dis Laute der Bögel um» klangen und all das Werden ünd Wachsen, das junge Grün, pur einen Gedanken: Maria, sie wurde gesund, sie war mir Äwgeschenkt, sie war neu geboren. Ich zweifelte nicht daran, eine große Sicherheit hatte mich überkommen, eine zitternde Freude, ein Kübel nicht zu sagen.

Mh mußt», Marie schlief. Ich hatte mich fortgestohlen, jrtH paar Bergungen zu machen. Nun trieb! es mich mir

einem Mal nach Haus. Ich begriff mich nicht, daßrch mich von ihr hatte trennen können, auch nur auf erne Mi­nute. Da eilte ich und lief, daß mir die Leute lächelns nachsahen. Ich wollte ja zu ihr, zu ihr! Mein Herz klopfte, meine Augen leuchteten, vom schnellen Gange waren dw Wangen gerötet, alle Pulse schlugen mir. Es war emet jener Augenblicke, wo wir Menschen uns stärker, großer- reicher fühlen, wir wissen nicht, warum; wo wir über den Alltag emporgehoben sind, wo uns alles leicht dünkt und einfach, wo zitternde Seligkeit uns erfüllt, daß wir lieb­haben, umarmen, uns begeistern, jubeln möchten. Ich malte mir aus, während ich die Tür öffnete, ins Haus zu treten, wie Maria mir entgegenginge, ginge, ja ginge, denn mit heute war doch alle Schwäche und Krankheit von ihr ge­nommen. Ich sah vor mir ihr liebes, glückliches Gesicht- das zu sprechen schien: Geliebter mein, nun bin ich dir wiedergegeben.

Ich trat in das Haus. Eine Gestalt kam mir entj gegen. In der Dunkelheit des Flures erkannte ich sie zuerst nicht. Ein großer, hagerer Mann mit einem glatten, kahlen Schädel. Und so wenig paßte dieses Bild in meinen Seligkeitstraum, daß ich zurückfuhr im ersten Augenblick. Da faßte ich mich und erkannte ihn nun: der Arzt. Sofort streckte ich ihm die Hand entgegen. Natürlich der Arzt! Er kam ja jeden Dag und würde mir nun sagen, mit denk glücklichen Gesicht froher Botschaft:Wir sind! über den Berg. Sie wird gesund."

Er sprach:

Haben Sie einen Augenblick für mich Zeit?

i Gewiß!

I Können wir vielleicht in Ihr Zimmer gehen?

Bitte.

Wir traten ein. Er begann:

h Sie erinnern sich, wir haben einmal über Ihre Frau Gemahlin gesprochen, über ihren Zustand. Ich sagte Ihnen, sie sei als eine sehr schwer Kranke zu he- tvcientert ....

Ich begriff nicht, was er wollte.

Allerdings und

Und Sie sagten, Sie wären Offizier und Manns genug ... .,

Da preßte ich seine Hand und krampfte nnch daran fest:

Was ist mit meiner Frau?

Es ist meine Pflicht. . . auch abgesehen von meinem versprechen. Es ist die schwerste Pflicht des Arztes. , i

r- Doktor, was ist . . .? '

i Ich muß es Ihnen sagen ....

> Was... ir- was, um Himmels willen, was?

Der Arzt schien erschrocken über meine Aufregung. ®6 wollte beruhigen, schien zurücknehmen zu wollen. Doch nun war ich ruhig geworden. Auf alles vorbereitet. Ich ich war ein Wann, war Soldat. Nur kam eine Krstarrung