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Die weiße Frau.
Roman von W. Collins.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
'Sein plötzliches Erscheinen an einem Orte, an dem' ich iyn in der ganzen Welt am wenigsten zu sehen erwartete, machte mich sprachlos vor Erstaunen.,, Der Bote empfahl sich und stieg wieder in die Droschke'— ich konnte kein Wort zu ihm sagen, sogar nicht einm'crl seinen Gruß er- - widern.
Sie scheinen erstaunt, mich zu sehen? fragte der Gras Mit seiner ruhigen Beharrlichkeit.
Ich glaubte Sie mit Ihren Vögeln im Frühstückszimmer beschäftigt, Graf Fosco, sagte ich so ruhig und fest, als mir dies möglich war.
Allerdings. Wer meine gefiederten kleinen Kinder, teure Dame, find' nur zu sehr andern Kindern gleich. Sie Gaben ihre Tage des Eigensinns, und- von diesen ist der heutige Morgen einer. Meine Frau kam herein, als ich sie eben wieder in ihren Bauer setzte, und sagte mir, Sie seien soeben allein auf einen Spaziergang ausgegangen. Sie sagten ihr dies, nicht wahr?
Gewiß.
Nun, Miß Halcombe, das Vergnügen, Sie zu begleiten, War eine Versuchung für mich, der ich nicht zu widerstehen vermochte. In meinem Alter liegt doch nichts Böses in dem .Geständnisse, wie? Ich schlug den verkehrten Weg ein, kehrte in Verzweiflung wieder um, und hier bin ich endlich — darf ich es sagen? — auf dem Gipfel meines Glückes.
In diesem komplimentenreichen Schwünge redete er fort, und zwar mit einer Geläufigkeit, die mir keine weitere Anstrengung überließ, als die, meine Fassung zu bewahren.
Er deutete auch nicht im entferntesten auf das hin, was er auf dem Wege gesehen hatte, noch auf den Brief, den ich immer noch in der Hand hielt. Diese bedeutungsvolle Diskretion half, mich davon zu überzeugen, foafj er durch die allerehrlosesten Mittel das Geheimnis meines Schreibens in Lauras Interesse entdeckt haben mußte, und daß er jetzt, nachdem er sich von der heimlichen Art und Weise, in der ich die Antwort empfangen, überzeugt hätte, für seine Zwecke genug wußte imfr es sich jetzt nur angelegen sein ließ, den Argwohn einzuschläfern, den er in mir erweckt zu haben gewiß sein konnte.
Vor dem Hause begegneten wir dem Gig, das nach dem Stalle zurückgefahren wurde. Sir Percival war soeben zurückgekehrt. Er kam an die Haustür, um uns zu begrüßen. Welche sonstigen Erfolge seine Reise auch gehabt haben mochte, seine Laune hatte sie nicht verbessert.
O, hier sind endlich zwei von der Gesellschaft, sagte er mit finsterem Blicke. Was soll es heißen, daß das ganze Haus leer ist? Wo ist Lady Glyde?
Ich erzählte ihm von dem Verluste der Brosche und daß Laura hinausgegangen sei, um sie zu suchen.
Brosche hin, Brosche her, brummte er verdrießlich, ich empfehle ihr, nicht zu vergessen, daß ich sie in einer halben Stunde in der Bibliothek erwarte.
Ich stieg die Stufen hinan und ging im Hause umher von einem Zimmer ins andere, mit dem Briefe des Advokaten im Kleide, bis mich der Druck der Erwartung beinahe wahnsinnig machte. Es war noch immer nichts von Laura zu sehen, und ich dachte schon daran, hinauszugehen und sie aufzusuchen. Wer die Angst und Besorgnis, in der ich den ganzen Morgen gelebt, hatten mich so erschöpft, daß inich jetzt die Hitze ganz überwältigte, und als ich versuchte, zur Türe zu gehen, war ich genötigt, umzukehren und mich im Salon auf das nächste Sofa zu legen, um mich erst wieder zu erholen.
Es gelang mir eben etwas ruhiger zu werden, als' die Türe leise geöffnet wurde und der Graf hineinschaute.
Ich bitte tausendmal um Vergebung, Miß Halcombe, sagte er, ich wage nur die Tür zu öffnen, weil ich gute Nachricht für Sie habe. Percival, der, wie Sie wissen, in allem kapriziös ist, hat sich herabgelassen, im letzten Augenblicke feine Meinung zu ändern, und das Geschäft mit der Unterschrift ist einstweilen verschoben. Bitte, machen Sie Lady Glyde meine hochachtungsvolle Empfehlung, wenn Sie ihr diesen angenehmen Wechsel der Verhältnisse mitteilen.
Er verließ mich, ehe ich mich noch von meinem Erstaunen erholen konnte.
Ich versuchte sofort, wieder hinauszugehen, um Laura zu suchen, aber ich wurde so schwindelig, daß ich mich wieder auf das Sofa schleppte, wo ich bald in einen Halbschlummer versank.
Als ich erwachte, fühlte ich, wie sich mir eine Hand auf die Schulter legte. Es !var Lauras Hand.
Sie war neben dem Sofa niedergckniet — ihr Gesicht war erhitzt und bewegt, und ihre Augen begegneten den meinen mit einem verwirrten, aufgeregten Blicke. Ich fuhr in die Höhe, sowie ich sie erblickte. i
Was hat sich zugetragen? frag ich. Was hat dich erschreckt? /
Sie blickte sich um nach der halb geöffneten Tür, brachte ihre Lippen dicht an mein Ohr und antwortete flüsternd:
Marianne! — die Gestalt am See — die Schritte gestern abend — ich habe sie soeben gesehen! ich habe soeben mit ihr gesprochen!
Mit wem, um Gotteswillen?
Mit Anna Catherick.
Ich war so erschrocken über Lauras verstörtes Gesicht und aufgeregtes Wesen, daß ich nicht imstande wap, die


