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nern bienen, ihnen die einsamen Stunden verschönen, das Essen nach altgewohnter Weise bereiten, ihnen die Waffen putzen und nur für "ihr Behagen leben. Aber im Felde erscheint auch dem Senegalesen die Frau nur als ein überflüssiges Model, er wird zum Junggesellen und fügt sich auch darein ,mit Freuden.
Aber da nichts hienieden vollkommen rst, so zeigt auch er die Fehler seiner Vorzüge. Da seine Wildheit im Kampfe wachst, so ist es etwas schwierig, ihn ziirückzuhalten, wenn er einmal losgelassen. Während der letzten Kämpfe in der Schauia mußte ihnen manchmal da? Zeichen zum Einstellen des Feuers und zum Rückzug dreimal gegeben werden, bevor sie ihm folgten. Man braucht jedoch diesen Fehler nicht zu überschätzen, benn er ist schon im Ab- nehme>r, und ich habe währenb des letzten Feldzuges von Fez fern einziges Beispiel dieser Art bemerkt. Ich erinnere mich, daß rm Juni 1908 einige Senegalesen, die einem Menschensresserstamme angehörten, nach bem Kampfe zu ihrem Haupimanne tarnen, um ihn um bie Erlaubnis zu bitten, daß sie die Leichen von zwer Marokkanern essen dürften, die man auf dem Terrain gefunden hatte. Der Hauptmann war klug genug, sich über diese Barbarei nicht zii entrüsten; er hielt den Soldaten keine fulminante Rede über die Greuel der Menschenfresserei, denn sie hätten sicherlich nichts davon verstanden; er begnügte sich damit, ihnen zu sagen: „Ich rate euch davon ab. In diesem Lande, das ihr noch nicht kennt, ist das Fleisch sehr schlecht, und am schlechtesten ist das Fleisch der Marokkaner. Ihr würdet euch daran also nur furchtbar den Magen verderben. Es ist deshalb besser, ihr laßt das bleiben." Sie waren zufrieden und erzählten ihren Gefährten, daß das Fleisch der Marokkaner nicht eßbar wäre. Dies aber ereignete sich rm Jahre 1908, und dieselben Leute, die damals so gierig nach Menschenfleisch ivaren, sind heute die ersten, die über diese Geschichte lachen.
Die Offiziere, denen die schwierige Aufgabe ziisällt, die Senegalesen aiiszubilden, sind die der Kolonialinfanterie. Von welchen! Geiste sie beseelt sind, soll eine Tatsache zeigen, die ich kürzlich mit ansah. Es war in dem Kampfe voin 5. Juni d. I. zwischen Fez und Bahalil. Der Feind hatte ein mörderisches Feuer eröffnet, rmd eine Kompiwnie erhielt den Befehl, in einzelnen Rotten vor- zugehen. Jede Rotte hatte ihren Marschbefehl, aber jede strebte, als erste in die Feuerlinie hineinzukommen. Die eine Rotte wäre eigentlich die erste gewesen, aber eine andere bemühte sich aus Leibeskräften, ihr den ersten Platz vor der Nase wegzunehmen. So entstand ein wahrer Wettlauf, und die todesmutigen Leute der zweiten Rotte, von ihrem Leutnant angeseuert, hatten die Ehre, die Ersten am Platz zu sein. Der tapfere Leutnant bezahlte sogleich seine Kühnheit mit einer Kugel, die er ins Knie erhielt. Er liegt noch heute im Hospital von Mekinez und hat noch die Kugel iin Bein, aber er ist glücklich: er war der erste in der Feuerliniel Von solchem Geiste sind die Offiziere beseelt, die doch gezwungen sind, die Senegalesen während des Kampfes ziirückzuhalten!"
vermischtes.
* Das Sommerklima Spitzbergens. Ein immer reicheres vielseitigeres Bild der Natur Spitzbergens, sowie des Polargebietes mit allen ihren romantischen Schönheiten entrollt das vom Deutschen Verlagshaus Bong & Co. (Berlin W. 57) herausgegebene Prachtwerk „Mit Zeppelin nach Spitzbergen", dessen 9.—11. Lieferung soeben vorliegen. Die geistvollen, fesselnden Abhandlungen, die sämtlich von Autoritäten ersten Ranges herrühren, atmen deii Zauberreiz dieser fremden Welt in aller Frische. Wir greisen ait§ dem stimmungsvollen Aufsatz, den Professor Dr. Max Reich dem wundervollen und gesunden Klima Spitzbergens widmet, folgende Stelle heraus: „Die ivindstillen Tage und die, an ivelchen ein wotkeiiloser, blauer Himmel uns erfreute, waren die wärmsten: 10, 11, ja 14 Grad. In der direkten Sonnenbestrahlung stieg bie Temperatur noch höher. Das wareii bann Stunden, in denen sich der sonderliche Widerspruch besonders aiisdrängte zwischen Außen- wärme iind unserer Umgebung, den blauen, drlrchsichtigen „Gletscherkälbern" im Fjordwasser, den sonudurchglänzten Schneehalden und den Gletscherströmen mit ihren zerrissenen, zur See abfallenden, glitzernden Eiswänden. Da wurden die Liegestühle auf dem Deck unseres kleinen „Fönix" aufgeklappt und wortlos, traumverloren überließ sich jeder dem Anblick der märchenhaften Szenerie. Aber sie waren doch nicht so häufig, diese Rivieratage! Wolken steigen auf, dunkel, eigentümlich langgestreckt, und feuchte Nebelschwaden huschen dahin. Kalt wird es einem, und lies in den Taschen verschwinden die Hände. Doch Wolken und Nebel passen vielleicht noch besser in diese Szenerie als Sonnenschein. Wild phantastisch wird das Bild, in das der Mensch so wenig hineingehört, und wo er fühlt, daß die Natur ihn, den Eindringling, sorttreiben möchte aus ihrer ernsten Einsamkeit. Der Trockenheit der Luft kann man wohl das ungewöhnliche Gefühl des Wohlbehagens zuschreiben, das jeder in Spitzbergen empfindet. Unbekannte Leistungsfähigkeit und Arbeitsfreudigkeit durchströmt uns, und es ist eine Lust, überall mit zuzupacken. Ihrer Trockenheit und Keimfreiheit danken wir es, daß Erkältungskrankheiten so gut wie nicht vorkommen, eine Erfahrung, von jedem gemacht und immer aufs neue bestätigt. Der Körper scheint ganz unempfindlich zu fein für den Temperaturwechsel, dem man sich auf dem geheizten oder überheizten Schiff beständig aus- setzt. Man mag stundenlang in den Gletscherbächen, die uns in
den Jagdgründen überall den Weg verlegen, herumwaten oder mag man von dem unter Gesteinsproben und Versteinerungen schwere» Rucksack erhitzt aus lustiger Höhe oder aus dem Gletschereis auS- ruyen, sich hin legen, — man hat es mit keinem Schnupfen zu büßen. Alles vereint sich in diesem unglaublich gesunden Klima, um die Menschen körperlich erstarken zu lassen. Das ist gut, denn es gibt so ein Gegengewicht gegen die nervöse Spannung, die sich allgemein bemerkbar macht. Der beständige Tag kürzt den ohnehin kurzen Schlaf. Nur mit Widerstreben können wir uns abends von Deck trennen. Zu ungewohnt sind die Bilder, zu unvermittelt treten sie an uns heran. Wohin man blickt, alles möchte man sesthalten. War Wunder, wenn bie kurze Ruhe nicht ausreicht, bie Eindrücke des alten Tages gehörig abktingen zu lassen." Tas Prachtwerk gibt die Welt Spitzbergens zum ersten Male in natürlichen Farben wieder, die ein völlig ungeschminktes, einwandfreies Bild bieten und den vollen Farbenschmelz gewähren.
* Farbe und Aroma des Honigs. Jeder erfahren« Bienenzüchter weiß, daß Farbe und Aroma des Honigs nicht alle Jahre gleich sind; die Chemiker lehren überdies, daß auch die chemische Beschaffenheit des Honigs wechselt. Es kann daher nicht auffallen, daß die bezüglichen Veröffentlichungen verschieden« Angaben enthalten. So lauten z. B. solche Veröffentlichungent Honig von Frühobstblüten ist weiß, von Kirschblüten goldgelb^ von Raps wasserhell, von Linden gelb oder tiefgrün, hell oder trüb, von Akazien grünlich-weiß, von Wiesen- oder Feldblumen grüngelb und hellbraun, von Rotklee wasserhell, blaßstroh- bis zitronengelb, von Tannen gelbbraun, grünlichgelb, von Buchweizen tiefbraun. Sind schon hier einer Anzahl von Honigen verschieden« Färbungen beigelegt, so daß diese als sicheres Kennzeichen der Herkunft nicht betrachtet werden können, so wächst diese Unsicherheit noch dadurch, daß der Einfluß der Jahrgänge manch« Aenderung an den angegebenen Nvrmalfarben herbeiführt. Neuere Forschungen begründen sogar, daß der Einfluß der Jahrgänge! auch noch je nach den Bodenverhältnissen ein verschiedener ist, indem z. B. Klee-, Linden- und verschiedene andere Blüten aus Kalkboden dem Honig entschieden eine hellere Färbung geben, als Sand? oder Lehmboden. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn der Honig von benachbarten, wesentlich gleich bewirtschafteter! Bienenständen, von deren Bienen man sagen kann, daß sie gemeinsame Weide haben, dennoch verschiedene! Färbung hat, da die Bodenbeschaffenheit namentlich in unebenem und wasserreichem Terrain oft in den kürzesten Abständen wechselt, und den Gewächsen sohin verschiedene Nahrung liefert.
bk. Ein Buch der Maharani von B a r o d a über die indische Frau. Ihre Königliche Hoheit die Maharani von Baroda wird noch in diesem Jahre bei einem Londoner Verleger ein Buch veröffentlichen, dessen Titel lautet: Tie Stellung der Frauen im indischen Leben. In dem Buche, das 19 einzelne Kapiel enthält, stellt sich die indische Fürstin aut den Standpunkt, daß bie beiden Geschlechter nicht zum Gegeneinanderarbeiten, sondern zur Zusammenarbeit berufen seien, daß aber bie Führung des Mannes für bie Frau nötig sei, bamit sie bas Höchste erreiche, was sie leisten kann. Diese Ansicht klingl durchaus abendländisch. Tas Buch selbst ist ein Beweis dafür, daß bie Anschauung der Fürstin nicht Theorie ist, denn das Buch ist nicht ihre Arbeit allein, sondern ein Literat, der sieben Jahre lang bie behandelten Fragen gründlich untersucht hat, hat daran mitgearbeitet. UebrigenS ist das Buch den „indischen Frauen" gewidmet.
* Ein Zeigefinger zu kaufen gesucht. Wer hat einen Zeigefinger zu verkaufen? Mrs. Reginald Waldorf aus Philadelphia hat eine Anzeige im New NorkHerald erlassen, daß sie einen Zeigefinger zu kaufen und einen anständigen Preis dafür anzulegen gewillt ist. Die Dame ist eine junge Witwe, die sich vor einiger Zeit den rechten Zeigefinger mit einem rostigen Messer verletzte, so daß eine Infektion eintrat und es nötig wurde, den Finger abzunehmen. Mrs. Waldorf ist jedoch eine ausgezeichnete Musikerin und möchte nicht für ihr ganzes Leben darauf verzichten, Klavier und Orgel zu spielen. Da sie nun von den großen Fortschritten der Verpflanzung von Körperteilen in letzter Zeit gehört hat, so möchte sie den Versuch machen, wieder in den! Besitz eines Zeigefingers zu gelangen. Wer daran denkt, ihr diesen Wunsch zu erfüllen, der möge zunächst nachsehen, ob sei» Zeigefinger den Ansprüchen genügt, wie der Arzt sie formuliert! hat: Es muß der Zeigefinger der rechten Hand sein, seine Länge muß 71/2 cm und sein Umfang am ersten Glied 5 cm, am 3. Glich' 4 cm betragen,
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Fliege — Rabelais — Qhrenmakt — Helene — Eimer;
Frohe Reise!
Magischer Sahlenquadrat.
In die Felder nebenstehenden Quadrat» sollen bie Ziffern
11 340 437 534
viermal berart eingetragen werden, daß die Summe der Zahlen in jeder der senkrechten, wagerechten und Diagonalreihen stets 1321 beträgt. (Auflösung in nächster Nr.)
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. CatM*, Gießen.


