Ausgabe 
23.3.1911
 
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Schönheit, besonders ine Männer. Zählen konnte keiner von thneit, und es gelang den Mitgliedern der Expedition auch trotz großer Mühe nicht, mit Hilfe der Hände ihnen einige Zahlen ein­zuprägen. Sie tragen nichts irgendwie Kleiderähnliches. So weit man beobachten konnte, besitzen sie keine religiösen Vorstellungen. Wenn auch einige mehr als ein Weib haben, so ist doch die weitaus größte Anzahl monogamisch,' Männer von 20 bis 30 Jahren such Manchmal noch Junggesellen. Der Mann heiratet,, um an der Fran eine Arbeitskraft zu gemimten. Er geht nur Mgen oder Fische fangen; alle Arbeit, auch das Einsammeln des Sago, totrb von den Frauen besorgt. Die Männer beschränken sich darauf, beim Bau der Hütten mitzuhelfen, ihre Boote zu machen und ihre Waffen zu schmücken. Die Frauen werden des Morgens unter der Bedeckung voit einigen Männern zur Arbeit geführt und kehren abends mit dem Holz und Sago ein, die sie den Tag über gesammelt haben. Unterdessen lungern die Männer im Dorf herum und war­ten, bis die Frauen zurücKommen, um ihnen Speise zu kochen. Dies« Eingeborenen kennen kein Eisen oder Metall irgend welcher Art. Sie verwenden Steinäxte zum Schneiden. Die schönen Schnitzereien, die sich auf ihren Waffen fittden, werden mit Muschel­stücken oder Eberzähnen ausgeführt. Jedes Dorf besitzt wenigstens erneu alten Mann, dessen Pflicht darin besteht, alle Steinäxts zu schärfen. Alle ihre Geräte haben große Aehnlicykeit mit denen, die in,Europa als Ueberreste des Steinzeitalters gefunden wurden.

Tie Mitglieder der Expedition zeigten ihnen Eisenäxte; als sie begriffen hatten, wie trefflich diese Instrumente arbeiteten, ivar ihre ganze Sehnsucht darauf gerichtet, solch eine Axt zu besitzen, »rnd sie tauschten gern dagegen ihr schönstes Boot ein. Einmal im Besitz der Eisenäxte, wußten sie sie bald geschickt zu handhaben. Die Stämme des Volkes, die der Küste näher wohnen, waren streit- Mchtiger und schwerer zu behandeln, als die, am oberen Lauf des Flusses in der Nähe der Berge. Diese am unteren Mimika woh­nenden Leute sind a r g e T r i n k e r, die aus einer besonderen Art der Zuckerpalme sich ein berauschendes Getränk bereiten. Ganze! Rächte sitzen sie unter den Palmen, kommen dann am Morgen be­trugen nach Hause, und beginnen nun furchtbare Kämpfe unter­einander anszufechten. Manchmal stritten sie so zwei Tage mit­einander. Auch des Nachts gingen sie unter wüstem Geschrei gegeneinander los, so daß die Europäer vor dem wilden Geheul Nicht schlafen konnten. Sie überschütteten sich dann mit einem Hagel von Speeren und Pfeilen, bringen sich mit ihren Aexten schwere Wunden bei. Nehmen Frauen an dem Kampf teil, so sind sie noch schlimmer wie die Männer, und ihr gellendes Schreien mis-cht sich in das rauhe, tiefere Gebrüll der Nlänner. So grausig dieses Kampfgeschrei klingt, so haben diese Eingeborenen doch einen sehr feinen musikalischen Sinn, und wenn sie im Chor unter Trom­melbegleitung singen, klingt lms sehr angenehm. Doch singen nur die Männer; sie allein schlagen auch die Trommel.

Während die Frauen saug- und klanglos verscharrt werden, finden für die Männer feierliche Begräbnisse statt. Die Frauen erscheinen dann in einer Trauerkleidung, in langen, mantelartigen Gewändern ans Gras, und mit haubenähnlichen Kopfbedeckungen. Das Gesicht ist mit gelbem Ocker bemalt. Eine Stunde vor Tages­anbruch wird der Tote begraben. Die ganze Nacht vorher hält ihm das Dorf die Totenwacht. In hohen, zitternden Wehetönen hallt der Trauergesang unheimlich durch das Dunkel, begleitet von dumpfem Trommelschlag, i

Die aru Fuße der Berge wohnenden Eingeborenen erschienen zunächst scheu, zurückhaltend und sehr ehrlich. Aber das war äugen» scheinlich nur Verstellung; denn nachdem sie die Neuankömmlinge sicher gemacht hatten, stahlen sie wie die Raben. In ihren Hütten bewahren sie die Schädel ihrer Verwandten auf. Als nun die Europäer in einem großen Dorfe den Wunsch äußerten, einige dieser Schädel zu kaufen, da schien es zunächst sehr schwierig, die Ein­geborenen dazu zu bewegen, sich von diesen Andenken an ihre Nächsten und Liebsten zu trennen. Schließlich kam eine Frau mit dem Schädel eines Kindes, von dem sie sagte, es sei der ihres eigenen, und als sie eine gute Bezahlung erhielt, kamen mut auch die anderen in hellen Haufen mit Schädeln. Die ganze Dorfstraße wurde zu einem einzigen Golgatha; denn alle schafften eifrig die aufgespeichertett Schädel vor die Hütten und wollten die Europäer zuul Ankauf bewegen. Die Frauen werden von diesem Mimika- volk mit großer Grausamkeit behandelt; ihr Leben gilt als ivertlvs und wird daher wenig geachtet. Kannibalismus ist kein allgemeiner Brauch bei ihnen, aber die im Kriege getöteten Feinde werden ge­gessen, und die Menschenfresserei mag überhaupt verbrei­teter sein, als es den Anschein hatte, denn die Gegenwart der Expedition legte ihren Gelüsten Schranken auf.

Die Expedition hat auch ein unbekanntes Zwergvolk Edeckt, von dem es aber mir Männer zu sehen bekam, blöde drein- uende, ziemlich hellfarbige Menschen mit buschigen Haaren Md von sehr häßlichem! Aussehen.

veeMtzsehtes.

* E i» Dichter bei derArbeit" Paul Bon rg et, der bekannte französische Dichter, von dem jetzt wieder viel die Rede ist, da er demnächst mit einem neuen Drama, dasDer Tribun" betitelt ist, hervortreten will, ist ein überaus fleißi er

Arbeiter, der bis in den späten Abend hinein am Schreibtisch sitzt; dastir bleibt er aber am Morgen sehr gern im Beite, und es kommt sehr häufig vor, daß er erst gegen Mittag auffteht. Unlängst so erzählt derGil Blas" verbrachte der viel gelesene Roman- dichter em paar Fertentage in der schönen Billa, die sein Freund, der Graf v. Hanssoirville, der gleich ihm schon längst zu denUn­sterblichen" gehört, in der Nähe des Genier Sees besitzt. Der Gras hat die Geivohnheit, schon vor Tagesanbruch auszustehen, und glaubte, daß fein Freund Bourget sich mindestens doch eine Stund« nach Sonnenaufgang im Jrühstückssaal sehen lassen würde. AlS Bourget aber am Morgen nach seiner Ankunst in der Villa auch um 10 Uhr noch nicht an der Frühstückstaiel saß, ging Graf Hanssonville besorgt in sein Schlafzimmer, um ihn zu fragen, ob er sich nicht wohl fühle. Ta er ihn aber friedlich und ruhig im Bette liegen sah, schivand seine Besorgnis, uiib er fragte neckend, wie eilt Dichter, der doch wissen sollte, daßAurora Musis amica* sei, so lange schlafen könne.Aber ich schlafe ja nicht, lieber Freund," erwiderte Bourget,ich denke nach, ich arbeite." Tags darauf hatte Bourget gar um 11'/, Uhr vormittags noch nichts von sich sehen und hören lassen. Der Graf ging deshalb wieder zu ihm und sagte, während der aus dem schönsten Schlaf geweckte Romandichter sich streckte und sich gähnend die Augen rieb, im ernstesten Ton von der Welt:Lieber Freund, Sie sollten sich in acht nehmen, nur scheint, daß Sie allzuviel arbeiten!"

* O diese Fremdwörter. Ein Leser schreibt derTägl. Rundschau": Ein Möbelhändler erläßt imHeidelberger Anzeiger" eine Ankündigung, in der es u. a. heißt:

Zu verkaufen antiker Schrank, Louis6s, reich geschnitzt.

Diese Schreibweise läßt auf ein nicht gewöhnliches, allerdings nicht zur vollständigen Entfaltung gelangtes Sprachtalent schließen k Dasselbe Blatt weiß noch ein anderes Geschichtchen zu be­richten : Bei einer vorbereitenden Wahlversammlung tn einem badischen Städtchen wurde für den zu bildenden Ausschuß u. a. auch ein Kaufmann vorgeschlagen, der früher lauge Jahre in Bordeaux ansässig war. Ein biederer Einheimischer erhob sich daraufhin, um den Betreffenden anfzufordern, er möchte vor allem die Erklärung abgeben, daß er in Frankreich niemals neutralisiert gewesen sei. Gemeint war natürlich naturalisiert l

Klassische Stimme» Über de» Hose «rock.

Erkläret mir, Graf Oeriubur, Diesen Zwiespalt der Natur l

Müllner,Die Schuld", 2. Akt, 5 Szene.

Erlaubt ist, was sich ziemt.

Goethe,Torgnato Tasso", 2. Akt, 1. Szene.

Eines schickt sich nicht für alte! Goethe,Beherzigung".

Gottlob! Wir haben das Original l .

Lessing,Nathan der Weise", 4. Akt, 2 Szene. Ter Entwurf ist teuflisch, aber wahrlich göttlich!

Schiller,Ton Carlos", 5. Akt, 8, Szene. Ist dies schon Wahnsinn, hat eS doch Methode.

Shakespeare,Hamlet", 2. Akt, 2. Szene.

Zu jedem Ting muß die Absicht mit der Torheit auf die Wag" schale gelegt werden.

Shakespeare,König Heinrich IV.," 2. Teil, 2. Akt, 2. Szene. O rühret, rühret nicht daran I

Geibel,Wo still ein Herz in Liebe glüht".

's ist nicht das Schlimmste,

So lang mau jagen kann: Dies ist baS Schlimmste.

Shakefpeare,König Lear", 4, Akt, 1. Szene.

O unenthüllier Raum des Weiberwillens.

Shakefpeare,König Lear", 4. Akt, 6. Szene.

Unsinn, du siegst l

Schiller,Die Jungfrau von Orleans", 1. Akt, 10. Szene. Wer eine Zeitlang Skandal erregt, Glaube nicht, daß er die Welt bewegt.

Friedrich v. Sallet.

Willst du genau erfahren, was sich ziemt, So frage nur bei edlen Frauen an!

Goethe,Torquato Tasso", 2. Akt, 1. Szene.

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Charade.

Als Eins und Zwei Berderbeit bringend tobte,

Da eilte eine wack're Schar zur Tritten;

Als Ganzes hat sie heldenhaft gestritten.

Wie heißt die Schar, die kämpf- und siegerprobte k< Auslösung in nächster Nummer»

Auflösung der Schach-Aufgabe in Weiß.

1. a 7 a 8 wird Läufer.

2. b 7 b 8 D f

3. L a 8 d 5 f und Matt,

voriger Nmnmer i Schwarz.

L k 7 f 8.

Kf8-I7.

A.) 1.........

2. K15 e6 rc,

Kf7-:o8.

B.) 1.........

2. Kf5 g6 re.

K f 7 g 8,

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindrttckerej, R. Lange» Gieße»