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Das Witwenhaus.
Roman von Helene von Mühlau. (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Der kleine, dunkle Alkoven, in dem Frau von Hilbach schlafen sollte und keinen Schlaf finden konnte, war nun von neuen, bösen Geistern erfüllt. Man wollte ihr das Herz aus dem Leibe reißen, man schrie ihr zu, daß es erbärmlich, unwürdig fei, sich an einen Mann zu hängen, daß sie herausmüsse aus ihrer demütigenden Lage, und wenn sie endlich gehorchen, toetut sie ihnen folgen wollte, stellten sich ihr die Witwen aus ihrem Haus mit ihren neugierigen Äugen in den Weg; die Dreitausend tanzten vor ihr, ltnd das Kind hing sich an ihre Kleider uni) jammerte : „Mütterchen, bleib doch!" Und wenn sie alles von sich fortgestoßen hatte, weil sie rücksichtslos sein mußte, stellte sich das Witwenhaus breit und groß vor sie hin, war wie ein roher Mensch, der sie bedrohte, und rief ihr zu: „Erst schaff die dreitausend Mark, so kannst du nicht über mich weg! Ich halte dich fest!" Als sie ganz wirr war vor Angst und Entsetzen und laut stöhnen mußte, da taten sich plötzlich die Vorhänge des Alkovens auseinander, und es kam jemand auf sie zu, legte ihr die Hand auf die brennende Stirn und sagte weich und zärtlich: „Ich komme ja wieder, Weibelchen! Denk doch an dein Versprechen!"
Seine Macht war so groß, daß all die bösen Geister int Rn aus dem Alkoven flohen, und die kühle Hand blieb so lange mtf ihrer Stirn liegen, bis die schlimmen Gedanken zur Ruhe gekommen untren, bis sie den ersehnten Schlaf fand. —
Sie war so müd und abgehetzt am Tag und hatte so viel zu tun, so viel zu hören.
Die Kosh hatte sich den Arm verstaucht und war in einer so sonderbaren Stimmung. Sie war eines Abends an das Bett ihrer Frau gekommen und hatte sie um Verzeihung gebeten, — warum, das wußte Frau von Hilbach. nicht getrau. Sie war ja so froh und glücklich, daß sie ihre Kosh wieder hatte und schickte Erwin mit ihr zuml Brunnen, damit er ihr helfe.
Dann war da die Frau Bauunternehmer von oben, die der Frau von Hilbach Beistand brauchte, weil die Anfälle ihres Mannes sich immer häufiger wiederholten. Sie hatte ihre ganze Lebeirsgeschichte erzählt, und Frau von Hilbach hatte zugehört, wie sie so vielen Menschen znge- hört hatte, wenn sie sich ihr offenbarten.
Die Frau Bauunternehmer war eine feine, gute Frau, iund sie litt um ihren Mann, obschon sie nicht aus leidenschaftlicher Liebe seine Gattin geworden war, und auch votr dieser Frau hörte Frau von Hilbach, was man ihr so oft gesagt: Die Liebe war nicht die Kguptsache ist der Ehe,
Eine gesicherte materielle Grundlage war nötiger; wo dis war, da taten sich allmählich auch die Herzen zusammen. —<
Sie tröstete die fremde Frau, wenn sie um ihren kränkere Mann weinte; sie ließ sich wieder und wieder von derer» Vergangenheit und Zukunftsgedanken berichten, nahm teuf an allem, was sie bewegte, so viel, wie sie jetzt Zeit chatte, teilzunehmen an fremden Sorgen, und am Abend ließ sie sich von den Damen im Garten Rücksichtslosigkeit als erste Bedingung zur Selbständigkeit predigen.
Die Welt kam ihr oft vor wie ein Narrenhaus, und die Metrschen waren Puppen, die Theater spielten, und jeder wollte eine besondere Rolle haben und wollte sich besonders hervortun, und wenn sie versuchte mitzuspielen, lachten die Leute sie aus, weil sie in keine Rolle hineinpaßte. So blieb sie still in der Ecke stehen und sah zu und wartete und ließ die Tage vergehen und hatte doch eine so entp setzliche Angst vor dem, was komuteu würde, was nun schott bald, bald kommen mußte. —
Das Leben packte sie jetzt mit immer derberen Händen, an; sie war zur Magd geworden in ihrem eigenen Haus. Die geistreichen Damen waren abgereist und hatten ihr zum Abschied kühl die Hatld gereicht, denn sie waren zu der Ueberzengung gekommen, daß diese kleine, unbedeutende Frau doch nicht bildungsfähig war.
An ihre Stelle war eine behäbige Bürgersfrau mit zwei kleinen Kindern eingezogen; die kochte selbst und ließ nur die Reinigung ihrer Zimmer durch die Liese besorgen, Sie schwatzte gern und viel, kam oft zu Frau vou Hilbach ins Zimmer und erzählte aus ihrem Leben.
Oben in.der Häuflein Flügel wohntet! acht Personen; die liefen den ganzen Tag treppauf treppab, hatten tausend Bitten und Anliegen, hingen am Abend ihre Kleider zurst Reinigen übers Treppengeländer und stellten den ganzen Flur voll Stiefel, luden Frau von Hilbach ein, mit ihnen ins Abendkonzert in den Mutigen Ritter zu gehen und waren enttäuscht, wenn sie „nein" sagte. —
Sie konnte ja nicht! Die kleine Liese wurde nicht fertig, und pünktlich um acht Uhr mußte sie zu Hause sein-, das verlangte ihre Mutter.
Die Kosh kam dann müd und mit Schmerzen im Arm! nach Hause, und Frau von Hilbach mußte auch da trösten! und aufrichten, weil die alte Frau so trostlos mit ihrem! hilflosen Arm auf dem Stuhl saß und weinend den Kaffee trank, den sie warm gestellt hatte.
Die Vorderstübchen int Parterre wa en nun auch bei setzt, und am Abend spät wurden beschmutzte Stiefel vov die Türe geworfen Und bestäubte Kleider auf den Flur gehcnmt, und alles mußte bis zutn Morgen rein an Orh und Stelle fein.
„Wenn ich das ansehen muß, Frau von Hilbach, dann dreht sich mir das Herz int Leib um!" klagte die Kosh schluchzend und sah zit, wie ihre Herrin fremder Leute Stiefel putzte. D en kleinen Erwin hielt sie Ms. dem Schoßt ttstd


