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, Dchwetgeüd aß Friß feilt Menu. — Da iu'urbe die Tür auf- Serinen, — ein bejammernswert kleiner Piccolo stolperte herein, Und nachdem er den beiden Gasten drei bis vier tiefe Knixe ge- tvtdmet, rannte er hastig dem Oberkellner za: „Frau Hofrati wünschen haute nicht auf ihrem Zimmer zu speisen, sondern table dhote."
Die Fräcke flogen, die Bestecke klirrten und im Nu waren Fritz vis a vis zwei Gedecke aufgelegt.
Er staunte. — Sollte — das wäre ja — nein, — das wäre ja geradezu —.
Er dachte, — und da er Antage zum logischen Denken besaß, war bte entstehende Kette folgende: 1. Der Keine Kobold von heute früh ist mit der Mutter aus Sommerfrische. — 2. Die Mutter ist hie Frau Hofrat. .— 3. Die Frau Hofrat hat bisher auf ihrem Znmner gespeist. — 4. Der Keine Kobold von Tochter hat die Mutter beschwätzt, table d'hote zu speisen. Und wem zn Liebe?
Lächerliche Frage.
Und jetzt traten die beiden Damen ein. — Das lustige Ding mm drollmnd hinter der Gnädigen hereingehüpft, und als sie Fritz am Tische sitzen sah, schlug sie ein kindlich herzliches Lachen an, so daß sie Fran Hofrat strafenden Blickes anschaute, t— Wirkung dieses Blickes? — Gleich Null, denn Elfchens Lachen war geradezu überraschend und ansteckend. — Der alte Forstbar Grammen verfiel in ein schmunzelndes, dann in ein brum- menoes und schließlich in ein polterndes Gelächter, welches in (einer Komik auch die Frau Hofrat reizte, — und was blieb Fritz unter solch „lächerlichen" Umständen (oeiter übrig, als schließlich auch mitzulachen.
Und nun große Vorstellung: „Kaufmami Schmieder". — ;,ö't<tn Hofrat Lindner aus Magdeburg und meine Nichte >—. Erna." Unb nun das Mittagsmahl. — Eine launische Bemerkung jagte die andere, •— aller Augenblicke erscholl herzliches Lachen. Selten hatten diese drei wohl ein so fröhliches Diner verlebt, -— und nach Beendigung ward für Nachmittag eine gemeinsame Partie nach dem Brocken verabredet.
„ Todmüde kamen sie abends vom Berge zurück. Die Damen Verablchicdeten sich sofort, und auch Fritz Schmieder suchte sogleich sein Zimmer auf.
Mädel!" murmelte er, schon halb int Schläfe, h- -plötzlich schoß ihm ein Gedanke durch den Kopf und er fuhr tödlich erschrocken in die Höhe.
Ja, war er denn toll?! — Er poussierte da hier herum wie ein sekuudaner, während in Magdeburg feiner eine rechnende Braut sanckk. — Wie ein kalter Umschlag legte sich diese Erkenntnis einer Uebeltat auf sein erregtes Herz. — Ach, was war er doch ;nr em unglücklicher Mensch?! — Warum war dieses Mädel hier, diese Erna Lindner mit dem sonnigen Gemüt nicht Elsbet Bmmermann, die jetzt wahrscheinlich im schnöden Golde wühlte?! — ©em Vater hatte ihm erzählt, daß Elsbet oft des Nachts die »tollen nachprufe.
Ein unsagbarer Ekel gegen seine befohlene Brant erfaßte ihn Und seinen ganzen Groll legte er wieder in das eine Wort, das er mit aller Kraft rief: „Mannweib!" — Dann schlummerte er sauft ein, tm Traume seines Daseins Herbe vergessend.
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Acht Tage, die Hälfte der Galgenfrist waren nun vorüber. Die beiden Damen und Fritz hatten sich schon so ineinander ein» «elebt, als waren sie schon jahrelaiig Bekannte. — Fritz war W längst klar, daß er bis über beide Ohren in das lustige Elfchm verliebt sei, und Elfchen selbst verhelte auch nicht ihre Zuneigung für den hübschen Reisefreund.
Eines Tages, — sie kehrten gerade von einem Ausflüge vom Barbarossadenimal zurück, fragte Fritz die Damen ganz, unvermittelt, ob ihnen in Magdeburg das Bankhaus Jmmermann oder des Hauses Tochter bekannt sei? — Einen Augenblick uinfpiegelte, von Fritz unbemerkt, ein satanisches Lächeln Tantchens Mund, dann sagte sie jedoch ganz ruhig: „Das Bankhaus ist gut, — Nh habe selbst mein Keines Vermögen dort," und Erna fügte hinzu: „Der Tochter rühmt man viel Geschäftssinn nach, aber sonst ist sic wohl ein Mannweib."
Fritz fuhr in die Höhe. — Also auch im Urteile über diese Person, — b. h. über seine Braut stimmten er und Erna über- war der letzte Anstoß zu feinem Entschluß, um feinen Preis, dieses Mannweib zu heiraten, — mochte werden, für ihn war nur Glück in der Verbindung mit Elfchen Möglich. — Da am Pfingstsonnabend, also übermorgen, Fritzens erfolgen sollte, wollte man am Freitag iwch eine Ab- (eyieospartie aus den Brocken unternehmen. — Der Freitag kam .en» m!t Zie Partie, doch vergnügt ward sie keineswegs» Vater Brocken schien verstimmt über Fritz Schmieders Abreise » t ■??,'' 11 1° batte er feine Nebelkappe aufgesetzt, die ihn
unsichtbar machte.
ohne Scherzwort, wanderte man durch das liebliche Scksirke und dann an der rauschenden Bode hinauf. — Selbst als k Brockend ahn quer über den Weg pustete, wollte sich
der übliche Jodler nicht auslösen. — Das etwas korpulenty ^antchen blieb nach und nach weit zurück, im Nebelmcer verschwindend. — Nicht zwei Schritt vor sich konnte man sehen, — Jmb wozu auch?! Die beiden Menschlein, die da Hand in Hand emporhaspelten, wollten gar nichts sehen, als nur sich. — Und iw schauten sich immer und immer wieder tief in die Augen. —
Und was noch geschah- — wer mag es wissen?! — Vater Brocken, so alt und rauh er ist, ein Mlend Herz tor Liebende hat ct sich doch bewahrt, — und er leiht solchen Üiebesseligen, jungen^ Menschenkindern gar seinen walkenden, undurchsichtigen Nebelmantel.
Als Tantchen Hofrat oben ankam, ward ihr eine wohl nicht erwartete (?) Aussprache Fritz Schmieders zu teil, — kurz, er! bat sie um die Hand ihrer Nichte Erna. — Und bte Tante hatte nichts bagegen und sie willfahrte auch dem zweiten Wunsch« Fritz's, nämlich dem, am nächsten Tage samt ihrem Richtchen Mit Fritz zu dessen Vater zu reisen, um ihm mit der vollendeten! Tatsache zu imponieren und ihm das Jdealbräutchen seines Herrn Sohnes zu präsentieren.
5.
Pfingsten, das lieblich« Fest war gekonnnen und der Harzen Dreibund dampfte ab. ■— Fritz war es denn doch etwas beklommen! HlMute. — Sein Vater wär ja ein sehr guter Mann, aber in Geschäftssachen verstand er nun einmal keinen Spaß und für ihn war die Heirat seines Sohnes mit der Millionen-Elsbet eben nur ein Geschäft.
Nach Ankunft stürzte der Sünder sofort in das Privatkontor seines Vaters. — Der Alte erijob sich. — Das war schon ein günstiges Zeichen für Fritz. — Und nun berichtete er. — Weik er immer vor sich niedersah, konnte er das Strahlen und Blitzen in Herrn Schmieders fett. Äugen nicht bemerken. — Dieser hörte ruhig zu, er schwieg, als Fritz geendet und nun fein Haupt ergebungsvoll neigte, um das väterliche Ungetoitter über sich ergehen zu lassen. — Endlich begann der Vater. — Ja, was war aber das?! — Nicht hart klang seine Stimme, nein, mild und weich: „Du glaubst also dein Ideal gesunden zu haben?"
„Ja Vater, ■— mein Ideal!"
„Nun denn: Mit Gott!"
In demselben Augenblick trat zur Tür ein großer, bärtiger; Mann herein, der schnell aus Fritz zueilte und ihn mit Bären kraft umarmte. — Fritz war sprachlos. — Er schickte sich an, diese unmotivierte Vertraulichkeit des Fremden, energisch zurückzuweisen- — da, eine neue Umarmung, die aber kommentiert wurde: „Mein Sohn, — mein Junge — werde glücklich mit Elsbet!" brummte bet Alte gerührt.
Da lief Fritz aber die Galle über: „Zum Kuckuck! — Bin ich denn im Tollhause! — Nicht Elsbet, — sondern Erna Lindner ist meine Brant —" .
„Nein, — ich bin deine Braut, — ich, Elsbet und nicht Erna," jubelte jetzt ein ihm wohlbekanntes Silberstimmchen, und zappelnd hüpfte seine Harzelfe von Vater Schmieder zu Fritz und von dem zu ihrem Vater, dem bärtigen Jmmeruiann, jeden der drei plan- lind ziellos küssend und drückend.
Fritz stand wie ein Steingötze, — bis ihn Erna-Elsbei in die Seite puffte und sagte: „Fein überrumpelt, — was? — In der Arbeitszeit 6in ich das „Mannweib", — in den Mußestunden dein „Ideal". — Ist dir es so recht?!"
„Muß mir es nicht recht fein, kleiner Kobold?" antwortete Fritz überglücklich und küßte herzlich seine Braut.
G
Brief von Elsbet-Eriia an ihren Bräutigam Fritz Schmie derk Magdeburg,...... ,,
Geliebter Harzgcnosse!
Schau, Freund, — nun sind wir schon vier Tage Braut und Bräutigam. — Welche Wonne. — Aber schwer haft bu es mir gemacht, Jdealschwärmer. — Glaube mir, ich bin mit Tantchen! mit vehementer Geschwindigkeit nach Elend am Harz gereist, als uns dein Vater 14 Tage vor Pfingsten telegraphierte, bn wolltest in Elend am Fuße des Brocken deine Junggeselligkeit beenden, ;— und Gott sei Dank waren wir noch einen halben Tag eher da wie du, gerade genügend Zeit, um die Kellner zu in- struieren und zu bestechen und unsere Netze zu legen. — Und was habe ich für Angst ausgestanden, als du an meiner Wagendeichsel vorbeitnarschiertest, ohne mich gesehen zu haben. — Aber wie du dann gehorsam baumeltest, war doch zu drollig, gelt. — Gestatte mit übrigens, natürlich bloß eit Passant, daß die Bodenkreditpapiere wieder gestiegen sind, — die Zuckeraktien dagegen! stetig fallen, — Kohlen und Getreide fest. — Pardon, — einen Augenblick, — das Telephon! — Leb wohl, Schatz, — ich muß zur Börse. — 1000 Küsse! — Geschäft ist Geschäft! — Halt, soeben lese ich, daß ein 5>andelsschuliehrer eine kaufmännisch gebildete Dame zur Lebensgefährtin sucht. — Soll ich mich melden? —. Dein Mannweib. — PS. — Ziickeraktien aus 104.—.
Elsbet Jmmermann,
Die Vogelarmut in öffentlichen Anlagen.
Unsere öffentlichen Anlagen und Parke zeichnen sich meist durch eine geradezu erschreckende Vogelarmut aus. Regelmäßig anzutreffen sind eigentlich nur Spatz, Amsel, Buchfink und Spötter.! Star, Kohlmeise und Wendehals sind von geeigneten natürlichen oder künstlichen Baunthöhlen, Baumläufer, Kleiber und die verschiedenen Spcchtarten von alten, rissigen Bäumen, und Rotschwanz! und Fliegenfänger vom Borhmidensein von Gebäulichkeiten, abhängig. Das ganze übrige Heer der gefiederten Sänger fehlt meist vollständig, öder es ist durch vereinzelte Exemplare btttretert»


