Ausgabe 
23.1.1911
 
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Wolferstvaßü heißt, nennt mans heute am Pfeifensack. Frag^man: was ist, wo liegt dieser Pfeifensack? so erhält man darauf kerne bestinrmte Antwort. Der Name ist da, er geht dort um, aber er Üft nicht zu greifen, er kann nicht durch irgend ein Grundstück, durch irgend einen Vorgang oder eine besondere Eigenschaft der Oertlichkeit erklärt werden. Ich fand nun rm Ackerbuch von 1628 den Eintrag: Acker 5Vr Morgen, 8 Ruthen, die sackpfecfe genannt, an der Wölferstraße und in dem Grnndstlicksverzerchuis des heutigen Salinenhofs steht ein Acker von etwas über 5^ Morgen mit dem Gewannnamenstößt auf die tiefen Graben . Die beiden Benennungen bezeichnen ein und dasselbe Grundstück. Die Sackpfeife von 1628 istder Pfeifensack" von heute^ Beide bezeichnen das ihnen wohlbekannte Milsikinstrnment der Savoyar­denden Dudelsack" und die Form des Ackers bestätigt dies. Man sieht deutlich die Bauchform des Schlauchs und das Mundstück.

Auf der zweite» Zeichnung sind zwei scheibenförmige Uecker dargestellt, von denen der eine ganz, der andere zum größten Teil von Wiesen umgeben ist. Der größere heißt ,chre große Kleibscheibe". Die anstoßende Feldgewann heißtOber der Kleibscheibe". Zn dieser großen habe ich im Ackerbuch von 1628 die kleine Kleibscheibe" gesunden. Sie liegt der ersten gegen­über und ist von ihr durch einen Wiesenstreifen und den Seeweg getrennt. Der Kleiber ist der Maurer oder Tüncher, der nut der Kleibscheibe (Heißen --- kleben) die Lehmwände der Hauser glatt streicht. Auch hier hat die Form den Namen gegeben.

Die Gewanneinteilung entstand, wie allgemein angenommen wird, bei der Aufteilung des nach der Seßhaftniachung der deut­schen Stämme vorgefundenen oder durch Nenrodung gewonnenen Kulturlandes in das Sondereigentum, oder, um mich anders auszudrücken, beim Uebergang des Gesamt- und Gemeinbesitzes aller Märker, der Allmenden, in das Eigentum der einzelnen Märker. Ursprünglich gab es, wie uns Cäsar und Tacitus berichten, bei den deutschen Stämmen keinen Grundbesitz des Einzelnen. Die freie Mark gehörte allen Freien, die auf eignem Grund und Boden saßen und ihren eignen Rauch hatten, gemeinsam und wurde, soweit sie kultiviert war, gemeinsam bebaut und im lähr- lichen Wechsel durch Losziehung gleichmäßig verteilt und ge­nutzt. Wald und Weide blieben noch lange Jahrhunderte hindurch Ungeteilter Gesamtbesitz; sie sind es vielfach noch; heute freilich Unter anderen Eigentums- und Nutzungsverhältnissen, tote sie die Umgestaltung und der Ausbau des Personen- und Sachenrechts (und die politische und wirtschaftliche Entwickelung unseres engeren Vaterlandes mit sich gebracht haben. Die Gewanneinteilung bildete den äiißeren Rahmen, innerhalb dessen sich die Bebauung des Grund und Bodens und der Besitzwechsel vollzog. Die ersten Spuren der Gewannbildung und Benennung müssen jedoch, tote ich annehme, bis in die Zeit der strengsten Feldgemeinschaft zurück- geführt werden. Denn schon damals war eine gewisse örtliche Und zeitliche Arbeitsteilung unerläßlich; eine örtliche, weil nicht alle Markgenossen gleichzeitig an demselben Platze arbeiten konnten, eilte zeitliche, weil nicht jede Bodenart lederzett ikarbeitungsfähig ist. Schon hierdurch ergab sich nach meinem Dafürhalten in sehr früher Zeit die Notwendigkeit einer räum­lichen Abgrenzung nach Lagen und Bodenklassen, und so mögen die ersten Gewanngrenzen und Gewannnamen schon damals ent­standen sein. Die Fläche, itach der die Aufteilung der Gewanne erfolgte, war der Morgen oder das Joch. Was ein Gespann, ein Joch Ochsen an einem Morgen nmpflügen konnte, hieß da, wo man, tote am mittleren und am Oberrhein die Zeit zum Maßstab nahm, ein Morgen, und da, wo man sich nach der Bo- lpannung richtete, wie in Bayern und Oesterreich, ein Joch. Diejenige Feldfläche aber, die man mit einem einfach bespannten Pflug jahraus, jahrein bequem bewirtschaften konnte, nannte man Nach diesem Werkzeug einen Pflug. In der Wetterau, also auch in unserer Gegend, verstand man darunter 32 Morgen. Wenn uns deshalb eine Urkunde berichtet, daß Kaiser Ludwig IV. dem Kon­rad V. von Trimberg im Jahre 1327 zwischen der Bürg Bü­dingen und dem Büdinger Wald ein Gereut von 5 Pflügen zu Sehen gab, das man ohne Genehmigung des Reichs durch Ro­dung gewonnen hatte, so waren das ungefähr 160 Morgen Land. Wir erfahren hieraus: 1. daß der Büdinger Wald vor 1327 noch bis zum Schloß ging; 2. daß das Schloß, das bekanntlich vordem auf dem linken Seemenufer lag, zum Büdinger Wald gehörte, und wie dieser Reichslehngut war; 3. daß die Gewanne der Melbach" undder Radgärten", d. h. der gerodeten Gär­ten, ursprütrglich Wald waren und ebenfalls dem Reiche ge­hörten; 4. daß dieses ganze Gelände als Reichziehen an die von Trimberg gefallen war.

(Fortsetzung folgt.)

Seit ist Geld!

Wenn man rückblickend die Fortschritte überschaut, die Wissen­schaft und Technik auf dem Gebiete des Verkehrswesens im Laufe ver letzten Jahrzehnte geschaffen haben, tritt dem Beobachter überall eine gewaltige Zeitersparnis entgegen, die den Kindern der mo­dernen Zeit schon zur Gewohnheit geworden ist. Wo unsere Vor­fahren tage» und wochenlang reifen mußten, braucht der Bürger des

20. Jahrhundert? ftü? wenige Stunden, und wo früher ein Kurreiy oder Bote ein umständlich abgefaßtes Schriftstück mit großem Zeitaufwand seiner Bestimmung zuführte, ermöglicht heute das Telephon eine Verständigung, die eine gewaltige Zeitersparnis in sich schließt. .So verbreitert sich das Feld der Betätigung der produktiven Kräfte, der Arbeitsleistung eröffnen sich größere Mög­lichkeiten, und es könnte scheinen, als ob ein Wachstum des all­gemeinen Wohlstandes nicht ausbleiben könne. Aber in der Praxis erfährt diese Theorie eine kleine Einschränkung; das zeigt die lustige Berechnung, die ein ordnungsliebender englischer Kauf­mann aufgestellt hat und in einem Londoner Blatt veröffentlicht. Ich habe nun, zum Jahresschlüsse", so schreibt der sorgsame Hausvater,meine Einnahmen und Ausgaben genau nachgerech­net und bemerke dabei, daß ich im vergangenen Jahre 3000 Mark Taschengeld mehr ausgegeben habe als in den früheren Jahren. Dabei haben sich meine Lebensgewohnheiten, mein Geschmack und meine Wünsche, nicht im geringsten geändert. Ich führe genau dasselbe geordnete, einfache Leben wie früher, habe keine Laster und keine Marotten, die Mehrausgabe verirrsacht haben könnten. Woher entsteht das Defizit? Wenn ich mir meine Rechnungen genauer ansehe, finde ich, daß ich im vergangenen Jahre 1400 Mark für Automobildroschken ausgegeben habe. Das ist zwar vtel, aber ich kann es nicht bereuen, ich gewinne bei der Fahrt 20 Mi­nuten gegenüber einer gewöhnlichen Droschke. Nach genauer Joe» rechnung kann ich feftftelten, daß ich dadurch im Jahre 11200 Minuten erspare, also eine Woche und 18 Stunden. Und das ist für einen vielbeschäftigteil Kaufmann ein schöner Gewinn. Ich benutze aber die Autodroschken nur für wichtige Geschäftsgänge, die sich bezahlt machen. Für kleinere Fahrten begnüge ich mich mit einem Auto-Omnibus. Gegenüber dem alten Pferde-Omnibus. gewinne ich hier täglich mindestens eine halbe Stunde an Zeit, also im Jahre eine Woche und 14 Stunden. Um von meuter Wohnung ins Geschäft und abeirds itach Hanse zu kommen, be­diene ich mich der Untergrundbahn. Seitdem der Betrieb elek­trisiert ist, Verkehren die Züge zahlreicher, schneller, die Auf­enthalte siird kiirzer geworden; das bedeutet eine Zeitersparnis von täglich 15 Minuten, gegenüber der alten Untergrundbahn. Macht im Jahre 3 Tage 19 Stunden. Das Telephon und drei Schreibmaschiite ermöglichen es mir, meine Korrespondenz, für die ich früher drei Arbeitsstunden auftvenden mußte, in einet! Stunde zu erledigen. Wenn ich annehme, daß das Geschäftsiahr rund dreihundert Arbeitstage hat, so spare ich hier fünf­undzwanzig Tage, die zusammen mit den früher angeführtes Zeitersparnissen 44 Tage 3 ©tuitben und 75 Minuten aus- imachen. Ich will alle übrigen Bequemlichkeiten unserer Zeit nicht einzeln aufführen, aber ich rechne vorsichtig und bescheiden^ wenn ich annehme, daß ich gegen früher mindestens 60 Arbeitstags spare, also 2 Monate vom Jahr. Wie kommt es nun aber, daß ich trotz oieser Zeitersparnis weniger wohlhabend bin als früher? Nach langem Nachdenken habe ich das Rätsel gelöst. Ich habe mehr freie Zeit als früher, sozusagen zwei Sonntage in dep Woche; ich gehe spazieren, ich mache mir Bewegung, unter­nehme mit meiner Familie Ausflüge, wir gehen hin und wieder ins Theater und müssen nachher selbstverständlich in einem Re­staurant zu Abend essen. Kurz: mir stehen für meine Ausgaben zwei Monate mehr zur Verfügung, während ich nicht mehr ver­diene." Und der ordnungsliebende Grübler fügt melancholisch hinzu:Ja, Zeit ist Geld," man sagt das mit Recht. Aber jede! Zeitersparnis ist verlorenes Geld. Ich werde künftig meine Briefs wieder mit der Hand schreiben, das Telephon abschaffen, Pferde- Omnibus fahren und in eiligen Fällen statt des. Autos eine ge­wöhnliche Droschke benutzen. . ."

Artthmogrlph.

1 2 3 4 7 5 7 wohlschmeckender Fisch.

2 7 4 4 7 Stadt in Hannover.

3 7 5 8 7 lyrischer Dichter.

4 5 7 11 ein Flüssigkeitsmaß.

5 11 5 1 griechische Göttin.

6 5 1 2 3 ein Hausgerät.

6 5 8 6 7 Flüssigkeit.

7 8 6 7 Schwimmvogel.

8 10 6 6 7 11 Reptil.

9 5 11 8 10 Stadt tn Sachsen.

10 1 6 7 11 eine Gartenvlmne.

11 10 2 5 8 7 iranzösischer Dramatiker.

6 11 5 7 11 Stadt in den Rheinlanden.

5 4 4 7 11 Nebenfluß der Donau.

7 4 4 5 9 1 7 maihemaltsche Figur.

Die Aniangsbuchstaben der gefundenen Wörter bezeichnen ei« Vergnügen für Jung und Alt.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schtvarz.

1. T e 4 e 3. b 6 b 5.

2. D c 4 f 4 f Käß c 5.

3. Df4 c7f und Matt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäls-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießen.