Ausgabe 
22.11.1911
 
Einzelbild herunterladen

732

er sich's erst recht wohl fein. Mr feine Heldentat hatte er ja einen vollgültigen unb unzweifelhaften Beweis.

Den Nachtwachter, den Maurer Sepp und den Paulen Jorg traf er auch noch int Laufe des Vormittags. Sie machten alle drei aus ihrer ehrlichen Bewunderung für den Wast gar fein Hehl.

Die Geschichte, wie der Granaten Wast in der letzten Nacht heimgekommen war, wurde natürlich in Finkenberg rasch offen­kundig. Während des Tages pilgerte das halbe Dorf zum Häusl des Wast hinaus und staunte das halb abgedeckte Dach. an.

Wenn der Wast grab Zeit hatte und nicht durch seine gesell­schaftlichen Verpflichtungen im Wirtshaus zurückgehalten wurde, dann war er auch bei seinem Häusl brausten und erläuterte es den Neugierigen unermüdlich immer wieder von neuem, rote er es auf dem Dach droben angestellt hatte.

Die Thres war nicht zu sehen. 'Der Hausbrach hatte sich ganz in seine Höhle verkrochen. Sie wollte nicht zum Schaden auch noch den Spott haben.

Von den Ereignissen der geschtlderten Nacht an jMteb der Granaten Wast wenigstens soweit Herr in seinem eigenen Haus, daß er der Knute, der Thres endgültig entronnen war.

Streitigkeiten gab es deswegen natürlich doch wteder. 'Die Thres versuchte es ganz energisch, den Wast wieder unter ihre Herrschaft zu kriegen, nachdem sie draufgekommen war, daß der Wast nicht an Besessenheit litt.

Da kam sie jedoch beim Wast an den Unrechten. Nachdem er einmal durch seine Schneid' den jahrelangen Bann gebrochen, hatte, fürchtete er sich nicht mehr vor der Thres, foitbem behauptete mutig seine Rechte. v

Und ihn bei der Nacht hinanszusperren, hat die Thres sckwn gar nicht mehr gewagt; denn sie hat nicht die'geringste Sehnsucht, daß ihr der Granaten Wast abermals das Dach abdeckt.

Vermischtes.

* Der Geldbrieiträger unb bie Studenten. Im allgemeinen ist der Geldbriesträger gerade dem Studenten immer eine äußerst sympathische Lichtgestalt gewesen, deren Nahen mit ungeteilter Freude begrüßt wird. Aber es hat einmal eine Zeit gegeben, wo der Geldbote der Post mit dem Bruder Studio aus äußerst gespanntem Fuße stand, weil er von ihm auf jede Weise hohe Trinkgelderheranszuschinden" stichte. Das gab, wie in SchäfersGeschichte des sächsischen Postwesens" ztt lesen ist, der Uni- versitätsbebörde in Wittenberg im Jahre 1748 Veranlassung zu einer Beschwerde, in der es heißt:Wenn der Briesträger denen Studiosis ihre Wechsel von der Post bringet, weiß er sie zu einem ganz exorbitanten Trinkgelde, außer dem ordentlichen Postgelde und Porto, zu bewegen und zu nötigen. Studiosi sind voller Freuden, wenn Geld an sie kommt, von dieser erfreulichen Ver­wirrung profitiert der Brief-Träger, daß er zum Trinkgelde vor sich von einem Studenten, so auch nur 4 oder 6 Thaler erhält, wenigstens 6 bis 8 Groschen, und weint der Wechsel ansehitlich, 1, 2 und mehr Gulden, und also weit mehr, als das Postamt selbst erhält, extorqniret, attch wenn Studiosi nicht wollen, ihnen mit allerhand groben und unanftänbigen Worten, z. B.der Herr wird noch ein Fuchs seyn, und hiesige Manier noch nicht wissen, tvas mir gehöret", begegnet, macht sich gantz familiaer, setzet sich nieder, trinket mit ihnen Coffee usw. Die Studiosi denken, es muß seyn, und wissett nicht, bey wem sie darüber (lagen und Hilie finden sollen. Sie meinen auch, wenn sie den Briefträger erzorneten, so müssen sie etliche Tage nach ihrem (Selbe lauten, auch benfen sie, der Briefträger luerbe nicht bauen reben, baß sie Gelb bekommen, bamit es Leute, denen sie etwas schuldig, nicht erfahren, allein auch diesen stecket er's nichtsdestoiveniger sofort, und bekommet dafür gleichfalls ein Trinkgeld. Es wäre also zu wünschen, daß in Faveur der Studiosorum diesen Jnconvenientien mit großem Nachdruck abgeholssen, unb bent Briefträger zum Trinkgelde allenfalls von zehn Thaler ein Groschen festgesetzt, meines aber, bey Ersatz des guadrupli verbothen würde, und denen Stiidiosts, so es angezeiget, wenn sie es attch selbst gegeben, die Hälfte davon zukommen sollte, ober es müssen bie Studiosi von bet Post es jeberzeit selbst ab­holen." Die Klagen, baß bie Geldbriefträger beitManichäern" Borschtib leiste daburch, baß er sie von bent eingetroffenen Wechsel in Kenntnis setze, sinb auch aut anberen Universitäten erhoben worben unb haben bis in die neuere Zeit gedauert.

Ick. Fische, die einen Dampfer anha 11en. Aus Salisar hat dieser Tage der Kapitän des Londoner Dampfers Durango" nach seinem Heimatshafen einen Bericht über seine letzte Fahrt geschickt, in dem er erzählt, wie auf hoher See sein Fahrzeug durch einen dichten Schwarm von Fischen angehalten wurde. Kurz nachdem das Schiff, das mit seiner gewöhnlichen Geschwindigkeit fuhr, einen dichten Schwarm kleiner Fische gekreuzt hatte, verlangsamte sich plötzlich die Arbeit der Maschinen und nach kurzer Zeit blieben sie überhaupt stehen. Die Untersuchung zeigte, daß die Zuführungsröhren der Wasserpumpen vollständig mit Fischleibern verstopft waren, woraus stch der Unfall voll­ständig erklärte. Nachdem die Röhren wieder freigelegt worden waren, konnte das Schiff seine Fahrt ohne weiteres fortsetzen, denn die Maschinen selbst waren durch diesen merkwürdigen Borsall nicht weiter beeinträchtigt worden.

vüchertisch.

Unsere Kotoni e n. Unter Mitwirkung herviorragen- i>er Afrikaner herausgegeben von Emil Zimmermann. Verlag Ullstein u. Co., Berlin-Wien. Ein Werk, das in volkstümlicher Fassung alles Wissenswerte über lmseren jungen Kolonialbesitz bringt, ist das soeben in dem Verlage von Ullstein u. C. erschienen« BuchUnsere Kolonien", das der durch seine zahlreichen Afrika- reiseit bekannte Forscher Emil Zimmermann im Verein mit zahl- reicheu Mitarbeitern herausgibt. Zimmermann schildert di« Gefahren und Kämpfe, unter denen unsere fremdländischen Be­sitzungen erworben wurden, die Expeditionen von Peters, Dw Nachtigal, Wißmann, Emin Pascha und Graf Götzen. Er erzählt von den Reisen .und Fahrten der ersten denWen Pioniere in Südwest-Afrika, von den Kämpfen gegen Henrik Witboi und Simon Copper, der Gründung von Windhuk, dem Mutigen Krieg gegen die Hereros und von den Expeditionen in die Südfee. Ein buntes Wandelpanorama von afrikanischen Städten und Landfchaften,- eine wunderbare Mischung von Kultur und Urzuständen zieht an uns vorüber. Wir lernen die Gefahren der Jagden, die Schrecken der Urwälder und der wasserarmen Steppe kennen, wir hören von den Auswüchsen des Aberglaubens der heidnischen Bevölke­rung, nehmen teil an rauschenden Negerfesten und erstaunen über die Wunder einer großartigen Natur. Mit besonderem Interesse aber wenden wir uns den friedlichen Idyllen zu, die deutscher Fleiß hier geschaffen hat. 250 Abbildungen nach Original-Photo­graphien und 6 mehrfarbige Karten erhöhen die Anschaulichkeit des interessanten Werkes.

Norbert Falk, Das Buch des Lachens. Verlag Ullstein u. Co., Berlin-Wien. Ein Buch des Lachens, der frohen Heiterkeit, der Freude am Humor, der die ernsten Dinge des Lebens übergoldet. Mit feinem Sinn für das Charakteristlfche und einem Geschmack, der auf die würzigste Abwechslung bedacht ist, hat der Herausgeber Norbert Falk hier eine Auswahl des Welthumors in Wort und Bild gegeben, die keine, andere Wirkung bezweckt, als die, von der Bechstein sagt:Lachen ist ein Glück, Ihr Brüder; denkt, Homer läßt Götter lachen." Wie es sich für ein deutsches Buch geziemt, kommt in erster Linie und in reichem Maße der deutsche Humor zu Wort. Aber auch das Ausland kommt nicht zu kurz. Das mit vielen Bildern erster Künstler geschmückt« Werk ist wohl berufen, dem Leser Stunden ungetrübtester Fröhlich­keit zu schaffen und sich als Vorfechter des wahren Humors überall Freunde zu erwerben.

Die Welt der Pflanze. Eine volkstümliche Botanik von R. H. Fr an es mit zahlreichen Abbildungen. Verlag Ull­stein u. Co., Berlin-Wien. Francs, der treffliche Kenner der. Geheimnisse der Pflanzenwelt, will mit diesem Buch die jüngst« Wissenschaft einführen in den Kreis, in dem die Menschen nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem, Gemüt und dem Herzen reben. Ihm bietet nämlich die Botanik mehr als ein« bloße Wissenschaft, sie ist ihm ein Mldungsmittel allerersten Ranges, der beste Zugang zur lebendigen Natur. Dieses geheimnis­volle Labyrinth voll seltsamer Lebensbedingnngen erschließt Fran- cßs prächtiges, volkstümliches Werk. Es deckt die wundervollen inneren Zusammenhänge im Pflanzenleben auf, zeigt die hoch­interessanten Berührungspunkte zwischen Tier und Pflanze und eröffnet die großen Ausblicke in die Urgeschichte der Erde. Wer ftir das Geheimnisvolle der Natur Sinn und Verständnis hat, wird das Werk Francss, das mit außerordentlicher Kenntnis in gemeinverständlicher Sprache und dabei mit prachtvoll poetischem Schwung geschrieben ist, freudig begrüßen und ihm eine Reihe erhebender Stunden verdanken. Hunderte von Illustrationen schmücken das Buch und erhöhen noch seinen Wert.

Ureuzrätsel.

Auflösung

in

Auflösung der Schach-Ausgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz.

1. Dh3 -f5f Lk6u.Dame.

2. Sc6e7f Beliebig.

3. g 3 g 4 f unb Matt.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a a a a, b b, c c, d d, e eeeeeee, hhhh, kk, 11 1 1, m in in m, n n, o, s s s, t t t t

derart einzutragen, baß die senkrechten unb wagerechten Reihen gleichlautenb folgendes ergeben:

1. SpanischeProvinzial-Haupt- stabt.

2. Stadt in Braunschweig.

3. Opfertest der alten Griechen nächster Nummer.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Gießen.

'!

5