Ausgabe 
22.11.1911
 
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gewesen, eine wichtige Entdeckung! zu machen, als sie und Anna so plötzlich durch Graf Fosco im Boothause gestört worden waren. Es stimmte vollkommen mit Annas ge­störten Geisteskräften überein, daß sie sich auf einen bloßen unbestimmten Verdacht hin, den undeutliche Winke ihrer Mutter, welche diese unvorsichtigerweise in ihrer Gegen­wart hatte fallen lassen, in ihr erweckt hatten, im Besitze der Kenntnis des Geheimnisses wähnte. Sir Percivals schuldbewußtes Mißtrauen niußte ihm in diesem Falle un­fehlbar die falsche Idee eingeben, daß Anna alles von ihrer Mutter erfahren, gerade wie es ihn später mit dem ebenso falschen Gedanken verfolgt hatte, daß seine Frau alles von Anna erfahren habe.

Die Zeit verging; der Morgen war beinahe zu Ende. Ich stand auf, um mich zu verabschieden und Mts. Cle­ments für die freundliche Bereitwilligkeit zu danken, mit der sie meinen Nachfragen entgegengekommen war.

Sie hatte mich mit sorgenvollen Blicken betrachtet und fragte mich nun so eindringlich aus, bis ich ihr die Tät- sachen von Annas Tod verriet. Dünn rückte ich mit meinem letzten Anliegen heraus.

Ich wünschte Ihnen nur noch eine letzte Frage vor- hulegen, sagte ich; ich möchte gern Mrs. Cathericks Adresse rn Welmingham wissen.

Meine Bitte erschütterte Mrs. Clements in dem Maße, daß sie darüber sogar die Nachricht von Annas Tode ver­gaß. Sie hörte plötzlich zu weinen auf und blickte mich mit dem unbeschreiblichsten Erstaunen an.

Ich bitte Sie ums Himmels willen, Sir! sagte sie, was haben Sie mit Mrs. Catherick zu tun? ,

- Folgendes, Mrs. Clements, entgegnete schau das Geheimnis ihrer Zusammen^'"" -ch' ich muß Glyde erfahren. Es bestMt war Machte mit Sir Perciväl heimnis, das irr. 'v'oanxqi zwischen jenen beiden ein Ge- Mrs, bciiwmfch vosgchch' üon uns errät und ich gehe zu So^wule^ick mit dem festen Entschlüsse, es zu erfahren. nom "lleberlegen Sie sich das zuvor wohl, Sir! sagte Mrs. Clements, mb ent sie ihre Hand aus meinen Arm legte. Sie ist ein furchtbares Weib Sie kennen sie nicht, wie rch ste kenne. Ueberlegen Sie sich es wohl.

Ich bin überzeugt, daß Ihre Warnung eine wohl­gemeinte ist, Mrs. Clements. Aber ich bin entschlossen, die Frau zu sehen komme, was da wolle. '

Ich schrieb mir die Adresse auf und verabschiedete mtch

Als ich Märtanne von meinem Plane erzählte, gab sie sich alle erdenkliche Mühe, mich davon abzubringen, und schlug mir vor, mich erst an Mrs. Rubelte zu wenden. Wer ich blieb unerschüttert und bat sie, Mr. Fairlie energisch um Mitteilung dessen zu bitteu, was zwischen ihm und Fosco vorgegangen war. Da es möglich war, daß sich meine Abwesenheit hinzöge, so kamen Marianne und ich überein, einander täglich zu schreiben. Solange ich regelmäßig von ihr hörte, sollte ich annehmen, daß alles in Ordnung sei. Falls aber die Morgenpost mir keinen Brief brachte, so sollte ich mit dem nächsten Zuge nach London zurückkehren. Es gelang mir, Laura mit meiner Abreise auszusöhnen, indem ich ihr sagte, ich reise aufs Land, um neue Muser für ihre Zeichnungen und die meinigen zu suchen, und verließ sie dann beschäftigt und glücklich daheim. ,

Am dritten Tag nach meine,n Besuch bet Frau Cle­ments machte ich mich aus die Reise.

Als ich über den Bahnsteig hinging und unter der dort versammelten Menschenmenge umherblickte, nm zu sehen, ob sich bekannte Gesichter unter ihr fänden, regte sich der Zweifel in mir, ob es nicht besser gewesen wäre, falls ich, ehe ich diese Reise nach Hampshire antrat, eine Verklet- dnng angenommen hätte. Doch lag etwas so Wider­strebendes für mich in der Idee, daß ich die Frage fast ebenso schnell, wie sie sich mir aufgeworfen, wieder aus tnemett Gedanken verwies.

Ich langte nachmittags zeitig mit dem Zuge in Wel- mingham an. Hier erkundigte ich mich nach dem Wege, der nach dem Stadtviertel führte, wo Mrs. Catherick wohnte, und dort angelangt, fand ich, daß es ein Viereck von kleinen ^einstöckigen Häusern war.

VIII.

Ich schritt sofort auf die Tür Nummer 13 zu die Nummer von Mrs. Cathericks Hause und klopfte, ohne vorher zu überlegen, wie ich mich, nachdem ich Einlaß gefunden, ihr am besten werde vorstellen können.

Die Tür wurde von einer trübselig aussehenden Maq8 von mittleren Jahren geöffnet. Ich gab ihr meine Karte und frug, ob ich wohl Mrs. Catherick sprechen könne. Die Karte wurde in das vordere Wohnzimmer gebracht, tinbl die Magd kam zurück, um mich zu ersuchen, ihr mein An- Itegett zu nennen.

Sagen Sie gefälligst, daß sich mein Anliegen auf M!rs'. Cathericks Tochter beziehe, sagte ich.

Die Magd ging in das Wohnzimmer zurück, kam wieder heraus und ersuchte mich diesmal mit einem Blicke finsteren Erstaunens, einzutreten.

Ich trat in ein kleines Zimmer mit einer grellen, groß- gemustcrtett Tapete. Stühle, Tische, Sofa und Kommode alles leuchtete von dem polierten Glanze billigen Haus­rates. Auf dem größten Tische mitten in der Stube lag eine schön gebundene, Bibel genau im Zentrttm des Tisches und neben einem Tische am Fenster saß mit einem Strick­korbe auf dem Schoße und einem keuchenden, trübäugigeni alten Wachtelhunde zu ihren Füßen eine ältliche Frau, welche eine schwarze Tüllhaube, ein schwarzseidenes Kleid und schieferfarbene Halbhandschube trug. Ihr eisengraues Haar hing im schweren Scheitel zu beiden Seiten ihres Gesichtes herab, und ihre dunklen Augen blickten mit einem harten, trotzigen, unerschütterlichen S.icreit gerade vor sich hin. Sie hatte volle, hohe Backenknochen, ein langes, festes Kinn und dicke, sinnliche, farblose Lippen. Ihre Gestalt war korpulent und derb, und ihre Manier hatte etwas' Kampfgerüstetes. Es war Mrs. Catherick.

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m^ckecheu, sagte sie, ehe ich noch ein Wort sagen konnte, seien Sie so' gut, zu sagen, was Sie zu sagen haben. -

Der Klang ihrer Stimme war so hart, trotzig und unerschütterlich, wie der Ausdruck ihrer Augen. Sie wies auf einen Stuhl und betrachtete mich aufmerksam vom Kops bis zu den Lüsten, als ich Platz daraus nahm. Ich teilte ihr den Tod ihrer Tochter mit, was sie aber keines-, Wegs zu rühren schien.

Der Tod Ihrer Tochter, fuhr ich fort, ist benutzt wor­den, um einer mir sehr teuren Person ein bitteres Unrecht zuzufügen. Zwei Männer sind, wie ich ganz gewiß weiß, an diesem Unrechte beteiligt. Der eine von ihnen ist Str Perciväl Glyde.

Wirklich? bemerkte sie.

Ich schaute sie aufmerksam an, um zu sehen, ob ste bet der plötzlichen Erwähnung dieses Mannes zucktm werde. Sie bewegte keinen Muskel.

Ich bin entschlossen, Sir Perciväl Glyde für die Schänd­lichkeit, die er begangen, zur Rechenschaft zu ziehen, fuhr ich fort.

Was habe ich mit Ihrem Entschlufse zu tun?

Das sollen Sie hören. Es gibt in Sir Perctvals Ver­gangenheit Ereignisse, mit denen genau bekannt zu wer­den zu meinem Zwecke notwendig ist. Sie kennen sie, und deshalb komme ich zu Ihnen.

Was für Ereignisse meinen Sie?

Endlich hatte ich durch die Verschanzung undurchdring­licher Zurückhaltung hindurch, welche sie zwischen uns auf­rechtzuhalten bemüht gewesen, das Innerste dteser Frau getroffen. Ich sah die Leidenschaft in ihren Augen glimmen so deutlich, wie ich ihre Hände unruhig werden, srch auseinander falten und mechanisch ihr Kleid auf ihren Kitten glätten sah.

Was wissen Sie von jenen Ereignissen? frug sie.

Alles, was Mrs. Clements mir darüber erzählen konnte^ antwortete ich.

-> (Fortsetzung folgt.)

Der Granaten wast.

Eine lustige Geschichte aus Tirol von Rudolf Greins (Schluß.)

Da packte den Wast eine verzweifelte Wut.Eini muaß i!" fc&vic 'Ct.

Er kletterte schwerfällig und schnaufend an den Stangen^ die für das Aufbinden des Türkens") an der Außenwand des Häusels angebracht waren, bis auf das Dach. Dort droben hockte er sich nieder und rastete etwas aus. Ein wilder Entschluß war Wer ihn gekommen, und er begann Wi in hellem Zorn und damuchep Wut das Dach abzndecken.

«) Maiskolben.