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——©tr&eiße FrM—_ Roman von W. Collins.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Worin aber bestand dieses 'Geheimnis? Nicht der schmachvolle Anteil, den Sir Percival an Mrs. Cathericks Schande hatte — denn dies war der ganzen Nachbarschaft bekannt. Nicht der Verdacht, daß er Annas Vater sei — denn Welmingham war der Ort, an dem dieser Verdacht unvermeidlicherweise bestehen mußte. Falls ich den schuldigen Anschein, der mir beschrieben worden, so rückhaltlos annahm, wie andere' falls ich daraus denselben oberflächlichen Schluß zog, den Md. Catherick und seine Nachbarn daraus gezogen — wo blieb da nach allem, was ich gehört, die Vermutung, daß zwischen Mrs. Catherick und Sir Percival ein gefährliches Geheimnis bestand, das von dieser Zeit an bis jetzt verborgen geblieben? Hatte etwa Sir Percival den falschen Verdacht begünstigt, nm den richtigen Verdacht von sich abzulenken? Hier lag — falls es mir gelang, ihn zu finden — der Schlüssel zu dem Geheimnisse, tief unter der Oberfläche der anscheinend hoffnungslosen Erzählung verborgen, welche ich soeben angehört hatte.
Meine nächsten Fragen waren jetzt auf diesen einen Punkt gerichtet: ob nämlich Mr. Catherick sich vollkommen von der Schuld seiner Fran überzeugt hatte oder nicht. Mrs. Clements' Antworten hierauf ließen mir nicht die geringsten Zweifel übrig. Mrs. Catherick hatte den klarsten Beweisen nach als unverheiratetes Mädchen ihren Ruf kompromittiert und, um ihn womöglich noch zu retten, sich eiligst verheiratet. Man war durch Ort- und Zeitbestimmungen, in die ich hier nicht näher einzugehen brauche,, entschieden zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Tochter, welche ihres Mannes Namen trug, nicht ihres Mannes Kind w ar.
Der nächste fragliche Punkt, ob Sir Percival Annas Water sei, war mit weit größerer Schwierigkeit zu entscheiden. Ich konnte die Wahrscheinlichketten dafür und dawider durch keinen andern Beweis bestimmen, als den der persönlichen Aehnlichkett. Aber Anna glich, wie ich erfuhr, Str Percival nicht im mindesten.
Hörten Sie, fuhr ich fort, als Sir Percival in Wel- mingham auftauchte, woher er eben kam?
Mein, Sir. Einige sagten, er komme von Blackwater Park, und andere wieder, er komme aus Schottland, aber keiner wußte etwas Bestimmtes darüber.
War Mrs. Catherick unmittelbar vor ihrer Verheiratung zu Barneck Hall im Dienste?
Jawohl, Str. Drei oder vier Jahre. Bei einem Major jD.onthorue.
Wußte Catherick oder sonst irgend jemand Ihrer Bekanntschaft, ob Sir Percival mit Major Tonthorne be- srcnndet war?
Davon nmßte Catherick nichts, Sir, soviel ich mich entsinnen kann. — —- -
Ich schrieb mir Major Duickharnes Namen und Adresse auf, für den Fall, daß er noch am Lek en und es mir für die Zukunft von Nutzen sein könne, mich um Auskunft an ihn zu wenden. Inzwischen war ich entschieden von dec Ansicht, daß Sir Percival Annas Water sei, zurück und zu dem Schlüsse gekommen, daß das Geheimnis seiner verstohlenen Zusammenkünfte mit Mrs. Catherick auf keine Weise mit der Schande zu tun habe, welche die Frau denk Namen ihres Mannes angetan hatte. Es fielen mir keine Fragen ein, die ich hätte tun können, um diesen Eindruck zu bestärken — ich konnte Mrs. Clements nur ermuntern, von Annas Kindheiten sprechen und dabei mit Aufmerksamkeit auf jede zufällige Bemerkung achten.
Blieb Anna, begann ich, von der Zeit an, wo Sie sitz aufnahmen, gänzlich unter Ihrer Obhut?
Nicht ganz und gar. Sir. Mrs. Catherick hatte darüber zuwerlen ihre Launen und Grillen, und pflegte von Zeit zu Zett das Kind zurückzufordern. Aber diese Anfälle waren niemals von langer Dauer. Die arme klein« Anna wurde mir immer wieder zurückgebracht und war stets froh, wieder bei mir zu sein. Unsere längste Trennung fand statt, als ihre Mutter sie mit nach Limmeridge nahm. Zu der Zeit gerade verlor ich meinen guten Mann. Ich zog nun nach London und wollte Anna mit mir nehmen. Mer ihre Mutter wollte nichts davon hören. Es schien ihr Freude zu machen, uns beiden durch die Trennung Schmerz zu verursachen. Das einzige, was ich tun konnte, war, Anna meine Adresse zu geben und ihr heimlich zu sagen, falls sie je in Not sei, zu mir zu kommen. Ich sah sie nicht eher wieher, die arme Seele, als in jener Nacht, in der sie aus der Anstalt entwichen war.
Wissen Sie, Mrs. Clements, weshalb Sir Percival sitz dort in Gewahrsam nehmen ließ?
Ich weiß bloß, Sir, was Anna selbst mir darnber erzählt hat. Das arme Mädchen pflegte darüber schrecklich verwirrt hin und her zu reden. Sie sagte, ihre Muii- ter sei im Besitze eines Geheimnisses, das Sir Percival betreffe, und habe es ihr, lange nachdem ich Hampshire verlassen, eines Tages verraten, und als Sir Percival dies gewahr geworden, habe er sie in die Irrenanstalt bringen lassen. Aber sie war nie imstande, mir das Geheimnis zu sagen, wenn ich sie dg.ru m befragte. Alles/ was sie mir sagen konnte, war, daß ihre Mutter Sir Per- ci'vals Unglück und Verderben sein könne, falls es ihr beliebte. Es ist möglich, daß Mrs. Catherick sich geradtz soviel und weiter nichts hat entschlüpfen lassen.
Dieser Gedanke hatte sich auch mir zu wiederholten! Walen .aufgedrungen. Ich hatte bereits zu Mariannens gesagt, ich zweifle daran, ob Laura wirklich im Begriff«


