Ausgabe 
22.6.1911
 
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Donnerstag den 22.3utti

WM 'i ii idö

Das nette Mädel.

Vornan von Fedor von Zobeltitz,

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Wei Köhlers wurde um ein Uhr zu Mittag gegessen. Friedrich hatte englische Tischzeit; sein Frühstücksbrötchen genügte ihm bis dahin.

Traute stand in ihrem Stübchen vor dem Spiegel und probierte eine neueKrawatte an, die sie sich gestern gekauft hatte. Sie war rot mit weißen Pünktchen und paßte am besten zu der Tennisbluse.

Auf der Erde krabbelte die kleine Thea herum und spielte mit bunten Perlen, die Traute ihr gegeben hatte, damit sie ruhig sei.

Traute drehte sich vor dem niedrigen Spiegel, der über der Kommode hing. Plötzlich erschrak sie. Sie hatte im Spiegel gesehen, daß Theachen eine ihrer bunten Perlen in das rosige Mäulchen schob. Sofort kniete sie vor dem Kinde nieder.

Was machst du denn da, Thechen? !" rief sie.I pfui, wer wird gleich alle in den Mund stecken! Mach das Mäulchen auf! Wo hast du die Perle?"

Thea begann zu quaken. Dann schluckte sie heftig und Zog ein weinerliches Gesicht.

Wo ist denn das Perlchen?" wiederholte Traute. Sie bekam es mit der Angst und fuhr mit dem Finger in den Münd der Kleinen, woraus diese gewaltig zu heulen begann. Da trat Helene in das Zimmer, die gestern ihren zwölften Geburtstag gefeiert hatte und schon halblange Röcke trug, weil sie prall wie ihre Mutter zu werden versprach. Was denn los sei, fragte sie.

Thechen hat eine Perle verschluckt," rief Traute ver­ängstigt.Lauf mal zu Muttern!"

Die ist in der Küche," sagte Helene und kniete gleich­falls vor Thea nieder.Püppchen, spuck doch das Perlchen aus," fuhr sie in bittendem Kindertone fort,ei et ei ei!"

Ruit wurde Traute wütend.Ei ei ei ei," parodierte sie.Ich habe dir befohlen, du sollst Muttern holen, Schafs­kopf! Und zwar ein bißchen dalli!"

Du hast mir gar nichts zu befehlen," antwortete Helene schnippisch,und wer der größte Schafskopp ist, ist auch noch eine Frage. Man gibt keinem kleinen Kinde Perlen zu kauen!"

Mach, daß du rauskommst!" schrie Traute. Thea gröhlte immer heftiger.

Jetzt stürmten die Jungen den langen Korridor hinab. Alfred war zehn Jahr, Rolf neun; zwischen sich hatten sie die siebenjährige Paula, die sie an den Händen mitschleiften.

Was ist has hier für ein Spektakel! ?" rief Alfred pnd nahm den Don eines Schuldirektors an.Ich lasse die ganze Klasse nachsitzen, wenn ich noch mal solchen Radach .re.l, Limmel-onnLrlvetter^^

Halte den Münd," fuhr ihn Helene an. >,Traute hat der Thea Perlen in die Schnute gestopft. Hol mal Müttern!"'

Da hatte Helene schon einen Katzenkopf weg.Ich werd dir lügen helfen," rief Traute.Paulachen, geh rasch zu Muttern Thechen wäre was passiert."

Helene weinte laut.Bon dir laß ich mich noch lange nicht schlagen," .erklärte sie empört.Du hast mich auf den Hinterkopf gehauen, da kriege ich wieder meine Kopf­schmerzen. Ich sag's Vatern."

Alte Petzkarline!" rief Rolf entrüstet.

Laß sie!" schrie Traute nervös.Geht denn nun einer zu Muttern?!"

Aber Rolf beruhigte sich noch nicht; er war ein strammer Junge.Sie petzt immer," sagte er.Neulich hat sie Patern geklatscht, .ich hätte Schindlers Otto'n zwei Murmeln gestohlen. So'ne entsame Lüge. Sie müßte mal ordent­lich verdroschen werden."

Kinder, zankt .euch nicht," rief Alfred, >,keilt euch lieber."

Es ging auch schon los. Helene puffte Rolf in die Seiten. Sie hatte einen roten Kopf und sah drohend aus. Grade hast du Otto'n zwei Murmeln weggenommen," rief sie.Eine gelbe und eine weiße. Du maus'st!"

Rolf gab ihr eine Tachtel.Das ist für die gelbe," schrie er. Dann folgte noch ein Klaps.Und das für die weiße! Ich habe sie beide geschenkt bekommen von Fritze Berger auf mein Ehrenwort!"

Das Ehrgefühl bäumte sich in ihm.So eine Gemein­heit," schluchzte er,ich mausen!"

Aber Helene weinte noch heftiger.Ihr sollt mich nicht auf den Hinterkopf schlagen," jammerte sie,ich kriege wieder meine Kopfschmerzen."

Theachen brüllte jetzt aus vollem Halse. Traute hielt sich die Ohren zu und sprang auf. Sie wollte selbst die Mutter holen. Aber die kam schon. Sie hatte das Konzert in der Küche vernommen und wuchtete gewaltig daher. Fast war der Hinterkorridor zu schmal für ihre Stattlichkeit. Nr breites Gesicht war noch vom Herdfeuer gerötet. Alles, an ihr schwankte.

Was gibt's denn da?!" rief sie von weitem.Kann man nicht einmal das bißchen Mittagessen zu Ende kochen, ohne gestört zu werden!"

MamaMamama," schrie Thechen und streckte ihr die Arme entgegen.

Sie hat eine Perle verschluckt," sagte Traute kurz an­gebunden.

Um Gottes willen!" Frau Auguste ruß Thea »n ihre Arme.Kleinchen, ,wo hast du die Perle? Ist es wahr, daß du eine Perle verschluckt hast?"

Thea machte große Augen und schüttelte den Kopf. Sie ließ sich von der Mutter auch willig in das Mäulchen gucken und auf den Magen drücken.

Tüt's da weh, Kleinchen? Hast du was im Bauchel- Hen? HM h>u wirklich M.e. Mrhe