— 184 —
Vorgestern saß er wieder auf der Bank neben dem Denkmal. Wh stand in meinem Zimmer am offenen Fenster. Da kam in tollem Tempo über das.holperige Pflaster ein Wagen gefahren. Mit kurzem Ruck hielt er am Peter-Apian-Platz und eine Minute daraus erklang silbernes Lachen bis zu meinem Erker und im selben Augenblick ein gepreßter Schrei, ein Tvdesschrei. , Der Brunnenfex siel vornüber und lag vor seiner Bank. . Die junge Dame aber in elegantester Sommertoilette und überreichem fßelj* werke zerrte ihren Begleiter weg nach dem Wagen. „Kommen Sic, Gras, ich glaube, den alten Kerl hat bei meinem Anblick der Schlag gerührt, er griff sogar nach mir."
„Schade, Grete! Ich hätte gern mal das liebliche Original Mit dem Kunstwerke verglichen."
„Ein andermal, Graf. Sie wissen, meine Nerven . . . ." Der Wagen rollte davon.
iJch aber -rückt« dem Vater die Äugest zu, ich, eist fremdest Mann. _________
Vermischtes.
* Kulturgeschichtliches vom Schneeglöckchen. Zn den populärsten Frühlingsboten des deutschen Volkes gehört das Schneeglöckchen, auch Schneeflöckchen, Schneekröpfchen genannt. Als älterer deutscher Name kommt „Hornungsblume" in Betracht, als mundartliche Benennung in der Schweiz „Amselblumli", denn wenn es blüht, beginnt nach dem Volksglauben der Amselschlag. Den Ursprung des Schneeglöckchens hat die Sage liebevoll ausgeschmückt. In der Münchener Halbmonatschrift „Natur und Kultur", Herausgeber Dr. F. I. Völler, lesen wir: Eine arabische Pslanzensage (Dyer, The legends of Plants, p. 308) berichtet: Eva trauert über der wüsten Erde. Es wuchs keine Blume und der Schnee fiel dicht als ein Bahrtuch ftir das unzeitigst Begräbnis der Erde nach der Menschen Fall. Aber der Engel sing eine Schneeflocke aus, hauchte sic an und befahl ihr Gestalt anzunehmen, zu knospen und zu blühen. Ehe sie die Erde berührte, war sie schon zu einer schönen Blume geworden, die Eva mehr schätzte, als alle die anderen schönen Blumen im Paradies, denn der Engel sagte, sie sollte ein Zeichen sein, daß Sommer Und Sonne wiederNmen. So schied er und st j er gestandest hatte, war jetzt ein Kreis lieblicher Schneeglöuchen zu sehen. Nach der Fabel des englischen Dichters Tickell liebt König Albion die Tochter Oberons, des Beherrschers des Feenreiches. Der erzürnte Oberon will das Liebesverhältnis nicht dulden und rüstet zum Kamps. Albions Sohn sammelt gleichfalls eine Armee, Unterliegt aber in der Entscheidungsschlacht und wird tötlich verwundet. Kenna bestreicht die Wunden ihres sterbenden Geliebten Mit „moly" (wilder Knoblauch) und aus den Wunden entstehen Schneeglöckchen. Englische Namen für das Schneeglöckchen sind: Snowdrop oder The fair maid os February. Das Schneeglöckchen hat natürlich in Volksglaube und Volksbrauch eine ziemliche Be- veutung. Kaum erscheinen die Blätter nach der Schneeschmelze, & graben die Slowaken die Zwiebeln aus und geben sie den hen, damit ihnen die Zauberinnen die Milch nicht wegnehmen. Kurze Blüte des Schneeglöckchens deutet nach deutschem und schweizerischen Volksglauben aus kurzen Sommer. (Bahr, und Oesterr. Hochland.) Nach dem bekannten mittelalterlichen Buch von der Bedeutung der Blumen bersten Schneeglöckchen aus reine Fugendlieben mtb aus Demut. Es heißt dort von ihnen „Wer inne selber ttsserwelet eine liebe, und doe nit groß sreude hait, und balde »belast, der sol hornungsblümel tragen". Das Schneeglöckchen war die Liebliugsblnme der russischen Kaiserin Katharina II., die einst über ein schönes Schneeglöckchen in der Nähe ihres Schlosses so erfreut war, daß sie dort einen Wachtposten ausgestellt, um es zu schützen. Der Anlaß des Postens wurde vergessen und dieser erst unter Alexander I., der sich nach dem sonderbaren Grund des Sofiens erkundigte, beseitigt. Von deutschen Dichtern, die das chneeglöckchen besungen haben, seien u. a. genannt Robert Reinick Mit seinen „Frühlingsglocken" und G. Scheuerlin.
* Wasserdichter Seifenbeton. Durch seine vor- kresslichen Eigenschaften als Baumaterial findet der Beton, immer neue Verwendungsgebiete. Seine ursprüngliche Benutzung als einfacher Steinmörtel ist je nach Verwendungsweise und Zusätzen aller Art sehr vielsestig geworben. In neuerer Zeit benutzt man ihn als Eisenbeton zu Konstruktionen im Hoch-, Tief- und Brückenbau, ja selbst Hausgeräte, Möbel und Kähne fertigt man aus Beton an. Kürzlich ist ein neuartiger wasserdichter Seisenj- beton zum Bau eines an der Donau liegenden Mehlspeichers ans Eisenbeton verwendet worden. Untersuchungen der gangbarsten Dichtnngsstofse hatten bei den meisten als wirksames Mittel Kaliseife (Schmierseife) ergeben. Die Dichtungsschicht besteht aus einer neun Zentimeter dicken Schicht ans feinkörnigem Stampfbeton und einer ein Zentimeter dicken Schicht aus Zementmörtel. Statt reine» Wassers wurde für beide Schichten eine Kaliseifen- lösung verwendet, wobei drei bis vier Kilogramm Seife aus einen Kubikmeter Beton ober Mörtel kamen. Die Schicht hat sich bei einem bald darauf eintretenden Hochwasser als vollkommen dicht erwiesen, während ein ähnlich, aber ohne Seifenzusatz her- gestellter Beton bei einem anderen Bau etwas wasserdurchlässig
war. Die Wirkung der Seife bdruht nach der „Umschau" tvaHV* scheiulich auf der Bildung tton wasserdichtem, fettsaurewj Kalzium, das die Fugen verschlämmt.
* Vorbereitungen zur englischen Krönung-'«' feier. Die britische Reichshauptstadt steht bereits seit Wochest tm Zeichen der kommenden Königskrönung, die nahenden Festlichkeiten, die an Prunk und Großartigkeit alle früheren Krönungeni überbieten sollen, sind das Tagesgespräch, in den Schneiderateliers wird fieberhaft gearbeitet, um die Krönungsmoden beizeiten herauszubringen, und die vornehmen Damen der Hofgesellschaften suchest in schlaflosen Nächten das Probleur zu lösen, welchen Schmuck! und welche Blumen sie an dem großen Nationalfeiertage anlegest sollen. Die Blmnenfrage ist jetzt gelöst, und alle bange Unsicherheit gewichen: die Königin hat der britischen Gärtnerinnung dest Wunsch laussprechen lassen, daß das große Krönungsbukett, das der hohen Frau überreicht werden soll, aus rosafarbenen Nelken bestehen möge. Sogar die Verschiedenheiten sind bereits sestgcsetztk der Strauß wirb aus blaßrosigen, kirschroten und einfach rosafarbenen Nelken zusammengesetzt. Bei den Blumenhändlern hak diese Nachricht die höchste Aufregung hervorgerufen, denn de« Wunsch der Königin entscheidet natürlich über die Modeblumen der Krönungszeit, und es gilt, beizeiten Vorsorge zu treffen, um in den Festtagen der Nachfrage genügen zu können. So wirft die Entscheidung feier Königin Mary für alle englischen Nelken- ziichter zum Signal, iu den nächsten Wochen den rosafarbenen Nelken ihren besonderen Eifer zuzuwenden, und auch die privaten Gartenfreunde werden diesem Winke folgen, so daß man im kommenden Sommer wohl in allen englischen Gärten ein Meer rofigeti Nelken in Blüte sehen wird. Inzwischen rüstet sich aber auch die englische Industrie, um in den Krönungstageu wenn möglich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und die nationale Begeisterung mit einem guten Geschäfte harmonisch zu verbinden. Die Tausende von fremden Gästen, die durch die Krönung nach London gelockt werden, pflegen erfahrmigsgemäß irgend eine kleine Erinnerung an das genossene Schauspiel mit heim nehmen zu wollen, irgend ein „Souvenir", sei es nun eine Medaille, ein Bildnis ober sonst irgend ein Galanterieartikel, der auf den Krönuiigstag Bezug nimmt. Bei früheren Gelegenheiten war es fast immer das Ausland, das den Briten diese „nationalen Souvenirs" lieferte, diesmal aber sträuben sich die allbritischen Patrioten gegen den Gedanken, daß man im Juni in London am Ende Krönungs-erinnerungest für billiges Geld kaufen könnte, die die Inschrift „Made in France" oder gar „Made in Germany" tragen. Der überraschende praktische Erfolg, den vor kurzem die mit großem Lärm in Szene gesetzte „allbritische Einkaufswoche" erzielen konnte, hat den englischen Fabrikanten Mut gemacht, die Leistungsfähigkeit der einheimischen Industrie zu erweisen. Und so herrscht denn in allen Galanteriefabriken der fieberhafte Ehrgeiz, bei der Krönimg König Georgs zu beweisen, daß England sehr wohl im Stande ist, alle jene kleinen „Souvenirs", die man für Sixpence in den Straßen Londons wird kaufen können, selbst und aus eigener Kraft hervor- zubringen.
* Wertvoller. „Heute kann ich Ihnen die hundert Mark leider nicht zurückzahlen: ich gebe Ihnen aber mein Ehrenwort. .." —i „Gehen Sie mir lieber 5 Mark ü conto!"
Schachaufgabe.
Non S. Loyd.
Schwarz.
Weitz.
Weitz setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Müßige Leute haben am meisten zu tun.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch» und Steindruckerei R. Langem Gieße»


