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Samstag den 2s. Oktober

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Roman von W. Collins.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

In Rom, fuhr sie fort, habe ich bisweilen gezeichnet Und über Zeichnungen geredet. Eine Mrs. Marklcnw rühmte bei einer solchen Gelegenheit ihren Lehrer und riet mir, ich solle bei ihm Stunden nehmen. Er heiße Walter Hartright. Wie ich da erschrak! Sir Percival stand neben mir. Als ich den Kopf wieder zu erheben wagte, begegneten meine Micke denen meines Mannes, und ich wußte in dem Augenblicke, daß mein Gesicht mich ihm verraten hatte. »Wir wollen uns nach ihm umsehen," sagte er, fortwährend mich anblickend,sobald wir nach England zurückkehren. Ich bin Ihrer Ansicht, Mrs. Markland- ich glaube, daß er Lady Glhde gefallen wird." Er legte auf die letzten Worte einen Nachdruck, der meine Wangen brennen und mein Herz pochen machte, daß mir war, als müsse ich ersticken. Es wurde nichts weiter gesagt, und wir verließen die Gesellschaft früh. Während wir nach dem Hotel zurück­fuhren, sagte er nichts. Er half mir wie gewöhülich aus dem Wagen imb- folgte mir, als ich die Treppe hinauf ging. Aber sowie wir in unserem Wohnzimmer angelangt waren, verschloß er die Tür, stieß mich in einen Lehnstuhl und stand, mit beiden Händen aus meine Schultern ge­stützt, vor mir.Schon seit jenem Morgen in Limmeridge, als du mir deine unverschämten Bekenntnisse machtest, hat mich danach verlangt, des Mannes Namen zu erfahren," sagte er,und heute abend habe ich ihn in deinem Gesichte gelesen. Es war dein Zeichenlehrer, und sein Name ist Hartright. Ihr sollt es beide bis ans Ende eurer Tage bereuen." Sowie er jetzt in Zorn gerät, spielt er entweder mit einem Spotte oder einer Drohung auf das an, was ich ihm in deiner Gegenwart bekannte. Ich habe nicht die Macht, ihn daran zu verhindern, daß er dem Wertrauen, das ich in ihn fetzte, seine eigene abscheuliche Auslegung gibt. Ich kann ihn nicht bewegen, mir zu glauben oder zu schweigen. Du sahst erstaunt aus, als ihn heute sagen hörtest, ich habe eine Tugend aus der Notwendigkeit ge­macht, als ich ihü heiratete. Wenn du ihü dies das nächste Mal, wo er in Zorn sein wird-, wiederholen horst, wirst nicht mehr darüber erstaunen.

Bon den Selbstvorwürfen will ich schweigen, die Lauras Magen in mir erweckten.

Es war spät geworden. Die dichte braune Bäumlinie am Himmel sah jetzt in der Dunkelheit wie lang hin­kräuselnder Rauch aus. Der Dunstkreis über dem See hatte sich allmählich ausgedehnt und war bis zu uns heran­gezogen. Das Schweigen war atemlos wie zuvor, doch war das Schauerliche desselben einer feierlichen, geheimnis- dollen Stille gewichen.

Wir sind sehr weit vom Hause, flüsterte Laura, laß uns zurückkehren.

Sie hielt plötzlich inne und wandte ihb Gesicht von mir ab auf den Eingang des Boothauses.

Marianne! sagte sie heftig zitterns siehst du nichts? Sieh doch!

Wo? i 1

Da unten, vor uns!

Sie deutete mit der Hand vor sich, ich folgte der Rich- tung derselben, und dann sah auch ich es.

Eine lebende Gestalt bewegte sich in der Entfernung über die Ebene der Heide hin. Sie ging innerhalb unseres Gesichtskreises am Boothause vor uns vorüber und dann dunkel am Rande des Dunstkreises entlang. Sie stand in weiter Entfernung still, wartete und setzte ihren Weg wieder fort. Sie bewegte sich langsam, indem der weiße Rand des Nebels über ihr hing und ihb folgte, langsam, langsam werter, vis sie über die Ecke des Bvothauses hinwegglitt und wir sie nicht mehr sahen.

Unsere Nerven waren durch das, was während des Abends vorgegangen, erschüttert, und es vergingen daher einige Minuten, ehe Laura sich in die Bäumanlagen hinaus- wageir wollte und ich mich entschließen konnte, sie ins Haus zurückzuführen.

War es ein Mann oder eine Frau? frug sie flüsternd- als wir endlich in die feuchte Nachtluft hinaustraten.

Ich bin mir nicht sicher darüber.

Was glaubst du?

Es sah aus wie eine Frau.

Ich fürchtete, es möchte ein Mann in einem langen Mantel sein.

Es mag vielleicht ein Mann sein. In diesem undeut­lichen Lichte ist es unmöglich, es mit Bestimmtheit zu sagen.

Warte, Marianne! Ich fürchte mich ich kann den Weg nicht sehen.

Wir waren jetzt in den Anlagen. Cs war sehr dunkel so dunkel, daß es uns schwer wurde, den Pfad zu sehen. Ich gab Laura meinen Arm, unb: wir gingen so schnell wir konnten, dem Hause zu. Dort angelangt, bat ich Laura, sogleich auf ihr Zimmer zu gehen, wartete einen Augen­blick, um meinen Hut abzulegen und mein Haar zu glätten, und ging dann sofort, unter dem Vorwande, daß ich ein Buch suchen wollte, in der Bibliothek meine Nachforschungen anzustellen.

Da saß der Graf und füllte mit seiner Person den geräumigsten Armstuhl im ganzen Hause aus; er rauchte und las in größtmöglicher Gemütsruhe, wobei seine Füße auf einem Sessel ruhten, seine Kravatte über seinen Knien lag ünd sein Halskragen weit geöffnet war. Und da, zu seinen Füßen, saß die Gräfin, wie ein artiges Kind und machte Zigaretten für ihn. Weder er, noch seine Gemahlin konnten möglicheriveise spät -draußen gewesen und eben erst zum Hause zurückgeeilt sein. Ich fühlte- sowie ich