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letzten Schmuck der Wiesen. Das ganze große Heer Ner lieblichen Sänger in WaÄ und! Feld und Garten schickt sich zur Reise nach dem Süden an; auf den Dächern und aus den Telegraphendrähten versammeln sich in großen Scharen hie Schwalben uüb zwitschern ihr Abschiebslieb. Die ObMäume, (bie Dorf und Stadt mit einem grünen Kranze so lieblich umgeben, zeitigen ihre Früchte. Die Pflaume bedeckt sich mit blauem Duft, Birnen und! Aepfel röten ihre Wangen, und der Weinstock läßt seine vollen Trauben im vergoldenden Strahle der Herbstsonne erglänzen. Emsig erntet der Mensch die Früchte, welche der Sommer entwickelt und der Herbst nun zur Reife gebracht hat. In voller Pracht erscheint der herbstliche Wald; Aeste und Wipfel der Bäume sind in die verschiedensten glänzendsten Farben gekleidet und erfreuen das Auge durch ihre herbstliche Farbenpracht. Im Felde zieht der Pflug wieder seine Furchen, über welche kleine Spinnen mit ihren zarten Seidenfäden feine Netze spannen, in welche die Tautropfen des herbstlichen Morgens gleich glitzernden Diamanten eingewebt erscheinen. Der scharfe Wind führt dann die zarten Gespinste hoch in der Luft weit mit sich fort, und häufig sieht nmn an den schönen Tagen des Herbstes die weißen langen Fäden des „Altweibersommers" durch die Luft flattern, nicht selten hängen sie sich am Hute und an den Kleidern pes Wanderers fest. Erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit ist man über die Herkunft dieser Fäden unterrichtet, während man früher die unglaublichsten Vermutungen anstellte, um die merkwürdige Naturerscheinung zu erklären. Auf Wiesen und Feldern webt die Läuferspinne ihre dichten Netze, die, wenn sie trocken geworden sind, der Wind erfaßt und als Altweibersommer oder fliegender Sommer oft hoch durch die Lüfte entführt. Der Volksaber- glanbe beschäftigt sich noch heute viel mit dem fliegenden Sommer, den man in den verschiedensten Gegenden bald als unheilverkündend, bald als glückbringend für diejenigen deutet, die er berührt.
Jetzt ist die beste Zeit gekommen zu Fußwanderungen. Die Tageswärme wirkt nicht mehr beschwerlich, die Luft ist frisch und rein, die Aussicht von den Höhen meist vorzüglich. Muntere Knaben in Stadt und Dorf lassen ihre Drachen steigen oder vergnügen sich an Spiel und Sport im Freien. Drum hinaus, o Menschenkind, in die herbstliche Natur, hinaus in Feld und Wald und Flur, bald, nur zu bald kommt der Winter, der uns wieder in unseren Wohn- und Arbeitsräumen lange genug festhält. Wenn mit dem weiter fortschreitenden Herbst die lebendige Natur allmählich zur Ruhe geht, dann hat sie, gleich einer guten Hausmutter, alles für den künftigen Ser$ vorbereitet, damit er sie nicht überrasthe. Die Bäume haben Stärkemehl und Eiweißstoffe als Wintervorrat im Stamm und in der Rinde aufgespeichert; die Stauden haben unter der Erde Magazine angelegt, wo sie die Vorratsstoffe in den unterirdischen Wurzelstöcken, in den Knollen und Zwiebeln ansammeln. Auch die Laubknospen für das nächste Jahr find bereits! angelegt und durch die von Harz durchtränkten Hüllen der Knospenschuppeu sorgfältig verwahrt; in den Blütenknospen sind schon Kelch, Blumenkrone, Staubgefäße und! Stengel vorhanden, selbst der Blütenstaub ist bereits in den Staubbeuteln ausgebildet. So ist es nicht die abnehniende Wärme allein, die allem Wachstum ein Ziel setzt, sondern die Natur hat sich erschöpft, sie hat alle ihre Schätze, di« sie unter unserem Himmel hervorbringen kann, ausgegeben und vermag nun nichts Neues mehr zu schaffen. Wenn einmal ein wärmer, heiterer Himmel die Dauer des Sommers ungewöhnlich verlängert, so kommt es vor, daß die fürs nächste Jahr bestimmten Knospen noch im Herbste hervorbrechen, daß die Bäume sich neu belauben und zum zweiten Male blühen; bald aber findet dieser zweite, krankhafte Frühling sein Grab in den Frösten des zur Herrschaft gelangenden Winters, der mit den vorzeitig ausgebrochenen Blättern und Blüten zugleich auch die Hoffnung für das nächste Jähr zerstört.
Wenn beim Eintritte des Winters die Blätter von Baum und Strauch hem Tode anheimfallen, so sind die Stoffe, aus denen sie aufgebaut wvroen sind, keineswegs der völligen Vernichtung preisjgegeben. Die Verwesung zerlegt das Zellengerüste des Blattes und die in ihm noch verbliebenen Kristalle und Salze und! sonstigen Ueberreste, die die Pflanze nicht in sich zurückgezogen hat, in ihre 'Grundstoffe, in Kohlensäure, Wasser, Kali- und Amonsalze, alles wieder sehr wichtige Nahrungsstoffe für die Pflanzen.
Diese ruhen dann im Boden, oder sie schwingen sich in daI Luftmeer, bis die Frühlingswärme sie wieder dem keimenden Leben auf der Erde zuführt. Aus diesen Stoffen schöpfen die Pflanzen neue Kraft, neues Leben. Durch tausenÄ Wurzelfasern dringen dieselben, in Wasser aufgelöst, in die Pflanze ein, und wenn die Reservestoffe bte Blattknospen zur Entfaltung gebracht haben, bann nehmen auch bie jungen Blättchen die Kohlensäure aus bet sie umgeben- ben Luft mit Begierbe auf, um daraus unter ber Einwirkung bes Sonnenlichtes die unentbehrliche Stärke zu bilben. So werben alle Blattüberreste wieber verbraucht, inbem sie zu notwendigen Faktoren beim Aufbau neuer Formen werden. Es gibt bemnach in ber Natur keinen ewigen Tod. Aus den Trümmern und dem Moder bes Vergangenen erhebt sich immer wieber bas Leben ber kom- menben Geschöpfe unb Geschlechter; alles, was schon da war, lebt wieber auf, nur in einer anderen Gestalt. So ist in dem Kreisläufe des Jahres die Entwickelung und der Niedergang der Vegetation einem großen Drama vergleichbar, dessen Verlaus wir mit Spannung verfolgen, und sooft es sich vor unseren Augen abspielt, so erscheint cs bei jeder Wiederholung neu und offenbart uns andere, bisher übersehene Schönheiten. Gr.
Photographieren ohne Aamera.
D r. Carl von A r n h a r d.
Obgleich cs dem Engländer I. Hort Player schon vor Jahren gelungen ist, Zeichnungen durch daZ aufgelegte photographische Papier hindurch bei Belichtung der Rückseite zu kopieren, sogar Originale auf eingehefteten Blättern zu vervielfältigen, blieb dieses Verfahren in Deutschland, Oesterreich, ja selbst in England trotz Mitteilungen hierüber in einigen Büchern und Zeitschriften nahezu unbekannt, und erst Professor I. M. Eder in Wien mußte Interessenten darauf aufmerksam machen, daß die oben erwähnte Methode der Reproduktion, welche der Verfasser jüngst erst erdacht zu haben glaubte, nichts neues biete, und somit dem I. H. Player die Priorität der Erfindung zuerkannt werden müsse. Wenn also auch der deutsche Forscher keineswegs mehr das Verdienst für sich beanspruchen kann, die Wissenschaft mit einer Entdeckung auf dem Gebiete der Lichtbildkunst wesentlich bereichert zu haben, so diirstc immerhin dessen völlig selb ständige Arbeit einigen Wert besitzen, zumal hierdurch längst Vergessenes wieder in Erinnerung gebracht wurde, und nunmehr vielen die Mittel geboten sind, sich das nötige Material für ihre Studien auf die leichteste Weise zu verschaffen.
Die anno 1909 in Dresden ausgestellten Bilder haben bewiesen, daß es möglich sei, gute Vorlagen, welche scharfe Umrisse zeigen, mit Hilfe einer Art von Kopierpresse zu vervielfältigen, ohne das Blatt aus dem Buche herausnehmen und das Original irgendwie
beschädigen 311 müssen.
Das Verfahren beruht, wie schon eingangs gesagt wurde, darauf, daß die Rückseite des positiven Materials mittels einer für diesen Zweck besonders adaptierten elektrischen Taschenlaterne in einein Abstande von ungefähr 15 cm auf die Dauer von 12 Sekunden belichtet wird. Zur Erklärung des photographischen Prozesses möge in Kürze bemerkt werden, daß hierbei das bekannte physikalische Gesetz Anwendung findet, wonach schivarze Farbe die Lichtstrahlen absorbiert, iveiße hingegen diese reflektiert; es werden demnach bei Belichtung des Bromstlberpapieres die Typen beziv. Linien eines Originales auf dem Negativ iveiß erscheinen, ivährend der sonst Helle Grund der Vorlage schwarzen, meistens aber dunkelgrauen Ton aiisweist. — Um den Druck auf der Rückseite des z>i kopierenden Blattes uiischädlich zu inacheii, muß unter letzteres ein für diesen Zweck geeignetes Jsoliermaterial gelegt werden, welches aus einer dünnen Glastafel ruht. Das Bromsilberpapier ivird vermittels eines eisernen Rahmens und einer starken Platte von Spiegelglas auf das Original gepreßt, wobei ein höchst einfacher Apparat
Verwendung findet. , m
Im Laufe der letzten Monate erfuhr die Vorrichtung einige bedeuteiide Verbesserungen, so daß die Mechanik selbst, sowie deren Leistungen billigen Anforderungen sicher genügen durften. - Wenn auch Kopien von Originalen auf beider! eitig bedruckten Blattern wegen der unvernieidlicheii Mängel des Verfahrens (Ruckbelichtung des Bromsilberpapiers usw.) feinen künstlerischen Wert wie »Aufnahmen" beansprilchen können, so erfüllen sie dennoch trotz des etivas unreinen Grundes vollkommen ihren Zweck, als HuWmntel beim Studium zu dienen, und ersparen somit das miihsame und zeitraubende Abschreiben bezw. Abzeichnen von Vorlagen.
Weitaus besser geraten die Reproduktionen von Bildern auf einseitig bedruckten Blättern, da hierbei das schon langst bekannte Lichtpausverfahren angewendet werden kann, was zur Folge hat, daß die Schicht des Bromsilberpapleres direkt von den Lichtstrahlen getroffen wird, daher auch die Kontraste: Weiß auf Schwarz bei dem Negativ, mehr zur Geltung kommen.
Voraussetzung des Gelingens bet der Herstellung von Abdrucken bleibt jedoch stets, daß die Blätter des OrigmalS ziemlich eben und das Papier nicht zu sehr vergilbt ist.
Sollten diese Eigenschaften bet der Vorlage fehlen,. so- ist eme Aufnahme mit Kamera und Linse zu machen; der Apparat kann


