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wußte nicht, daß sM Trotz knabenhaft war und log. „An tot lag es nicht! Wenn du wüßtest, was du mir nimmst!" ,
„Laß mich wünschen, Hanno, daß es viel ist! Dann wirst Sit einmal desto reicher werden!"
Tas verstand er nicht. „Sie ist in der Tat merkwürdig geworden!" dachte er und .empfand ihre Ueberlegenheit peinlich. „Und wie alt, — richtig alt sie vorhin aussah, — nach dem — Kuß!"
In der Tür reichte sie ihm die Hand. „Hanno", sagte sie leise, „du sollst mir nichts gegeben haben. Nimm es wieder!" Und ehe er sich's versah, hatte sie seinen Kopf ergriffen, herabgezogen und seine Stirn geküßt. Gleich darauf stand er, fast von ihr gedräirgt draußen, und die Tür war geschlossen.
Ter Kuß auf der Stirn brannte ihn. Er Ivar ihr gram um dessentwillen. Langsam stieg er die Treppen hinab. Dieses Mütterliche! Wo sie das nur .her hatte mit einem Male? Nein, sie mochte wahrlich recht haben: es war besser so! — —>
Oben stand sie am Fenster. Tränenlos sah sie jhm nach.
Wie gerade und aufrecht er dahinschritt, — wie leicht! Das Leben, die Jugend! Ihrer Jugend Held! — Da stöhnte sie tief auf und sank in den nächsten Stuhl. Nun weinte sie doch lange, lange. . ,
Tann schlug draußen hell und scharf die Glocke an. Lisa erhob sich. Sie trocknete die Tränen. Ten Klang kannte sie: da stand jetzt der andere vor der Tür, der gereifte Mann. Für den war sie die Jugend! Ter würde ihr die Stirne küssen! Das hieß die Stellung zum ganzen Leben ändern! Aber es war ja wohl auch richtiger so. Vielleicht brachte es gar ein Glück, — Wenn auch ein anderes. Sie wollte es nun doch versuchen. Sie preßte die Lippen aufeinander und ging, um zu öffnen ....
vermischtes.
* Patriotische Werbe rinnen. Bei aller Vaterlandsliebe haben die Engländer, insbesondere die Angehörigen der vornehmeren Klassen, wenig Neigung zur Erfüllung ihrer militärischen Pflichten, und die Armeebehörde hat ihre liebe Not, um die nötige Zahl von Freiwilligen zu ihren Sommer- und Herbst- Übungen zusammenzubringen. Die jungen Herren finden immer neue Gründe, um sich den Unbequemlichkeiten der Freiwilligeu- Uebuug zu entziehen. Wer die Töchter Albions mißbilligen diese Bequemlichkeit der modernen Feunesse dorse und schwingen sich nun zur Verteidigung der Rechte auf, die Mtengland an seiner Männlichen Fugend hat. Eine große Anzahl junger Damen der Gesellschaft hat geschworen, bei Festlichkeiten und Bällen keinem jungen Herrn einen Tanz zu gewähren, der nicht seine Militärpflichten getreulich erfüllt hat. Und dieser heroische Entschluß der Töchter Albions, so berichtet der „Eclair", hat bereits in den letzten Monaten seinen Zweck erfüllt. Oft konnte man im Ballsaal folgendes Gespräch hören: „Würden Sie mich mit einer Runde Boston auszeichnen. Gnädigste?" „Haben Sie Ihre Militärübung abgeleistet?" „Nein noch nicht . . ." „Dann tun Sie das und kommen dann wieder." Diese militärisch angehauchten Körbe haben bei den jungen Herren schnell ihre Wirkung getan, und um von der Freude des Tanzens nicht ausgeschlossen zu werden, eilen jetzt auch die jungen Aristokraten zur Kaserne und erfüllen ihre an und für sich keineswegs schweren Militärpflichten.
* Di« amerikanische Damenwelt in Nöten. Ein tragisches Schicksal ist über die eleganten Damen Neuyorks herein- gebrochen, und zum erstenmal müssen auch sie die Ohnmacht des Dollars kennen lernen: wie tief sie auch ins Portemonnaie greifen, sie können in ganz Neuhork kein Kostüm Und keine Robe gemacht bekommen. Die Schneiderinnen ünd Nähmädchen in den großen Modeateliers der ameri- Hanischen Metropole sind in den Streik getreten, und natürlich gerade in diesem Augenblick, tvo man seine Wintertoiletten an- probieren muß, denn die Eröffnung der Gesellschaftssaison steht vor der Tür. Wer die schwer getroffenen Miliionärsgattinnen undj Dollarprinzessinnen sind nicht die einzigen Notleidenden. Im September pflegt ein Heer wohlhabender Damen aus dem Westen, Uns der „Provinz", nach Neuhork zu kommen, um hier für sich Und ihre Töchter Toilettenfrage für die Wintersaison zu lösen. Die gestellten Roben aber hängen vereinsamt an ihren Bügeln, in allen Schneider ateliers herrscht Grabesruhe, keine Hand führt Nadel oder Schere, und nur das Wehklagen und Jammern der Geschäftsinhaber unterbricht diese friedliche MüßiAeit. Sogar die sehr gut bezahlten ausländischen Zuschneiderinnen, die oft itausend Mark und mehr im Monat erhalten, haben sich dem Ausstand angeschlossen, da sie vielleicht nicht mit Unrecht Gewalttätigkeiten der schlecht bezahlten Näherinnen erwarten. Am schlimmsten aber sind die Schauspielerinnen daran, die zu ihren Neuen Rollen die notwendigm Kostüme nicht erhalten können: ihre Klagen wetteifern mit denen der Bräute, die in Ermangelung eines Brautkleides nicht vor den Mtar treten können.
* Der Tabak als Kritiker. Folgende „beinahe wahre .Geschichte" erzählt ein Leser der Deutsch. Rundsch.: Doktors und Rechtsanwalts sind bei Amtsrichters zum Abendbrot geladen, an welchem außerdem noch einiges „junges Gemüse" teilnimmt.
Nach Tisch ziehen! sich, wie so üblich, die Herren ins Rauchzimmer zurück, während die Damen im „Salon" thronend über dies! und das schwatzen. Auch über das Rauchen der Männer. „Mein Mann," erklärte Fran Rechtsanwalt, „ist nur Gelegenheitsraucher, und ich freue mich eigentlich immer, wenn er sich eine Zigarre anzündet, denn das ist bei ihm ein Zeichen, daß es ihm besonders gut geschmeckt hat. Nach einem .guten Essen möchte er^ wie er immer sagt, die Zigarre nicht missen." — „Das ist ja putzig!" lacht die bewegliche kleine Frau Doktor, ,,bei meinem Mann ist es gerade umgekehrt. Sie wissen ja: bevor er mir ange - und vertraut wurde, ist er von feiner Mutter und Schwester gräßlich verwöhnt worden und nörgelt nun immer am Essen hemm. Und ich koche doch wirklich nicht schlecht! Hat die Mahlzeit aber seinen hohen Beifall gefunden, so verkündet er mit Gönnerin jene: Verderben wir uns den Nachgeschmack nicht durch den Qualm des beizenden Tabaks! Ulkig, was?" — .In diesem Augenblick steckt der Rechtsanwalt den Kopf durch die Tür: „Einem braven Nichtraucher ist doch der Eintritt in diese heiligen Hallen gestattet, meine Damen? Ihr Gatte, Frau Doktor, qualntt freilich wie ein Schornstein!" — Arme Frau Amtsrichter!
kf. Aus der Rechtssprechung der Vögel. Beovachtungen über Vogelgerichte teilt der „Gaulois" mit, der einen englischen Gelehrten dabei als Gewährsmann angibt. Der eine der mit» geteilten Fälle, bei dem die juristische Frage, um die es sich handelte, nicht zu erkennen ist, schildert ein Krähengericht. Der Beobachter hörte eines Tages ans einer Banmgruvpe heraus großen Lärm, den einige 50 Krähen verursachten. Die schienen über eine von ihnen zu beraten, die in der Mitte eines Kreiies saß und zunächst auf alle Anschuldigungen mit größter Unverfrorenheit Antwort gab. Nach einiger Zeit gab sie klein bei, antwortete überhaupt kaum noch und schien, indem sie sich neigte, um Gnade zu bitten. Trotzdem wurde sie sogleich hingerichtet, worauf die Krähen sich zerstreuten. Eine zweite Beobachtung bildet ein Storchengericht. Man hatte einer Störchin Hühnereier ins Nest gelegt. Als die Kücken ausschlüpften, bemerkte der männliche Storch sogleich, daß irgend etwas nicht in Ordnung sei. Er betrachtete die untergeschobenen Kinder, die er vermutlich auf eine Untreue seiner Frau zurücksührte, argwöhnisch und holte bann seine Freunde. Es bildete sich ein Storchengericht um das Nest herum, bei dem die Störchin verhört und schließlich zum Tode verurteilt wurde. Unmittelbar daraus wurde sie mit Schiiabelhieben getötet. Von solchen Vogelgerichten bei Krähen ist, soviel wir wissen, bisher nichts bekannt gewesen, während von Störchen zuweilen ähnliche Dinge berichtet worden sind. Aus der Bremer Gegend ist uns aus glaubwürdigen Quellen ein ähnliches Storchengericht bekannt geworden, bet dem auch eine Störchin, der man Gänse- Jer ins Nest gelegt hatte, ganz wie bei dem englischen Fall verhört und zum Tode verurteilt und gebracht mürbe.
vüchertisch.
— Häusliche Konditorei. 325 erprobte Rezepte zur Bereitung von Torten, Kuchen und Backwerk. Von L. von Proepper, neu bearbeitet von Marie Breithaupt. Verlag von Trowitzsch & Sohn in Frankfurt a. d. Oder. Tie Hausfrauen, die sich noch nicht an das Selbstbacken gewagt haben, sollten es nur einmal probieren. Es ist ja so leicht, nach der praktischen Anleitung des schon in 4. Auflage vorliegenden Rezeptbuches zu verfahren. Und schmeckt nicht Selbstgebackenes besonders gut, ist es nicht viel billiger? Bei größeren Mengen bedeutet das schon eine ziemliche Ersparnis. Jeder Geschmacksrichtung und jedem Geldbeutel — der Preis der einzelnen Gerichte ist angegeben — ist Rechnung getragen. Tie erprobten, leicht verständlichen Rezepte behandeln alle Arten von Kuchen und Torten, Schmalz- und Hefengebäck, kleineres Konfekt, Lebkuchen, überhaupt den ganzen Bedarf an festlicher und Alltagsbäckerei in reichhaltiger Vollständigkeit. — Allen Hausfrauen sei das praktischs und billige Büchlein empfohlen.
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster! Nummer.
Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummert Sieb, Uhr, Dürft Elba, Bojen, Magen, Alm, Weib, Mabel, jammer, Outet, Hunb, Auge, Webel, West, Eber, Sache;
©übermann, „Johannes".
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsbruck und Verlag ber Brühl'schen Universitäts-Buch- und ©teinbrueferei, R. Lange, Gießen-


