Ausgabe 
20.11.1911
 
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Die weiße Frau.

Roman von W. Collins.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Dieser -war der schlimmste aller unschuldigen Unheil­stifter ein übertrieben amtseifriger Mann. Er hatte gehört, daß Sir Felix die Universität in dem Rufe, wenig besser als ein Revolutionär in der Politik und in der Re­ligion ein Ungläubiger zu sein, verlassen hatte, und er kam daher gewissenhaft zu dem Schlüsse, daß es seine Pflicht sei, den Herrn des Gutes aufzufordern, orthodoxe An- sichten in der Kirche seines Sprengels predigen zu hören. Sir Felix wurde wütend über des Pfarrers wohlgemeinte, aber schlechtangebrachte Einmischung und beleidigte ihn so gröblich und öffentlich, daß die Familien der Umgegend ihm Briefe voll entrüsteter Gegenvorstellungen schickten,, und selbst die Pächter auf seinen Gütern ihre Ansicht dar­über so deutlich aussprachen, wie sie es eben wagten. Der Baronet verließ daraufhin den Ort.

Nach kurzem Aufenthalte in London reiste er mit seiner Frau nach dem Festlande und kehrte nie wieder nach Eng­land zurück. Sie lebten zum Teil in Frankreich und zum Teil in Deutschland jedoch stets in der Zurückgezogen­heit, welche Sir Felix durch das krankhafte Gefühl seines Gebrechens zum Bedürfnisse geworden war. Ihr Sohn, Percival, war im Auslande geboren und dort von Privat­lehrern erzogen worden. Bon seinen Eltern war es seine Mütter, die er zuerst verlor. Sein Bater starb ein paar Jahre nach ihr, entweder im Jahre 1825 oder 1826. Sir Percival war ein paarmal vorher als junger Mann in England gewesen, aber seine Bekanntschaft mit dem ver- gorbenen Mr. Fairlie begann erst nach dem Tode seines aters. Sie wurden bald sehr vertraute Freunde, ob­gleich Sir Percival zu jener Zeit selten oder nie nach Limmeridge House kam. Mr. Frederick Fairlie wär ihm vielleicht ein paarmal in Mr. Philipp Fairlies Gesell­schaft begegnet, aber er konnte weder damals noch je später viel von ihm erfahren haben. Sir Percivals einziger in­timer Freund in der Familie Fairlie wär Lauras Pater gewesen.

Hierauf beschränkten sich die Einzelheiten, welche- rianne mir mitzuteilen imstande war. Ich« sah in ihnen Nichts, was meinem gegenwärtigen Zwecke hätte dienen können, doch schrieb ich sie mir sorgfältig aus, für den Fall, daß sie in Zukunft von Wichtigkeit werden könnten.

Mrs. Todds Antwort enthielt den ersten Fingerzeig auf das hin, wonach wir forschten.

Mrs. Clements hatte fwie wir gemutmaßt) an Mrs. Todd geschrieben, sie von Annas Berschwinden unterrichtet und sie inständig gebeten, Nachfragen in der Umgegend gnzustellen, i,n .der Erwartung, daß die Verlorene ihren

Weg nach Limmeridge gefunden habe. Zu dieser Bitte hatte Mts. Clements die Adresse hinzugefügt, unter der man ihr immer mit Sicherheit schreiben könne, und diese Adresse übersandte Mrs. Todd jetzt an Marianne. Es war in London und innerhalb einer halben Stunde Weges von unserer Wohnung.

VII.

Aus den Aussagen der Frau Clements entnahm ich, daß die Reihe von Betrügereien, durch welche die herzr- kranke Anna nach London geführt und dort von Mrs. Clements getrennt worden war, einzig und allein vom Grafen Fosco und dessen Gemahlin ausgeübt worden waren. Die Frage, ob die beiden dadurch gesetzlich zu fassen waren, ließ ich, so wichtig sie war, zunächst noch beiseite.

Der unmittelbare Zweck meines Besuches bei Mrs. Clements war, wenigstens den Bersuch zu machen, Sir Percivals Geheimnisse auf die Spur zu kommen, und sie hatte bisher noch nichts gesagt, das mich auf meinem Pfade diesem Ende zu nur um einen Schritt weiter ge­bracht hätte. Ich mußte versuchen, ob ich nicht ihre Erinne­rungen an andere Personen, Zeiten und Ereignisse in ihr wachrufen könnte.

Darnach richtete ich jetzt meine Fragen ein.

Kannten Sie Mrs. Catherick, ehe Anna geboren war? frug ich.

Nicht sehr lange, Sir nicht über vier Monate. Wir kamen zu der Zeit als Nachbarn in Altwelmingham sehr viel zusammen, aber wir waren nie sehr vertraut miteinander.

Ihre Stimme wurde wieder fester, als sie diese Ant­wort machte.

A l t w e l m i n g h a m? Dann gibt es also in Hampshire zwei Orte dieses Namens?

Nun ja, Sir, damals vor mehr als dreinndzwänzig Fahren. Sie bauten ungefähr zwei Meilen davon eine neue Stadt dicht am Flusse und Altwelmingham, das nie viel mehr als ein Dorf war, wurde allmählich ver­lassen. Die neue Stadt ist der Ort, den sie jetzt Welming- ham nennen, aber die alte Pfarrkirche ist noch jetzt die Pfarrkirche. Sie steht allein, indem die Häuser um sie her alle entweder niedergerisscn oder von selbst verfallen sind.

Wohnten Sie dort vor Ihrer Heirat, Mrs. Clements?

Nein, Sir, ich bin aus Norfolk, und mein Mann ge­hörte auch nicht zu dem Orte. Wir ließen uns bald nach unserer Verheiratung in Altwelmingham nieder. Wir waren beide nicht mehr jung; aber wir lebten sehr glücklich mit­einander glücklicher, als unser dtachbar, Mr. Catherick, mit seiner Frau lebte, als sie ungefähr anderthalb Jahre später nach Welmingham kamen.

War Ihr Mann schon vorher mit diesen bekannt ge­wesen?

Mit Catherick, ja, Sir aber nicht mit seiner Frau. Sie war uns beiden fremd. Ein Herr hatte sich für Ca- therick verwendet^ so daß er die Stelle als. Küster au der