Ausgabe 
20.7.1911
 
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einen ober anbercit der Nichtsnutze einen handgreiflichen Denk­zettel hätte oufbreinten tötnten. Doch, hatte er genug gesehen/ die Alten sollten sich Wundern, wenn er tn den nächsten Tagen den Vack Strafmandate in die Häuser trug.

Vergnügt die Hände reibend tn dem Gedanken, daß dann den Jungen die nötige Kriegsentschädigung auch nicht ausbleiben wurde, schritt, er abwärts, als sein Polizeiblick durch eilte neue Schand- tat D^PEckeuzerIltis" undTernble" hatten sich nach so heißen Kämpfen nicht wieder, tote ihre Kameraden, tn Land­soldaten verwandelt, sondern waren der See treu geblieben. Letzterer schon aus dem Grunde, weil er die noch immer pflichtgetreu ans ihrer Sandbank ausharrende Heulboje nicht länger im Stich lassen durfte. Eine Weile vertrieben sie sich die Zeit mit Fischen und Krebsen, da fiel ihr Blick auf einen in der Nähe stehenden Baum mit goldgelben Spätbirnen. Die waren dieses Fahr ausgezeichnet geraten.

Wer Mills den Beiden verdenken, daß sie bei diesem ver­lockenden Bild ein den Kriegsschiffen sonst unbekanntes, mensch- liches Rühren empfanden und angesichts der verbotenen Frucht ein Schub- 'und Trutzbündnis schlossen? Ohne Säumen erkletterte derTerrible", von seinem Genossen unterstützt, den Baum, woselbst er, seinem Namen alle Ehre machend, unter den Wlnter- birnen schrecklich hauste. Indes sammelteIltis" unten emsig ent, während die Heulboje ihren Appetit durch verlangendes Geschrei kmd tat. ,, rn,

Ein Gewitter soll euch LaUsbichen verschmeißen gehst du gleich vom Baum herunter, du Schlingel!" ,

Mit diesen Donnerw-orten störte jetzt der wie aus der Erde Kevausgewachsene Hannjost das leckere Mahl und suchte sich des -Iltis" zu bemächtigen. Im Nu warf dieser sämtliche Vorräte über Bord und gab Fersengeld. Hinter ihm drein der fluchende und wetternde Feldhüter. Doch bald gab er das Rennen als aussichts- Bauf, der Birnendieb war ihm im Laufen über. Jni Begriff, nach dem zweiten Missetäter umzuschauen, gewahrte Hannrost, diesen inzwischen die gerechte Strafe schon ereilt hatte.

Die Mutter desTerrible", durch das lange Ausbleiben ihres Töchterchens beunruhigt, war voll banger Ahnung hinaiis auf das Schlachtfeld geeilt und hatte schreckensbleich das Mariechen saus seiner gefährlichen Lage befreit. Dann aber nahm sie den tapferen Panzerkreuzer beim Kragen und versohlte ihm dasHeck" wich allen Regeln der Kunst.

verrnkschte».

* Von der Liebe und den Frauen. ZuM Fein- geistigsten, was je über die Kunst zu lieben geschrieben wurde, gehören die Gedanken über Liebe und Liebeswerben, mit denen Ntnon de Lenclos ihre bekannten Briefe gewürzt hat, und die eben um jener sentenzartigen Gedanken willen einen Ehren­platz in der Weltliteratur behaupten. Es ist daher ein unbe- Meitbares Verdienst Adolf Saagers, diese Liebessenteuzen aus Ninons Briefen herausgelöst und zu einen! harmonischen Ganzen vereinigt zu haben, das uns den ganzen übrigen, heute kaum! snwch interessierenden Inhalt jener Briefe erspart. (Von der Liebe, den Frauen und der Galanterie." Aus Ninon de Lenelos' Briefen. Verlag von Robert Lutz in Stuttgart.) Ninon de Lenclos ist eine der großen Amoureusen des 17. Jahrhundert^' gewesen; sie war ausschweifend und doch eine anständige Frau (oder genauer ein anständiger Mensch). Ihre Liebesverhält-nifsg wechselte sie öfter als manche Hetäre, und doch hat sie weder von dieser noch von der gewöhnlichen Courtisane etwas an sich. Sie besaß vor allem einen sehr scharfen kritischen Verstand, der es ihr ermöglichte, tief im Herzen liebender Menschen Wahrheitest zu finden, die weniger scharf Beobachtenden entgehen müssen. And sie besaß den, bei ihr freilich selbstverständlichen Mut, diese! -Wahrheiten stets offen auszusprechen. So wird jeder das Buch Mit Genuß und Interesse lesen und manche Anregung daraus schöpfen: der wirkliche Feinschmecker vor allem wird gern wieder Und wieder zugreifen. Im folgenden geben wir einige kleinere! Proben aus dem Inhalt, die natürlich aus dem Zusammenhang gerissen, was in gewissem Sinne den feinen Gedanken beeinträch- tigt. Die Wünsche eines Liebhabers lassen sich im Grunde alle lauf Neugierde zurückführen. Die Neugierde ist die Sprungfeder des Herzens. Die Liebe stirbt nie an Nahrungsmangel, wohl laber oft an Uebersättigung. Das Herz ist wie die großen Fest- Ungen: sie zu erobern ist weniger schwierig, als sie int Besitz zu behalten. Eine Frau überzeugt sich viel besser von enreti Liebe durch das, was sie errät, als durch das, was man ihr verrät. Glaubet mir, daß wir euch nicht um euretwillen lieben. Wir suchen in der Liebe nur unsere eigene Glückseligkeit. Gerade weil man euch liebt, gesteht man es euch nicht. Im allgemeinen kommen Frauen viel öfter durch unvorsichtiges Auf­treten als durch wirkliche Fehltritte zu Fall. Es gibt nicht eine emzige Frau, die nicht lieber ein wenig brüskiert, denn allzu rücksichtsvoll behandelt würde. Tie Unbeholfenheit der Männer rettet mehr Herzen als die Tugend. Wenn ich die Frauen mit belagerten Plätzen verglich, habe ich denn damit behauptet, es

gebe keine Städte, die nie eingenommen worden sind? Gibt !wch Städte, die nie belagert wurden! Die Liebe ist eine Verräterin, die uns gleich einer Katze kratzt, auch wenn wir nur mit ihr spielen wollten. Die Passionen sind in unseren! Händen was die Gifte in der Apotheke; ein geschickter Chemiker verwandelt sie in wohltätige Heilmittel. Das Bedürfnis nach Liebe ist ein Stück der weiblichen Natur selbst; die Tugendhafttg- keit gehört nur zur äußeren Ausstattung der Frau. Je weniger Leidenschaft ihr an den Tag legt, desto Mehr Leidenschaft werdet ihr erwecken. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß das Buch auch äußerlich mit feinem Geschmack hergestellt wurde, gedruckt mit einer ganz reizenden Drugulinschrift alles Mignon, tote Ninon es war. , _ . . ,.

* Die Flieger. In der Hilfe schreibt der Dortmunder Pfarrer Lie. Traub: Sie flogen. Ich sah es zum msten Male. Es überwältigte mich. Wenn wieder einmal eine Sehnsucht des menschlichen Geschlechts in Erfüllung geht, ists ledesmal em, Augenblick, daß einem das Herz stille steht, um dann aufzuiubeln: Diese unerhörte Kühnheit des Unternehmens! Ein einfacher Sch rundum gähnender Abgrund und nun mit rasender Ge­schwindigkeit davonzueilen auf ein paar zarten Gestängen zwischen! Wolken und Winden hindurch ich habe seit langem nichts mehr erlebt, was mich so mit rechtem Stolz erfüllt hätte. Wahrhaftig: wir Menschen fliegen! . . Manchem fommt diese meine Be­geisterung überraschend. Er hat sich an das seltene Schauspiel schon gewöhnt. Er wundert sich, daß ich mich noch so wunderst kann. Aber ich bin froh, daß ichs noch vermag. Wir werden des Großen viel zu rasch satt. Einige Jahrtausende menschlicher Ge­danken liegen in diesen mechanischen Schwingen: und, ich sollte das Herz nicht höher schwellen lassen, wenn mir solch mn Anblick qeschenkt wird? Wenn sie das erlebt hätten, feite Großen und Kleinen, die in Werkstatt und Kinderstube jahraus, fahrein dran dachten, ob es wohl noch gelingen würde. Nun ist es da! Ich grüße die Technik. Sie schafft. Das beschämt mich Denn einst^ weilen gehen die geistigen Bewegungen gar langsamen Schritt gerade dort, wo man vom Leben Predigten hält Sonntag find Sonntag. Da lebt man von den Gedaiikenprägungen der früheren Jahrhunderte und stürzt die Flieger, die neuen Flug wagen. Man scheut das Unternehmen und lebt von dem Alten. Man tollt nichts überstürzen und kommt dabei stets nur zurück. Einen Mann erschütterts und ein Volk, ergreif t§, wenn ihm so die geistige Vorwärtsbewegung abgemessen werden soll. Aber bittere Gedanken haben hier wenig recht. Nehmt, die Faust und zer­trümmert, was morsch war. Ter Sämann sät den Samen. Wir wollen Säleute werden und frischen Samen säen, daß fungg Saat wachse und reife. Und wollen dabei nicht müde werden. . . Ich freute mich der Taufende, die an dem Fliegerplatz standen! und warteten und schallten. Insgeheim stieg nur die Frage mir auf, wie viele Hunderte mit gleicher Geduld und Ausdauer geistigen Kämpfen beiwohnen würden. Die Technik ist mchdÄ anderes als ein Kind des Geistes und kann ohne sittliche Kraft nicht dauern. So leiht doch euer Herz den Bewegungen, dch unserem Volk Geistesfreiheit und Freude zur Kraft schaffen wollen. Wer an der geistigen Erziehung der Völker arbeitet, tut ihnen den größten Dienst. Ohne sie zerstiebt, was man rasch gewann/ und stürzt, was man gebaut hatte. Wie die heutige Technik aus der Studierstube des Gelehrten ihre Kräfte holt, so sammelt sich ein Volk die letzten Kräfte allein aus geistiger Freiheit.

* Etwas anderes. Richter:Der Huber behauptet. Sie hätten ihn einen Ochsen genannt!" Bauer:Aber na, i hab bloß zu meine Ochse gesagt: ihr Huberbagage!"

* R i ch t i g e D i a g no s e. Arzt (den Puls fühlend):Huh hm, die ganze Krankheit scheint mir nichts weiter zu sein, als ein mächtiger Kater!" Patient:Ich weiß fa, Doktorchenr aber geben Sie dem Ding einen lateinischen Namen, ich mutz mich doch bei meinen Vorgesetzten ent) chuldigynt'

VNderriMel.

Auflösung in nächster Nummer

Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer! Weiß. Schwarz.

1. 8 e 6 d 8 Beliebig.

'. D, T, L, 8, 8 + und Matt.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,