Ausgabe 
20.5.1911
 
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der Apostel reicht, inständig $it erzMen. Die BauernkirSek Merl daher besser getteibet, als die Pfarrerskinder. Wann ivird sich ein hessischer Landesfürst über sein Voll erbarmen, iura ihm Kesser besoldete Geistliche geben, damit dre gesunkene Achtung für dies en ehrwürdigen Stand etwas gehoben werdet

'^Schluß fÄa£)

Entkalkung und Tuberkulose.

Sehr interessante Gesichtspunkte über neu einzuschlagende Wege bei der Tuberkulosebekümpsung gibt Dr. E. Sobotta in einer Abhandlung in derZeitschrift für Tuberkulose". Es ist bekannt, daß zur Entstehung der Tuberkulose neben einer Infektion durch den Erreger die Disposition des Organismus die Vorbedingung für das Haften der Infektion ist. "Man hat nachweisen können, daß sich etwa von- 20. Lebens­jahr an bei 90 Prozent sämtlicher Menschen tuberkulöse Anti­körper int Blut vorfinden, d. h. daß latente Herde im Körper vorhanden sind, die aber vom Organismus auf den kleinen Herd beschränkt werden. Es erhebt sich also die Frage: welche Momente vermögen den Organismus so zu schwächen, daß es zum Ausbruch einer aktiven Tuberkulose kommt oder: worin besteht das Wesen der tuberkulösen Disposition. Daß die Beschaffenheit des Nährbodens, die chemische Zusammen­setzung der Körpergewebe, für die Entwicklung des Tuberkulose­bazillus von Bedeutung sei, wird ziemlich allgemein anerkannt. Einwandfrei ist z. B. die Tatsache, daß Diabetiker für die Tuberkulose besonders disponiert sind. Es erklärt sich jeden­falls daraus, daß der Diabetiker im Urin vermehrte Mengen von Erdalkalien, -besonders von Kalk nnd Magnesia, aus­scheidet. Es vollzieht sich somit in seinem Organismus jener Prozeß derdemineralisation, den französische Aerzte bereits seit längerer Zeit als wesentlich für tuberkulöse Dis­position ansehen. Allerseits anerkannt ist diese Theorie der Demineralisation noch nicht, doch lassen sich eine ganze Reihe von Tatsachen anführen, die eine recht gute Stütze bilden.

Zunächst ist die sogenannte Phosphaturie zu nennen, die eine sehr häufige Erscheinung im Krankheitsbilde der Tuberkulose ist. Es handelt sich bei der Phosphaturie haupt­sächlich um vermehrte Ausscheidung von Kalk- und Magnesia­salzen. Ziemlich ähnlich liegen die Verhältnisse bei der Culo- rose, die sehr oft einer später» Tuberkulose vorangeht. Ferner übt die Schwangerschaft und Laktation einen großen Einfluß auf den Verlauf der Tuberkulose aus. Die Tatsache ist ja erwiesen, daß seitens des Foetus bezw. Säuglings hohe Anforderungen an den Kalkbestand des mütterlichen Organis­mus gestellt werden. Es zeigt sich dies z. B. äußerlich ganz deutlich an der häufig eintretenden bedeutenden Schädi­gung der Zähne während der Schwangerschaft. Umgekehrt verhält es sich mit der Gicht. Hier liegt eine verminderte Ausscheidung der Kalksalze vor, die dafür im Gewebe ab­gelagert werden. Und die Erfahrung lehrt, daß sich Gicht und Tuberkulose gegenseitig fast ausschließen. Sehr selten findet sich ferner die Tuberkulose bei Arbeitern in Kalk- und Gipswerken. Es ist somit die Tatsache sehr wahrscheinlich, wenn nicht gewiß, daß dieEntkalkung" des Organismus ein wichtiges Moment in der Pathologie der Tuberkulose bildet. Kalkhaltiges Trinkwasser und kalkhaltige Kost sind also für alle Fälle recht zu empfehlen.

Vermischtes.

* Hessische Walpurgisnacht-Bräuche. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: In Nr. 75 der Gießener Familien­blätter findet sich eine Mitteilung über Walpurgisnacht-Bräuche ans der Gegend von H o m b e r g. Diese Bräuche sind schon sehr alt unb wurden auch in unserer Heimat geübt. In dem Tagebuch des Psarrers Weigel aus Großen-Linden findet sich aus dem Jahre 1668 folgender Eintrag:Am 24. Mai fjabe ich wider die leichtfertige Ueppigkeit der Knechte, so auf Walpurg ein Feuer bei einem Psarracker obig dem Holzweg gehabt, dabei geschossen und hie Lehns acisgerufen, in der Predigt hart gezürnet. Den ersten Pfingsttag morgens vor der Messe sein sie mit den Pferden aus die Weide geritten, haben dann nach Mitternacht aus der Gasse gesungen und dabei einen schreienden Tanz bei dem Rathaus gehalten, worüber der Kaplan aus Pfingstmontag in der Kirche gezürnet, sie

aber solgenden Pfingstdienstag abends, da sie von der Weide heiinkaine», uns gleichsam zu trotzen im Flecken herum, dreimal um die Backhäuser und vor den Pfarrhöfen vorüber geritten, der eine ganz geschwärzt geivesen und einer aus dem Pferd hiuterst zu vorderst gesehen und des Pferdes Schwanz in der Hand gehabt." Bei diesen: Eintrag steht noch die Randbemerkung:Dieses Um­reiten sollen sie in 14 Jahren nicht getan haben und jetzt wieder aniangen." A. B.

Kf. Der Gipfel der Frechheit. Jüngst betrat ein einigermaßen anständig gekleideter Mann einen großen Londoner Laden und sagte: Herr Braun vom Laden um die Ecke ließe hös. lichst auf eineu Augenblick um die große Ladenleiter bitten. Er bekam die Leiter und zog damit ab; aber als am Abend des Tages die Leiter nicht zurückgeliesert war, ging der Ladeninhaber zu Herrn Braun und fragte, warum er seine Leiter nicht wieder- bekäme. Herr Braun sagte sehr erstaunt, er habe sich gar keine Leiter geliehen, erbot sich aber, seinem Geschäftsfreunde eine andere Leiter zu leihen, die er vor kurzem gekauft habe. Ohm stellte sich heraus, daß der Schivindler, der die Leiter für Herrn Braun hatte leihen wollen, sie dein anderen Ladenbesitzer gestohlen und daun wirklich verkauft hatte. Aehnliche Fälle von bodenloser Frechheit scheinen nach deni Berichte einer Londoner Monatsschrift nicht selten zu sein. Jüngst wurde z. B. ein großer Btichhändler aus ziemlich geistreich« Weise um eine namhafte (Summe geprellt: Ein sehr fein gekleideter Herr betrat seinen Laden mit einem ziemlich wert­vollen Buche ill der Hand, das er antiguarisch verkaufen ivollte. Ter Handel wurde abgeschlossen. Au: Slbeub aber kam der Buch. Händler dahinter, daß er sein eigenes Bcich getauft hatte. Der Ver­käufer hatte es nämlich aus der offene« Auslage vor der Tür ein­fach weggenommen und war damit frech in den Laden gegangen I und hatte es auch richtig verkacift. Bei solchen Gipfeln der Frechheit braucht es sich nun aber nicht um wirkliche Betrügereien zu handeln, wie solgeuder Fall zeigt: Ein Gentleman betrat das Parlamentsgebäude und gelaugte schließlich in das Garderobe- zimmer des Oberhauses. "Hier wandte er sich sehr selbstbewußt an den Diener und sagte:Geben Sie mir die Amtsrobe des Lord Normanbys." Ter Diener war zuerst erstaunt, aber der vor­nehme Herr sagte:Ich weiß schon, das konnnt Ihnen natürlich seltsam vor, aber mein Schneider hat mir meine Robe nicht recht­zeitig geliefert, und da ich notwendig in dieser Sitzung anwesend sein muß, war Lord Norrnanby so freundlich, mir aushelfen zu wollen!' Hierauf wurdet: ih>n die kostbarei: Gewänder ohne weiteres ausgehändigt; er ging in den Sitzungsraum, grüßte sehr vornehm nah rechts und links und setzte sich bann auf den Woll- sack. Nach euer halben Minute schlug er sich an die Stirn und sagte zieinlich laut:Wie dumm 1 Ich habe ja eine Verab­redung 1 Dain wars er noch einen Blick auf feine Uhr mrd ging ziemlich eilig «von, um die Robe Lord Normanbys mit bestem Dairke abzugebn. Ain Abend des Tages erfuhr inan, daß es sich um den Streich eines bedeutenden Schaiisplelers handelte, der aus diese, Weise ein,: Wettbetrag von 50 Pfund im Handumdrehen verdient hatte! Bei Theaterleuten findet mnn dergleichen Un­verfrorenheit ührhaupt nicht gerade selten. So wurde eines Tages in Newcchle der berühmte Sänger Reeves erwartet, aber das übrige Progtzinn: war schon zur« großen Teil gespielt, Reeves hatte iwch nichts gon sich hören lassen und die Zuhörer begannen schon unruhig zu werden. Da ging einer der Schauspieler, der eine gewisse Aehmchkeit mit Reeves hatte, an die Rampe und sagte:,Meine Tauen und Herren, entschuldigen Sie, bitte, meine Verspätung I" Dai,: erzählte er weiter, er habe gerade einen Unfall erlitten uninei nun so aufgeregt, daß er es vorzöge, etwas später zu singen, iem: die Zuhörer einverstanden seien.Der Himmel ist mein Züge", schloß er,ich tarn: jetzt nicht eine Note singen." Das Publium klatschte Beifall, und so zog sich der Frech­dachs zlirück. Seium Tirektor sagte er, er habe ja nichts als die Wahrheit gesagt, bei« er könne wahrhaftig feine No le fingen, und daß er Reeves sei, habe er nie behauptet. Zehn Minuten später kain Reeves wirklich an und sang. Tas Publikum aber merkte nichts davon, daß ei vorher betrogen ivorden ivar.

* Gin recht chiverer B e ruf.;Womit beschäftigt sich eigentlich dein OE her Rentier?" :Jnr Sommer macht eh gewöhnlich eine EntfitUngskur in Marienbad und, M Winter be* reitet er sich darauf vor!"

Gleichklang-Ratsel.

Willst du einmakdie schöne Welt durchreisen, Sei's auf der Ennbahn, zu Fuß, mit Doppelrad, So sind bereit ich, dir bei: Weg zu weisen, Zu sagen, ob er tfe( Beschwerden.

Hast du zurückgeltzt des Tages Ziel, So werden unsirSNamensschwestern dir vielleicht Nicht unwillkonunn sein, salls du ein Freund von: Spiel. Doch gib wohl Ast, dein Beutel wird sonst leicht.

Auflsting in nächster Nummer.

Auflösung bei Rätsels in voriger Nummert

Sange, Zunge.

Aebattio»; Z. B.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Gießech