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Wollte.
(Fortsetzung folgt.)
Ein englisches Urteil über -en Uaiser.
In London ist soeben ein umfassendes Werk über die Lohens zollern erschienen, das von Brayley y o d g etts verfaßt U und den englischen Lesern ein lebendiges Bild von den Charakter-i eigentütnlichkeiten der Hohenzollern und von den rn dem Go- schlechte roaltertoen historischen Ueberüeferungen vermitteln wul. Der Verfasser, der einen großen Teil seiner Kindheit « Deutschland zugebracht hat und auch im Lause seiner spateren Laufbahn wieder nach Berlin zurückgekehrt ist, zeigt m seinem Werke em• zur freundlichen Objektivität, das gerade in diesen, Tagen »uw kommen geheißen werden mutz.
Ks Landzunge gegen Unberufene nB, und da dieser natürliche Park groß war und überall Bänke standen, verteilten sich mich die Gäste des Hotels, und man ward nicht viel von anderen Menschen gestört, wenn man allem bleiben
bads. Und ging mA ihr z« ihrem Haus«. Dori erzählte MandanW ihm ein Langes und Breites über ihre Jugend, versicherte, fte ei um vieles besser als ihre Mitschwestern und wollte sich noch weiter über ihre Tugenden verbreiten — als sie plötzlich in Turirrs Armen den Geist aufgab. Der Kaufmann ließ den Leichnam langsam auf die Erde sinken und verließ nachdenklich das Hau^
Bei einer Kreuzung der Straße wurde ihm der Weg durch eine Reihe von Wagen versperrt und Turiri fing schon an, ungeduldig zu werben, als, wie durch Zaubermacht, die Wagenlenrsr! von den Böcken herab, die Pferde mit zerschnittenen Fesseln zu! Boden fielen, als hätte eine Sichel sie gemäht.
Verwirrt, geängstigt begab er sich ins Theater und fing dort teilte Diskussion mit dem Literaten Carvilaka an,,der irgendeinen Vers dem Nisani zuschreiben wollte, den Turiri erst Nrrzlich tu den Werken des Saudi, des Dichters der Rosen, gelesen hattL, Wie entsetzt war aber der tugendhafte Kaufmann, als Carvilakaj mitten in der Diskussion umfiel und Ströme Blutes ausspie.
Tas Lustspiel des Abends hatte viel Erfolg und erntete mw geheure Anerkennung; auch Turiri wollte gerade seinem Kollegen und Rivalen Beifall klatschen, als man ihm die Nachricht brachte, der Autor habe soeben seine Seele ausgehaucht.
Völlig vernichtet ging der Kaufmann nach Hause. Er sah sich Tod und Verderben bringen, wohin er kam; er hielt sich für ein Ungeheuer und stieß sich ohne Zögern den scharfen Dolch ms, '^Ju derselben Nacht starb auch der Asket Maitreya.
Die beiden Seelen erschienen gleichzeitig vor Ormuzd' Richte«- ^°Ter Asket dachte schadenfroh: „Nun wich der scheinheilige! Turiri wohl genügend entlarvt sein. Wurde doch seine erlogene Tugend von den Persern fast meinen eigenen Verdiensten gleich, geachtet! Welch ein Ungeheuer! An einem einzigen Tage galten seine ersten Regungen sechsfachem Morde!"
Ormuzd aber lächelte Turiri mild entgegen:
„Tugendhafter Diener!" sagte er. „Wahrhaft edler ünh treuer Mensch! Ziehe ein in den Frieden memes Pavadiesesl
„Ein guter Scherz ist dies!" murmelte der Asket höhnisch,
,Hch spreche im Ernste!" rief Ormuzd sttenge^ „Du, ^.urirr, hast deiner Frau den Tod gewünscht, weil sie zänkisch, häßlich und alt war; den Bettlern, weil sie dich belästigten; dm Kurtisane, ihrer Dummheit und Heuchelei halber. Du hast die Kutscher und Pferde verflucht, die dich aufhielten;_ ebenso den Literaten Carvilaka, der dir widersprach; den erfolgreichen Autor, ,der mehr Triumphe erntete als du selbst. All drei- ist menschlich. Die Morde, die Maitreya auf dein Gewissen werfen will, waren, dir Unbewußt, die Folgen deiner ersten Regungen. Heber diese hat der Mensch keine Gewalt. Er haßt, was >rch ihm rn den Weg stellt, er wünscht die Vernichtung des Gehaßten. Die Natur elbst ist die größte Egoistin. Bernickftung aber ist nur m rataö , Wort für Egoismus. Dre erste . Regimg des tugendhaftestm Menschen ist häufig häßlich und ivild. Würde allen Sterblnym die unheilvolle Gabe verliehen, die ich dir für «mn einzig^ Tag gab, oh, Turiri — die Welt wäre bald entvölkert. D» zweite Regung aber ist frei, sie hängt allem vom Willen, vom Charakter der einzelnen ab. Und all deine folgenden Enrpstn- dungen, mein Sohn, waren gut, waren hochherzig, waren edel. Das wollte ich, der Gott, den Sterblichen beweisen, und nur deshalb allein bewilligte ich die Bitte des falschen Mmreya. Dir Turiri, rechne ich nur demen, auf alles Schone, ®nte und Edle gerichteten Willen an, und das heiße Bemühen, die eigene ©eele und die deiner Mitbrüder der göttlichen Vollkommenheit näher zu bringen. Darum össne ich dir die Psorten meines Paradieses. seltsam!" rief Maitreya. „Dann komme ich
Kr meine Verdienste gewiß. . ." H
auch in das Paradies, wiewohl nur aus Gnade^f antwortete Ormuzd gütig. „Du galtest als Heiliger und wacht doch weniger als ein Mensch. Nur dem Stolz war menschlich, allzu menschlich. Zwar hast du die sündigen ersten Regungeni -m bekämpfen gewußt. Lebte aber jeder, wie du es tatest, — die Welt stürbe noch ftüher aus. Nun gefällt^es mm aber, daß die Menschen leben, denn noch bin ich starker m ihnen Pls Ahriman Selbst dein Streben, törichter Asket, war nicht ohne Größe und so verzeihe idj dem Kurzsichtigen gnädig, daß er sich im Mittel vergriff. Ich nehme Turm an mein Herz, weil ich gerecht; ich nehme dich auf, weil ich voll Gnade bm. Sa will es Ormuzd, der Gott."
Die erste Regung.
Mi« Legende von Jules Lemaktre.
Aut. Uebersetzung aus dem Französischen von G. Katz.
Turiri war ein reicher Kaufmann aus Bagdad und> stä^ ges tugendhaften Lebens wegen wert und breit n hohem Am
n. Er schränkte nicht nur serne Ausgaben eut, um dm Armen
en und reichlicher Almosen geben zu können, sondern horte auch die endlosen Klagen, die mannigfaltigen Wünsche der Leidenden mit unendMer Geduld an; er tröstete die ^zufriedenen Und schlichtete Streitigkeiten. Was er selbst an Leid nd Mißgeschick erfuhr, trug er mit Ruhe. Er war tolerant und hörte auch die von seiner eigenen abweichenden Meinungen an; und das ist vielleicht die seltenste, ime auch die schwebte aller Tuaendeii. Denn so ist der Mensch beschaffen, er strebt unermüdlich dahin, seine Brüder sich selbst ähnlichen, doch untergeordneten Geistes zu Machern ., . h
Turrris Frau war zanklsm; dennoch blickb er ihr treu, ver- MH ihr großmütig ihre unaufhörliche Streitsucht und ließ sie auch niemals ihr Alter und ihre Hvölichkett suhlen. ,
Trotzdem der junge Kaufmann selbst sehr hübsche Verse schrieb Und dialogisierte Fabeln sür das Theater zu, verfassen verstand, freute er sich dennoch aufrichtig über reden Erfolg seiner^Rivalen, gratulierte ihnen herzlich zu jebem Triumphe und ^lstete ihnen Vorschub, wo er nur immer konnte. Sein ganzes Leben war vollständig dem Mitgefühl, der Uneigennützigkeit, der Sanftmut geweiht, und so galt er dem Volke als Heiliger den höheren Ständen als einer der vollkommensten und edelsten Menschen.
Merkwürdigerweise fehlte ihm aber jene glückliche Heiterkeit, wie sie den Gesichtern heiliger Mann« eigen zu sein Pflegt Seine Züge ivareii oftmals verzerrt, rote dre eines, von bösen Leidenschaften gequälten Menschen; mancymch scknm m mich wie von heimlichen Schrecken geplagt, und vor ledem beoeutung-vollen Entschlüsse senkte Turiri schnell die Augen: wxtä.wa ungestörter uackKudeuken, sei es, um eben diese Gedanken besser zu verbergen. Doch wurde dies von niemandem aus seiner Umgebung bemerct.
Unweit von Bagdad lebte der Asket Maitreya, ein anerkannter Wundertäter, zu dem die Frommen von Nah und Fern pilgerten. Maitreya batte sich über alle Gesetze der Natur zu stellen gewußt, schon seit Jahren verharrte er in einem solchen Zustand der Bewegungslosigkeit und Erstarrung, daß die, Schvalben ihre Nestm furchtlos auf seine Schultern bauten. Sem Sart hmg fast bio auf seine Knie herab, und sein Körper glich bereits einem knorrigen Stamme So lebte er seit achtzig Jahren, denn er hielt diese Art der Beschaulichkeit für die ersprießlichste.
Eines Tages hörte Maitreya einen Pilger sagen.
„Turiri ist so gütig, daß er uns allen wie die Veriorperung Ves Ormuzd erscheint. Oh, wäre doch dieser Heilige al.mach.ig. Alles menschliche Leid hätte dann ein Endest
Die Unbeweglichkeit des Maitreya roitrbe zur Starrheit, offenbar setzte er sich in unmittelbare Verbindung mit ber allmächtigen Gottheit. Nach einer langen Pause wandte er sich
^Jch^A'den Gott gebeten, Turiri Allmächtigkeit zu verleihen; dies aber verweigert mir Ormuzd. Dagegen will er gnädig erlauben, daß bei allen Begebenheiten Tnrlris er sch Regung sich in einen erfüllten Wunsch umsetzt."
Gelobt sei er!" rief der Pilger, „bantt ist dieser tugendhafteste aller Menschen wahrlich allmächtig! Demi tede seiner Regungen kann und wird nur Mitlech und Großmu. sem. Du, ehrwürdiger Maitreya, küiidest mir das Gluck unzähliger Menschen an. Auf meinen Knien danke ich dir dafür. , ,
Ein Lächeln umspielte die steinernen Lippen d^ Askesen, doch ging es blitzgleich wieder vorüber , und der heckige Atann widmete sich von neuem der Beschaulichkeit. Auch war fein Bart so dicht, daß der Pilger nichts hatte wahrnehmen können. Er kehrte vielmehr beseligt zur Stadt zurück und freute sich der wohltätigen Wunder, die von den elften Regungen Sunru zu erwarten standen. *
Am nächsteti Morgen erwachte Turiri nichtsahnend, beugte sich über seine Frau, die ihm schlafend zur Seite lag, ms btejei Urplötzlich, wie von einer höheren Macht getrieben, aufsprang, zum offenen Fenster eilt, sich herausstürzte und tot aus den Steinen des Hofes liegen blieb. .
Bestürzt lief der Kaufmann aus dem Hause und sah sich sofort von einer Schar Bettler umringt. Mechanisch suchte er tn der Gürteltasche nach Münzen — da stürzten alle Bettlm fxntseelt zu Boden.
Turiri war verstört; er ging planlos umher, traf auf der Promenade die schöne Mandanita, die begehrteste Kurtisane Bag


