Ausgabe 
20.4.1911
 
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Donnerstag den 20. April

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hrr;eloide.

Roman von Georg Freiherrn von Ompteda.

Machdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Und' als sollte das alles in Erfüllung gehen, erhielt ich am nächsten Morgen einen Brief, von Fran von Leristow diktiert, von Herzeloide geschrieben, einige kurze Zerlen nur, ein Abschied. Eine Schwester der Frau von Leristow war m Berlin plötzlich einem Schlaganfall erlegen, und die Damen hatten bereits mit dem Morgenzuge München verlassen.

Ich war wie niedergedonnert. Was sollte ich tun? Mein erster Gedanke war, abzureisen. Wohin? Ihnen nach? In die Garnison zurück? Nein, das wäre gegen alle Grund­sätze gewesen, denn ein Urlaub mußte ausgenutzt werden bis zum letzten Atemzuge. Aber sollte ich! in München bleiben? Nun noch die paar Tage nach dem Süden zu reisen, dazu war es zu spät. Ich blieb also, irrte durch die Straßen, die Sammlungen, die Bräus. Unwillkürlich kant mir überall die Erinnerung an Herzeloide. Hier hatten wir gesessen, dort waren wir gewesen, dies hatten wir zu­sammen besehen, jenes durcheilt, dte Stunden verbracht.

Alles, was ich tat, war eigentlich imr noch Erinnerung. Mb lebte tu der Vergangenheit. Immer und überall dachte ich an Herzeloide. Da kam mir unwillkürlich die Frager liebte ich denn das Mädchen?

Ich stand vor einem Rätsel. Ich behorchte mein Herz, ich befragte meine Gefühle. Aengstlich beobachtete ich mich. Wie war es sonst in meutern Herzen, dem ach so schwachen, aewesen? Hatte mich rticht sonst der Anblick eines Mädchens getroffen wie ein elektrischer Schlag? Wenn ich,auf einem Ball eine neue Erscheinung gesehen, war ich da nrcht gepackt gewesen:die ist es!" ? - War ich nicht krank an der Herzeus- wunde herumgelaufen, bis etwa bei meinem Rittmeister dre Schwägerin zu Besuch gekommen, die mich binnen vierund- zwanzig Stundert geheilt hatte von mentet ersten Liebe? Unb darin kant ein Urlaubssonntag in Berlin. Ja, e» war Urlaub, und es war Sonntag! Ist das nicht schon vrel, um mit glücklichen Arigen zu sehen? _ Und auf deut Rennen tti Weste nd, ward ich nicht da eurer schlanken, blonden, jungen Dame vorgestellt, die ich vielleicht nie in meinem Leben Wiedersehen würde? denn sie kehxte morgen mit ihren teilt nach Ostpreußen zurück. Mer war d'a nicht des Rittrneisters Hausbesuch vergessen? Verwundete mich rticht das Gutstöchterlein schwer? Tödlich? Trug ich nicht ihr BW tagelang im Herzen, bis ich eines Morgens aufwachte und, 0 Schrecken, stirchtbares Verhängnis, beim angestreng­testen Nachdenken mich nicht mehr erinnern konnte, ivar sie blond wie die Töchter des Nordens, oder schwarz gleich einer Sizilianerin gewesen?

War das nicht grauenhaft? Hatte tch rrtcht unter meinem vom Exerzieren KMWebrMvten WMt LreKtL»

Aber wir blieberl getrennt. Ich hatte Dienst, Dienst und Widder Dienst, und sie war mit der Mutter und den Töchtern ihrer verstorbenen Tante, die nun Waisen ge­worden, für den Wiitter nach dem Süden gegangen. Sie schrieb mir nicht. Darf das ein junges Mädchen!?. Kürzt, ich hörte nichts mehr von ihnen.

Und nun kam das, was Menschenschwachheit und ischtck- sal, was Männerart ist: die Eindrücke verwischten sich. Ich dachte unter der .Berufszeit tagelang nicht au Herzeloide. Ich begann zu zweifeln, ob das, ioas ich damals tu München für sie empfunden, auch Leidenschaft gewesen sei, ob es nicht vielmehr nur Freundschaft, Katneradschaft bedeutet, Kameradschaft, das Wort klang mir in den Ohren.

Da verblaßte Herzeloideits Bild in meinem armem wankelntütigen, schwachen Herzen. Es ivar beim Verfliegen der Monate, als läge die Münchener Zeit hinter nur gleich einer längst entschwundenen, abgetanen Begebenheit. Wie mit einer lieben, täglich aus dem Fach genommenen Photo­graphie erging es mir mit dem Gedanken an daS Mädchen. Zuerst hält man solch Bild stundenlang in der Hand, tragt es in der Brusttasche bei sich, just über dem Herzen, dann hat man den ganzen Dag zu tun und kann es nicht heraus- nehmen, aber norm Schlafengehen betrachtet man beim Kerzenschein die lieben Züge. Eines Abends aber ist man müde zum Umsinken, und am nächsten Tage sagt man sich erschrocken: gestern hast du .....*""* "*

Woche dMM hat wM dM -

Müssen? So ivar die Liebe bisher in meinem armen, weichen Serzen gewesen, dessen Eindrücke wichen ivie bei einem ummiball der Druck des Fingers, wenn man die Hand.

zurückzieht. _ ,

Und Herzeloide? Ach, so anders ivar es gekommen! Mein Auge, mein Gedächtnis war an ihr vorübergeglitten. Sie hatte keinen Reiz noch! Schöne. Sie besaß teilte Figur, die auf sich die Micke zog, kein Gesicht, das zum Verweilen bannte. Nicht von denen war sie, die uns zwingen, stehen gilt bleiben und zu sagen:Gott bist du schön!"

Aber in mein Herz hatte sie sich geschlichen, heimlich, in den Jahren, und nun stand dort ihr Bild, als das einer Freundin und Kameradin, einer, der ich meine kleinen Leiden und Bedenken anvertrauen durfte, einer, die mich, in dieser Münchener Einsamkeit hatte empfinden lassen: du bist nicht allein auf dieser Erde.

Da ward ich meiner Sache gewiß. Dieses Mädchen ivar die Rechte. Dieses Licht, ein freundliches, heimisches Licht, keine sengende Flamme, sollte meinen Lebenspsad mit einem milden Scheine erhellen. Und wie ich das gefunden und wußte, erschien mir mit einem Mal die vorher öde Stadt reizvoll, belebt, lustig, glückselig. Erinnerungen quälten mich nicht mehr, sondern mit leuchtenden Augen schritt ich die Wege und spracht, als wäre geweiht jede Stätte, die ihr Fuß betrat:

t Hier ging Herzeloide?