Ausgabe 
20.3.1911
 
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Das Witwenhaus.

Roman von Helene von Mühlau.

Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Ein prächtiges Kerlchen!" sagte er zu Frau von Hil- bach,so ein 'Kind muß doch Freude machen; das ist mir auch versagt geblieben."

Die Kosy wischte wieder Tränen aus ihren Augen. Dieser Herr Schmitz hatte so viel Gefühl. Es konnte einem wirklich! das Herz bewegen, wenn er so was sagte. Frau von Hilbach sagte nichts, aber um ihren Mund zuckte es. Sie sah wieder die Zahl dreitausend vor sich und las der Kosh Gedanken; zürn ersten Mal im Leben empfand sie einen wirklichen Groll gegen das derbe, gutmütige Weib.

Mas war denn der Herr Gemahl?" fragte jetzt Herr Schmitz, und die Kosh antwortete:Offizier, Herr Schmitz, Offizier! Aber leider zu flott, und die Frau muß nun sehen, Ivie sie durchkommt."

Frau von Hilbach war aufgestanden und nahm Erwin bei der .Hand.

Ich muß nun gehen!" Sie verneigte sich leicht vor dem Herrn und sah die Kosh nicht an. Herr Schmitz war im ersten Augenblick ganz erschrocken und wollte auch gehen, aber die Kosy hielt ihn zurück.

Schüchternheit, nichts als Schüchternheit!" sagte sie zu Herrn Schmitz, als Frau von Hilbach außer Sehweite war. Als sie ihn so weit beruhigt hatte, daß er wieder neben ihr saß, erzählte sie ihm das Schicksal ihrer jungen Frair, daß man sie bei der Baupolizei verklagt habe und daß sie bis zum ersten Juli dreitausend Mark schaffen müsse, sonst nähme man ihr das Haus.

Und wenn man ihr das Haus ninnnt, will sie in die Saale gehen!" schloß sie. Bei diesen letzten Worten lag in ihrem Ton etwas, als spielte sie einen Trumpf aus. Herr Schmitz sah gedankenvoll vor sich hin.

Das ist viel für eine Frau!" meinte er,besonders, wo sie noch so jung ist. Manch eine hätte da schon den, Kopf verloren!"

Hätt sie auch längst, ivemt ich nicht wär!" prahlte die Kosy und erzählte weiter, aber Herr Schmitz schwieg.

Im Offizierstand haben sie so ihre Vorurteile!" meinte er endlich, aber die Kosy fiel ein:Meine Frau nicht, Herr Schmitz, von Hochmut weiß die nichts; die ist demütig geworden durch all ihr Unglück, die ist so eine von denen, wissen Sie, wie Sie heute morgen so sagten: Einer Frau muß es einmal schlecht gegangen sein, damit sie das Gute schätzt I"

Herr Schmitz sah noch immer vor sich. hin.

Und jetzt vermietet sie an Shirfrenibe?" fragte er kann.

Es bleibt ihr ja nichts anderes übrig!" entgegnete die Kosy.Geschaffen ist sie ja für so was nicht. Drei

fremde Sprachen spricht sie und weiß auch sonst viel, aber das nutzt ihr nichts; davon wird sie nicht satt!"

Man sollte doch meinen, eine Frau in dem Alter^ ganz ansehnlich ist sie doch auch, besonders wenn sie in bessere Verhältnisse kommt und bunte Kleider trägt--"

Ja, ja!" antwortete die Kosy, die seine Gedanken erriet,wo sie aber doch hier so einsam ist! Sie sehen ja, Herr Schmitz, wie schüchtern sie geworden ist: sieht sie einen Mann, dann läuft sie davon."

Herr Schmitz lächelte gedankenvoll.Bis, jetzt hab ich noch von keiner gedacht: die könnte dir deine Emma ersetzen! Das Haus hab ich mir heut morgen schon an­gesehen, das ward ich abreißen lassen und eine Villa hin­bauen, zum Verkauf oder auch zum eigenen Bedarf für den Sommer, so allein hat man ja aber keine Courage^ Frau wie ist doch Ihr Name?"

Frau von Kosczyskvwsky!" sagte die Kosy stolz, und Herr Schmitz sah sie ganz verständnislos an; sie mußt« es noch einmal wiederholen.

Dasvon" hat nichts auf sich !" erklärte sie,mein dritter Mann war Pole, und da heißen sie leichtervon^ wie bei uns!"

Herr Schmitz begriff:Ach so! Ja, was ich sagen! wollte. Wenn einem die Frau fehlt, fehlt einem alles. Man hat keine Courage!"

Aber, Herr Schnntz, es ist doch noch nicht aller Tage Abend! Wir sprechen uns noch wieder!" sagte die Kosy, dankte für das Nickelstück, das Herr Schmitz ihr zum ?lb- schied gab, und sah ihm nach.

Den 'Lasker, der zwar ein Fatzke, aber doch auch was Reelles war, hat sie nicht gewollt, trotzdem ihr das Messer an der Kehle saß, wenn sie nu den Schmitz des Doktors wegen laufen läßt, dann kümmere ich mich um nichts mehr, dann zieh ich meine Hand von ihr ab, dann geh ich meiner Wege!" entschloß sie sich.Der nimmt sie, der zahlt alles bar und trägt sie dazu noch auf Händen, lieber heut als morgen! Der hat ein Gemüt wie Butter, der zerläuft einem unter den Fingern. Wenn sie den nicht nimmt, dann mag sie allein zusehen, Ivie sie zu was kommt!"

Als sie nach Hause kam, fand sie eine große Auf­regung vor. Der Herr Bauunternehmer hatte einen Anfall gehabt, während Frau von Hilbach am Brunnen weilte, und da niemand zum Schicken im Haus gewesen, hatte die Frau Bauunternehmer selbst ins Nachbarhaus laufen; müssen, um jemand zu bitten, zum Arzt zu laufen. Nun lag der Herr still und bleich in seinem Bett, unÄ Frau von Hilbach saß bei der Frau Bauunternehmer, dis heftig weinte.

Was ist denn nur?" fragte die Kosy, in der bango Ahnungen aufstiegen.

Atembeschwerden!" erklärte die Frau Bauunternehmer, weiter nichts!" und die Kosy ging ins Schlafzimmer und sah sich den kranken Mann an.