Ausgabe 
20.2.1911
 
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Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brlihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeretz R. Lange, Meße»

Logognph.

«Immer kannst du mich finden in Hütten wie tu Palästen: Schenke statt'a" mir eini", schätzt mau als Arbeitskraft mich.

(Auflösung in der nächsten Nummer.)

Auflösttng der Schach-Ausgabe in voriger Ntnnmer:

1 Db3b5 Ke4e5 2. Db5e8fK beliebig.

2. . . . K e 4 e 3: 2. D b 5 e 2 f K beliebig.

3. S f 4 h 5, 8 d 4 b 5 t und Matt.

3. S i 4 eG, Sd4 e b | tmb Matt.

Mahnung für Beamte.

O Mensch, der du Beamter von Beruf, Schreib, wie du sprichst: natürlich, einfach, Clav 1 Vermeid« Redensarten wiebehuf", Auchin Erwägung" klingt zu sonderbar, Und willst für klug du gelten tmb für wetze, So sageober stattbeziehungsweise" l Statt daß man schreibtzum Zweck" bet vielen Sachen, Zum Zweck der 2lnorbmmg der Vormundschaft Kann man eS sich mitzu" bequemer machen, AuchFür die Anordnung" hat Sinn und Kraft. Verwünschter Zopf!" so hört mit Recht man fluchen, Ost ist's, als mär man im Ehmesenreich, Und lei ich vomdortseitigen Ersuchen". Wünsch' ich den Sprachverein herbei sogleich. Weitschweifigkeit der Ausdruck endlos breit, Mitteilung machen" tmbin Absatz bringen", Und habet ist doch kostbar unsre Zeit, Ein einzig Wort wird g'rab so gut genügen! Ach, und der fremden Wörter Flitterpittz Paßt läppisch zu deut schlichiett deutscheit Kleid. Vereinigt euch fortan zu Schutz und Trutz, Tarnt ist die Hilfe sicherlich bereit.

Der Jnkulpat" wer mag der Aermste fein ? Das quäftionierte Kind" tmschuld'ges Wurm! Der Rubrizierte" . . . Hintntel, halte ein! Erpropriantin" . . . nein, ich läute Sturm! Ich kenne meine Pflicht, ich bitt Beamter, Doch kein zu eroger Fremdherrschaft Verdammter! Was das Gesetz bestehlt, bas führ' ich aus: Deutsch sei die Losung im Behördenhaus!

Tafel voit dem geistreichen Heftchen des letzteren bie Rede wäch Es interessiert mich so ungemein," war bte schlagfertige treffende Antwort,daß ich den zweitetr Teil kaum erwarten kann De« Kaiser küchelte, mtt> der geistreiche Intendant erhieltden folgMdm Morgen abermals ein ebenso kostbares Buch, auf dessen Rucken- titel aber die Worte standen: Zweiter und letzter Bandsi

* Wie König Alfons freite erzählt die .Rtvista politiea e Parlamentäre": Es lag ursprünglich nicht in dem Plane ber Beteiligten, daß die heutige Gemahlin des Königs von Spanten, die ehentaiige Prinzessin Viktoria Engenie Christine von Batten- betc, die Krone ber spanischen Königin empfing. Tie Abmach­ungen zwischen den betben Königshäusern bezeichneten die Prinzessin Patricia von Connaught als die künftige Gemahlin des Königs Atfotts. Der junge König, der seine Braut im Bilde kennen gelernt hatte, war auch mit dtesem Plane einverstanden, und es blieb nur noch übrig, die künftigen Gatten miteinander bekannt zu machen. Tas geschah auch in Gegenwart König Eduards und der Königin Alexandra in einem Salon des Windsor-Schlosses. Anwesend waren außer dem englischen Königspaar unb König Altons bte Prinzessinnen Patricia, Victoria unb Maud. Nach der Vorstellung begann Aliotts sich mit Patricia zu unterhalten, bereit Silber ihn einst so begeistert hatten, daß er sich in die Photographten ver­liebte. Aber das Gespräch verlief kühl und unerfreulich, bte schöne Erwählte zeigte sich ernst, hoheitsvoll unb fast ablehnend, st- hatte kein Lächeln für bett königlichen Bewerber, kurz, alle Einzelheiten ließen erkennen, baß ihr König Alfons nicht gefieL ®er junge Bewerber verstand sofort und zog sich zurück. ®te Prinzessin Victoria lächelte, er ging auf sie zu, und alsbald entzpann sich zwischen den beiden ein angeregtes Gespräch, bei bent fte Ita) aus- gejeichnet verstauben. Plötzlich fragt König Astons die schone Prinzessin:Wollen Sie Königin von Spanien werben? Victorta errötete unb zögerte:Aber die Krone von Spanten ist meiner Konsine bestimmt."Nein," antwortete König Slloii§ entschlossen, sie gehört Ihnen, wenn Sie wollen." Ich biete sie Ihnen an mit meiner Hand tmb meinem Herzen. Sind Sie einverstanden? Wenn Patricia nichts dagegen einzuwendeit hat , . . Kurz, si« war einverstanden tmb brei Monate spater war bte Prinzessin von Battenberg Königin von Spanien.

* Trost. Fräulein:Denken Sie sich Mr: Ich, bin W. schon dreißig geworden!" Herr:Ach, was will das m unseres schnellebigen Zeit sagen!"

* Unliebsame Verwendung. ,,'Ste gaben doch Ihrem Schwiegersohn bei seinem letzten Hiersein dreitausend UMk =-? was hat er damit gemacht?"Pleite!"'

sind mit Nummern «ergehen. Es wwd genau über den Zeitpunkt, zu dem sie geliefert und über leben Tag. an de n Pe 1tit ®etaau$. genommen wurden, Buch geführt. Der Regel nach« behalt die Königin ein Kleid sechs Monate, lang u>'d trägt es ungefalw acht zehn mal. Dann wandert es tu einen Schrank, der jum vor läufigen Aufenthalt für die abgelegten Kleider bestimmt ist. Zwe^ mal' jährlich werden diese abgelegteni JUeibeip. (b§ he§ Vcr° entweder verschenkt ober verkauft zu werben. Ter Erlös oes rjer « ..cs n.;rs tjj.. wohltätige Zwecke verwendet unb die Londoner Firma, die ihn vermittelt, muß die Verpflichtung übernehmen, daß die Kleider nach auswärts wandern, -tiefe Maßregel istem» geführt worden, seitdem Königin Alexandra, die ähnlich mit ihrer Garderobe verfuhr, sich bei einer festlichen (Belegenheit einer - ame in einem Kleid gegenüber befand, das sie selbst bis vor kurzem getragen hatte unb daS die meisten Anwesenben wiebererkannten. Königin Mary gilt für sparsam. Aber bie Reprafentatwnspflichten, die auf ihren Schultern ruhen, sind doch so mannigfaltig, daß die Ausgabe für Kleider recht beträchtlich ist. Wenn sie die Absicht bat, ihre Garderobe zu ergänzen, so wird dem Schneider mit- aeteilt, daß die Königin au einem bestimmten Tage unb zu be­stimmter Stunde erscheinen werde und die Art des Kleides, ba-> sie wünscht, genau beschrieben. Natürlich wird die Königin tu einem besonderen Raume empfangen. Blehrere Modelle hegen bereit und werden an einem Probierfraulem vorgestihrt. Dieses Fräulein darf von der Anwesenheit ber Königin, roeber von ihrem Kommen, noch ihrem Gehen, Notiz nehmen. Dann wählt die Königin eins von den Modellen unb gibt die Aenberungen an, bte sie uorgenonunen haben will. Ihre Befehle werden stenographiert und ihr dann vorgelesen. Die Anproben stndeii tut Buckingham Palast statt unb zwar liebt bie Königin nicht mehr als eme Sln- probe für jedes Kleid, so baß es nicht ganz leicht ist, für sie zu arbeiten. Hinzugefügt mag noch sein, daß den Hofdamen der Königin beim Antritt ihrer Stellung nahe gelegt zu werben pflegt, sie möchten sich in ihrem Kleibergeschmack nicht nach ber Königin richten unb sich vor allem nicht entfallen lassen, jemals entS ihrer Kleider zu kopieren.

*meine Herren Kollegen unb Ignoranten! Ein Fall von offenherziger Gerabheit, wie er in solcher Form im akademischen Sehen wohl nicht alltäglich ist, versetzt die ehrwürdige philosophische Fakultät ber Universität Tou 1 o u s e gegenwärtig in nicht geringe Erregung. Der Lehrsitthl für Physik mar neu zu besetzen unb der Rat ber Fcf.ultät hatte den Professor Bouaffe damit beauftragt, seinen Kollegen über die Befähigung der Kan­didaten Bericht zu erstatten. Die Herren waren zur Beratung ver­sammelt und harrten nun ber Darlegungen des erwähnten Bericht­erstatters : doch die ehrsamen Professoren starrten nur in wortloser Verblüffung auf den Kollegen, der Seme Darlegungen mit folgenden kurzen und markigen Sätzen begann:Ich werde Ihnen lernen Bericht erstatten unb Ihnen auch sagen, marum. Mit Ausnahme des Profeffors Cainichel sind Sie in Sachen der Physik völlige Ignoranten Wenn ich daher vor Ihnen die Befähigung und bte Verbtenste ber Kandidaten erörtern wollte, wurde ich meine unb Ihre Zeit vergeuden. Auf der anderen Seite iväre es überflüssig, dein Professor Eamichel, dem einzigen Sachverständigen, das erst vorzutragen, was er ebenso gut weiß wie ich. Was Ihre Ignoranz anbelangt, so ist bewiesen, daß sie unüberwindlich ist Wenn Sie zur Beratung tomnien, wissen Sie längst, bevor ber Berichterstatter auch nur gesprochen hat, wen Sie wählen wollen. Wenn ich asio meinen Bericht ablegen würde, würde diese Darstellung nichts fruchten, auch nicht bei dem Conseil superieur, dessen Inkompetenz wie durch ein Wunder die Ihre noch übertrifft. Dann verbreitete sich der temperamentvolle Redner über den Physiker Prof. Bouty, der durch seine miserable Lehrmethode die Physik Herahgezogen habe. Inmitten der wachsenden Erregung der Kollegen schloß der Ge­lehrte mit folgenden Worten:Die herrschenden Systeme züchten eilt Heer von Unfähigen heran und macheti die französische Wissen­schaft und unser Institut zum Gespött der Welt. Derselbe Professor Bouty behauptet, daß der beste französische Physiker der Gegen­wart Mnie. Curie sei, die eine Polin ist. In Wirklichkeit ist die französische Akademie der Wissenschaft der Zufluchtsort einer Armee von Ignoranten, die geboren sind, um kaum Schullehrer sein zit können, Torftierarzte oder Wasserleitungsaufseher." Unb ber Redner schloß seine im akademischen Leben nicht alltägliche Ansprache mit der beruhigenden, halb ernst, halb ironisch vorgetrageneii Erklärung, daß seine Kollegen über ihre eigene Ignoranz in Sachen ber Physik nicht zu erröten brauchten, sie,die dock) alle ihren Lehrstuhl nur durch wirkliches Verdienst errungen haben, ohne Protektion n>td Stützen, Sie, die als Leuchten in ganz Europa bekannt und geehrt siiid . . . ."

* Ein kostbares B u ch. Der frühere Theatcrintendani Nareschkin in Petersburg war ein erklärter Liebling Kaiser Alexanders III., ein witziger, origineller Mensch, aber immer voll Schulden, und trotz des Großmuts seines Mäzens in fort­währender Geldverlegenheit. Einst hatte er eine Sammlung seiner Scherzwerke drucken lassen und das Heftchen seinem hohen Gönner gewidmet. Der Kaiser ließ hierauf ebenfalls ein Buch verfertigen, dessen Blätter aus 1000-Rubel-Banknoten bestanden, und dies Nareschkin zusenden.Nun, wie gefällt dir mein Werk?" frug der Zar seinen Günstling, als in den nächsten Tagen an der