Ausgabe 
20.2.1911
 
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Sti RebÄutch Bal McS Vstv. HWt es. Und imMer ist es ein Thema, das da em Maler variiert ein netter Domina, ein Pierrot, ein Sektkübel, ein goldenes Stiefelchen, eine schwarze Maske. Wer daraus lockt alle Faschingsausgelassenheit, alle« Frohsinn der närrischen Zeit. An den Spiegelscheiben der Restan- tzcants erscheinen Streifen, die die Aufklärung bringen, daß Henks das Lokal die ganze Nacht geöffnet bleibt; seit Monden leer-, stehende Läden bekommen plötzlich einen Mieter, eine Masieu- garderobe stellt ihre verlockendsten Puppen, ihren echtesten un­echten Tand hinter die Fenster.

So verwandelt sich München alljährlich äußerlich, trotzdem Man immer glaubt, daß Heuer doch all die Faschingslust nrcht glerchi so stark wird einsetzen können, wegen der genugsam berühmten, schlechten Zeiten. Aber es ist alle Fahre dasselbe, die ganze .Stadt wird vom Faschingsjubel und Faschingstrubel erfaßt.

Auch im Innern, in den Lokalen, bis hinab zum kleinsten,- ist sofort die neue Zeit zu spüren; denn München hat noch eine be­sondere Karnevalspezialität, die in den kleinen kostümierten, herumst ziehenden Musiken besteht. Drei, vier Wann, die leidlich irgend ein Instrument Meistern, tun sich zusammen, kostümieren sich ent­weder als Bauern oder als Italiener oder altbayerische Soldaten, oder sonst irgend etwas, und ziehen nun von 7 Uhr abends von Lokal zu Lokal. In jedem spielen sie zur Freude oder zum Ent­setzen der Gäste zwei, drei Stückchen, sammeln ab und gehen! weiter ins nächste. Solche fliegende Kapellen, denen das Auf­trittsrecht alle Fasching erteilt wird, gibt es denn eine Menge und man kann es erleben, daß man an einem Abend von einem halben ja von einem ganzen Dutzend solcher Lärmmacher angegeigt und ängeblasen wird. So trogen diese Kapellen allabendlich den Geist des Karnevals, wie richtige, närrische Sendboten, bis in die letzten Winkel, und da mag sich einer sträuben wie er will, er muß es fühlen, daß die Zeit des Prinzen da ist, er läßt ihn so lange mit Musik verfolgen, bis er nicht anders kann und tanzt, tanzt fast gegen seinen eigenen Willen. So ist das erste Charak­teristikum des Münchener Karnevals, daß er wirklich nicht nur in den letzten Faschingstagen mit Macht einsetzt, sondern vom ersten Tage an bis zum Aschermittwoch dauert.

Das zweite Charakteristikum ist, daß der Münchener Fasching wirklich in allen, aber auch in allen Bevölkerungsschichten zu! fühlen ist und daß sich auch kein Greis ausschließen will. Die Art der fteifen Repräsentationsbälle anderer Städte kennt man nicht, hier geht es ans allen Veranstaltungen ungezwungen zu.. Der ganze Fasching steht unter dem Einfluß des Maskenballs und des Bal Paros. Selbst die größten Bälle, wie der Presseball, der Bühnenball, der Armenball, welch letzterer den Ball der Stadt München darftellt, sind entweder vollständig maskiert oder sie lassen wenigstens Masken und Domino zu. Sie müssen sie zu- lassen, denn es gehört zum Münchener Karneval, wie der Sekt,

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Bal pars im Deutschen Theater! Ein Saal wird geschossen für ein solch heiteres Fest, weit, licht, mit traulichen Logen mit glitzernden Nebcnsülen, die Musik oben im Bühnenraum in roten Krücken schluchzt klagende, jauchzende, zirpende Walzer. Unten im Saal auf glattem Parkett, da drehen sich die Paare, schlanke, rasierte Jünglinge, würdige Glatzköpfe mit hochgewachseucn, lustigen, listigen Münchener Mädeln und Frauen. Man kennt das Bild, der allzufrüh verstorbene Maler Freiherr von Rezuicek hat es uns ja oft genug gchnalt, hat es uns' mit allen feinep Lieben und Liebsten gezeigt.

Es liegt eine eigentümliche, eine echt münchnerische Lust über dein Bilde, das sich hier zweimal die Woche zeigt, eine Münchener Luft, die lau und wann ist, anheimelnd und gemütlich, elegant Und doch behaglich. Es fehlt das Grelle und Laute, man schreit Glicht, sondern lacht, man renommiert nicht, sondern flüstert sich schöne Sachen ins Ohr und selbst in der Ausgelassenheit der ersten Morgenstunde liegt noch Amnut, Linie und Charme.

Die Herren rekrutieren sich aus den besten Ständen, Ofsiziere, Beamte, Rechtsanwälte, Aerzte, Künstler, Studenten, und die Damen sind ihrem Schick und ihrem froh-naiven Augeuleuchten Unter der Maske zu schließen, aus allen Kreisen. Da tanzt die Küirstlersfrau nebelt der schicken Direktrice, die Malerin neben der Gräfin, vielleicht die Kellnerin neben dem Modell! Alles achtet Und duldet sich, alles lacht sich zu, trinkt sich zu und freut sich, freut sich unbäiidig. Nur die Schönheit und die Eleganz gilt heute, Und alle beugen sich vor ihr.

Man spricht jede Maske perDu" an, UUd selten wird ein Herr ungeschlacht und eine Dame schnippisch. Im gemütlichsten Ton der Welt sagt man sich Liebenswürdigkeiten und Wahrheiten, Das ist vielleicht der springende Punkt, warum gerade nur in München diese Art öffentliche Bal paros sich auf einer Höhe halten, daß auch wirkliche Dainen hingehen können. Es fehlt die Eifersucht,_ die Rauferei, es fehlt an Aergcrnis, das einer am anderen nimmt; will man nicht hören und sehen, so hört und sieht man nicht. Der Münchener ist durch jahrhuudertelaitgs Uebung an das Vergnügen in der Oesfentlichkeit gewöhnt, seins Brauereifeste, die Spezialbierausschankabende, das Oktoberfest, die Künstlerbälle haben ihn dazu erzogen, haben ihn vernünftig ge­macht Und doich genug unvernünftig, um die Laune der Gesamt­heit nicht zu stören.

Diese Bal Pars-Stimmung trägt man auch in die großen öffentlichen und in die Künstler-Bälle hinein, unbewußt, damit die Echtheit des Tons und einen wahren Faschingshumor wahrend. Auch die Künstlerbälle sind immer Maskenbälle, richtige Masken­bälle, wo der Frack mit allen Mitteln hinter dem möglichst echten Kostüm zurückgedrängt werden soll.

Freilich bringt es hier das Lokal und der Name der bc.v men Teilnehmer Mit sich, daß diese gediegener, geschlossener, stil­gerechter sind, wie die öffentliche!: Kostümfeste. Wer einmal in dem herrlichen Prunksaal des Künstlerhauses solch ein Fest mit», gemacht, die reichen Kostüme, den intimen Witz, die schönen Damen gesehen hat, wird so etwas sein Leben nicht vergessen.

Unten im Neueren Künstlerviertel, in Schwabing, da feiert der Nachwuchs in den Räumen der Brauerei seine bekannten Feste,- die seit Jahren sich eines fast unheimlich stärkere Besuches erfreuen.. Hier in dem originell dekorierten Saal ist die ganze malerische; Hoffnung des Landes, ja aller Länder versammelt, da hört man alle Dialekte, selbst auf denBauernkirchweihen", wo man nur altbayrisch hören sollte. Hier sticht ein neuer Frauentyp, bin junge Malerin, aus dem Gesamtbild besonders hervor: das Mal­weiblein in seinen anmutigsten Exemplaren.

In den letzten Jahren haben einige Vereine auch in anderen Brauereien versucht, von erster Künstlerhand die Säle dekorieren zu lassen, und man erinnert sich noch des Wunders, das Fritz Erler vor zwei Jahren wirkte, da er den Saal des Löwenbräu- kellers in ein nur mit Licht- und Farbeneffekten geschaffeneZ Märchenland verwandelte.

Immer mehr Lokale führen jetzt auch die alten Redouten wieder ein und alle sind voll und glänzend besucht. Ist an dem Herren- Publikum. weniger ein Unterschied nach dem Lokal zu merken, so läßt er sich aber sehr wohl bei den holden Masken feststelleu, und der tanzlustige Münchener Jungherr weiß genau, wo er die Loden- marnsell, wo er die runde Köchin, wo er die liebe fleißige Konst toristin trifft, und je nach Geschmack und Berufswahl in Unter­haltung und Liebe bevorzugt er einen oder den anderen Ballfaalb

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Aber mit dem fröhlichen Tanz und Bent schäumenden Glas Champagner ist eine richtige Münchener Ballnacht nicht zu Ende., Es gehört unbedingt nach 12 Uhr die Weißwurst dazu, jenes leichte, aus Kalbfleisch ersonnene Tarmgericht, das so leicht zu verdauen,' und so schnell ob seiner zunehmenden Kleinheit zu verschlingest ist. Man sucht unbedingt mit seiner Gesellschaft, ost mit dem eben erkorenen Mädchen des Herzens und ihrer Mutter, wenn es fein muß, mit deut Gatten der verheirateten Frau, mit der man zuletzt getanzt, noch ein Cafd oder ein Restaurant auf, dazu sind sie ja, wie überall Plakate künden, die ganze Nacht geöffnetz, Ach wie schmeckt so ein Frühstück um 3, 4 Uhr nachts, wie köstlich kühlt ein helles Münchener, Pilsener den Sektbrand und den unnatürlichen Weindurst.

Dort beginnt erst die richtige Fidelität. Es gibt eine Menge,- bie auf bett Ball verzichten, aber in ihrem Restaurant geduldig ausharren, bis Weißwürste; und Ballbesucher, bis Frack und Domino! erscheinen. Und in der lustigen Hin- und Zwischenrede von Tisch zu Tisch erkennt man erst den tiefen, echten Humor des Münchener! Karnevals.

Erst bei grauendeut Morgen ober bei lachendem Sonnenschein zieht man Heim, die erste Trambahn ist von Ballbesuchern sh gut besetzt, wie die letzte. Und morgen, übermorgen tanzt man! wieder, ißt wieder Weißwürste und hat am nächsten Morgen wieder einen Brummschädel. Das geht so fort, bis mit un­heimlicher Pünktlichkeit die letzten drei Karnevalstage erscheinen mit ihren letzten drei närrischen Nächten, die eine tolle Steige- ruitg des ganzen lustigen Karnevals bedeuteit. Alle Lokale sinh über und über besetzt, in den Straßen tummeln sich die Masken/ nicht immer die feinsten und geschmackvollsten, ititb ein Masken­zug durchzieht die Straßen, ohne allzuviel Begeisterung aufzulösen.; der Münchener will nicht staunen, er will mitmachen, und da es an diesen Tagen alle Arten von Münchenern sind, ist es nickst immer ein Vergnügen, hier ins Gedränge zu kommen.

Punkt 12 Uhr am Aschermittwoch, gerade zur rechten! Zeit, denn die Stimmung hat dann einen unheimlichen Höhvt punkt erreicht, stirbt auch der Münchener Karneval. Aber die Trauer um ihn ist bald verwunden. Schon am Aschermittwoch sorgen unsere Großbranereien das ist Tradition, daß es den ersten Salvator, das erste Bock-, Kraft- und Frühlingsbier gibf.; Und so rettet sich der Münchener schnurstracks und sicher in eine neue, fröhliche, festereiche Zeit.

Vermischte».

"Aus bet S I e i b e r t a m m e r einer Königin. Im Londoner Buckingham Palace grenzt an das Ankleidezimmer der Königin Mary ein großer Raum,. der nur gewaltige, an den Wänden aufgestelite Mahagonischränke enthält. In diesen befinden sich die Kleider der Königin. Eine Kammerirau verwaltet, von zwei Gehilfinnen unterstützt, die Garderobe. Am Abend jedes Tages wird der Kammerfrau aus einem Zettel mitgeteilt, welches Kleid die Königin am nächsten Morgen anzuziehen wünscht, und um welche Zett es im Ankleidezimmer bereit liegen soll. DaS Kleid wird nur durch eine Zahl bezeichnet, beim sämtliche Kleider