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zum Trotz im Bolksgemüt lebendig M erhalten wußten. Denn zweifellos lebt in den Diwenstedter Bauern noch die durch eine lebendige Traditionweiser", b. h. zauberkundiger Personen pflegte Erinnerung an heilige Feuer der heidnischen Vorzeit. Und zwar sind es Feuer von zweierlei Art und Herkunft, die sich da verschmolzen haben und schließlich durch den Geist der neuen Zeit gedämpft, unter der Asche religiöser und geistiger Kultur des Christentums verborgen glühten, bis sie die Not der Zeit, Mellich nur in matter und in getrübter Flamme wieder auflodern ließ. Der Kern dieses Diwenstedter Feuers geht zuruck auf das alt­bekannteNotfeuer" (Nodfyr, niedfeur) unserer Vorfahren, em, wie der Name sagt, durch not, d. h. gewaltsame Beengung oder Reibung zweier Götzen erzeugtes Neufeuer und 3auberfeuer von apotropischer (gleich Unheil, Dämonen und Krankheiten abweh­render und verzehrender) Bedeutung. Mit diescnn rem apotro- pischen Zauberfeuer oder Notfeuer, wie es unsere heidnischen Vor­fahren, wenn Krankheit und Seuchen Menschen und Vieh be­drohten, nach ganz bestimmtem Ritus von Fall zu Fall auf den Straßen anzündeten, um Menschen und Tiere drüber hin springen zu lassen, hat sich nun im obenbeschriebenen Duvenstedter Feuer noch die Erinnerung au alte heidnische Opserfeuer ver­mischt, d. h. an Feuer, die man regelmäßig zu bestimmten Zeiten zu Ehren bestimmter Gottheiten anzündete, die man durch Ver­brennen von blutigen oder unblutigen Opfergab-en sich besonders günstig zu stimmen suchte. Aber auch das ursprünglich bloß ge­legentlich angestcllte Notfeuer ist schließlich zu einer ständigen, all­jährlich beim ersten Weidegang des Viehes angestellten religiösen Einrichtung unseres Volkes geworden. (UnserePfingstweiden , Psingstberge",Hitzenplane",Gesenges" und andere Flurnamen mögen darauf zurückzuführen sein.) So wurde z. B. m Langen­bieber bei Fulda noch im Jahre 1653 em solches, mit obrigkeit!- licher Bewilligung von der Gemeinde alljährlich beim ersten Aus­fahren der Hirten am Pfingstsamstag angestelltes apotropisches Feuer als wichtige Angelegenheit der ganzen Gemeinde betrachtet. Es wurden an bestimmten Plätzen außerhalb des Ortes Feuer angezündet, und auf ein bestimmtes Zeichen, das der Schultheiß mit der Glocke gab, mußte alles Vieh dorthin getrieben und hin- durchgejagt werden. Tie obrigkeitliche Genehmigung war aber Wohl nur gegeben worden, weil man das Feuer unter dem harm­losen Namen eines Frühlingsfeuers, nämlich des heute noch hier und da in Deutschland, z., B. in Herbstein und tm Rheingau üb­lichenHülfeuers" eingeschmuggelt hatte. Das echte alte Vot- f eit er als rituelles Neus euer und Zauberfeuer war seit Einführung des Christentums streng verpönt in Deutschland. . Aber trotzdem erhielt es sich bis in die neueste Zeit. Es soll trt Mecklenburg noch alte Bauern geben, die ganz genau mit den Modalitäten dieses altheidnischen Zauberseuers vertraut sind. Der Fall von Duvenstedt zeigt, daß auch in Holstein die Erinnerung daran Noch lebendig ist. Heute sind wir so aufgeklärt, daß man über solchen Aberglauben lacht, aber z. Zt. des dreißigjährigen Kriegs nahm mans noch blutig ernst mit solchen Veranstaltungen. Noch im Jahre 1605 wurde auf dem Marktplatz zu Marburg an der Lahn ein gewisser Köhler, genannt Staudenfus, aus Neustadt, ver­brannt, weil er in Neustadt ein Notfeuer angesteckt hatte. Der Schultheiß zu Neustadt hatte darüber unter dem 12. Dezember 1605 an den Schultheißen zu Marburg einen Bericht gesandt, der wert ist, daß wir ihn hier im Auszuge mitteilen, weil er über den altertümlichen Ritus der Veranstaltung dieses Feuers und seine Modalitäten uns interessanten Aufschluß gibt. Der Schuiheiß

berichtet:

Das es nicht ohne sondern zu viel wahr, das in Anno 1498 ein groß Vihesterben alhiev gewesen, also das gemeine burger- schafft hie vnd dortt rath gesuchtt, vnder anderm ist gedachtes Köhlers gedacht wordenn, der sich dan dieses orts ingestellt, vnd großer kunst geruhmbt, vnd ausgebenn, Nemblichen man soltte ein nothfeuwer nachfolgendter mahsen anstellen, Erstlich solt man ein neuro wagen raht, mit einer Achsen, so noch nicht gebraucht, nehmen, vnd solches so lang Herumber treiben bis es feuwer gebe, Davon solte man alßdau ein feuwer zwischen die Pforten! machen, vnd alle das rindvihe dardurch treiben. Es hat auch eher vnd zuvohr diß feuwer angezündet wordten, Ein ieder burgev in der Stadt sein feuwer rein ausleschen, vnd hernacher wider feuwer, von dem gedachten feuwer, holen müßen, Es hat aber nicht das geringste geholffen, sondern lauter betrugt vnd lugen gewesen."

Zweifellos aber hat der arme Köhler an die Zauberkraft seines von den Vorfahren her gelernten Notfeuers geglaubt, und man kann Mitleid haben mit einem Manne, den seine Mitbürger in gleichem Glauben um Hilfe angehen und nachher zum Lohne auf den Scheiterhaufen bringen Helsen.

Vermischter.

"Der Komponist tm Bett. Rossini zeigte in seiner Lebenseinteilnng saft immer Absonderlichkeiten, die ihn von ge­wöhnlichen Sterblichen unterschieden. So konnte er sich nur schwer dazu ausraffen, sein Bett zu verlassen, und wenn er nicht gerade 48 Stunden lang darin liegen blieb, stand er doch jedenfaüs nicht vor dem Nachmittage auf. Ein grober Teil seiner entzückenden und sprühenden Kompositionen ist in der gemächlichen Atmosphäre

seines Schlafzimmers entstanden. Dicht neben dem Bette stand ,n Reichweite ein Tischchen, auf dem immer Noleupapier bereit lag, so daß Rossini morgens beim Erwachen nur die Hände auszu- ftrecten brauchte, um das notwendige Hilfswerkzeug zum Kompo­nieren zu erlangen. Eines Tages war er erwacht, hatte ein leere« Notenheft ergriffen und bereits den größten Teil eines entzückenden neuen Duettes, das ihm gerade eingefallen war, zu Papier ge­bracht, als das Unglück wollte, daß das Heft seinen Händen ent­glitt und zu Boden rollte. Nun war guter Rat teuer. Unter keinen Umständen wäre Rossini aufgestanden, um das Heft wieder zu erlangen. Stach kurzer Ueberlegung war der Entschluß gefaßt: um sich nicht erheben zu müssen, nahm Rossini einfach em zweites Heft Notenpapier und begann ein neues Duett zu kompomeren, das ganz anders war wie das am Boden liegende.

DK Ein Netz von Telephondrähten wird in ab«* Kbarer Zeit den ganzen bewohnten Erdball umspannen. Die tfernung als Hindernis wird ausgeschaltet werden. Es ist vielleicht .zu früh, um jetzt schon über die ausgedehnten Ver­suche .zu berichten, die in dieser Hinsicht von dem Londoner Generalpostamt in der letzten Zeit unternommen wurden. Sollten die von Fachleuten ausgesprochenen Erwartungen sich bewahr­heiten, dann werden wir in naher Zukunft einen ungeahnten Fortschritt auf telephonischem Gebiete erleben. Tieselbeil Versuche wurden bereits seit Jahren unternommen, wiederholte Ent­täuschungen veranlaßten jedoch die beteiligten Beamten, Still­schweigen zu beobachten. So versuchte man u. a. von London nach Rom zu telephonieren. Tas Ergebnis enttäuschte zwar m vieler Hinsicht, war aber im großen und ganzen nicht ent­mutigend. Eine befriedigende telephonische Verbindung ergab sich zwischen London und Marseille. Tie letzten Versuche galten Haupt? sächlich den Linien, die England mit Belgien und Frankreich verbinden. Von ihren Ergebnissen hängt die Durchführung wei­terer Versuche hinsichtlich neuer Verbindungen mit allen Zentren des Festlandes, in erster Linie einer solchen mit Berlin, ab. Man erstrebt eine Verbindung an, die bis nach Konstantinopel! reichen soll. Tie Hauptschwierigkeiten liegen in den unterseeischen Kabeln.

ick. Bazillen im Kampfe gegen die Heuschrecken­plage. Von einer wertvollen wissenschaftlichen Entdeckung weiß dieScience au vingtiöme Siede" zu erzählen: Ein französischer Beobachter hat in diesem Jahre in Mexiko eine surchtbarq Epidemie beobachtet, die die Heuschrecken m Y u k a t a n heimsuchte. Während sonst diese lästigen Insekten den Pflanzungen den größten Schaden zufügen, ist in diesem Jahre kaum von Schädigung die Rede, so sehr hat ihre Anzahl abgenommen. Tie erkrankten Heu­schrecken starben meistens innerhalb weniger Stunden. Der Be­obachter, ein Gelehrter namens Hsrelle, erkannte als Ursache der Heilschreckenkrankheit einen kleinen Bazillus, der sich im Larm- svstem der Insekten aufhält. Sobald es gelingt, die Lebens- gewohnheiten dieses Schmarotzers sicher zu ermitteln, ist es ziem­lich wahrscheinlich, daß man mit seiner Hilfe planmäßig gegm die Heilschrecken vorgehen kann, die namentlich in Afrika zeitweise eine wahre Landplage bilden und ganze Ernten zu vernichten imstande sind.

* Verplappert. Gast:Ihr Hund schnappt immer nach meinem Hasenbraten." Wirt:Wissen Sie, das ist die alte Feindschaft; die beiden haben sich nie vertragen können.

Sitatenrätsel.

Aus jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmeii, so daß sich ein neues Zitat ergibt: .

1. Schwer liegt der Himmel zu Madrid auf mir.

2. Ich fürchte nur, der Wirt beschweret sich;

Sonst gab ich diesen werten Gästen.....

3. Es kann ja nicht immer so bleiben Hier unter dem wechselnden Mond.

4. Das höchste Glück hat keine Lieder.

5, Nie widerfuhr ihm eine größre Ehr' . . ,

6. Ihr laßt den Armen schuldig werden, Dann überlaßt ihr ihn der Pein.

7. Wär nicht das Auge sonnenhaft, Die Sonne könnt eS nie erblicken.

8. Ueberall bin ich zu Hause.

9. Es ist im Leben häßlich eingerichtet . . .

10. Vom geträumten Paradies ist jede Spur verflogen.

11. Nur eine Mutter weiß allein. Was lieben heißt und glücklich sein. Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Tiamanträtsels in voriger Nummer:

0 i ä Wilna Wilhelm

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lang«, Gießen.