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Mr auf ganz vereinzelte Kleider, b. H. auf Damen, die wirklich selbständige Gedanken in bezug ans ihre Toilette zu denken wagen, beschränkt.
Uebrigens so allzubunt die Sommerinode sich hielt: ost fünf bis sechs verschiedene Farben nebst gold, silber oder brokai in einer Toilette, was schon eher an Maskeraden-Anzüge als an Kleider erinnerte, so scheint die Herbstmode auch darin eine Wendernng herbeiführcir zu wollen, indem sie die Zusammenstellung von schwarz und weist begünstigt. Meiste Waschkleider (die mail natürlich auf gut deutsch Lingeriekleider nennt) und die immer'-beliebten weißen Stickereikleider werden vielfach mit schwarzen Schleifen und Schärpen geschmückt oder auf schwarzen Unterkleidern getragen. Ebenso modern sind weiße, gestickte Tüll- kleider oder Spitzen-Ueberwürfe über schwarzem Unterkleid. Also genau der Gegensatz zu der Bisherigen Vorliebe, die dunkle und schwarze Ueberblusen über iveiße Unterblusen zog!
Da bunte Hüte zil solcher schwarzweisten Zusammenstellung jedenfalls sich nicht sehr gut ausnehmen würden, so trägt man dazu etwa einen schwarzen Sammethnt mit Weister Garnierung oder einen weißen Tuchhut mit schwarzer Schleife oder Feder. Die Herbsthüte sind entweder, wie die Sommerhüte, sehr groß mit niedrigem,, rundem Kopf oder aufgeschlagene Napoleonshüte, oder es sind topfartige oder helmartige Gebilde, die als. Schmuck nur einige wehende, hochstehende Federn und eine Schleife zeigen. Soferir die Hüte iricht zu schwarzweisten Toiletten getragen werden, ist „bnnt" die Losung. Namentlich scheint man noch weiter ein krasses Grün zu bevorzugen, eine Farbe, die. früher für den Hut fast unmöglich war, wenn es sich nicht um einen Sport- Hut handelte. Während naturgemäß hie Strohhüte, die oft alle Zeichen des „Mitgenommenseins" aufweisen, im Herbst weniger beliebt sind, hat man sich auf Stoffhüte und Samthüte besonnen. Für halberwachsene Mädchen werden oft Häubchen mit Ohren- rosetten vorgezogen. Wenn auch Pleureusen noch immer gern getragen werden, weil sie — wie eine Dame sagte — „so wohlhabend aussehen", so gilt doch, die einfache Straußfeder letzt ftir seiner. . . .
Der Sommermantel, das Mantelkleid, das in. der verflossenen Saison auf der Höhe stand, dürfte auch im Herbst nichts von seiner Beliebtheit verlieren. Namentlich praktisch erscheinen die schwarzen Seiden- oder Atlasmäntcl. Allerdings kommt, ettva für unfreundliche Herbsttage, der Regenmantel, der heutzutage weder so schwer, noch so häßlich ist, tote früher, in Frage; außerdem das Jackett, das meist in englischen, melierten Stoffen getragen wird. Ueberhaupt wird das sogenannte englische Kostüm, besonders für die Uebergangszeit, stets seine Beliebtheit behalten.
Seit ungefähr ein bis zwei Jahren tvird der Fußbekleidung eine so große Rolle in der Mode zuerteilt, wie noch nie. Denn der enge, kürze Rock liest die Schuhe und Strümpfe mehr m Erscheinung treten als der lange, verhüllende Rock, und so „ge'ht's" einfach nicht ohne gar zart durchbrochene Strumpfe und sehr schön gearbeitete Stiefel und Halbschuhe, wenn man „auf der Höhe" des Modelebens stehen will. Die modernen Stiesel werden in allen Farben gefertigt, oft aus zweierlei Stoff; für den Schaft, auch bei Halbschuhen, ist das feine Samtlcder außerordentlich beliebt, während der Besatz und die Kappe in Glanzleder gearbeitet sind. Man hat diese Samtleder in den verschiedensten Schattierungen. Weiße Schuhe und Stiefel auf der Straße gelten nicht für fein; dagegen ist ein lichtes Grau, auch gelbliche Sahnenfarbe, letztere besonders für weiße und rohseidene Toiletten, austerordentlich geschätzt. Rote Lederstiefel sind nicht mehr mode; dafür graue, schwarze und braune Samtschuhe.- Während der letzten Jahre herrschten die Schnürstiefel und finb ja auch heute noch beliebt; aber schon fängt der Knopfstiefel wieder an, sich mehr und mehr das Feld zu erobern, wobei die modernen Knöpfe aber flacher und größer' als die bisher gebräuchlichen runden find.
Was heutzutage bei den neuen Schuhen und Stiefeln angenehm ausfällt, ist das Bestreben, neben dem schönen Aussehen auch die Hygiene» der Füße besonders zu beachten. Wir sehen die Stiefel nicht mehr „spitz" oder „rund", sondern wirklich so geformt, daß die Zehen sich beguem darin lagern können. Man will, Gott sei Dank, heute nicht mehr, Ivie früher, ausschließlich mit dem besonders kleinen Fuß paradieren, der doch dazu da ist, den ganzen Körper zu tragen.
Da die engen Kleider es nicht gestatten, Taschen darin an- zübringen, die Damen aber doch irgendeinen Gegenstand haben müssen, um Taschentuch, Spiegelchen, Schlüssel,' Portemonnaie usw. unterzubringen, so haben wir Handtaschen und Pompadoure. Die moderne Tasche ist sehr groß und meist von dunklem Leder; der Pompadour ist ans Perlenstickerei oder starkem Brokatstoff mit Brokatschnüren. Die einfache Ledertasche wird am Henkel getragen, die Pompadourtasche an langen (eibenen oder brokatenen Schnüren über die Schulter gehängt,
Art Stelle der Spitzenhandschuhe treten mit kühleren Herbsttagen allgemein wieder die Leder- und Glacehandschuhe, wenn Wtörlich praktische Stoffhandschuhe auch immer beliebt bleiben.
Strandraub und Strandrecht.
Von F. Dan nm eher.
Von Strandraub und Strandrecht erzählt uns ein soeben erschienenes prächtiges Bändchen der Naturwissenschaftlichen Bibliothek für Jugend und Volk. Schon im Jahre 1238, so lesen wir, machte Hamburg mit den Anwohnern der Niederelbe, den Hadelern und Wurstfriesen einen Vertrag des Inhalts, daß. die Schiffbrüchigen, die bis dahin als Leibeigene behandelt wurden, frei sein sollten. Selbst die Kirche nahm sich der Schiffbrüchigen an! 1265 belegte er vom Papst Clemens IV. gesandte Kardinal Guido während seiner Anwesenheit in Hamburg die Ausübung des Strandrechts mit dem Bannsluche und erließ 1266 zu Lübeck eine strenge Verordnung an. die Geistlichen, darauf zu achten, daß die Schiffbruch osoer Seenot leidenden Hamburger oder die Leute der übrigen Hansestädte nicht beraubt oder mißhandelt würden, sondern ihnen vielmehr jede Hilfe geleistet werde; auch müsse ihnen das Geraubte ersetzt werden.
Trotz alledem blühte der Strandraub noch viele Jahre. Mit dem Ranbschloß Ritzebüttel, das als ältester Profanban Norddeutschlands noch steht, machten die Hamburger und Wurstfriesen kurzen Prozeß. Sie stürmten es 1393 gemeinsam, und Hamburg kaufte es später klugerweise ihren Besitzern, den Rittern Lappe, ab. Aus der drohenden Zwingburg wurde eine Schutzburg für die Schiffahrt.
Dennoch mußten es die Hamburger erleben, daß ihr eigener Vogt, Bernd Beseke, vom alten Normannentum auf Neuwerk aus Strandraub trieb. Er wurde jedoch 1536 gefangen gesetzt und noch in demselben Jahre enthauptet. Heute verfällt jeder, der ein Schiff absichtlich in Gefahr bringt, langjähriger Zuchthausstrafe.
Der freie Strandgang, d. h. das Suchen und Fischen nach .Strandgütern oder, wie man jetzt int transitiven Sinne des Wortes sagt, das „Stranden", ist altes Friesen- und Sachsenrecht und bildete in armen Fischerdörfern, ehe sie durch ihre Badegäste wohlhabend wurden, eine stetige Einnahmequelle. Noch vor etwa 30 Jahren wtirde deshalb in mancher Kirche am Nordseestrande gebetet: „Herr, segne unfern Strand." Man darf aus diesen Worten jedoch nicht schließen, daß die Bewohner int allgemeinen nicht erst die Menschen ans Seenot retteten, ehe sie au die Bergung der Güter gingen.
Das „Stranden" ist recht lohnend, zumal lvemt nach Stürmen einige Holzdampfer ihre Decksladung haben iverscn müssen. Dann ergießt sich ein wahrer Holzsegen über die baumlosen Inseln der Nordsee, der dadurch ein wenig eingeschränkt wird, daß die Zollbehörde unerbittlich den gebührlichen Einfuhrzoll des Strandgutes fordert. Oft hat dieses „Stranden" auch unangenehme Folgen für die Finder. So erkrankten in Wursten plötzlich viele Anwohner an Trichinose, weil sie angetriebenes amerikanisches Büchsenfleisch aßen, das ein Dampfer eben der Trichinen wegen über Bord geworfen hatte. Nach der jetzt gültigen Strandes- brbnnng Muß jedes am Strande gefundene oder in der See gefischte Stück dem Strandamt vom Finder auf die Gefahr hin, des Bergelohns verlustig zu gehen, sofort angezeigt werden. Es erfolgt dann zwecks Auffindung des Eigentümers ein öffentliches Aufgebot. Meldet dieser sich, so erhält er sein Eigentum, nach Zahlung des meist hohen Bergelohns an den Finder, zurück. Erhebt jedoch niemand innerhalb einer bestimmten Frist besch- rechtlichen Anspruch, so gehen seediftrige, d. h. int freien Wasser gefischte Güter ohne weiteres an den Besitz des Bergers über, dagegen werden stranddriftige Güter nach Erstattung bes_ Berge- lohits an den Finder dem Landessiskns überwiesen, vieler lagt das Strandgut dann von Zeit zu Zeit öffentlich versteigern
Mau findet am Strande ost die wunderlichsten Dinge: Ftsch- kisten, Schrubber, Pützen, d. s. Spüleimer, Scheuerguasten, Medizm- flaschen, Tanwerk, tonnen mit Fett, Tran oder Lack, Korbe, alte Nutzhölzer und leider, hier seis geklagt, viele ^lalchenposten, die, statt ein dem Seemann heiliges, letztes Notzeichen, an die Lieben daheint, meist in alkoholischer Umnachtung von Vcrgnu- gungsreisenden verfaßten Unftnn enthalten. -Isis nicht strnflicher Leichtsinn zu nennen, toeitn jemand in der Flaschenpost Reklame oder darin einen Heiratsantrag macht; oder wenn jemand schreibt, daß er in übermütiger Saune die Flasche über Bord warf und gern wissen möchte, wer der Finder sei? Zum größten umus artet das Flaschenpostschicken ans, wenn absichtlich falsche ..iel- dmigeii von Schiffsuiitergäugen berichtet werden, die dann rasch in die Tagesblätter übergehen. Es ist vorgekommen, daß Angehörige der Besatzung durch solche Meldungen, durch me Plötzlichkeit des an. sie herantretenden Schreckens „ihren Tod fandem Darum ist es die Pflicht eines reden Seereisenden, selbst keme Flaschenposten zu schreiben und andere darin zu hindern, solche.- zu tun. Wan wird sich um so mehr davor hiiten, wennman weiß, daß nach jedem größeren Sturm der Strand von Heuer- schiffsboteu mit unendlicher Mühe, oft unter eigener Lebensgefahr der Besatzung, abgesucht wird, und die Namen der Sender der öffentlichen Kritik unter&eitet werden. .
Ein gar trauriges Bild ists redoch, wenn dre See als «traud- :gut einen Leichnam angespült hat. Dann heißts die Tascheir nach AuKweispapieren durchsuchen oder nach eingezeichneten Buch- sta^n fahnden, um irgendeinen Anhalt zu haben, wer der Tote F, damit seine Angehörigen Nachricht erhalte,r. Leider wird


