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Ich Will vor meinem Manne Achtung haben, aber"

Aber sie darf nicht so sein, daß sie die Liebe erstickt."

Liebe ohne Achtung ist überhaupt unmöglich."

Was auch wieder nicht wahr ist. Ich kann den größten Lumpen leidenschaftlich lieben."

Traute sann nach. Das Fältchen über der Nasenwurzel zeigte sich wieder.

Glaubst du? Aber das wäre doch keine echte Liebe."

Die echteste, wenn du dich schon auf Differenzierun­gen einlassen willst; denn ihr würde ein ideales Ver­langen beigemischt sein: der Wunsch, den Geliebten zu bessern."

Nun nickte Traute sehr lebhaft.Tas ist richtig!" rief sie. Und dann neigte sie den Kopf ein wenig aus die Seite und meinte:Es fragt sich nur, ob er besserungs­fähig ist."

Tiui lachte fröhlich auf.Ich taxiere: immer! Denn in einen Raubmörder oder einen gewerbsmäßigen Ein­brecher würden wir uns natnrgemäß nicht verlieben. Du mußt den AusdruckLump" mehr dialektisch auffassen. Ein Taugenichts kann au fond ein sehr guter Kerl fein. Und für so einen leichtsinnigen Strick ist die Ehe meistens eine ganz vortreffliche Erziehungsanstalt. Da wird die Liebe zuweilen zur Dressur. Das würde mir jedenfalls mehr Freude machen als umgekehrt eine Disziplin zur äußersten Korrektheit. iBurrr! Manschen, ich wiederhole: sei froh, daß die Geschichte mit Max Roehler ex ist. An seiner Seite wärst du binnen Jahresfrist nicht lviederzuerkennen gewesen. Deine ganze Liebenswürdigkeit wäre flöten ge­gangen; deine Heiterkeit hätte er auf Eis gesetzt und deine niedlichen Unarten auf Draht gezogen. Er hätte deine Seele gekrempelt und dein Herzchen geplättet, und dein Gemüt wäre gebügelt lvorden. Alles sehr schön. Es mag Mädchen geben, denen so etwas kleidet. Tu aber hättest bei solchem Experiment dein Bestes hingeben müssen: deine Ursprünglichkeit. Und nun wollen wir zur Tagesordnung übergehen, wie es im Parlament heißt: zu der Eingabe des Mannes aus Zentral-Amerikü. Fasse Mut und er­öffne den Brief."

Das tat Traute denn auch. Es war ein langes Schrei­ben auf dünnen Bogen: auf sogenanntem Ueberseepapier, das den Aufdruck trccgJonathan W. Brigham. Quetz- altenango (Guatemala)." Außerdem fiel ein kleines Kartoic- blatt aus dein Kuvert, dem eine Silhouette aufgeklebt war: das Brustbild eines Mannes mit scharf geschnittenem Pro­fil, einer kühnen Adlernase, hoher Stirn und kräftigem Kinn: den Kopf deckte ein Zylinderhnt mit breiter Krempe.

Eine Silhouette!" rief Toni.Vielleicht liegen in Quetz die photographischen Verhältnisse noch in der Ent­wickelung. Zeig einmal her! Die Nase ist eUvas zu groß geraten."

Und zu sehr gebogen. Sie hat etwas Jüdisches.

In konfessionellen Dingen habe ich immer sehr frei- geistig gedacht. Außerdem ist das trotz allem eine geradezu klassische Nase. Nur gegen den Hut habe ich etwas. Es ist kein Hut, sondern ein Topf."

Tas mag Landessitte sein. Nun wollen wir einmal lesen, was ment Jonathan schreibt. Findest du den Namen Jonathan hübsch?"

Er klingt etwas mormonisch, aber ich weiß nicht warum. Indes gewöhnt man sich darait. Du müßtest deinen Gatten John nennen. Das Nathan läßt du fallen." MeinenGatten"?! Tu siehst mich also schon vcr- mählt?"

Es wäre unverantwortlich, wenn btt einen Nabob aus­schlagen wolltest. Nun lies aber vor! Oder'willst dn Johns Bekenntnisse lieber allein lesen?"

Nein," sagte Traute,du sollst sie hören. Es ist ja die Antwort auf unfern gemeinsamen Brief. . ."

Und sie begann zu lesen:

Hochgeschätztes und höchlichst verehrtes Fräulein Traute!

Sie können sich gar nicht vorstellen, welche große Freude .ch bei Empfang Ihres Werten von: letzten Datum emp- ünden habe. Um so größer war diese Freude, als der ent- prechendett Sendung auch Ihr nettes Bild beigefügt war, das fast noch schöner ist als das aus der Gruppenaufnahme, obschon auch dieses mein Herz in starker Weise ergriffen hätte. Es ist mir ungemein angenehm, daß Sie blond

sind, wobei es auch gar nicht darauf ankommt, daß dieses Blond nichtausgesprochen" ist. Anfänglich verstand ich den Ausdruck nicht, wenn ich auch sottst das Deutsche jetzt ziemlich gut beherrsche, und fand auch keine Uebersetzung im Bokabuläre, bis mich ein deutscher Freund aufgeklärt hat. Also nicht ausgesprochen, das heißt, vielleicht mehr rötlich, wie Sie ja auch schreiben, daß Ihre Augen mehr grünlich als bläulich seien. Dies würde ich nun ganz be­sonders schön finden. Ich habe hier einmal eine Dame aus bcm Norden kennen gelernt, die hatte rotes Haar unb' grüne Augen und war geradezu zauberhaft; leider ist sie von einem eifersüchtigen Mann umgebracht worden.

Was nun Ihre Bitte um mein Abbild betrifft, wert- geschätztes Fräulein, so kann ich Jhtren vorläufig nur ein ausgeschnittenes Schwarzbild von mir senden, das ich ntir gestern von einem vagierenden Künstler in einem .Bier­garten fertigen ließ. In meiner Nähe wohnen freilich zwei Photographen; aber der eine hat bankerott gemacht und der andere ist in einem Wortwechsel von einem Mann erschossen worden, der sich über das Bild seiner Frau beklagte. Ich will übrigens dieser Tage zu einem dritten Photographen gehen, der immer unseren Präsidenten photographiert und auch andere Herren von der Zentralbehörde, und seine Sache wohl verstehen wird. Die beigefügte Silhouette zeigt mein Gesicht ziemlich ähnlich. Soausgesprochen" schwarz bin ich aber nicht, sondern mehr bräunlich.

Den ausgestopften Quesal werden (sie inzwischen emp­fangen haben. Was Ihre Anfragen betrifft, so beeile ich mich, folgendes darauf ztt erwidern. Man spricht hier alle Sprachen, außer spanisch vor allem englisch, französisch und deutsch. Auch gibt es in der Tat noch recht viele Indianer, aber sie wandeln nicht mehr aus dem Kriegspfad. Es exi- stieren sogar hierher verschlagene Abkömmlinge der letzten Mohikaner, die außerordentlich zivilisiert geworden sind; ich hoffe, Ihnen baldigst einen solchen zeigen zu köntten. Der Vulkan Santa Maria ist zwar immer noch ein wenig unruhig, aber meine Farm liegt nicht in seinem! Bereich , ,,"

(Fortsetzung folgt.)

Von der herbstmode.

Von Alberta von D it h r c n.

Was in der Sommermode nur in schwachen Anfängen zch sehen war der Fransenbesatz, wird für die Herbstmode schon imgleich mehr zur Geltung kommen. Der Jugend ist diese Mode fremd, dasreifere" Alter hingegen, dieältere" Dame erinnert sich ihrer gut. In den sechziger und siebziger Jahren Ivar kaum eineMantille", kaum einTuch", das damals entweder als echt indischer oder türkischer Schal oder auch in Seide und Wolle getragen -- das heut übliche Jackett ersetzte, ohne seidene Fransen, denkbar. Auch die Tuniräs, die ungefähr 1869 bis 1870 auf-? kamen, erhielten vielfach Fransenschmuck. Auf der Briuinenprome- nade in Ems int Jahre 1870, gerade als dort die Begegnung; Bertedettis mit König Wilhelm stattfand, sah Mait viele dunkel- graue Toiletten aus glänzendem Wollstoff, die mit weißen oder silbernschimmerndeu Angorafransen besetzt waren.....Es kommt

eben jede Mode zur geeigneten Zeit wieder obenauf, und so haben wir als tteuestes aus Paris die alten, lieben Fransen.

Meist bilden sie, in der Farbe des Kleides oder Ueberkleid'es eingefärbt, den Abschluß am unteren Rande. Eine solche Herbst­toilette ans Paris bestand aus einem gewandartig augeordueteü Unterkleid aus weißem, mit bunter Seide besticktem Taft, über das sich ein an der Seite leicht geraffter Ueberwnrf aus grüner Marquisette mit Fransen-Abschluß legte. Die Taille lunr noch in der Kiinouoform mit angeschnittetteit langen Aermeln ge­arbeitet unh ließ, ohne Kragen, den Hals frei. Ter Ueberwnrf war an die verkürzte Taille angekraust und bildete so den Gürtel- Abschluß.

Der freie Hals ist ja eine Mode, die sich so leicht nicht umbringen läßt, schon weil sie sehr bequem ist unb gerade in diesem vergangenen heißen Sommer jede Bequemlichkeit in der Toilette als Wohltat empfunden wurde. Auch die Stofsersparnis der engen Röcke bewährte sich in der heißen Zeit: man brauchte nicht so viel Stoff um sich herum zu schleppen. Durch die aller- Ueueste Mode der schmalen, hinten herabhöngenden und abnehm­bare!: Schleppe (also eigentlich nur eine etwas verbreiterte Schärpe) ivird die Bequemlichkeit ja auch betont.

Aber vielleicht hat man sich im Lager der Modegewaltig ei« zu Paris darauf besonueit, daß eine Mode niemals schön fein kamt, die sich allzusehr mit den Naturgesetzen in Widerspruch stellt; . deshalb meldet es sich hier und dort schon, daß die herbstliche Mode die Röcke wieder weiter gestalten und am Rande sogar wieder mit kleinen Volants etwa drei übereinander- schmücken, wird. Vorläufig bleiben indes derartige Anordnungen