Ausgabe 
19.7.1911
 
Einzelbild herunterladen

444 «a

yitb Strüntpfe, wickelten i>ie HoseN bis MM Knie herauf ltiti> stachen in Stoffeln links achteraus in See. Die Ausfahrt ging feit ganzen glatt vonsAtten, bis auf die zwei Strnnes , die einen günstigen Augenblick benutzt hatten und fahnenflüchtig ge­worden waren, sowie den KreuzerIltis , der sein ihm von der Mutter zur Obhut übergebenes kleines Schwesterchen, das Mariechen, im Schlepptau hatte. .

Das eigensinnige Ding wollte absolut nicht allein an Land Zurückbleiben und schrie aus Leibeskräften S Exzellenz aber war nicht der Mann, sich durch solche Kleinigkeiten beirren zu lassen Schnell entschlossen, packte er den Schrerhals unter den Arm und setzte ihn als Heulboje auf eine Sandbank, die mitten aus dem Wasser hervorragte. Dre Heulbow tat denn auch wacker ihre Schuldigkeit, was indessen ach den brüderlichen Panzerkreuzer nicht den mindesten Eindruck machte. Frohgemut dampfte er mit der blauen Flotte unter Führung des Flagg­schiffesWittelsbach" flußaufwärts, während sich die rote See­macht init denrMerrimac" an der Tete nach der entgegen^ «gesetzten Richtung entfernte. ___ , . ,

Fritz beeilte sich nunmehr, mit seinen! Stad den Drereckspunkt 438 zu erreichen, von wo aus das Schlachtfeld bequem nach jallen Seiten zu überschauen war.

Die blaue Infanterie war mittlerweile in Stellung gegangen Und harrte, auf dem Bauche liegend, der Dinge, die da kommen sollten. Die Artillerie, zwei Batterien stark, hatte sich werter rückwärts am Waldrand in guter Deckung ausgestellt. Ihr Oberst, fleißig die hohle Faust als Fernrohr benutzend, verschwur sich soeben hoch und teuer, vom Galgenkopf her Feuer erhalten zu haben/ obwohl noch keine Helmspitze von der roten Armee zu entdecken war. Uebrigens eine schwierige Sache, da der Feind sowohl rauch- als geräuschlos schoß.

Natürlich hatte sich auch das unvermeidliche und lästige Volk der Schlachtenbummler in Gestalt der Schulmädchen eingefunden, Naseweis, wie stets, trieben sie sich zwischen den Schützenlinien Uncher. Wiederholt mußte Pittersch Schepper, der Feldgendarm, gegen sie anreiten. Umsonst gegen die weibliche Neugier und Zungenfertigkeit richtete er mit aller seiner Grobheit nichts aus.

ÄM tollsten gebärdete sich des Müllers Lieschen. Nicht genug, daß es mit Todesverachtung vor den starrenden Gewehrläufen hin und her promenierte, suchte es mit den Mannschaften auch Noch eine Unterhaltung anzuknüpfen, obwohl das bmt Publikum strengstens verboten war.

Plötzlich erhob sich der Oberleutnant Bergen vom ersten Zug, schritt auf die kecke Dirne zu und, sie kräftig umfassend, drückte er einen herzhaften Kuß auf ihren losen Mund. Darob höhnisches Gelachter und großer Lärm bei allem Kriegsvolk.

Wie eine wilde Katze fuhr die meuchlings Ueberfallene dem Attentäter mit beiden Fäusten zugleich ins Gesicht.

Generalmajor Möller, der den Vorsall aus nächster Nähe beobachtet hatte, war mit drei' Galoppsprüngen zur Stelle.

In der drei Deubels Namen," schnaubte er den Untergebenen ÜN,"Herr Sie sind wohl verrückt?!"

Ei wieso denn?" verteidigte sich respektlos der Ober,der Feldwebel, der bei uns int Quartier lag, hat's mit unserem Karlinchen gerade so gemacht, wenn's neugierig war."

Ehe sich der Generalmajor noch schlüssig geworden war, ob er in die allgemeine Heiterkeit miteinstimmen oder den Frechdachs wegen Achtungsverletzung vor versammelter Mannschaft! drei Tage ins Loch schicken solle, ertönte die helle Kommandostimme des Nächsten Zugflihrers.

Achtung, geradeaus an der Waldecke feindliche Infanterie, Visier 2000, Schützenfeuer!"

Gleichzeitig hatten auch die anderen Züge den Feind gesichtet Nnd nahmen ihn gehörig «mfs Korn, die Artillerie legte ebenfalls los, was das Zeug hielt, das Feuergefecht war im schönsten Gang.

,Bum Bum Bumbumbum!"

(Schluß folgt-)

Der schwere weg zur Kunst.

Pucciiri wurde vor kurzem einmal gebeten, die ersten Kom­positionen eines jungen Musikers zu beurteilen und zu sageit, vb der Mann Talent habe. Bei diesem Ausinnen verlor ber| große Komponist seine gewöhnliche Schweigsamkeit und wehrte entsetzt ab.Nein, nein, und abermals nein," rief er.Das ist eilt zu schweres Geschäft, über die ganze Zukunft eines Menschen zu Gericht zu sitzen, auf Grund von ein paar ersten Versuchen. Nur Zeit und Arbeit können erweisen, ob der junge Mann auf deut rechten Wege ist." Es ist ein schwerer und einsamer Weg, der zur Kunst führt; in undurchdringlichem Nebel verhüllt liegt das ferne Ziel, und kein Führer vermag den strauchelnden Wan­derer zu stützen, keiner ihm den unwegsamen Pfad zu bahnen.. - Das ist auch die Ansicht der großen Wagnersängerin Fremstad, die in der Bostoner Zeitschrift The Musician den Anfängerinnen in der Sängerlausbahn lehrreiche Erfahrniigen aus ihrem eigenen Leben mitteilt und ein stolzes Selbstbekenntnis ihrer Kunst ablegt: -,Der beste unter allen Führern aus dem'schweren Wege Mr «Kunst ist die innere Stimme, die uns eingeboren ist und uns zwingt, eine

bestimmte Richtung im Leben einzuschlagen. Die große Gefahr für jede Sängerin in ihren Anfängen ist die, daß sie zu jung ist, um sich selbst richtig zu beurteilen. Ich wußte nichts von musi­kalischen Fragen, nichts von dem Verantwortlichkeitsgefühl des Künstlers; ich wurde allein vorwärts getrieben von einem Ver­langen, nur das eine zu tun und nichts anderes in meinem ganzen Leben: zu singen. Niemand kann einem anderen eine Laufbahn mit glücklichem Erfolge garantieren. Rat ist ja ganz gut, aber wer will die Möglichkeiten erkennen, die in einer Menschenseele! schlummern, wer kann sagen, wie weit jemand kommen wird, da die Entwicklung so vieles Ungeahnte ans Licht bringt und der Menschliche Wille so Großes vermag? Seht zum Beispiel ein Mädchen mit einer von Natur kleinen Stimme. Wer kamt sagen,, wie diese Stimme sein wird nach zehn Jahren der Ausbildung und der Entfaltung? Jeder Schritt des Studiums sollte vorwärts führen zum höchsten Gipfel und jede Rolle, die man lernt, größere! Kraft und Fülle bringen, auf denen weiter gebaut werden kann für größere Dinge. Zeit, Arbeit und Erfahrung, und mir diese, werden zeigen, was sie vollbringen kann. Arbeit ist das große Wort- das vorwärts bringt, wenn nicht die falsche Eitelkeit nach Bühnen­glanz uns antreibt, sondern ein unwiderstehliches Verlangen, eins tiefinnerliche Sehnsucht. Ich fühlte, daß es sonst nichts int Leben gab, was ich hätte tun können, und so tat ich denn dies eine mit aller Macht. Bei jedem Mädchen, das den rechten Weg der Kunst gehen will, Muß dieses anfeuernde Streben dasselbe! sein. Es darf für sie keine andere Wahl geben, und sie mutz den großen Schritt tun in dem festen Bewußtsein, daß nichts anderes ihr das gleiche Glück bringen kann. Ich habe gefunden, daß Kunst das einzige im Leben ist, was wirkliche Glückseligkeit! zu geben vermag; andere Dinge, die mir schön erschienen, sind verblaßt, aber die Freude an der Kunst bleibt leuchtend und ewig." Mme. Fremstadt leugnet dabei aber nicht die hohe Bedeutung einer guten Ausbildung, und sie meint, daß früh damit begönnert werden müsse.Eine gute Schulbildung bis zu 18 Jahren und eine gute musikalische Grundlage sind Notwendigkeiteir." Die Stimme bedarf eines 6- bis 8 jährigen vorbereitenden Stadiums, Der Lehrer kann nur die allgemeinen Grundsätze angeben, im Grunde muß jeder selbst nach seiner praktischen Erfahrung lernen, was er tun soll und wie er sich entwickeln kann.Niemand kann darin raten, als nur jeder sich selbst. Wir kommen allein in die Welt, wir Machen unseren 'Weg allein und wir sterben allein^ So ist es auch auf dem schweren Weg, der zu den Höhen dev Kunst führt. Jeder muß seinen eigenen Weg gehen, keiner kann ihn titor ihm gehen. Die Sängerin lernt ihre Lektion, int Lebest wie in der Kunst, nur durch die eigene Erfahrung."

humoristisches.

* Segen des Reichtums.Für die eine Ohrfeige, die du dem Schulzen gegeben hast, mußtest du 15 Mark bezahlen." Ja. Aber sobald ich mal Geld habe kriegt er triebet! eine."

* Malice. Weinhändler:Wenn ich nur wüßte, wes­halb man mich aus dem Verein ausgestoßen hat?" Bekannter k Haben Sie ihm vielleicht 'mal kürzlich ein Fäßchen Wein dediziert,

* Fraglich.Wann liefert dir denn der Schneider dest neuen Anzug?"Wenn er sich nicht nach mir erkundigt, aist Donnerstag."

Schachaufgabe.

Von F. R. G i 11 i n s.

abedefgh

abedefgh

8

8

6

6

5

5

4

3

3

Matt in zwei Zügen. Auflösung in nächster Nummer..

Auflösung des Buchstabenrätsels in voriger Nummer: Fahnenflucht Tteinerz Albatros Nicolai 5Kuctcroogel$ Fran z L i s z t.

Redaktion: R. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindrnckereh R. Lange, Gieße»