Mittwoch den 19.3uli
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Das nette Mädel
Roman von Fedor von ZobeltiA (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Frau Auguste freute sich darüber; sie hatte Ehrgeiz. Mer der Vater wollte Näheres wissen. Nun hütete sich Traute Wohl, von dem Irrlicht zu sprechen. Es war immerhin eine Nudität, und in solchen Sachen dachte der Vater streng. Er war auch gar nicht damit einverstanden, daß Traute ein paarmal allein nach Wörreshoop zu Kruse sollte; vielleicht könne Klothilde sie begleiten, schlug er vor. Traute war wieder schlau; obwohl ihr Inneres sich heftig gegen die Zumutung sträubte, unter die Fittiche der schrecklichen Schwägerin zu kommen, neigte sie doch zustimmend den Kopf, rief aber dann triumphierend, als fiele ihr das jetzt erst ein: „Aber nein — das ist ja gar nicht nötig! Pastor Moebius ist immer dabei. Das hat Kruse gleich so abgemacht."
Moebius war der Stolz der Stadt. Man kannte auch feine Freundschaft mit Kruse; wohnte Moebius den Sitzungen bei, so ließ sich nichts mehr dagegen sagen.
Frau Auguste wollte in die Markthalle. Sie begleitete 'Köhler daher bis zum Geschäft.
„Ich wollte noch ein paar Worte allein mit dir sprechen, Franz," sagte sie. „Ich habe verschiedenes auf dem Herzen. Also erstens: Friedrich hat sich nach dem Leutnant Roeßler erkundigt. Es sind zwei da, aber den wir meinen, der steht bei der Artillerie. Und um die Geschichte brauchen wir uns nicht mehr zu ängstigen. Leutnant Roeßler ist Nämlich nach Berlin kommandiert worden."
„Na, das ist gut," sagte Köhler, und suchte mit drch Fingern in seiner Westentasche, in der ein eingewickeltes Stückchen Kautabak faß, an das er mit Sehnsucht dachte.
Werin wirklich ein bißchen mehr hinter der Tennis- bekanntschaft steckt, als nötig ist, so wird sich das mit der Entfernung wohl wieder legen. Nämlich er hat gar nichts, Köhler — danach habe ich mich auch, erkundigen lassen. Er ist einer der Aermsten beim Regiment."
,/Jch bin überhaupt nicht für einen Leutnant," sagte Köhler.
Frau Auguste nahm das Fischnetz, das sie trug, fester Unter den Arm. „Ich ganz gewiß nicht. Da wäre mir der Mann aus Zentralamerika immer noch lieber. Mer das ist natürlich Unsinn. . ." Sie nickte der Bäckersfrau zu, die unter der Ladentür stand. . . . „Der Eberstedt soll sich ja wirklich die Hörner abgelaufen haben," meinte sie, «als spräche sie nur ganz nebenbei.
Die Falten im Gesicht Köhlers schoben sich durcheinander. Mer es sah keineswegs tragisch aus. Es war mehr «in possierlicher Anblick. Er krabbelte energischer in der rechten Westentasche, in der. sein Kautab'ak saß.
„Fang doch nicht schon wieder an, Auguste," entgegnete er. „Deposito, ich setze wirklich den Fall, der junge Mensch hätte sich in die Traute verliebt: glaubst du denn, daß die Alten eine Heirat zugeben würden?"
„Der junge Eberstedt hat ost genug gezeigt, daß er selbständig ist."
„Ist aber schließlich immer wieder zu Kreuze gekrochen. Außerdem taugt er nichts."
„Ach Gott, Köhler, habe dich bloß nicht! Junge Männer schlagen leicht einmal über die Stränge. Du freilich — und der Friedrich — na, ihr seid eben Ausnahmen gewesen^ aber wenn ich ehrlich fein soll, muß ich sagen: euch würde eine vergnügtere Jugend auch nichts geschadet haben. Dann wäret ihr vielleicht nicht so'n paar langweilige Stiesel geworden — und immer bloß Geschäft und immer bloß Felle und Häute vom Hochzeitstage an."
Ich habe meine Pflicht getan," entgegnete Köhler unwirsch.
„Ja, natürlich. Aber die Kinder habe ich gekriegt — und ich habe sie auferzogen. Meine ganze Ehe ist nichts wie Kindergeschrei gewesen. Und was hat man davon gehabt? Friedrich hätte eine ganz andere Partie machen können, wenn er nicht so ein Muffel gewesen wäre."
„Das hast du mir schon ein paarmal gesagt. Ich bin auch gegen Klothilde gewesen — und gegen die ganzen Witt- stockens —"
„Bis du schließlich doch nachgegeben hast. Bei der Traute möchte ich jedenfalls, daß du ein kleines bißchen ihre Eigenart berücksichtigst. Du weißt recht gut, daß ich das Herumschwenzeln ohne Zweck und Ziel auch nicht billige. Ich bin ganz froh, daß aus der Anbändelei mit dem Ueber- lingen und dem Roeßler nichts geworden ist. Mer wenn das mit dem Eberstedt ernst werden sollte —"
„Wenn," wiederholte Köhler und blieb stehen. „Dann wollen wir uns wieder sprechen. Vorläufig sehe ich in dieser Anvetterung nichts als neue Ausgaben. Das Kostüm zu dem Maifest will doch auch bezahlt sein."
„Aus nichts wird nichts," sagte Auguste.
„Du hast gut reden. Ich habe dir schon neulich gesagt, daß wir schweren Zeiten entgegengeheu. Die Finauz- krisis in Amerika wirkt auch auf den'europäischen Markt zurück. Ich habe die amerikanischen Ochsen- und Kuhhäute, trockne, trocken gesalzene und naß gesalzene —."
„Köhler, das' ist mir ja ganz egal, wie sie gesalzen sind!"
„Die habe ich sowieso schon teuer bezahlen müssen. Und nun liegen sie da. Der Speicher ist voll von oben bis unten, und ich werde sie nicht los. Ich kann sie doch nicht verschleudern! Natürlich, die Krisis kann vorübergehen, die Preise können wieder steigen — aber das muß ausgehalten werden, und zum Nachlegen haben wir nichts. Ich sage das nicht etwa, um dich zu ängstigen, denn verzweifelt ist dfe Situation noch lange nicht =. i. .Gott fiw


