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tzerzeloide.
Mo inan von 'Georg Freiherrn von O m p f e b' ch,
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Wie ich sie so vor mir stehen sah in ihrem weißen Kleide, den Kopf gesenkt, wie sie mir den Arm gab, wie wir dann in der kleinen Kirche zum Altäre schritten, da ging ich lachend mit strahlenden Augen gleich einem Sieger. Ich habe auf jedes Wort gelauscht, das der Geistliche sprach, dem tzerzeloide in schlichtem Geständnis die Geschichte ihrer Liebe erzählt hatte. Ich fand alles wieder, was ich selbst hätte sagen mögen. Es wär kein Zuwenig und kein Zuviel.
Als er fragte, ob ich diese Jungfrau nehmen wollte als mein Weib, -da habe ich gerufen, daß es in der Kirche hallte, laut, wie es einem Reitersmanne zukommt, als müßte ich vor dem ^Regiment das Klappern von viernndzwanzig'hnndert Dferdehufen übertönen:
r— 3a!
Bei diesem Ja suchte ich ihre Hand, drückte sie Und blickte Herzeloiden an, wie man es wohl nicht soll vor dem Wltar, und hätte am liebsten dem Pfarrer zugerufen: Machen Sie schnell, machen Sie schnell, denn ich kann nicht -eine Sekunde länger warten!
Dann schritten wir zurück unter den Klängen der Orgel. Ms wir in der Sakristei standen und der General und die Kameraden zu mir traten, die Hand Uns zu schütteln, die Damen des Regiments kamen und ich die kleine Ella wie ihre Schwester zum ersten Male als Vater auf die Wange küßte, da war es mir, als sollte ich hell aufjubeln: Viktoria geschossen, sie ist mein! tzerzeloide gehört mir! Konnte ich eine andere wählen? Bin ich nicht ein Narr gewesen, so lange zu warten auf mein Glück?
Da nahm ich sie, während die andern uns umstanden, Beim Kopf, gab ihr einen Kuß und rief laut, daß sie alle lachten, die Freunde und Samer oben:
।— Na, Gott sei Dank!
Als wir fortfuhren, zum Mahl ins Hotel, zog ich Herze- loidens Arm durch den meinen, streichelte ihn und sagte mit betrübter Miene:
— Meine arme, kleine Herzeloide, jetzt kannst du nicht mehr zurück! ; Warum hast dU auch Jaj gesagt? Siehst hu, nun bist du verloren,' nun mußt du schon .bei mir .aushatten.
Sie lachte mich an:
i— Aushalten, Fritz? Ich danke dir so von Herzen, daß hu mich genommen hast.
Uber ich höhnte nur:
H Ja, ja, nun jst's aUI/. dn hättest div'K frMep überlegen Müssen.
Doch sie bat.
i— So mußt du nicht sprechen.
Und wieder fand sie eins jener Worte, die oft seltsam 1'langen aber doch so natürlich waren bei ihr. Sie sagte, indem sie, ehe ich es hindern konnte, meine Hand mit dem Ring an die Lippen zog:
r— Du bist mein eigen.
*
Kurz und fröhlich war das Mahl. Der General ließ es sich nicht nehmen, die Rede auf uns zu halten. Dann erlebte ich eine große Freude. Da saß ein junger Leutnant, den ich seinem Vater für mein Regiment nur schwer ab gerungen, denn der hatte ihn durchaus zur Garde bringen wollen. Ein lieber, netter Kerl.
Ein Jahr erst trug er die Achselstücke. Als der Jüngste des Regiments war er mit gebeten. Als ich ihn einlud') wußte er sich vor Freude nicht zu fassen. Ich glaube, zehnmal hat er sich wohl bedankt, und immer noch klang mir sein: „Ich danke gehorsamst, Herr Oberst!" in den Ohren. Es war ein Don, in dem der Stolz tag, aufgefordert zu sein. Er, den von fernem Oberst eine Kluft trennte, wie er meinte; als wäre i ch ein Heiliger, so schaute er zu mir auf. Kaum der Hauch eines Schnurrbarts zeigte sich über den roten Lippen. Er war ein Mensch, vielversprechend, klug, frisch, schneidig, vernünftig, wie ich wünschte, wir hätten viele Hunderttausend in der Armee. Ein Mensch, ben ich mir ausgesucht hätte, mich auf schwerem, gefährlichem Ritt gantz allein zu begleiten.
Dem war wohl Freude und Ehre ein wenig über dem jungen Kopf zusammengeschlagen, feine Wangen glühten, feilte Augen leuchteten. Er stand mit einem Male zu aller Staunen und zu mancher Schrecken auf. Er hatte ans Glas geklopft, das er gar oft geleert zum Wohl feines Obersten: er wollte reden.
Da stand er in seiner schlanken Größe, stammelte und stammelte, wohl selbst erschrocken, als die Äugen der Exzellenz ihn musterten und der Kommandierende den Kneifer aus ben Knöpfen seiner Uniform zog, um zu sehen, was es dort unten am Dafeleude gäbe.
Der junge Mamt begann:
— Ich bitte gehorsamst um Entschuldigung, wenn ich rede. Aber im Kreise der Kameraden ist eine solche Freude gewesen über den heutigen Tag, daß ich nicht anders tarnt, als hier das loiebergeben, was wir jungen Dächse gesprochen haben. Ich bin der Jüngste der Jüngsten. Es tft nur eine hohe Ehre, eingeladen worden zu sein, und tch mochte das äußern, was uns alle bewegt. Ich habe tetnen Auftrag, aber ich muß es sagen, denn nämlich. . . Ich . . . tch . . . Herr Oberst... es ... es : jawohl! :-----i
Er ward röter und röter, angstvoll blickte er sich nach allen Seiten um. Ein Lächeln stand schon auf aller Mienen und der Kommandierende rief mir zu über den Tisch:
h Famoser Kerl! , ,
Jetzt stieg seine Verwirrung, er blickte sich wieder um>


