Ausgabe 
19.4.1911
 
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^^Dabei Ächte' ich: was macht jetzt wohl Herzeloide? Ich malte mir aus, sie läse nun wohl Mutter vor, die ihre Augen schonen mußte. O, wie gern hatte ich zugehort, hätte heimlich durch einen Spalt geguckt, um zu tot];en, toa§ sie trieben. Ein junges Mädchen war mtr tmmer ein Rätsel gewesen; tote etwas, das meine Leutnantsaugen nicht fassen tonnten. Was ging in so einer Seele vor, tote Krachte sie ihre Tage hin, tote beschäftigte Ite stch daheim.

toenn lein fremdes Auge sie sah? Mir waren von je un8 je Mädchen tote süße Wunder erschienen, so anziehend und doch so toeltenfern, so fremd und doch sehnsüchtig meinen Ge­danken verwandt. Und so Plagte es mich, tote ich da etnsam saß, zu wissen: was tut wohl jcht Herzeloide? ^ch stellte mir vor, wie sie der Mutter den Tee bereitete, denn das hatte sie mir erzählt, wie sie dann ein Buch nahm und WrI&ie hatte eine eigen verschleierte Stimme, von tiefem! Klang. Nicht Heiserkeit klang daraus, sondern etwas Weiches, Mildes, etwas Weibliches, eine stille trauliche Musik. Vertrauen gewann man zu ihr.

Wie ich daran dachte, fuhr ich auf. Mtr war es, als müßte ich zu ihr eilen, hu sehen, was ste^tate, zuzuhoren, heimlich in einer Ecke, tote sie vorlas. Und mich quälte s, nicht zu wissen, was sie sprach, wassie trieb

Eine große Unruhe überfiel mtchi ich fühlte mich ver­lassen an meinem Tisch, rief die Kellnerin, und einen Augenblick darauf kühlte die Abendluft meine brennende Stirn. Wie an jenem Tage ging ich den Weg an den Häusern hin, während rechter Hand die Laubmassen der Anlagen dunkelten und über mir der Sternenhimmel ^"tadTte: nun läuft der Urlaub bald ab. Du mußt Zurück zu deinen Rekruten, eine andere Welt empfangt dich, und du wirst in all dem Dienst und Reitbahnduns an diese Münchener Zeit zurückdenken wie an emen seligen Traum, der beim Erwachen nur noch dumpf das Hirn erfüllt mit seiner lichten Glückeswelt. Wenn man sich den Schlaf aus den Augen gerieben, wenn man den Kopf in die Wa chschale gesteckt hat, ist es aus. Der Tag fordert ferne gÄchte De/Traum verblaßt, ist bald vergessen.

(Fortsetzung folgt.)

Geschichte des psstMsens im GrMerMtum Hessen.

Von M. Koehler und R. Gold mann.

III. Tie Post im 18. Jahrhundert.

1. Bis zum Jahre 1730.

fein sam gX Tiefer bemühw sich Sa^bie* in ewem Laute insbesmlbere den Verkehr zwgchen Darmstadt und dem Oberfürstentum, zu verbcnern. .

^a[Tte 1705 ließ er heimlich durch den laperlichLn Posr-- ünllmeiiter Brandl in Frankfurt den sogenannten Hospimlhaf m /r Klavv/a°sse auf die Tauer von 10 Jahren mieten, uber- nabm nachdem der Alietsvertrag rechtsgültig abgeschlojfei. --ur, üen^Brandl w seine Dienste und ließ durch ihn im Hospualhof /ckckckes Postamt nebst Posthalterei owie einen neuen Post- wagenkurs^nach Darmstadt einriclsten. Als Stadt Fraichurt «musrffi fcVS'iMh« Wto«« >><J SlegienuM i&tasms ftttbere Chur- und Fürst!.- in Frankfurt wohnende 33ebteilte , hätten urb idiictte als die Stadt den Brandt erneut zur Bezahlung städtischer Steuern ausforderte, den darmstädtischen fülemannmitderin Anlage IV abgedruckten Instruktion nach Franffurt Ter Magistrat, der sich zu Zwangsmaßregel» gegen Brandt nicht entschließen konnte, suchte beni Genannte mm auf anderre Weise daS Leben sauer zu machen.. So verbm er allen Bier brauern dem Brandt Bier zu verkaufen, befahl im Jahre I tiw der Bwaerschast lediglich die kaiserliche Post zu benutzen, be­strafte die Postknechte des Brandt usw. Infolgedessen , bo«u auch die Schreibereien zwischen Darmstadt und Franffurt nicht aus, und der Ton dieser Schriftstücke war oft so, daß die darmstad i che Regierung erklärte,sie (die Regierung) mag sich nicht unter stehen, auf die Schreibart des Rathes gehörig zu antworten 3 Jahre 1709 zog Brandt aus dem Hospitalhof m das Spitalbraulai^ ain Tanzplatz, ivährend die Expeditwn nach dem E Sessischen Palais auf der. Zeile verlegt wurde Die Hessen- Tarmstädtische Poststation tn Frankfurt bestand bis zmn ^ayrs 1<Su3ur weiteren Verbesserung der Postverbindung in seines Lande schloß Ernst Ludwig im Jahre 171^ eE Vertrag mit Sachsen-Weimar, dem zufolge etn Hessisäi-SEisHer "Sammi- ivagenkurs" von Frankfurt über Friedberg, Berstadt, Grunbcrg, Alsfeld, Niederaula und Hersfeld nach El,mach eingerichtet wurde. I Tie Poßwagenerpedition befand sich M Frankfurt im Hess i Palais,

In diesen Münchener Tagen wurden Herzeloide »inch ( ich gute Kameraden. Eigentlich ljatte ich gar nicht so lange , bleiben wollen, sondern die Reise sollte nach Silben gehen. , Aber ichfand mich nicht fort," wie man zu sagen pflegt, , und immer war ich mit den Dani en zniammen. Herzeloide ward mir mit jedem Tage, den wir uns iahen, vertranter. Es war an diesem Mädchen ein so seih am fraulicher Reiz, etwas so Einfaches und Natürliches, das jedes Hofmachen von Anfang an auszuschließen schien, daß ich bald mit ihr sprechen konnte, wie nicht mit anderen jungen Damen Sie war mit mir wie eine Schwester, aber tote eine altere Schwester, wie sie denn auch ein Lebensjahr mehr zahlte denn ich. Und ich begann ihr allmählich al,es Mögliche aus meinem Dasein zu erzählen. Von Schulden, die ich in junger Leutnantszeit gemacht, von dummen Streichen und Albernheiten. .

Die beiden Damen machten mit mir die kleinen Ein­käufe die ich zu besorgen hatte, ehe ich weiterreiste, tau, .en Schlipse mit mir, oder auch ein paar Geschenke für Verwanote und Freunde - Eltern befaß ich nicht mehr, »einem Burschen wollte ich gern etwas mitbnngen und wußte doch nicht was. Da wurde beim v arge schlagen und verworfen, Läden betrachtet, in Gedanken ganz München durchwühl, und schließlich - eine Tabakspfeife gekauft mit bemal-em Kopf, aus dem das Münchener Kindl zu selben war. Dazu hatten wir uns nicht das Nachdenken zu machen brauchen aber es war doch nicht so leicht zu finden geroe|eit, denn das Bier- seidel, das ich vorgeschlagen, hätte meinen Burschen nur 8UTTtH^zewide^lMt/die Pfeife ausgesucht, Mäße, Ansstat- tuna, Preis bestimmt alles. Mir war es als tonnte t ) das ohne sie nicht besorgen, oder würde toemg|tens> gewiß etwas Unpassendes auswählen. _ . .

Wenn ich mit den Damen ausging und hatte einen Stock mit, so fragte ick)-:

Wird es regnen? ,

Keine Wolke stand am Himmel, aber ohne ihren Spruch würde ich es nicht mehr -gewagt haben, mich weit vom Höret zu entfernen. Und ich war erst beruhigt, als Herzeloide mit scheinbar ernster Miene sagte, während ihr doch ein Lächeln nm den Mund zuckte:

Ich bürge für schönes Wetter! ,

Ich geriet förmlich in Knechtschaft und Sklaverei, ^ch blickte bei jedem Schritt zu Herzeloide aus, ob er wohl tote Billigung finde. So verging denn em r,ag nach dem andern, und ich blieb. Frau von Leriftow war manchmal abends müde, und die Damen entarten SU Haus oleiben zu wollen. Das war dann ein Tag, an dem ich Trübsal blies. Ich hatte noch andere Bekannte in München, aber ich suchte sie nicht auf. Ich ging ins Cafe Luitpold, setzte mich dort, toenn er frei war, an den Tisch, an dem ich an jenem ersten Abend allein gesessen, und vor der giatten Marmor­platte, von der Zenzi ober Kathi ,oder wie sie hieß, die mich bediente, diesmal nicht vernachlässigt, leerte ich em GtaK

Auae fiel Sie schienen heute abend zu zucken und JSfÄEin« Pracht.

sagen:Geht nur schweigend dahin, ihr beiden Mensch- Huber Wollt reden? Sprechen wir? Cagt un|er X-iajt genug, das wir hinuntersenben auf eure Erde, solange Men­schen dort zu uns hinaufgeblickt?" rmbfifchen

Und ich fühlte etwas vom Zauber dieser stadtistchen Wr-rrht ii-nh tnar feerxeloibe von Herzen dantoar, für Ihr e&i? ?, bie Ä»e= » f*

S Strnuno und Phnntust- stricht. taufenbmat ihcTit 5ctcrt oft ©djivcißßn. .

Vor dem Hotel, in dem die Damen wohnten, ver- /rUfrbiehete ich mich. Da fiel das erste Wort:

Sehen wir Sie morgen? fragte Frau von Leristoto. Wir verabschiedeten uns, dann küßte ich der Mu.ter die Hand, und zur Tochter sagte ich:

' Gute Nacht, Herzeloide.

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