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Meine Erzählung dieser merÄvürdigen Ereignisse, die unter ebenso bemerkenswerten Verhältnissen geschrieben ist, schließt hiermit. Die kleineren Vorsichtsmaßregeln, welche ich in Limmeridge House beobachtete, sind bereits bekannt — ebenso der süperbe Erfolg meines Unternehmens — i ebenso die soliden pekuniären Resultate desselben. Ich muß mit der ganzen Kraft meiner Ueberzengung versichern, daß die eine schwache Stelle meines Projektes nie entdeckt worden wäre, falls ich nicht zuerst die eine schwache Stelle meines Herzens verraten hätte. Nichts als meine unheilvolle An- betmrg für Marianne hielt mich davon zurück, zu meinem eigenen Schutze herbeizueilen, als sie die Flucht ihrer Schwester bewirkte. Ich lief die Gefahr und baute auf die gänzliche Vernichtung der Identität von Lady Glyde., Falls entweder Marianne oder Mr. Hartright diese Identität zu behaupten wagten, so würde man ihnen nicht geglaubt, sondern Verdacht gegen sie geschöpft haben, und sie waren bann machtlos, mein Interesse oder Percivals Geheimnis in Gefahr zu bringen. Ich beging einen Irrtum, auf eine so blinde Berechnung von Zufälligkeiten zn bauen. Ich beging den Zweiten, als Percival für seine Halsstarrigkeit und Heftigkeit gebüßt hatte, indem ich Lady Glyde eine zweite Gnadenfrist vom Jrrenhause zuteil werden ließ und Mr. Hartright eine zweite Gelegenheit gab, mir zu entwischen. Kurz, Fosco war während dieser ernsten Krisis sich selbst untren. Beklagenswerte, fehlerhafte Inkonsequenz! Seht her — die Ursache desselben, hier in meinem Herzen — erkennet in Marianne Hälcornbes Bilde — die erste und letzte Schwachheit in Foscos Leben! —
Noch ein Wort, und dann soll die Aufmerksamkeit des Lesers freigegeben werden.
Meine eigene geistige Einsicht sagt mir, daß Leute von wißbegierigen Gemütern hier unfehlbar zwei Fragen tun werden.
Erste Frage. Was würde ich getan haben, falls Anna Eatherick nicht zu jener Zeit gestorben wäre? Ich hätte in diesem Falle der erschöpften Natur zur ewigen Ruhe Verholfen. Ich hätte die Tore des Gefängnisses des Lebens ■geöffnet und der Gefangenen (die unheilbar am Geiste wie am Körper litt) eine glückliche Freiheit gegeben.
Zweite Frage. Verdient mein Verfahren ernstlichen Tadel? Nein. Habe ich nicht sorgfältig vermieden, die Gehässigkeit eines unnötigen Verbrechens auf mich zu laden? Mit meiner weiten Kenntnis der Chemie hätte ich Lady Glyde ihr Leben nehmen können. Mit ungeheuren persönlichen Opfern folgte ich den Eingebungen meines Scharfsinnes, meiner Humanität und meiner Vorsicht — und nahm ihr statt dessen ihre Identität. Man beurteile mich nach dem, was ich hätte tun können!
In diesem Land allerdings rechne ich kaum darauf, daß man mit Recht widerfahren lassen wird. In wenigen Stunde»' verlasse ich den englischen Boden auf immer.
Fosc o.
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Walter Hartrights Au s s a g e. Schlußwort.
In einer Viertelstunde, nachdem ich Forest Road verlassen, war ich zu Hause angelangt.
Wenige Worte genügten, um Laura und Mariannen zu erzählen, wie mein verzweifeltes Abenteuer geendet und was das nächste Ereignis unseres Lebens in Wahrscheinlichkeit sein werde. Ich sparte alle Einzelheiten bis später am Tage auf und eilte nach St. Johns Wood zurück, um' den Mann aufzusuchen, von dem Graf Fosco den Wagen gemietet hatte, als er Laura von der Station ahholte.
Die mir gegebene Adresse führte mich zu einem „Lohnkutscher", der ungefähr eine Viertelstunde von Forest Road wohnte. Der Mann war höflich und entgegenkommend. Als ich ihm verständlich machte, daß eine wichtige Familienangelegenheit mich zu der Witte an ihn nötige, daß er in' seinen Büchern nachsehe, um einDatum zu erfahren, von dem dieselben mich würden unterrichten können, zeigte er sich iuillig, mir meinen Wunsch zu gewähren. Das Buch wurde herbeigebracht und da unter dem Datum „den 26. Juli 1850" stand die Bestellung in diesen Worten: \ ,Mrougham für Graf Fosco, 5, Forest Road. Zwei Ahr. (John Owen.)"
/ John Owen war der Kutscher. Er entsann Ich noch der auffallenden Gestalt des Grafen mud sogar des Namens der Dame, die er gefahren hatte, indem zufälligerweise seine Frau als Mädchen ebenso geheißen hatte, wie sie.
Nun fuhr ich mit meinen Papieren unverweilt zu Mr. Kyrle. Dieses Mal hatte ich mehr Erfolg bei ihm, als bei meiner ersten Unterredung; am nächsten Morgen reisten wir mit dem Frühzug ab: Laura, Marianne, Mr. Kyrle, John Owen und ein Schreiber aus Mr. Kyrles Bureau.
Ich brauche wohl nicht die Erschütterung zu beschreiben, der Mr. Fairlies Nerven durch unseren Besuch ausgesetzt wurden. Trotzdem glaube ich aber doch nicht, daß sie die Ursache war, daß nach einem Fahre unser inzwischen geborenes Söhnchen Erbe von Limmeridge wurde.
Die Grabinsch st wurde durch den Namen „Anna Catherik" ersetzt.
Nur einmal noch warf die Vergangenheit ihre Schatten auf unser sonniges Glück: als jener rätselhafte Mord durch die Zeitungen ging, der in Paris an einem ungewöhnlich korpulenten Manne begangen worden war, von dem man nur wußte, daß er Arbeiterkleidung getragen hatte.
Zufällig kam eine Photographie des geheimnisvollen Ermordeten in einer Zeitschrift nach Limmeridge House. Auf den ersten Mick erkannte ich darin den — Grafen Fosco.
Besonderes Aufsehen hatte der Mord deshalb erregt, weil man auf dem Arm des Ermordeten über einer kleinen Tätowierung ein „T" eingeschnitten gefunden hatte.
Mein Freund Pesca, der schon seit über einem Monat um jene Zeit bei uns zu Besuch weilte, behauptete, der rätselhafte Buchstabe könne nur eines bedeuten: nämlich das italienische Wort „trabitore", was Verräter heißt. Alles übrige blieb in Dunkel gehüllt.
Thomas MaMotts §amU enlebm, Vmutfchrl und hochzsit.
Von Gg. Schäfer.
(Fortsetzung aus Nr. 196.)
An der großen Freitreppe stand Moses Maycrfeld mit einem kleinen Blumensträußchen, als Thomas mit der Braut erschien.
„Wie eine Blume zu Saron und eine Rose tin Tale, so schauet ihr ans," sprach Moses zur Braut, wobei er die Blumen überreichte. „Und wem ein tugendsam Weib beschert ist, dce rst tuet edler denn die köstlichsten Perlen," sprach er zu dem Bräutigam. „Und dem ganzen Hause wünsche ich Glück, Segen und Frieden immerdar." _ ,
„Ich dank Euch herzlich, Mo,es!" antwortete Thomas.
„Auch ich danke sehr!" fügte Anna hinzu und reichte dem Manne die Hand. t
„Gv. Joh. 1, 47!" sprach der Vikar zu dem Bürgermeister.,
„Wie heißt es dort?" fragte dieser.
„Ein echter Israelit, in dem kein Falsch ist..
Auf Befehl des Bürgermeisters mußte Mo,es em Stück Kuchen und ein Glas Wein aimehmen. „Sein Mensch darf heute das Wallbottshaus verlassen, der nicht vorher ans die Gesundheit der beiden Paare getrunken hat," lautete der Auftrag an die Aufwärter. , m . „„ , . ,
Der Tanz begann. Braut und Bräutigam eröffneten den 9t et 9 en
Beim zweiten Tanz holte die Braut den Schwiegervater, der Bräutigam tanzte mit der Mutter. Nun kam alles m Bewegung. Wer Beine hatte, mußte sie rühren. Selbst Trauer gilt nicht als Ausrede bei einer Hochzeit, weil diese die Trauer! "^„Aennchen, mein Schwiegertöchterchen!" sprach der Bürgermeister schnaufend und prustend, als der Tanz aus war, „dü schwebst so leicht dahin wie ein Vögelchen. Wenn es so ourchs Leben geht, will ichs loben." ,
„Sonnenschein, Sang und Tanz kann nicht alltäglich fern, antwortete die schöne, glückstrahlende Braut. „Mer ein froher, zufriedener Sinn, neben treuer Pflichterfüllung, wird schon durch- helfen u
„Recht mein Schah!" antwortete der Bürgermeister; „ich bin aber doch neugierig darauf, wann zum erstenmal „das Stühlchen gerückt" wird." *)
Der Tanz ging weiter. Zwischendurch wurden allerlei Späße und lustige Streiche ausgeführt.
Beim Reukers Vetter erwachte plötzlich die Tanzlust.
„Ann-Christine, wir müssen auch einmal tanzen!" rief et seiner Frau zu. , .
„Gelt dir ist zu wohl! Denk an den Esel, der aufs Eis! ging," versetzte seine Frau.
„Ms her, wir tanzen!" rief Renker.
Da stieß der Trompeter in sein Blasinstrument, es würde mäuschenstille. .Wallbott verkündete:
*) Unter dem Ausdruck: „sie haben das Stühlchen gerückt"» versteht man: sie haben den ersten ehelichen Zwist gehabt.


