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Solo, die Männer tanzen! Jeder muß mit seiner FraU diesen Reigen tanzen. Die jungen Leute gehen zur Musik und singen den Reigen mit, daß es ordentlich klingt."

Ter Tanz begann; die Alten kamen Bannt einmal herum, dann singen sie an zu schnaufen und zu pusten.

Jetzt erscholl ein großes Gelächter. Wallbott, der Schalk, hatte den Musikanten befohlen, das Lied zu spielett:Jeder hat sein Kreuz in Händen." Ein starkes Jubeln Und Lachen brach von Neuem los.

Vetter Heibel kam zu Renker.Freut mich!" ries er unbl faßte die dicke Base, die an jenem Tage elf Röcke angezogen hatte, bei der Hand:Ich must mit der Base einen gemütlichen Hops­walzer tanzen."

Ann-Christine wollte nicht, aber Heibel zog und Renker schob, da ging das Hopsen los. Ann-Christine stolperte und fiel nieder,

wobei sie Heibel mitriß.

Freut mich !" rief Pachter Stock. Da kamen andere Paare herangetanzt, die über Ann-Christine und Heibel stolperten. Es gab einen großen Menschenlnäuel.Jeder hat sein Kreuz in Händen" sang die Jugend und die Musik spielte dazu.

Regenbogen und Altweibertänz' sind bald vorüber wie das Echo im Wald," sprach Vetter Schlienbecker zu Renker;komm Vetter, wir gehen hinüber und krustelieren wieder ein wenig."

Renker ließ sich den Vorschlag gefallen. Nach und nach folgten andere Gäste, die Verlangen nach einem guten Bissen hatten. Als der Tag graute, verzogen sich die Gäste.

Jetzt rück' einmal heraus, alter Schatz!" sprach der Bürger­meister, auf dem Bettrand sitzend, zu seiner Frau,wo hat Anna die 10 000 Gulden her?"

Von mir, du alter Schlaukopf!" lachte Regine.

Und wo hast du sie her? Doch nein, ich weiß: aüs dem Milch-, Butter- und Eiergeld. Du hast die Sach' zusammen­gehalten. Tu hast die Armen aber auch sehr unterstützt; wo also kommt es her, Regine?"

Am meisten Arbeit hat das erste Tausend gemacht; dieses And die folgenden haben mitgeholfen. Je mehr ich den. Armen Und Bedürftigen gab, desto reichlicher kam es wieder ein. Es lag Segen darauf."

Gottlob, ja! Regine, du bist ein braves Weib. Du hast auch die Anna gefunden, ich denk', sie lvird zu Glück schlagen."

Das ist mein Wunsch und mein Gebet. Als ich das Mäd­chen so an dem alten Weibchen herum hantieren sah, rief eine Stimme in mir: das ist etwas sür deinen Sohn."

Recht, meine Alte! Und nun mit frischem Mut ins neue Leben hinein."

Bei Großknecht Matthes Brück ging es nicht minder hoch her, wie bei der Herrschaft. Am meisten freute sich Matthes auf seine Leibspeise: den Hirsebrei.

Fein mit Butter geschmelzt, mit Zucker und Zimmt be­streut wird dein Hirsebrei!" sprach die Köchin. ,^Kein Baron, kein Graf kriegt ihn besser als du. Vor dem Schlafengehen mußt du ihn essen, er gibt Kraft zu guten Vorsätzen. So ist es

hier Gebrauch." I

Recht Köchin, mach' deine Sach' gut", antwortete Watches, der mit Sehnsucht auf den Hirsebrei iöartete, denn der beim Mittagessen gebotene Brei war nicht ganz so ausgefallen, wie der in Aussicht gestellte. _

Neben Scholzehannjers wohnte die Witwe Eva Spatz, ge­nannt Pfeifestoppers Ev'. Sie hatte einen fünfzehnjährigen Sohu Michel; er etwas klein von Statur, aber gewandt wie eine Matze und ebenso naschhaft. Michel hatte tagsüber schon manchen guten Bissen bei Scholzehannjers geschluckt, nur keinen Hirsebrei; fiir diesen ließ er sich totschlagen. Er hörte, wie Matthes den Hirsebrei bestellte, der die letzte Kost des Bräutigams, vor dem Schlafengehen sein sollte. Davon muß ich auch meinen Teil haben! gelobte Michel bei sich selbst.

Mitternacht war vorüber. Die Köchin bereitete den Hirse­brei und stellte ihn warm. Dann nahm sie noch einen Schluck Ulrichsteiner" und setzte sich hinten in die dunkelste Ecke der Küche. Nach wenigen Minuten verfiel sie in einen festen, tiefen Schlaf. Sie hatte zwanzig Stunden angestrengt gearbeitet.

Michel war draußen umher geschlichen, wie der Marder, der ;ein Hühnerhaus berauben will. ,,

Jetzt wirds gelingen!" sprach Michel, als er die Köchin schnarchen hörte. Er zog die Schuhe aus, schlich m die Küche, goß soviel Brei in einen mitgebrachten hölzernen Teller als hinein ging, deckte die geleerte Schüssel wieder zu und huschte davon. Zuhause löffelte er die köstliche Speise schnell hinunter fast konnte er sie nicht ganz zwingen, dann schlüpfte er in

das Bett. , _ , r,,r.

Um die dritte Morgenstmide machte die Hochzeitsgesellschaft

Anstalten zum Weggehen.

Den Hirsebrei!" rief Matthes zur Türe hinaus.

Die Köchin fuhr aus dem Schlafe, sie ergrtf sdie Schussel sund trug sie hinein vor den Bräutigam.

Dieser hob den Deckel von der Schüssel, sie Ivar leer.

Was ist mit dem Brei geschehen?" rief Matthes; zornig schaute er die Köchin, die Braut, die Schwiegermutter und die Kaufte an

Alle waren sprachlos. Empört über diese Behandlung, warf Matthes die Schüssel in die Ecke, daß sie in Stücke zersprang,

dann rief er:Wer den Hirsebrei gefr.....hat, mag auch

bie Braut heimführen, sie gehört dem Lchrer, er hat zuerstja" gesagt. Und ich mach mir nichts aus der Lore!"

Nach diesen Worten riß er die Türe aus und lies in den Wallbottshof, wo er in dem kleinen Stübchen neben dem Pferde­stall in fein noch nicht besetztes Bett schlüpfte.

Arn frühen Morgen fanden die Scholzehannjeru und die Köchin heraus, daß Pfeifestoppers Michel den Brei gestohlen hatte: seine Schuhe, die er im Hofe stehen ließ, hatten ihn verraten.

Zornentbrannt rückten beide zu Pfeifestoppers Ev und fragten

nach Michel.

Ter wollte gerade herausschllipfen, da faßte ihn die Scholze- hannjeru beim Wickel und bearbeitete sein Hinterteil mit einem bereit gehaltenen Latteustück.

Michel schrie, daß man ihn über drei Häuser hörte.

Nun hast du dein Fett!" rief die Köchin, als sich die Scholzehannjern müde gellopft hatte.Geh hin und schmelz deine Suppe mit." Darauf eilten beide stolz hinweg.

Michelchen rieb die getroffenen Körperteile, daun lachte er.

Brauchst auch noch zu lachen!" zürnte seine Mutter.

Ich hab zwei Hosen und zwei Jacken angezogen, weil ich mir dachte, daß die Scholzehannjeru kommen würde. Tie Prügel taten nicht weh, wenn ich auch heftig schrie; ich hab sie bald eingerieben und vergessen. Aber den guten Hirsebrei vergeß ich mein Lebtag nicht." , ,

Nachdem Michel abgestraft war, lief die Köchin in den Wall bottshof, wo sie den Ausrisser vermutete. Sie erzählte Matthes wie sich die Sache zugetragen hatte.

Ueberleg doch!" sprach sie,Pfeifestoppers Bub kann bu Lore nicht heiraten und der Lehrer hat feine Frau."

Ich mach mir nichts aus der Lore, sie kann mich laufen lassen," murrte Matthes.

O du Klnghans!" rief die Köchin.Die Lore hat schönes Sach, aber du hast nichts. Wenn du alt und steif bist, wirst du ausrangiert tote ein lahmer Postgaul!"

Das tut der Bürgermeister nicht!" versetzte Matthes.

Meinetwegen! aber überflüssig wirst du wie ein Wurst- schnipfel. Dann dankst du deinem Herrgott, wenn du warm bet der Lore sitzest, he? Und bie alle Scholzehannjern spart noch etwas dazu, he? Du machst dir nichts ans Lore! 'Xie Lieb wird im Liegen gut wie die Holzäpfel und mürbe nut der Zeit, wie die Schlehen." .

Der schlechte Streich hat mich zu feljr. geärgert u>id die Lore guckt mit einem Aug ins Haberfeld, sie hat eine Warze auf der Nase und einen Schnurrbart unter der Nase. Das habe ich jetzt erst deutlich gesehen," erwiderte Matthes mit etwas weniger ZEOhaa!" rief die Köchin.Ter schlechte Streich hat dir viel gutes gebracht, denn ich habe dir eine doppelte Portion Hirse- brei gekocht. Lore stand neben mir, sie hat mu die Kunst ab­gelernt. Schönheit vergeht, aber Tugend besteht. Das Haus und die Aecker decken Schnurrbart und Warze zu. Jeden Sonntag sollst du deine Leibspeis haben. Ohne den Diebstahl wäre dies nicht so geworden. Jetzt auf und vorwärts, deine Leibspeis wartet auf dich und jeden Tag gibts ftischen."

Ich glaub, du hast recht, Bärbel!" antwortete Matthes; er griff nach seinem Hut, ging mit, verspeiste seinen Hochzeits- Hirsebrei nachträglich und die Hauptsache war: er kam spater mit Lore gut aus. «i-n

Im Wallbottshause tienammclten sich die einheimischen Gaste am folgenden Tage noch einmal, um bieUres", d. h. die Heber» bleibsel, zu verzehren, sowie die Hochzeitsgeschenke zu betoimbern. Es wurden auch noch lustige Streiche gemacht, bann war die Hochzeit vorbei, voii der noch nach vielen Jahren erzählt würbe, (Fortsetzung folgt.)

Dom Ainder-weihnachisbarM.

An einem Dezember abend las ein Baier, wührendJeiii Junge im Zimmer spielte, der Mutter vor, was Göhre im Weihnachts- heste des Kunstwarts über den schniuckloseii Christbaum für Er­wachsene geschrieben hatte. Ta fragt der Meine mit Besorgnis: Aber nicht wahr, bei uns wirds nicht so? Was Gohre ge­schrieben hat, bleibt durchaus im Recht, aber Erwachsene, und Kinder sind zweierlei, und die Kinder denken alle ime meines. Ihr Herz hängt an golbigen Aepseln und Nüssen und schäum, darin sich der Lichterglanz spiegelt, ihr Herz hangt am -Aarchen- baum. Sie können sich auch nichts Lieberes denken, als bei der Ausschmückung des Baumes mitzuhelfen. Eltern und Erzieher sollten daher zeitig genug die Frage bebenfen, wie zur ^oeihuacht der Kinber-Baum geschmückt werden soll, und von vornherein auf kompletten Christbaumschmuck",, mit baffen Hilfe die ganzeAn- aeleaenheit" in einer Viertelstunde erledigt werden kann, vei- zichten. Tie ganze Familie soll wieder mithin, wie das vor etwa dreißig Jahren war. Damals bildeten Lllpfel, Nüsse und Pfeffer.- kuchen die herkömmlichen Schmuckinittel, und gleichsam zur Krönung der Arbeit wurde schimmernbes ChrisMndleinhaar hinzugesngt. Heute ist diese Ueberlieferung meist durchbrochen; die Mittel und Möglichkeiten einer Ausgestaltung sind unenblici) reicher ge­worden, uiid das Ergebnis da es vielfach an .Geschmack, Zeit oder guter Anregung fehlt sind bie geschmacklosen, überladenen