Ich gab ihm meinen Unwillen darüber zu verstehen, indem ich mich schweigend von ihm abwandte.
In demselben Augenblick legte der Graf ihnt seine Hand auf die Schulter und sagte in überredendem Tone:
Mein lieber Percival! — sachte! sachte!
Sir Percival blickte sich zornig um. Der Graf sah' ihn scharf an.
Sir Percival zögerte, ging mir ein paar Schritte nach und machte mir zu meinem größten Erstaunen eine Entschuldigung.
Ich bitte um Verzeihung, Miß Halcombe, sagte er. Mir ist in letzter Zeit nicht recht wohl gewesen, und ich fürchte, es hat mich etwas reizbar gemacht. Aber ich möchte gern wissen, was in aller Welt Mrs. Catherick hier wollte. Wann kam sie? War die Haushälterin die einzige Person^ die sie sah?
Ich würde einfach die Haushälterin befragen, bemerkte der Graf trocken.
Ganz recht! sagte Sir Percival. Natürlich ist die Haushälterin die rechte Person zu befragen. Sehr dumm von mir, das nicht gleich zu sehen. — Mit diesen Worten verließ er uns augenblicklich, um zum Hause zuriickzukehren.
Des Grafen Beweggrund, den Vermittler zu machen, verriet sich, sowie Sir Percival den Rücken gewandt hatte. Er hatte mir eine Masse Fragen über Mrs. Catherick und den Zweck ihres Gesuches irr Blackwater Park vorzulegen, die er in seines Freundes Gegenwart kaum hätte tun können. Ich machte meine Antworten so kurz, wie es die Höflichkeit zuließ — denn ich hatte bereits beschlossen, jeder Annäherung zu vertrauten Mitteilungen zwischen dem Grafen und mir von vornherein entgegenzutreten. Laura half ihm jedoch unbewußterweise, indem sie selbst mir Fragen vorlegte, die mir keine andere Wahl ließen, als entweder sie zu beantworten, oder allen beiden in dem sehr falschen und wenig beneidenswerten Charakter einer Mitwisserin von Sir Percival zu erscheinen. Das Ende davon war, daß in ungefähr zehn Minuten der Graf ebensoviek über Mrs. Catherick und über die Ereignisse wußte, die uns auf so seltsame Weise mit ihrer Tochter Anna in Verbindung gebracht hatten, als ich selbst, und ztvar von dem Augenblicke an, wo Walter Hartright ihr begegnete, bis auf diesen Tag.
Die Wirkung dieser meiner Auskunft auf ihn war in einer Beziehung ziemlich bemerkenswert. So intim er auch mit Sir Percival ist, und so gut er auch von dessen Privatangelegenheiten im allgemeinen unterrichtet zu sein scheint, ist er doch offenbar ebenso weit entfernt wie ich, etwas von der wahren Geschichte von Anna Catherick zu wissen. Das ungelöste Geheimnis in Bezug auf diese unglückliche Frau wird jetzt in meinen Mgen doppelt verdächtig durch die feste Uebcrzeugung, daß Sir Percival den Schlüssel zu demselben selbst seinem vertrautesten Freunde vorenkhalten hat. Es war unmöglich, die eifrige Neugier in den Micken uit6
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Mittwoch den 18. Oktober
Die weiße Frau.
Roman von W. Collins.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Laura stand nahe genug, um das letztere Wort, so leise es auch gesprochen ward, zu hören. Sie wandte sich mit einem Blick des Schreckens zu mir.
Unsinn, mein Herz, sagte ich. Es ist kein Grund zur Unruhe vorhanden. Es ist nichts, als das Blut eines verlaufenen kleinen Hundes. ,—
auf iUimit erstaunt und richteten fragend ihre Blicke
Woher wissen Sie das? frug Sir Percival, zuerst das Wort nehmend.
Ich fand den Hund hier int Sterben an dem Tage, wo Sie alle von der Reise ankamen, erwiderte ich. Das arme Tier hatte sich in den Anlagen verlausen und wurde von Ihrem Wildwärter dafür angeschossen.
Wem gehörte der Hund? frug Sir Percival. Es war doch nicht einer von den meinigen?
Nein, keiner von den Ihrigen.
Wessen also? Wußte die Haushälterin es?
In idem Äugenblicke, wo er die Frage tat, fiel mir ein, daß die Haushälterin gesagt hatte, Mrs. Catherick wünsche nicht, daß Sir Percival etwas von ihrem Besuch in Blackwater Park erfahre. Doch war ich in meiner Besorgnis, die allgemeine Unruhe zu beseitigen, unvorsichtigerweise zu weit gegangen, um zurückzutreten, ohne dadurch einen Verdacht zu erregen, der die Sache nur noch verschlimmert hätte. Es blieb mir also nichts weiter übrig, als sofort und ohne alle Rücksichtnahme auf etwaige Folgen zu antworten.
Ja, sagte ich. Die Haushälterin kannte ihn. Sie sagte mir, er gehöre Mrs. Catherick.
Sir Percival war bisher mit dem Grafen innerhalb des Boothauses geblieben, während ich von der Wre aus zu ihm sprach. Wer sowie ich Mrs. Cakhericks Namen aussprach, drängte er sich ungehalten an dem Grafen vorbei und stellte sich unter dem Hellen Tageslichte mir dicht gegenüber.
Wie kam die Haushälterin dazu, zu wissen, daß der Hund Mrs. Catherick gehöre? frug er.
Sie wußte es, sagte ich gelassen, weil Mrs. Catherick den Huird mitbrachte.
Ihn mitbrachte? Wohin brachte sie ihn mit?
.! Ins Haus.
Was zum Teufel hatte Mrs. Catherick int Hause zu tun?
Die Art und Weise, in welcher er die Frage tat, war fast noch beleidigender als die Ausdrücke, deren er sich bediente.


