Ausgabe 
18.9.1911
 
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MstalbÄl mit einem Gesamtpersonal von 5236 Köpfen. Bei der Ober-Postdirektion waren im Jahre 1867 neben dem Ober-Post­direktor 1 Postrat, 2 Oberpostinspektoren und 26 weitere Beamte beschäftigt, gegenwärtig dagegen 6 Posträte, 6 Ober-Postinspek­toren, 2 Postinspektoren, 14 Ober-Postpraktikanten und 64 weitere Beamte und Beamtinnen.

Die Zahl der amtlichen Verkaufsstellen für Postwertreichen Und der Postbrieftasten betrug im Jahre 1907 1218 und 2927. gegen 34 und 732 im Jahre 1872.

Die Telegraphenlinien hatten im Jahre 1907 eine Länge von 2592 Kilometer gegen 957 Kilometer im Jahre 1877. Die Zahl der Sprechstellen und der im Betriebe befindlichen Fern- sprechapparate ist von 47 und 57 im Jahre 1883 auf 13 137 und 13879 im Jahre 1907 gestiegen.

In welchem Maste die einzelnen Leistungen der Post und Telegraphie gewachsen sind, ersieht man daraus, daß seit 1861 die Zahl der eingegangenen Briefseitdungen von rund 4i/2 Mil­lionen auf rund 92 Millionen, die der eingegangenen Pakete von rund 419 000 auf 41/» Millionen und seit 1877 die Zahl der Angegangenen Telegramme von 198105 auf 702 626 und die der aufgegebenen von 187 286 auf 658 304 gestiegen ist.

Gesunken ist nur die Zahl der eiugegangenen und aufge- aebenen Wertsendungen. Während z. B. im Jahre 1861 102 410 Wertpakete und 220 952 Wertbriefe eingegangen waren, sind im Jahre 1907 nur 64326 und 144 299 Stück angekommen.

Die bedeutende Verminderung dieses Verkehrszweiges ist auf die Ausgestaltung des Postanweisungsdienstes, durch dessen be- queme bankmäßige Zahluugsvermittelung die umständliche Natural­versendung der Gelder zum großen Teile erseht wird, zurückzu- juhren. Im Jahre 1861 sind 5906 Postanweisungen mit 47 216 ft., 1907 dagegen 3>/z Millionen mit rund 235 Millionen Mark aus­gezahlt worden. Die Zahl der eingezahlten Postanweisungen stieg von 719 522 Stück mit 40827 541 Mark im Jahre 1877 auf 31/« Millionen Stück mit 227 Millionen Mark im Jahre 1907.

Auster durch den Postanweisnngsdienst beteiligte sich die Post in den letzten Jahrzehnten auch durch das Postnachnahmc-, Auf­trags- und Giroverfahren in umfangreichem Maste am Bank- und Geldverkehr. An Nachnahmen und Postaufträgen gingen int Jahre 1873 148 014 und 13914 Stück, im Jahre 1907 984138 und 141 775 Stück ein.

Die Entwicklung des Postzeitungswesens hat mit der der Übrigen Dienstzweige gleichen Schritt gehalten. Im Jahre 1861 wurden bei den hessischen Postanftalten rund 1 Million Zeitungs- Nummern, im Jahre 1907 dagegen bereit 18 Millionen ausgeliefert.'

So bietet die Geschichte des Postwesens im Grostherzogtum Hessen ein Bild gewaltigen Fortschritts. Die Post entwickelte sich durch den allmählichen Ausbau des Netzes ihrer Verkehrsanstalten, durch die Einbeziehung immer weiterer Zweige des wirtschaft­lichen Lebens in ihren Wirkungskreis und durch ihre Tätigkeit auf ihr an sich fremden Gebieten wie bei der Stempelsteuer­erhebung, der Unfall- und Invalidenversicherung und den Wohl­fahrtseinrichtungen des llufall-, Wasser- und Wettermeldedienstes zur vielseitigsten Verwaltung und zu einer Lebensbedingung für Handel und Industrie,

verlorene Erben.

Unter den vielen Europäern, die in dein Dollarlands spurlos verloren gegangen sind, befindet sich eine erstaunlich große Anzahl englischer Adliger, die Ansprüche auf die höchsten Ädelstitel und Adelsgüter haben. Ein sacvkundiger Aufsatz von F. Cunliffe Diven inMunsey's Magazine" gibt darüber überraschende Ausschlüsse.

Der englische Baron Sir Arthur Eurtis, der dritte der Lmie, ist seit dem Juni 1898 verschwunden. Seine letzte Spur findet sich int Goldlande Klondike. Sein Reisegefährte Roger Poeock hat vor einiger Zeit in London ein Buch veröffentlicht, in dem er sein letztes Beisammensein mit Sir Arthur Curtis erivähnt. Die beiden Reisegefährten gerieten in Streit und Sir Arthur Curtis entfernte sich in Begleitung eines indianischen Führers von dem Goldgräberzuge und seitdem hat man nichts wieder von ihm ge­hört. 12 Jahre später ließ Sir Roger Curtis, der Sohn des Ver- mitzten und jetziger Inhaber der Baronetswürde, durch die Be­hörden von Britisch-Colurnbia Nachforschungen anstellen, jedoch war keine Spur mehr von seinem Vater aufzufinden. Aehnlich ist das Schicksal eines Mannes, der Anspruch auf die E a r l w ü r d e von Leitrim hat. Der jetzige Lord Leitrim und Inhaber der Würde, der Bruder des Verschollenen, weiß nur, daß sein Bruder seine Heimat verlassen hat, weil er nicht das Leben der retchen englischen Adligen führen, sondern sich durch seiner eigenen Hände Arbeit ernähren ivollte. Obwohl er reich begütert war, ging er an Bord eines Schiffes als Heizer nach den Vereinigten Staaten, vielleicht ist er dort unter einem angeltommenen Namen in das amerikanische Heer eingetreten. Die widersprechendsten Nachrichten über ihn kamen nach England: bald sollte er unter einem Deck­namen in Kansas City in einem Krankenhause gestorben sein, dann sollte er als Cowboy in Texas, ein aitdermal als Goldgräber in Klondike gesehen worden sein. Die Aufrufe, die Lord Leitrim fast alljährlich in amerikanischen Blättern erläßt, in denen der Ver­mißte ganz ausführlich beschrieben wird, find bisher ohne Erfolg

geblieben. Ebenso ungewiß ist das Schicksal eines englischen Offi­ziers, des Frederick Fermor Hesketh, des zweiten Sohnes des Sir Thomas Fermor Hesketh. Dieser Fall stammt aus der jüngsten Vergangenheit, denn es ist noch kein volles Jahr ver­flossen, seit der junge Leutnant verschwunden ist. Bei seinem Truppenteil wurde der Vermißte alsohne Urlaub abwesend" auf­geführt, da man zunächst nur glaubte, er habe seine Urlaubszeit überschritten. Als aber Monate vergingen, ohne daß man etwas von ihm hörte, nahmen auch die Militärbehörden an, daß irgend ein Geheimnis hinter der Sache stecken müsse und strichen den zweideutigen Vermerk neben seinem Namen, der ihn gewissermaßen als Fahnenflüchtigen stempelte. Bisher hat man von dem Ver­mißten noch nichts auskundschaften können.

Als der fünfte Earl von Shannon starb, vergingen zwei Jahre, bis der rechtmäßige Inhaber der frei gewordenen Adels­würde anfgefunden werden konnte. Auch er war in den Ver­einigten Staaten, jedoch gelang es, seine Spur zu ermitteln. Er hatte in allen möglichen Stellungen gearbeitet und wurde zyletzt in Neumexiko als Cowboy aufgefunden. Als er hörte, daß ihm die Earlswürde zugefallen sei, zögerte er natürlich keinen Augen­blick, diesen guten Posten gegen den schlechten des Cowboys umzu­tauschen. Die Reihe der verschollenen englischen Adligen in den Vereinigten Staaten ist hiermit längst nicht abgeschlossen, vielmehr führt Cunliffe Owen noch eine ganze Reihe mit Namen auf und berichtet von ihren Schicksalen, soweit sie bekannt geworden sind.

K. F.

Vermischter.

kf. Die Ang st vor der Schwiegermutter spukt bei Uns höchstens noch in den Witzblättern; dahingegen bei den Nav'ajos in Neu Mexiko ist sie eine wirkliche, und zwar .Herz und Nieren angreifende Angst, die sich als eineewige Krank­heit" von Geschlecht zu Geschlecht sorterbk. Die Ehemänner, selbst die größten und stärksten, greifen dort, wieEl Diario" erzählt, nach jedem Mittel, um nicht mit der Mutter der eigenen Gattin zusammenzustoßen. Wenn einer unglücklicherweise das Wort an die Schwiegermutter gerichtet hat, so gerät der ganze Stamm in Aufruhr und legt dem Uebeltäter ein strenges Reinigungsfasten auf, das mehrere Tage dauert und dazu bient, den Zorn deS großen Geistes zu besänftigen. Nicht selten sieht man einen mächtigen Mann mit aller Schnelligkeit, dessen seine Beine fähig find, Reißaus zu nehmen und sich im dunkelsten Winkel seiner Hütte verbergen, nur weil er von ferne irgendwo seine Schwieger­mutter erblickt hat. Diese Furcht vor der Schwiegermutter herrscht bei fast allen wilden nordamerikanischen Stämmen. Bei den Beminolen in Florida ist es dem Schwiegersohn streng verboten, der Mutter seiner Frau ins Angesicht zu sehen, geschweige denn, sie anzureden. Wenn sie sich zufällig einer in der Nähe des anderen befinden, so kehren sie einander gegenseitig den glücken zu, und falls es für sie einmal erforderlich ist, einander eine Mitteilung zu machen, so wird dies durch eine dritte Person bewerkstelligt, Wei den indianischen Tinneh, die an den Ufern des Mackenzie leben, darf der Schwiegersohn nicht einmal den Namen seiner Schwiegermutter einem "Dritten gegenüber aussprechen. Wenn der Name doch einmal dem Gehege seiner Zähne entschlüpft ist, wirft er sich sofort mit allen Zeichen des Schreckens auf den Erdboden und schreit:Ich habe gesündigt, ich habe gesündigt!" Denn sonst bedeckt sich alsbald sein ganzer Körper und zumal seine Nase mit Geschwüren schlimmster Art. Auch bei den Tatu in Kalifornien darf ein Manu nicht seiner Schwiegermutter ins Auge sehen, sondern er muß sich immer wenigstens in einer .be­stimmten Entfernung von ihr halten.

Tauschratsel.

Dieb Ohr Wurst Alba Hofen Wagen Ulm Leid Tadel Hammer Enkel Bund Fuge Bebel Rest Ober Wache.

Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebeusoviele neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben einen modernen Dichter und den Titel eines seiner Dramen bezeichnen.

Auflösung in nächster Nummer.

M. dU

M. a7

1. V.

2. V. bA

6 21 14 14 15 21

6

3. V.

4. V.

5. V.

6. V.

b8 cD cK dK

cA cZ dA aA

Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr = Treff, p Pique, c Coeur, car Carreau, trB = Treff-Bube, pA Pique-, eD Coeur-Dame u. s. f. Im Skat lag noch cA; der Spieler drückt al) und bD. Mittel­hand hatte: dU, aK, a8, a7, bK, b8, cK, cD, dZ, dK, Hinterhand die übrigen. Verlauf des Spieles:

M. M. M.

M.

H. = + H. bZ = - - H. v7 = -- e8 = -f- $. d7 = + £>. aZ = 4~ Skat: = +

Sa. = 4-97 Augen.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.